Bitcoin im Bärenmarkt: 3 Zyklen, ein Muster
Bitcoin im Bärenmarkt: 3 Zyklen, ein Muster
Wenn der Kurs seit Wochen lustlos vor sich hin dümpelt und die Stimmung in den sozialen Medien zwischen Panik und Resignation schwankt, stellt sich für viele Anleger dieselbe Frage: Ist das Schlimmste schon vorbei oder droht noch eine grössere Korrektur? Ein Blick auf die drei vorherigen Bitcoin-Bärenmärkte liefert erstaunlich klare Muster, sowohl auf der Chartebene als auch in den Onchain-Daten und fast noch spannender, in der Psychologie der Marktteilnehmer.
Wichtig vorab: Die Vergangenheit wiederholt sich nicht eins zu eins, aber sie reimt sich. Wer glaubt, aus alten Zyklen eine hundertprozentige Vorhersage für die Zukunft ableiten zu können, macht einen der grössten Fehler, den man aktuell wieder häufig beobachten kann. Die folgenden Erkenntnisse sind daher keine Finanzberatung, sondern eine Einordnung von Mustern, die dir helfen sollen, deine eigene, fundierte Entscheidung zu treffen. Denn nur du kannst die Verantwortung für dein Kapital übernehmen. Blindes Vertrauen in Analysten, Indikatoren oder Zyklus-Theorien ist niemals der richtige Weg, um langfristig eigenständig Vermögen aufzubauen.
Der Vierjahreszyklus und die Psychologie des Bärenmarktes
Bitcoin bewegt sich seit Jahren in einem auffälligen Rhythmus. Alle vier Jahre findet ein Halving statt, bei dem sich die Menge neu geschürfter Bitcoin pro Block halbiert. Auffällig ist aber vor allem, dass die bisherigen Allzeithochs ebenfalls fast exakt im Vierjahresabstand aufgetreten sind: November 2013, Dezember 2017, November 2021 und zuletzt September/Oktober 2025. Dazwischen liegt jeweils fast genau ein Jahr bis zum darauffolgenden Tief beim Zyklus 2017/2018 etwa von Dezember bis Dezember, beim Zyklus 2021/2022 von November bis November.
Überträgt man dieses Muster auf den aktuellen Zyklus, würde das Tief demnach etwa im Oktober 2026 erreicht werden. Der Vierjahreszyklus ist dabei kein Indikator, nach dem man stur investiert, sondern eine grobe Orientierung; eine Art Kompass für die grundsätzliche Marktphase, in der wir uns befinden.
Wie sich die Angst wiederholt
Noch interessanter als die reinen Zahlen ist das psychologische Muster, das sich in jedem Bärenmarkt aufs Neue zeigt. Beim Absturz von rund 20.000 auf 3.000 Dollar im Zyklus 2018 war die Stimmung verheerend: Bitcoin sei tot, hiess es, viele wollten erst unter 1.000 Dollar wieder einsteigen. Genau dieses Tief kam nie. Im Zyklus 2021/2022 wiederholte sich das Spiel nahezu identisch. Analysten sprachen von Kursen unter 10.000 Dollar, tatsächlich lag der Boden bei rund 16.000 Dollar. Auch aktuell hört man wieder dieselben Aussagen: Manche warten auf 30.000 oder gar 10.000 Dollar, bevor sie einsteigen wollen.
Betrachtet man die aktuelle Stimmungslage, bewegen wir uns vermutlich irgendwo zwischen Panik und Depression und noch nicht im absoluten Tiefpunkt, aber auch längst nicht mehr in der Euphorie-Phase.
Was die Onchain-Daten wirklich verraten
Neben Chart und Psychologie liefert die Onchain-Analyse eine dritte, sehr wertvolle Perspektive. Anders als beim Trading mit Derivaten lässt sich hier in Echtzeit nachvollziehen, was tatsächlich auf der Blockchain passiert, inklusive der Bewegungen von ETFs und langfristigen Haltern.
Ein zentraler Indikator ist der Vergleich zwischen der kurzfristigen Kostbasis (dem Durchschnittspreis der letzten sechs Monate) und dem realisierten Durchschnittspreis des Gesamtmarktes. In den vergangenen beiden Bärenmärkten kreuzte die kurzfristige Linie den langfristigen Durchschnitt jeweils von oben nach unten, ein Signal dafür, dass der maximale Schmerz erreicht war. Die Logik dahinter: Wenn der Gesamtmarkt bereits im Minus notiert, gibt es kaum noch Gründe zu verkaufen. Der Verkaufsdruck nimmt ab, während gleichzeitig antizyklische Käufer einsteigen und irgendwann dreht der Markt.

