Borkenkäferholz zu Hackschnitzel: Was Waldbesitzer beim Hacken beachten müssen
Borkenkäferholz zu Hackschnitzel: Was Waldbesitzer beim Hacken beachten müssen
9,7 Millionen Kubikmeter Kalamitätsholz sind 2025 in Deutschlands Wäldern angefallen. Ein großer Teil davon ist Fichte aus Borkenkäferbefall.
Wenn du befallenes Holz im Bestand hast, zählt jeder Tag, denn der Käfer wartet nicht. Gleichzeitig steckt in diesem Holz noch Energie und damit ein möglicher Erlös.
In diesem Leitfaden erfährst du, wann Hacken den Käfer wirklich stoppt, wie du aus Käferholz verkaufsfähige Hackschnitzel machst und wo die Grenzen liegen.
Das Wichtigste in Kürze
- Hacken ist bei reinem Borkenkäferbefall voll waldschutzwirksam, bei Kupferstecher nur bedingt.
- Aus dem Käferholz lässt sich ein gefragter Brennstoff machen, wenn Timing, Hackschnitzelgröße und Trocknung stimmen.
- Lorenz Waldinger begleitet dich als Forst- und Holzdienstleister von der Aufarbeitung bis zum fertigen Hackgut.
Borkenkäfer in Zahlen: Warum schnelles Handeln zählt
Die Kalamitätsholzmengen in Deutschland gehen zurück, keine Frage. Von rund 34,8 Millionen Kubikmetern im Jahr 2023 über 23,1 Millionen im Jahr 2024 bis zu 9,7 Millionen Kubikmetern im Jahr 2025, der Trend zeigt klar nach unten.
Auch der Schadholzeinschlag insgesamt sank 2024 auf 27,3 Millionen Kubikmeter, ein Minus von 29,4 Prozent gegenüber 2023 und bereits der vierte Rückgang in Folge nach dem Rekordjahr 2020 mit 60,1 Millionen Kubikmetern.
Das klingt erst mal beruhigend. Doch für dich als Waldbesitzer oder Forstdienstleister zählt vor allem die Situation vor Ort und die kann regional ganz anders aussehen als der Bundestrend.
Im Monitoring gilt eine Warnschwelle von 3.000 Käfern pro Falle und Woche als Signal für relevanten Stehendbefall. Wird dieser Wert erreicht, ist schnelles Handeln gefragt, unabhängig davon, wie die bundesweite Statistik gerade aussieht.
| Jahr | Kennzahl | Menge |
|---|---|---|
| 2023 | Kalamitätsholz | rund 34,8 Mio. m³ |
| 2024 | Kalamitätsholz | rund 23,1 Mio. m³ |
| 2025 | Kalamitätsholz | rund 9,7 Mio. m³ |
| 2024 | Schadholzeinschlag | rund 27,3 Mio. m³ (minus 29,4 % ggü. 2023) |
| 2020 | Schadholzeinschlag (Rekordjahr) | rund 60,1 Mio. m³ |

Im Monitoring gilt eine Warnschwelle von 3.000 Käfern pro Falle.
Buchdrucker oder Kupferstecher: Für wen sich das Hacken lohnt
Reiner Buchdruckerbefall
Wenn ausschließlich Buchdrucker in der Rinde sitzen, ist Hacken eine anerkannte Maßnahme und zwar voll waldschutzwirksam. Die Käfer werden beim Hackvorgang mechanisch abgetötet und die Brut kann sich in den Hackschnitzeln nicht mehr fertig entwickeln.

Die Käfer werden beim Hackvorgang mechanisch abgetötet.
Das bestätigt auch ein Feldversuch der FVA im Südschwarzwald: Dort war die Anzahl ausgeflogener Buchdrucker in allen untersuchten Fällen so gering, dass die Wirksamkeit der Maßnahme als befriedigend eingestuft wurde.
Für dich heißt das konkret: Hast du es mit einem klaren, isolierten Buchdruckerbefall zu tun, ist das Hacken eine solide, fachlich abgesicherte Lösung.
