Altersvorsorgedepot: Warum mehr Förderung nicht gleich mehr Rendite ist
Kostenloser Vortrag inkl. Altersvorsorgedepot
Ab 2027 bekommt die Altersvorsorge in Deutschland ein neues Gesicht. Die Riester-Rente, jahrelang kritisiert für ihre Bürokratie, ihre mageren Renditen und ihre starren Garantien, wird durch das sogenannte Altersvorsorgedepot abgelöst. Klingt erstmal nach guten Nachrichten - und das ist es grundsätzlich auch. Du kannst künftig stärker in ETFs investieren, musst nicht mehr auf eine vollständige Beitragsgarantie setzen und bekommst insgesamt mehr Freiheit bei der Geldanlage fürs Alter.
Doch bevor du jetzt reflexartig den maximal geförderten Betrag einzahlst, lohnt sich ein genauerer Blick. Denn die staatliche Förderung, die steuerliche Behandlung und die spätere Auszahlung sind komplizierter, als es auf den ersten Blick scheint. Genau hier setzt dieser Artikel an: Er zeigt dir, wie das neue Modell funktioniert, welche Förderstufen es gibt, wo steuerliche Stolperfallen lauern - und warum mehr einzahlen nicht automatisch die bessere Strategie ist - Den Sweet Spot!
So funktioniert das Altersvorsorgedepot
Das Grundprinzip bleibt simpel: Du zahlst regelmäßig einen Eigenbeitrag ein und bekommst dafür eine staatliche Zulage obendrauf. Anders als beim alten Riester-System richtet sich die neue Grundzulage direkt nach der Höhe deines Eigenbeitrags - und die ersten Euro werden dabei besonders großzügig gefördert.
Bis zu einem Eigenbeitrag von 150 Euro monatlich beziehungsweise 1.800 Euro im Jahr kannst du eine Grundzulage von bis zu 45 Euro pro Monat kassieren. Wichtig zu wissen: 150 Euro sind nicht die Obergrenze für Einzahlungen ins Depot, sondern nur die Grenze, bis zu der eine Zulage gezahlt wird. Mehr einzahlen geht, bringt aber keine zusätzliche staatliche Förderung mehr.

Neue Chancen durch das Altersvorsorgedepot
Förderstufe eins: Die ersten 30 Euro sind Gold wert
Auf die ersten 30 Euro deines monatlichen Eigenbeitrags legt der Staat 15 Euro drauf. Das entspricht einer Zulage von 50 Prozent bezogen auf deinen Eigenbeitrag. Aus deinen 30 Euro werden also 45 Euro Gesamtbeitrag - und satte 33,3 Prozent davon kommen vom Staat.
Förderstufe zwei: Die nächsten 120 Euro lohnen sich weniger
Zahlst du mehr als 30 Euro ein, greift die zweite Förderstufe. Auf die nächsten 120 Euro Eigenbeitrag gibt es weitere 30 Euro Zulage - das sind nur noch 25 Prozent bezogen auf den Eigenbeitrag. Der staatliche Anteil am Gesamtbeitrag dieser Stufe sinkt auf 20 Prozent.

Achtung bei den Förderquoten
Zahlst du den vollen geförderten Betrag von 150 Euro monatlich ein, kommen bis zu 45 Euro Zulage hinzu - macht 195 Euro Gesamtsparbeitrag. Das entspricht 30 Prozent Zulage auf deinen Eigenbeitrag beziehungsweise rund 23,1 Prozent staatlichem Anteil am Gesamtbeitrag. Kinderzulagen können diese Rechnung noch einmal deutlich verbessern.
Steuerliche Behandlung: Die Günstigerprüfung entscheidet
Neben der Zulage spielt auch das Finanzamt mit. Deine Eigenbeiträge und Zulagen fließen in den Sonderausgabenabzug ein - das Finanzamt prüft automatisch per Günstigerprüfung, ob dir die Steuerersparnis mehr bringt als die Zulage. Ist das der Fall, bekommst du die Differenz zusätzlich über die Einkommensteuer erstattet. Ist die Zulage schon höher, bleibt es einfach dabei. Wie viel dabei für dich rausspringt, hängt von deinem Einkommen, deinem Steuersatz, deinen Beiträgen und eventuellen Kinderzulagen ab.
