Altersvorsorgedepot: Warum diese neue Förderung auch für Selbstständige alles ändert

Das neue Altersvorsorgedepot löst ab 2027 die Riester-Rente komplett ab.

Das neue Altersvorsorgedepot löst ab 2027 die Riester-Rente komplett ab.

Stell dir vor, du könntest fürs Alter vorsorgen, ohne auf starre Garantien und teure Versicherungsmäntel angewiesen zu sein – und der Staat packt ordentlich was obendrauf. Genau das macht das neue Altersvorsorgedepot möglich, das seit dem 8. Mai 2026 final mit dem Altersvorsorgereformgesetz beschlossen ist und ab dem 1. Januar 2027 in Kraft tritt. Die gute Nachricht: Erstmals sind auch Selbstständige und Freiberufler förderberechtigt. Das Altersvorsorgedepot gilt als die moderne Weiterentwicklung der Riester-Rente – flexibler, transparenter und renditeorientierter. Doch was steckt wirklich dahinter? Und lohnt sich das Ganze für dich?

Die wichtigsten Neuerungen im Überblick

Das Altersvorsorgedepot bricht mit vielen alten Riester-Prinzipien und setzt auf kapitalmarktorientiertes Sparen. Hier sind die zentralen Punkte, die du kennen solltest:

Schluss mit der 100-Prozent-Beitragsgarantie

Die oft kritisierte Beitragsgarantie der klassischen Riester-Rente fällt weg. Das klingt erst mal riskant, eröffnet aber völlig neue Möglichkeiten: Dein Geld kann jetzt in renditestarke Anlagen wie kostengünstige Fonds und ETFs fließen. Statt auf Nummer sicher zu gehen und dabei kaum Rendite zu erzielen, setzt das neue System auf langfristiges Wachstum am Kapitalmarkt. Das Risiko wird durch die lange Ansparphase und breite Streuung abgefedert.

Echtes Wertpapierdepot statt Versicherungsmantel

Schluss mit komplizierten Versicherungskonstruktionen: Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes, kapitalmarktorientiertes Wertpapierdepot. Keine versteckten Kosten, keine undurchsichtigen Provisionen. Du investierst direkt in Fonds – transparent und nachvollziehbar. Für das staatliche Standarddepot gilt sogar eine Kostenobergrenze von maximal 1 Prozent Effektivkosten pro Jahr.

So funktioniert die staatliche Förderung

Jetzt wird's konkret: Für jeden Euro, den du einzahlst, gibt der Staat richtig was dazu. Die Systematik ist gestaffelt:

  • Für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr erhältst du eine Grundzulage von 50 Cent pro Euro – also bis zu 180 Euro geschenkt.
  • Für weitere Beiträge bis zu 1.440 Euro gibt's immer noch 25 Cent pro Euro zusätzlich.
  • Insgesamt kannst du bis zu 1.800 Euro pro Jahr einzahlen (150 Euro monatlich).
  • Die maximale Grundzulage liegt bei 540 Euro pro Jahr.

Klingt kompliziert? Ein Beispiel: Zahlst du 1.800 Euro im Jahr ein, bekommst du 540 Euro vom Staat dazu – das sind 30 Prozent Rendite, bevor dein Geld überhaupt am Kapitalmarkt arbeitet. Das ist eine Förderquote, die sich sehen lassen kann.

Steuervorteil in der Ansparphase

Alle Kapitalerträge – egal ob Kursgewinne, Dividenden oder Zinsen – bleiben während der gesamten Ansparphase steuerfrei. Dein Geld kann also ungebremst wachsen, ohne dass das Finanzamt zwischendurch zugreift. Erst bei der Auszahlung im Ruhestand greift die nachgelagerte Besteuerung mit deinem dann oft niedrigeren persönlichen Steuersatz. Das ist ein echter Hebel für den Vermögensaufbau.

Was du anlegen darfst – und was nicht

Damit dein Geld sicher investiert ist, gibt es klare Vorgaben: Zugelassen sind ausschließlich Fonds der SRRI-Risikoklassen 1 bis 5 sowie bestimmte Anleihen. Hochspekulative Anlagen wie Kryptowährungen, Einzelaktien oder Derivate sind tabu. Das schützt dich vor zu großen Risiken und sorgt dafür, dass deine Altersvorsorge auf soliden Beinen steht.

Endlich auch für Selbstständige

Das ist vielleicht die wichtigste Neuerung: Erstmals können auch Selbstständige und Freiberufler von der staatlichen Förderung profitieren. Bisher war die Riester-Rente hauptsächlich für Angestellte und Beamte gedacht. Mit dem Altersvorsorgedepot öffnet sich die Tür für alle, die eigenverantwortlich fürs Alter vorsorgen wollen – unabhängig vom Beschäftigungsverhältnis.

Wie funktioniert die Auszahlung?

Bei Riester war die Auszahlung als lebenslange Rente ein häufiger Kritikpunkt - wie verhält es sich beim Altersvorsorgedepot?

Bei Riester war die Auszahlung als lebenslange Rente ein häufiger Kritikpunkt - wie verhält es sich beim Altersvorsorgedepot?