Quelle: Marc Steiner Investment Academy
Bemerkenswert ist zudem, dass das Ausmass der Kapitulation von Zyklus zu Zyklus abnimmt. Setzt man diesen abnehmenden Trend fort und legt den aktuellen realisierten Preis von etwa 53.000 Dollar zugrunde, würde ein vergleichbarer Rückgang von rund 20 Prozent in eine Preiszone knapp unter 40.000 Dollar führen. Das wäre historisch betrachtet ein Bereich, der als besonders relevant gelten könnte, eine Garantie ist das allerdings nicht, denn unvorhersehbare Ereignisse wie der Ausfall einer grossen Börse könnten jederzeit für zusätzlichen Druck sorgen.
Szenario-Denken statt Abwarten
Genau hier liegt die eigentliche Herausforderung: Das beschriebene Muster ist bislang nicht vollständig eingetreten. Heisst das nun, man sollte abwarten, bis der finale Boden bestätigt ist? Genau das wäre der falsche Ansatz.
Sinnvoller ist es, in Szenarien zu denken: Was passiert, wenn der Boden bereits erreicht ist oder das Muster diesmal deutlich abgeschwächt ausfällt? Eine teilweise Positionierung, angepasst an die eigene Risikobereitschaft und Situation, schützt davor, eine mögliche Bodenbildung komplett zu verpassen.

Quelle: Marc Steiner Investment Academy
Fazit: Wissen schlägt Bauchgefühl
Die Analyse der letzten drei Bärenmärkte zeigt deutliche Parallelen im Vierjahresrhythmus, in der Marktpsychologie und in den Onchain-Daten. Gleichzeitig macht sie klar: Ein hundertprozentig sicheres Signal für den finalen Boden gibt es nicht. Wer diesen Zyklus besser meistern will als die vorherigen, kommt nicht darum herum, eigenes Wissen aufzubauen, mehrere Analysemethoden zu kombinieren und eine Strategie zu entwickeln, die nicht von einem einzelnen Indikator oder einer einzelnen Meinung abhängt.
Nimm dir die Zeit, deine eigene Position ehrlich einzuordnen: Wo stehst du gerade psychologisch? Hast du eine klare Strategie für Ein und Ausstieg oder wartest du auf eine Zahl, die vielleicht nie kommt? Genau diese Reflexion ist der erste Schritt zu einer wirklich erwachsenen Anlageentscheidung.
Hier geht es zum Youtube Video: https://www.youtube.com/watch?v=LsQLg3rgKDc
DISCLAIMER: Der Inhalt ist KEINE Finanzberatung und widerspiegelt meine persönliche Meinung und Erfahrung wider. Alle Angaben sind ohne Gewähr und sollten nicht als Grundlage für Investmententscheidungen gesehen werden. Kenne die Risiken beim Investieren in Kryptowährungen und kontaktiere einen Fachexperten. Alle Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum um den 1. September 2026.
Ist der Vierjahreszyklus bei Bitcoin ein verlässlicher Indikator?
Nein, er ist eher eine grobe Orientierungshilfe als ein exaktes Timing-Werkzeug. Er zeigt eine wiederkehrende Rhythmik, garantiert aber keine exakten Wiederholungen.
Was sind Onchain-Daten und warum sind sie wichtig?
Onchain-Daten liefern Echtzeit-Einblicke in tatsächliche Bewegungen auf der Blockchain, unabhängig von Trading oder Derivaten. Sie helfen, das Verhalten realer Marktteilnehmer wie langfristiger Halter besser einzuschätzen.
Woran erkennt man historisch den Boden eines Bärenmarktes?
Ein wiederkehrendes Signal war bisher, wenn der kurzfristige Durchschnittspreis unter den langfristigen Durchschnittspreis des Gesamtmarktes fällt, da dann der Verkaufsdruck typischerweise stark nachlässt.
Sollte man jetzt komplett abwarten, bis der Boden bestätigt ist?
Das reine Abwarten birgt das Risiko, eine Bodenbildung komplett zu verpassen. Sinnvoller ist ein Denken in Szenarien mit einer teilweisen, überlegten Positionierung.
Warum ist eine Ausstiegsstrategie so wichtig?
Ohne klaren Plan verpassen viele Anleger die Gewinnmitnahme in der Marktstärke, weil sie auf einen einzelnen, oft unrealistischen Zielkurs warten. Eine schrittweise Strategie reduziert dieses Risiko deutlich.