Die Kehrseite: Nachgelagerte Besteuerung
Was heute gefördert wird, muss später versteuert werden. Während der Ansparphase läuft dein Kapital innerhalb des Vertrags weitgehend steuerfrei weiter - keine laufende Abgeltungsteuer bei Umschichtungen oder Gewinnen. Doch bei der Auszahlung im Ruhestand wird der geförderte Teil mit deinem dann geltenden persönlichen Einkommensteuersatz belastet. Das betrifft nicht nur die Gewinne, sondern grundsätzlich die komplette geförderte Auszahlung.
Obs sich lohnt, hängt stark davon ab, ob dein Steuersatz im Ruhestand niedriger ausfällt als heute im Berufsleben. Eine pauschale Antwort gibt es dafür nicht.
Mehr Freiheit bei der Auszahlung
Ein echter Fortschritt gegenüber der alten Riester-Rente: Du bist nicht mehr zwingend an eine lebenslange Rentenzahlung gebunden. Stattdessen kannst du auch einen Auszahlungsplan wählen, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr läuft - auch länger ist möglich. Zusätzlich kann zu Beginn der Auszahlungsphase eine teilweise Kapitalauszahlung drin sein.
Sweet Spot: Gibt es einen optimalen Einzahlungsbetrag?
Rechnest du dir die Förderquoten der beiden Stufen aus, könnte man vermuten: Sobald die spätere Steuerbelastung genauso hoch ist wie der staatliche Förderanteil, wäre die Zulage rechnerisch wieder aufgezehrt. Diese vereinfachte Break-even-Betrachtung greift aber zu kurz.
Die ersten 30 Euro monatlicher Eigenbeitrag werden besonders stark gefördert: Du zahlst 30 Euro ein und der Staat ergänzt 15 Euro. Bezogen auf den gesamten Sparbetrag von 45 Euro beträgt der staatliche Anteil damit 33,3 Prozent.
Bei den nächsten 120 Euro Eigenbeitrag kommen weitere 30 Euro hinzu. Der staatliche Anteil am daraus entstehenden Gesamtbetrag von 150 Euro liegt bei 20 Prozent.
Daraus lässt sich eine vereinfachte Break-even-Rechnung ableiten: Entspräche die spätere Steuerbelastung genau dem staatlichen Anteil am Gesamtbeitrag, wäre die ursprüngliche Zulage rechnerisch wieder aufgezehrt. Diese Rechnung greift jedoch zu kurz.
In der Praxis ist die Berechnung deutlich komplexer. Neben der Grundzulage müssen unter anderem mögliche Kinderzulagen, der zusätzliche Steuervorteil aus der Günstigerprüfung, dein heutiger und zukünftiger Steuersatz, die Laufzeit, die erwartete Rendite sowie die Kosten des konkreten Produkts berücksichtigt werden.
Auch die Alternative spielt eine wichtige Rolle: Was würde passieren, wenn du denselben Betrag stattdessen in ein normales ETF-Depot, eine andere Form der privaten Altersvorsorge oder eine betriebliche Lösung investierst?

Dein persönlicher Sweet Spot
Der optimale Beitrag lässt sich deshalb nicht anhand einer einzigen Förderquote oder einer allgemeinen Faustformel bestimmen. Er muss individuell berechnet werden.
Genau an dieser Stelle kann eine qualifizierte Beratung sinnvoll sein. Ein Berater sollte nicht nur berechnen, welche Zulage du erhältst, sondern die Förderung, die spätere Besteuerung, die Produktkosten und mögliche Alternativen in einer Gesamtbetrachtung gegenüberstellen.
Erst daraus ergibt sich dein persönlicher Sweet Spot: der Beitrag, bei dem Förderung, Steuerwirkung, Flexibilität und Renditechancen sinnvoll zusammenspielen.
Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot besonders?