Auch beim Thema Auszahlung hat das Altersvorsorgedepot einiges zu bieten. Ab dem 65. Lebensjahr stehen dir mehrere Optionen offen:

  • Auszahlplan: Dein Kapital wird flexibel ausgezahlt, mindestens bis zum 85. Lebensjahr.
  • Lebenslange Rente: Du entscheidest dich für eine monatliche Rente, die bis ans Lebensende läuft.
  • Kombination: Du nimmst zu Beginn bis zu 30 Prozent des angesparten Vermögens als Einmalzahlung und lässt den Rest verrenten oder als Auszahlplan laufen.

Die 30-Prozent-Regelung ist besonders attraktiv: Du kannst dir einen größeren Betrag auszahlen lassen – etwa für eine Reise, Renovierung oder um Schulden abzulösen – und behältst trotzdem eine sichere monatliche Altersvorsorge. Die Einmalzahlung wird allerdings als Einkommen versteuert.

Wer bestimmt die Höhe der monatlichen Entnahme beim Auszahlplan?

Nein, die Höhe der monatlichen Entnahme können Sie nicht völlig frei bestimmen, da der Gesetzgeber feste Regeln vorgibt, um ein vorzeitiges Aufzehren des Geldes zu verhindern. Das Guthaben muss zwingend so aufgeteilt werden, dass es für den gesamten Zeitraum vom Rentenbeginn bis mindestens zum 85. Lebensjahr reicht. [1, 2]

Volle Vererbbarkeit

  • Solltest du vor dem 85. Lebensjahr versterben, verfällt das Geld nicht an eine Versicherungsgemeinschaft.
  • Das im Auszahlplan verbliebene Restkapital ist voll vererbbar und geht direkt an deine Hinterbliebenen.

Wie die Entnahmehöhe festgelegt wird

Die monatliche Rate wird von der Depotbank über eine mathematische Formel berechnet:

  • Die Berechnung: Der aktuelle Depotwert wird durch die Anzahl der verbleibenden Monate bis zu Ihrem 85. Geburtstag geteilt (unter Berücksichtigung einer geschätzten vorsichtigen Rendite).
  • Jährliche Anpassung: Die Bank berechnet diese Summe in der Regel einmal pro Jahr neu. Wenn dein Depot durch Kursgewinne wächst, steigt im Folgejahr auch deine berechnete Entnahmehöhe. Sinkt der Depotwert durch Krisen, verringert sich die Rate entsprechend.

Wo du dennoch Flexibilität hast

Auch wenn du die monatliche Rate nicht beliebig hoch ansetzen darfst, bietet das Depot zwei flexible Stellschrauben:

  1. Die 30-Prozent-Option zu Beginn: Du kannst zum Rentenstart einmalig bis zu 30 % des gesamten Depotwertes auf einen Schlag entnehmen. Über diese Summe kannst du komplett frei verfügen – sei es für Reisen, die Tilgung eines Kredits oder um sie auf einem normalen Tagesgeldkonto als flexiblen Puffer zu parken.
  2. Wahl des Startzeitpunkts: Du entscheidest selbst, in welchem Monat zwischen deinem 65. und 70. Geburtstag der Auszahlplan offiziell starten soll. Ein späterer Start erhöht automatisch die monatliche Rate, da das Kapital auf weniger verbleibende Monate aufgeteilt werden muss.

Solltest du nach dem 85. Lebensjahr noch Guthaben im Depot haben (weil die Kurse besser liefen als kalkuliert), kannst du über diesen Restbetrag komplett frei verfügen.

Wohn-Riester bleibt erhalten

Auch die beliebte Wohn-Riester-Option wird ins neue System übernommen. Du kannst Kapital aus deinem Altersvorsorgedepot entnehmen, um eine selbstbewohnte Immobilie zu kaufen, zu bauen, abzubezahlen oder energetisch zu sanieren. Die Regeln bleiben dabei weitgehend unverändert – wer sein Eigenheim finanzieren möchte, kann das also weiterhin staatlich gefördert tun.

Fazit: Lohnt sich das Altersvorsorgedepot für dich?

Das Altersvorsorgedepot dürfte in der Finanzstrategie von Selbstständigen und Unternehmern ein fester Baustein werden, auch wenn es nicht an die Volumina des 401k-Plans aus den USA heranreicht.

Das Altersvorsorgedepot dürfte in der Finanzstrategie von Selbstständigen und Unternehmern ein fester Baustein werden, auch wenn es nicht an die Volumina des 401k-Plans aus den USA heranreicht.

Das Altersvorsorgedepot ist mehr als nur ein Riester-Nachfolger – es ist ein echtes Upgrade. Die Kombination aus staatlicher Förderung, Steuervorteilen und renditeorientierter Geldanlage macht es zu einer der attraktivsten Formen der privaten Altersvorsorge. Besonders für Selbstständige, die bisher außen vor waren, ist das eine attraktive Ergänzung der bestehenden Altersvorsorge.

Die wichtigste Erkenntnis: Wer langfristig denkt und bereit ist, auf starre Garantien zu verzichten, bekommt mit dem Altersvorsorgedepot ein flexibles, transparentes und vor allem renditestarkes Instrument an die Hand. Die staatliche Förderung von bis zu 540 Euro pro Jahr ist dabei das Sahnehäubchen.

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