5,9 Billionen Dollar: Warum Vermögensverwalter jetzt handeln müssen
Alexandra Weck | A. Weck Consulting
Stell dir vor, du verlierst acht von zehn Kunden – nicht weil du schlechte Arbeit geleistet hast, sondern weil du die falsche Generation ansprichst. Genau das droht gerade der gesamten Vermögensverwaltungsbranche.
Der brandneue UBS Billionaires Ambitions Report 2025 liefert Zahlen, die aufhorchen lassen: 5,9 Billionen Dollar wechseln allein bei Milliardären in den nächsten 15 Jahren den Besitzer. Und wer jetzt denkt, das betrifft nur die Berater der Super-Reichen, der irrt gewaltig. Denn was sich bei den Milliardären abspielt, ist nur die Spitze eines viel größeren Eisbergs, der auch High-Net-Worth- und Ultra-High-Net-Worth-Kunden erfasst.
Die fünf Erkenntnisse aus dem UBS-Report
Vermögensexplosion und ein historischer Generationswechsel
Das Gesamtvermögen aller Milliardäre kletterte 2025 auf einen Rekordwert von 15,8 Billionen US-Dollar – ein Plus von 13 Prozent binnen zwölf Monaten. 196 neue Milliardäre sind allein in diesem Jahr entstanden, quer durch alle Branchen von Genetik über Infrastruktur bis Restaurants. Reichtum entsteht also längst nicht mehr nur im Silicon Valley.
Spannender wird es beim zweiten Punkt, dem regelrechten Erbschaftstsunami: 91 Menschen wurden 2025 durch Erbschaft zu Milliardären, zusammen mit einem Vermögen von 297,8 Milliarden Dollar. Laut UBS-Prognose werden in den kommenden 15 Jahren mindestens 6 Billionen Dollar an die Kinder von Milliardären übergehen. Rechnet man das auf alle vermögenden Privatkunden hoch, entsteht der größte Vermögenstransfer der Geschichte.
Die dritte Erkenntnis betrifft die Werte: 82 Prozent der befragten Milliardäre mit Kindern wünschen sich, dass ihr Nachwuchs eigene Fähigkeiten entwickelt statt nur auf dem geerbten Vermögen zu sitzen. Die junge Generation selbst schätzt vor allem drei Dinge höher als ihre Eltern: technologische Innovation, Lifestyle und Impact Investing. Und diese Werte kommunizieren sich digital, nicht auf dem Golfplatz.
Viertens spielt Mobilität eine wachsende Rolle: 36 Prozent der befragten Milliardäre sind bereits umgezogen, weitere 9 Prozent denken darüber nach – aus Gründen wie Lebensqualität, Geopolitik und Steueroptimierung. Während die Schweiz von diesem Trend profitiert, verlieren Länder wie Deutschland zunehmend vermögende Privatpersonen, was die Zielgruppe für dortige Berater weiter schrumpfen lässt.
Fünftens verlängert sich die Lebenserwartung: 44 Prozent der Milliardäre erwarten, deutlich länger zu leben als noch vor zehn Jahren. Nachfolgeplanung wird dadurch komplexer, Übergaben verzögern sich – kommen aber am Ende mit umso größerer Wucht.
Warum so viele Kunden verloren gehen

Von zehn Mandanten bleiben nach der Erbschaft keine zwei – acht wechseln den Vermögensverwalter.
Drei Probleme erklären diesen dramatischen Verlust:
- Das Beziehungsproblem: Die meisten Berater kennen die Kinder ihrer Mandanten nicht persönlich. Fehlt die Bindung, fehlt beim Generationswechsel auch das Vertrauen.
- Das Kommunikationsproblem: Die junge Generation informiert sich online – über LinkedIn, Google, Peers. Wer digital unsichtbar ist oder eine veraltete Webseite hat, existiert für diese Zielgruppe schlicht nicht.
