Altersvorsorgedepot: Warum es NICHT eilt und wo die "wahren" Kosten versteckt sind
AV-Depot 2027: Warum es NICHT eilt und wo die "wahren" Kosten versteckt sind
Ab Januar 2027 kann man das neue sogenannte geförderte Altersvorsorgedepot abschließen - und schon jetzt überschlagen sich einige Anbieter mit Werbeversprechen. Da ist von ETF-Kosten von 0,10 Prozent pro Jahr die Rede. Trade Republic und Scalable wollen das Altersvorsorgedepot sogar kostenfrei anbieten. Das klingt verlockend und wirkt fast schon zu gut, um wahr zu sein. Doch genau hier liegt die Gefahr: Wer sich von einem einzelnen Lockangebot blenden lässt, könnte am Ende deutlich mehr bezahlen als gedacht. Speziell bei den sogenannten „Standarddepots“ sollte man deshalb genau hinschauen.
Denn der Markt für diese neue Form der Altersvorsorge steckt noch in den Kinderschuhen. Die Anbieter positionieren sich erst, die Konditionen werden sich in den kommenden Monaten noch verändern. Genau deshalb lohnt es sich, jetzt nicht überstürzt zu handeln, sondern die Entwicklung in Ruhe zu beobachten. Wer sich gut informiert, kann am Ende tausende Euro sparen - und genau darum geht es in diesem Ratgeber.
Warum sich Abwarten jetzt noch auszahlt
Noch ist es zu früh, sich festzulegen. Der Markt entwickelt sich gerade erst, und die Anbieter ringen um die besten Konditionen. Wer sich jetzt schon bindet, verpasst möglicherweise bessere Angebote, die in den nächsten Monaten noch auf den Markt kommen.
Besondere Vorsicht gilt für vermeintliche Schnäppchenpreise. Großer Anbieter und einige Neobroker werben bereits mit vermeintlich kostenfreien Produkten. Das kann tatsächlich gut sein, wenn diese "Preise" dauerhaft gelten und alle Kosten mit einschließen. Die Empfehlung lautet dennoch: Erstmal von der Seitenlinie zuschauen, die Entwicklung verfolgen und die Entscheidung dann gut überlegt treffen.
Die möglichen Kostenarten Überblick
Beim Altersvorsorgedepot kommen mehrere Kostenarten zusammen, die in der Summe entscheidend sind:
- Depotkosten: Gebühren für den Vertrag und die Depotführung selbst
- Kapitalanlagekosten: Kosten für die enthaltenen Fonds beziehungsweise ETFs
- Zusatzkosten: Weitere Gebühren, die manche Anbieter - etwa Versicherungen - einbauen und die an die berüchtigt teuren alten Riester-Verträge erinnern können
Die Gesetzeslage lässt den Anbietern hier momentan noch relativ große Freiheiten. Über eine gesamte Laufzeit können unterschiedliche Kostenmodelle einen Unterschied von mehr als 20.000 Euro ausmachen. Das ist keine Kleinigkeit, sondern echtes Geld, das im Alter fehlt oder eben zusätzlich zur Verfügung steht.
Die "wahre" Kostenfalle
Speziell im sogenannten „Standarddepot“ können sich die wahren Kosten verbergen. Wer nur auf die offensichtlichen Kosten wie Depotführungsgebühren, Orderkosten oder ETF- und Fondskosten (TER) schaut, übersieht einen wesentlichen Punkt: die tatsächliche Investitionsquote und die damit verbundenen Opportunitätskosten. Das gilt insbesondere kurz vor Vertragsende und später in der Entnahmephase.
Bei Riester-Verträgen lag das Problem häufig in den hohen Garantieniveaus und den damit verbundenen Renditeeinbußen. Ein ähnliches Problem könnte beim Altersvorsorgedepot im Alter drohen. Nach aktuellem Stand sollen im Standarddepot während der Entnahmephase nur noch knapp 30 Prozent des Vermögens investiert bleiben. Das ist aus unserer Sicht zu wenig. Unsere Einschätzung basiert unter anderem auf Studien zu langfristigen Entnahmeplänen.