Kupferstecher und Mischbefall
Beim Kupferstecher (Sechszähniger Fichtenborkenkäfer) sieht die Sache anders aus. Kupferstecher-Bruten werden durch das Hacken nicht zuverlässig abgetötet, sie können sich fertig entwickeln und ausfliegen: Im erwähnten FVA-Versuch wurden in mehreren Behandlungen sogar mehr Käfer gezählt als aus ungehackten Kontrollstämmen.
Bei Kupferstecherbefall ist deshalb Tempo gefragt: Die Hackschnitzel müssen so schnell wie möglich abgefahren werden, oder du lagerst sie fachgerecht zwischen.
So wird Käferholz waldschutzgerecht zu Hackschnitzel
Stell dir den Weg vom befallenen Baum zum fertigen Hackgut als durchgehende Kette vor. Am Anfang steht die zügige Aufarbeitung: Befallenes Holz muss zeitnah aus dem Bestand, bevor die nächste Käfergeneration ausfliegt.
Danach folgt das Hacken selbst und schon hier entscheidet sich, ob die Maßnahme waldschutzfachlich wirkt oder nur Arbeit macht.
Nach dem Hacken hast du zwei Wege: Entweder sofortige Abfuhr zum Heizwerk oder eine fachgerechte Zwischenlagerung. Gerade bei Kupferstecherbefall gilt als Faustregel, Hackschnitzel-Haufen mindestens zwei Meter hoch aufzuschütten und mit reißfester Folie abzudecken. Durch hohen Feinanteil und hohe Holzfeuchte soll sich im Haufen eine Temperatur von über 56 Grad Celsius entwickeln, bei der Käfer und Bruten absterben.
Der Zeitpunkt entscheidet dabei über zwei Dinge gleichzeitig: Die Waldschutzwirksamkeit und die spätere Brennstoffqualität. Wer hier plant statt improvisiert, spart sich später viel Ärger.
„Beim Käferholz entscheidet der Zeitpunkt über alles. Wer zu spät häckselt, verschenkt Waldschutz und Erlös gleichzeitig. Deshalb planen wir Aufarbeitung und Abfuhr immer gemeinsam.“
Lorenz Waldinger, Lohnunternehmer aus Bayern
Hackschnitzelgröße, Wassergehalt, Qualität: Was qualitatives Hackgut ausmacht
Damit aus Käferholz auch ein qualitativer Brennstoff wird, spielen mehrere Faktoren zusammen. Zunächst die Hackchnitzelgröße:
Nach ÖNORM M 7133 unterscheidet man G30 (fein, bis 30 mm), G50 (mittel, bis 50 mm) und G100 (grob), nach DIN EN ISO 17225-4 die Korngrößenklassen P16S, P31S und P45S sowie die Qualitätsklassen A1, A2, B1 und B2.
Noch wichtiger für die Praxis ist aber der Wassergehalt. Waldfrisches Holz liegt bei rund 60 Prozent Feuchte, als lagerfähig gelten Hackschnitzel erst unter 30 Prozent.
Der Unterschied macht sich auch beim Heizwert bemerkbar: Erntefrisches Nadelholz bringt es auf etwa 2 kWh pro Kilogramm, bei rund 20 Prozent Wassergehalt sind es bereits rund 4 kWh pro Kilogramm, also ungefähr doppelt so viel.
| Zustand | Wassergehalt (Faustwert) | Heizwert (Faustwert) | Lagerfähig |
|---|---|---|---|
| Waldfrisch | ca. 60 % | ca. 2 kWh/kg | nein |
| Nach ca. 3 Monaten Haufen im Freien | ca. 25 % | höher | grenzwertig |
| Lufttrocken (W20) | ca. 20 % | ca. 4 kWh/kg | ja |

Bei rund 20 Prozent Wassergehalt haben Hackschnitzen den doppelten Heizwert.
Werte sind Faustwerte, abhängig von Standort, Witterung und Sortiment.
Fazit: Käferholz ist kein Abfall, sondern Brennstoff mit Regeln
Bei reinem Buchdruckerbefall ist Hacken Waldschutz und Verwertung in einem eine klare, fachlich abgesicherte Lösung.
Bei Kupferstecherbefall entscheidet dagegen schnelles Abfahren oder eine fachgerechte Folienlagerung über den Erfolg.