- Arbeitnehmer mit langfristigem Anlagehorizont
- Familien, die zusätzliche Kinderzulagen bekommen
- Berufseinsteiger, die früh mit kleinen Beiträgen starten
- Personen mit heute hohem, im Ruhestand voraussichtlich niedrigerem Steuersatz
- Sparer, die bisher wegen schwacher Renditen auf Riester verzichtet haben
Wer maximale Verfügbarkeit über sein Kapital braucht, sehr unregelmäßige Einkünfte hat oder bereits andere attraktive Vorsorgeformen nutzt, sollte Alternativen ernsthaft mitdenken.
Was wird aus bestehenden Riester-Verträgen?
Keine Sorge: Alte Riester-Verträge verschwinden nicht über Nacht. Sie genießen Bestandsschutz und laufen nach den bisherigen Regeln weiter. Ob Weiterführen, Beitragsfreistellung oder Wechsel ins neue Modell sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall ab. Prüfe dabei unter anderem:
- vorhandene Garantien
- bereits angespartes Kapital
- Abschluss- und Verwaltungskosten
- aktuelle Fonds oder Überschussbeteiligungen
- offene Abschlusskosten
- Zulagenansprüche
- steuerliche Folgen eines Wechsels
- mögliche Wechsel- oder Übertragungskosten
Fazit: Verbesserung ja, Selbstläufer nein
Das Altersvorsorgedepot räumt mit einigen der größten Schwächen des alten Riester-Systems auf: mehr ETF-Anteil, gelockerte Garantien, flexiblere Auszahlung. Auch die Förderung kann sich sehen lassen, vor allem bei den ersten 30 Euro Eigenbeitrag und für Familien mit Kindern.
Trotzdem gilt: Zahl nicht blind den maximal geförderten Betrag von 150 Euro monatlich ein, nur weil er gefördert wird. Entscheidend ist, wie die Förderung zu deiner individuellen Situation passt - dein Einkommen, dein aktueller und künftiger Steuersatz, mögliche Kinderzulagen, die Produktkosten und deine bestehende Altersvorsorge müssen gemeinsam betrachtet werden.
Die wichtigere Frage ist nicht, wie hoch die Förderung ausfällt, sondern was am Ende nach Kosten und Steuern tatsächlich bei dir ankommt - und ob es für dich nicht vielleicht eine bessere Alternative gibt.
Schau dir deine eigene Situation genau an: Wie hoch ist dein aktueller Steuersatz, wie sieht deine bestehende Vorsorge aus, hast du Kinder, die zulagenberechtigt sind? Erst mit diesen Antworten lässt sich dein persönlicher Sweet Spot beim Altersvorsorgedepot finden.
Muss ich meinen alten Riester-Vertrag kündigen, wenn das Altersvorsorgedepot kommt?
Nein, bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz und laufen unverändert nach den bisherigen Regeln weiter. Ich rate aber diese zu prüfen und gegebenenfalls zu ändern.
Lohnt es sich, den maximal geförderten Beitrag von 150 Euro einzuzahlen?
Nicht automatisch - die Förderquote sinkt ab dem 31. Euro deutlich, weshalb eine individuelle Berechnung sinnvoller ist als der pauschale Maximalbeitrag.
Wie wird die spätere Auszahlung aus dem Altersvorsorgedepot versteuert?
Die geförderten Beiträge und Zulagen werden bei der Auszahlung nachgelagert mit deinem dann geltenden persönlichen Einkommensteuersatz versteuert.
Kann ich mein Geld aus dem Altersvorsorgedepot auf einmal ausgezahlt bekommen?
Zu Beginn der Auszahlungsphase ist grundsätzlich eine teilweise Kapitalauszahlung möglich, daneben stehen eine lebenslange Rente oder ein Auszahlungsplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr zur Wahl. Ich empfehle den Auzahlungsplan.
Profitieren Familien mit Kindern besonders vom neuen Modell?
Ja, zusätzliche Kinderzulagen können die Förderung noch einmal deutlich erhöhen und machen das Altersvorsorgedepot für Familien besonders attraktiv.