Wie bessere Alternativen aussehen können, zeigen wir unseren Kunden. Dabei unterstützen wir anbieterunabhängig bei der Auswahl des passenden Anbieters und der richtigen Struktur. Du willst deine bestehende Altersvorsorge auf den Prüfstand stellen und wissen welche weiteren Hebel für dich Sinn machen? Vereinbare eine kostenfreie Vertragsanalyse mit uns: https://www.timvestment.de/

Thorsten Illig-Martin (MSc Finance), Gründer timvestment
Für wen sich das Altersvorsorgedepot wirklich lohnt
Grundsätzlich profitiert praktisch jeder, der langfristig Geld für die Rente zurücklegen möchte. Besonders attraktiv ist das Modell für Menschen mit unterdurchschnittlichem Einkommen sowie für Elternteile mit Kindern, da hier die staatliche Förderung besonders stark ins Gewicht fällt. Wichtig ist dabei die richtige Erwartungshaltung: Auch wenn der Staat etwas dazugibt, handelt es sich nicht um eine Einbahnstraße nach oben. Schwankungen gehören dazu, Geduld ist gefragt.
Selbst wer schon fortgeschrittenen Alters ist, muss nicht abwinken. Das eingezahlte Geld bleibt ja auch während der Rentenzeit noch viele Jahre im Depot liegen und kann weiterarbeiten.
Wer seine Finanzen einfach halten möchte, kann problemlos alles in einem Topf bündeln. Wer dagegen Wert auf Flexibilität legt und eventuell schon vor dem Rentenbeginn auf einen Teil des Geldes zugreifen möchte, fährt besser mit anderen Lösungen.

Wie gut ist die Förderung wirklich?
Auch mit wenig Zeit bis zur Rente lohnt sich der Einstieg
Selbst wer nur noch 10 bis 15 Jahre bis zur Rente hat, sollte den Einstieg nicht ausschließen. Dieser Zeitraum reicht immer noch aus, um von den Chancen des Aktienmarktes zu profitieren, zumal die Auszahlung im Alter nicht auf einen Schlag, sondern schrittweise erfolgt. Der tatsächliche Anlagehorizont verlängert sich dadurch oft auf 20 bis 30 Jahre oder mehr, wenn man von einer Lebenserwartung bis 80 oder 90 Jahre ausgeht.
Auch wer schon einen alten Riester-Vertrag besitzt, kann von den neuen Anlage- und Auszahlungsmöglichkeiten profitieren, selbst kurz vor Rentenbeginn.
Riester-Vertrag wechseln oder behalten?
Viele Riester-Sparer werden in den kommenden Monaten Wechselangebote erhalten. Die meisten bestehenden Riester-Verträge sind zu teuer und bieten zu niedrige Renditechancen. Ein Wechsel in ein günstiges Altersvorsorgedepot lohnt sich für die meisten Sparer, und das nicht zwingend beim bisherigen Anbieter.
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Einzahlung ab 25 Euro im Monat möglich | Wechsel in günstiges Altersvorsorgedepot prüfen |
| Nur Mindestbeitrag (z. B. 5 Euro) wegen Kinderzulagen | Alten Riester-Vertrag eventuell behalten |
| Unsicherheit bei der Wahl | Unabhängige Beratung nutzen |
Wer sich unsicher ist, sollte auf unabhängige Informationsquellen zurückgreifen, statt sich allein auf die Empfehlung des aktuellen Anbieters zu verlassen.
Fazit: Informiert entscheiden statt überstürzt handeln
Das neue Altersvorsorgedepot bietet für die meisten Sparer eine echte Chance, günstig und renditestark für das Alter vorzusorgen, gerade im Vergleich zu vielen alten Riester-Verträgen. Entscheidend ist aber, nicht dem ersten Werbeversprechen zu folgen, sondern die genau Funktionsweise genau zu prüfen und Angebote in Ruhe zu vergleichen. Nutze die Zeit um dir einen Überblick zu verschaffen, und triff erst dann eine wirklich überlegte Entscheidung.
Schau dir schon jetzt deinen bestehenden Riester-Vertrag an und vergleiche die Kosten mit den neuen Angeboten. So gehst du bestens vorbereitet in die neue Form der Altersvorsorge.
Ab wann kann ich ein Altersvorsorgedepot abschließen?
Das Altersvorsorgedepot kann erst ab Januar 2027 abgeschlossen werden, bis dahin lohnt es sich, verschiedene Angebote zu vergleichen.
Lohnt sich der Wechsel von einem alten Riester-Vertrag?
Für die meisten Sparer lohnt sich ein Wechsel in ein günstiges Altersvorsorgedepot, außer man zahlt nur den Mindestbeitrag, um Zulagen zu sichern.
Ist das Altersvorsorgedepot auch für ältere Sparer geeignet?
Ja, selbst mit 10 bis 15 Jahren bis zur Rente lohnt sich der Einstieg, da die Auszahlung im Alter gestaffelt erfolgt und das Geld länger arbeiten kann.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist in keiner Art und Weise eine professionelle (Anlage-)Beratung und ersetzen diese auch nicht. Es handelt sich auch nicht um eine Rechts- oder Steuerberatung.