Wer zusätzlich Timing, Hackschnitzelgröße, Trocknung und Standort im Blick behält, macht aus Käferholz einen gefragten, qualitativen Brennstoff.
Käferholz ist in zusammenhang mit der zunehmenden Hitze ein Problem, dass man nicht wegbekommt, daher sollte man sich mit der Verwertung und Eingrenzung des befallenen Holzes beschäftigen.
Wir bei Waldinger sind auf die Aufarbeitung und Verwertung von Fichten- und Kalamitätsholz spezialisiert und begleiten Waldbesitzer, sowie Forstbetriebe von der Bekämpfung bis zum fertigen Hackgut.
Hast du Käferholz im Bestand oder suchst du einen zuverlässigen Partner für Aufarbeitung und Hackgut-Verwertung?
Dann nimm gerne Kontakt mit uns auf und lass deinen Fall vor Ort einschätzen:
Melde dich gerne telefonisch bei uns +49 1713045895 oder schreib uns eine Mail an lorenzwaldinger@outlook.de.
Wir freuen uns auf deine Anfrage!
Häufige Fragen zum Thema
Kann man Borkenkäferholz zu Hackschnitzel verarbeiten?
Ja. Befallenes Fichtenholz lässt sich hacken und energetisch als Hackschnitzel verwerten. Bei reinem Buchdruckerbefall ist das Hacken sogar voll waldschutzwirksam, weil die Käfer mechanisch abgetötet werden und sich Bruten nicht fertig entwickeln. Entscheidend sind das Timing und der weitere Umgang mit dem Hackgut.
Tötet Häckseln die Borkenkäfer wirklich ab?
Das hängt von der Art ab. Buchdrucker werden durch das Hacken weitgehend abgetötet, sodass die Maßnahme als befriedigend wirksam gilt. Kupferstecher dagegen überleben das Hacken häufig und können ausfliegen. Deshalb sollten die Hackschnitzel bei Kupferstecherbefall möglichst schnell abgefahren oder unter reißfester Folie thermisch behandelt werden.
Wie groß dürfen Hackschnitzel gegen Borkenkäfer sein?
In der Praxis wird zwischen den Größenklassen G30 (fein, bis 30 mm), G50 (mittel, bis 50 mm) und G100 (grob) unterschieden, in der DIN EN ISO 17225-4 zwischen P16S, P31S und P45S. Für die Waldschutzwirksamkeit gilt als Faustregel: je kleiner das Kaliber und je größer die Käferart, desto sicherer die Abtötung. Für die abschließende Bewertung des Einflusses der Schnitzelgröße fehlen allerdings belastbare Versuchsdaten.
Was macht man mit Restholz nach Borkenkäferbefall?
Befallenes Restholz sollte möglichst rasch aus dem Bestand entfernt werden. Es kann gehackt und energetisch verwertet oder unter Folie thermisch behandelt werden. Auf nährstoffarmen Standorten kann es dagegen sinnvoll sein, Feinreisig und Nadeln im Wald zu belassen, da hier ein Großteil der Nährstoffe gebunden ist. Im Zweifel solltest du die zuständige Forstberatung hinzuziehen.
Wie trocken müssen Hackschnitzel für die Heizung sein?
Waldfrisches Holz hat einen Wassergehalt von rund 60 Prozent. Als lagerfähig gelten Hackschnitzel erst unter 30 Prozent Wassergehalt. Bei rund 20 Prozent steigt der Heizwert auf etwa 4 kWh pro Kilogramm, gegenüber nur rund 2 kWh pro Kilogramm bei erntefrischem Nadelholz. Eine Trocknung vor der Einlagerung wird deshalb empfohlen.
Lohnt sich die Kronennutzung für Hackschnitzel?
Kronenmaterial liefert zusätzliches Hackgut, der Erlös gegenüber der reinen Stammholznutzung ist aber meist gering. Gleichzeitig steigt der Nährstoffentzug überproportional: Bei Vollbaumnutzung wird nur etwa 1,4-mal mehr Biomasse, aber je nach Nährstoff 3- bis 9-mal mehr Nährstoffe entnommen. Ob sich die Kronennutzung lohnt, hängt stark vom Standort ab und sollte im Einzelfall bewertet werden.