- Das Werteproblem: Impact Investing, Nachhaltigkeit und Technologie sind der jungen Generation wichtig. Wer diese Themen nicht im eigenen Angebot verankert, verliert automatisch an Relevanz.
Fünf Strategien, um jetzt die Weichen zu stellen
Die gute Nachricht: Die meisten Vermögensverwalter schlafen noch. Wer jetzt aktiv wird, sichert sich einen echten Vorsprung.
| Strategie | Konkrete Maßnahme |
|---|---|
| Digitale Sichtbarkeit aufbauen | LinkedIn, YouTube und Podcasts nutzen, um Expertise und Persönlichkeit zu zeigen |
| Next Generation einbinden | Family-Governance-Workshops und Next-Gen-Events schon heute anbieten |
| Positionierung schärfen | Klare Antwort auf die Frage formulieren, warum Kunden ausgerechnet zu dir kommen sollten |
| Impact & Innovation integrieren | Themen wie Nachhaltigkeit, KI und Technologie aktiv besetzen |
| Systematisieren statt hoffen | Ein System zur Kundengewinnung und -bindung aufbauen statt auf Empfehlungen zu warten |
Besonders die digitale Sichtbarkeit ist entscheidend: Googelt ein potenzieller Kunde deinen Namen und findet nichts oder nur veraltete Profile, bist du für diese Generation praktisch nicht existent. Guter Content, der zeigt, dass du die Themen der jungen Generation verstehst, ersetzt hier die klassische Kaltakquise.
Ebenso wichtig: Baue die Beziehung zur nächsten Generation auf, bevor der Vermögensübergang ansteht. Frag deine bestehenden Mandanten direkt, ob ihr die Kinder kennenlernen könnt. Das schafft Vertrauen, lange bevor es überhaupt nötig wird.
Fazit: Das Zeitfenster schließt sich
Der UBS-Report macht deutlich: Der größte Vermögenstransfer der Geschichte ist bereits in vollem Gange. Die nächste Generation tickt anders – digitaler, werteorientierter, internationaler. Wer jetzt nicht sichtbar wird und aktiv Beziehungen zur Next Generation aufbaut, verliert in den kommenden Jahren einen Großteil seiner Mandate. Die Zeit für Zögern ist vorbei. Nutze die nächsten Monate, um deine digitale Präsenz zu schärfen, deine Positionierung klar zu definieren und den Kontakt zur nächsten Generation deiner Kunden aktiv zu suchen. Beobachte dich selbst: Wann hast du zuletzt mit einem Mandanten über dessen Kinder gesprochen?
Betrifft der UBS-Report wirklich nur Berater von Milliardären?
Nein. Der beschriebene Vermögenstransfer und Generationswechsel findet in kleinerer Dimension auch bei High-Net-Worth- und Ultra-High-Net-Worth-Kunden statt, die deutlich mehr Vermögensverwalter betreuen.
Warum wechseln so viele Erben ihren Vermögensverwalter?
Hauptsächlich, weil keine persönliche Beziehung zur nächsten Generation besteht, die Kommunikationswege nicht passen und die Werte des Beraters nicht mit denen der jungen Kunden übereinstimmen.
Wie kann ich als Berater digital sichtbarer werden?
Baue eine aktive Präsenz auf Plattformen wie LinkedIn oder YouTube auf, veröffentliche Inhalte, die deine Expertise zeigen, und sorge dafür, dass dein Online-Auftritt aktuell und professionell ist.
Muss ich selbst Experte für Themen wie KI oder Impact Investing sein?
Nein, es reicht zu zeigen, dass du diese Themen verstehst oder verstehen willst – etwa durch Weiterbildung oder das Organisieren von Diskussionsrunden mit echten Experten.
Wie schnell muss ich jetzt handeln?
Sehr schnell. Durch die zunehmende Content-Flut durch KI wird persönliche Bekanntheit in den nächsten zwei Jahren immer wichtiger – wer jetzt nicht sichtbar wird, hat es später deutlich schwerer.