Dienst nach Vorschrift? Warum die Gen Z ganz anders tickt als gedacht

Eine Gruppe junger Menschen diskutiert Perspektiven am Arbeitsplatz, was die Gen Z betrifft.

Dienst nach Vorschrift vs: Gen Z

Nur noch das Nötigste tun und um Punkt fünf den Stift fallen lassen – so das Klischee über junge Arbeitnehmer. Doch stimmt dieses Bild wirklich?

Eine aktuelle Umfrage aus den Niederlanden liefert dazu erstaunlich klare Zahlen: Fast die Hälfte der 18- bis 35-Jährigen will tatsächlich nur die Aufgaben übernehmen, die vertraglich vereinbart wurden. Klingt erstmal nach Bestätigung aller Vorurteile.

Doch wer genauer hinschaut, merkt schnell: Die Realität ist deutlich komplizierter. Denn während junge Beschäftigte bei Aufgaben und Überstunden klare Grenzen ziehen, zeigt eine deutsche Studie gleichzeitig, dass genau diese Generation so viel arbeitet wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Was steckt also wirklich hinter dem neuen Selbstbewusstsein am Arbeitsplatz – und was können Arbeitgeber wie Beschäftigte selbst daraus lernen? Genau darum geht es in diesem Artikel.

Junge Mitarbeiter diskutieren über Dienst nach Vorschrift in modernem Büro.

Arbeit neu denken? Die Gen Z macht's vor.

Klare Grenzen statt Selbstausbeutung

Die Zahlen der Studie von Intermediair und Motivaction, für die mehr als 5500 Niederländer befragt wurden, sprechen eine deutliche Sprache. Zwischen den Generationen liegen echte Welten:

AltersgruppeNur Aufgaben laut StellenbeschreibungNur vertraglich vereinbarte Stunden
18–35 Jahre47 %44 %
36–45 Jahre25 %
46–67 Jahre19 %22 %

Die jüngere Generation trennt also deutlich schärfer zwischen Job und Privatleben als ältere Kollegen. Was früher oft als selbstverständlich galt – mal eben länger bleiben, weil die Aufgabe noch nicht fertig ist – wird heute zunehmend hinterfragt.

Tijmen de Groen von Intermediair bringt es gegenüber der Zeitung „AD“ auf den Punkt: „Wenn man einen Vertrag für 32 Stunden unterschreibt, dann ist das die Vereinbarung, an die sich alle halten.“ Die ältere Generation dagegen empfindet es oft als selbstverständlicher, auch mal über die vereinbarte Zeit hinaus zu arbeiten, wenn es die Situation erfordert.

Karriere als echter Motivationsschub

Wichtig zu wissen: Die junge Generation lehnt zusätzliche Arbeit keineswegs grundsätzlich ab. Fast die Hälfte der Befragten wäre sogar bereit, mehr zu leisten – allerdings nicht ohne Gegenleistung. Verbessern sich dadurch die eigenen Karrierechancen, sieht die Sache schon anders aus.

Das zeigt: Junge Beschäftigte wollen keine bedingungslose Mehrarbeit leisten, sondern eine faire Gegenleistung für ihren zusätzlichen Einsatz sehen. Wer als Arbeitgeber also Entwicklungsperspektiven bietet, hat gute Karten, auch überdurchschnittliches Engagement zu wecken.

Work-Life-Balance wird zum echten Jobkriterium

Neben klaren Grenzen bei Arbeitszeit und Aufgaben zeigt die Studie noch etwas anderes: Viele jüngere Arbeitnehmer sind grundsätzlich offen für einen Branchenwechsel. Die Hauptgründe dafür sind:

  • der Wunsch nach besseren Entwicklungsmöglichkeiten
  • eine ausgewogenere Work-Life-Balance
  • attraktivere Arbeitsbedingungen insgesamt

Interessant dabei: Gleichzeitig schätzen mittlerweile mehr Beschäftigte als noch vor zwei Jahren den Arbeitsmarkt als weniger günstig ein. Das deutet darauf hin, dass sich der viel diskutierte Fachkräftemangel zumindest leicht entspannt – was die Verhandlungsposition der Beschäftigten in Zukunft wieder verändern könnte.

Fleißig wie lange nicht mehr: Das deutsche Gegenbild

Junge Arbeitnehmer arbeiten in einem modernen Büro an Laptops.

Junge Menschen sind motiviert, wie nie.

Hier wird es besonders spannend. Denn während die niederländische Studie klare Grenzen bei jungen Beschäftigten belegt, zeigt eine deutsche Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ein ganz anderes Bild – nämlich das genaue Gegenteil vom „faulen“ Klischee.

Die Erwerbsbeteiligung der 20- bis 24-Jährigen ist zwischen 2015 und 2023 deutlich gestiegen und liegt inzwischen bei rund 79,5 Prozent. Das ist der höchste Stand seit den 1990er-Jahren. Besonders auffällig: Immer mehr Studierende arbeiten zusätzlich neben dem Studium. Aktuell sind es 56 Prozent der 20- bis 24-Jährigen mit Nebenjob.

IAB-Forscher Enzo Weber räumt deshalb gegenüber der Tagesschau mit einem hartnäckigen Mythos auf:

Die Botschaft dahinter ist eindeutig: Klare Grenzen und hohe Arbeitsbereitschaft schließen sich nicht aus. Im Gegenteil – wer weiß, wofür er arbeitet und faire Bedingungen vorfindet, bringt sich oft sogar stärker ein.

Fazit: Neue Generation, neue Spielregeln

Die Studienlage zeigt ein differenziertes Bild: Junge Beschäftigte ziehen klare Grenzen bei Aufgaben und Arbeitszeiten, sind aber keineswegs weniger fleißig als frühere Generationen – im Gegenteil. Sie erwarten lediglich, dass Vereinbarungen eingehalten werden und Zusatzeinsatz sich auch lohnt, etwa durch echte Karrierechancen.

Für Arbeitgeber heißt das: Wer Vertrauen aufbauen, Perspektiven bieten und Vereinbarungen ernst nehmen will, bekommt von der jungen Generation mindestens genauso viel Einsatz zurück wie von älteren Kollegen – wenn nicht sogar mehr. Beobachte doch mal in deinem eigenen Arbeitsumfeld, wie Vereinbarungen und Erwartungen zwischen den Generationen gehandhabt werden – die Erkenntnisse könnten überraschend sein.

Arbeitet die Generation Z wirklich weniger als ältere Generationen?

Nein, laut der IAB-Studie ist die Erwerbsbeteiligung junger Menschen sogar auf dem höchsten Stand seit den 1990er-Jahren – das Vorurteil der „faulen“ Generation Z lässt sich damit nicht belegen.

Warum ziehen junge Beschäftigte häufiger klare Grenzen bei Überstunden?

Sie legen großen Wert darauf, dass vertraglich vereinbarte Arbeitszeiten eingehalten werden, und sehen dies als faire Grundlage der Zusammenarbeit an.

Sind junge Arbeitnehmer grundsätzlich gegen Mehrarbeit?

Nein, fast die Hälfte wäre bereit, mehr zu arbeiten, wenn sich dadurch konkrete Karrierechancen ergeben – Mehrarbeit ohne erkennbaren Nutzen wird jedoch eher abgelehnt.

Was können Arbeitgeber aus diesen Ergebnissen lernen?

Klare Absprachen, faire Arbeitsbedingungen und echte Entwicklungsperspektiven erhöhen die Motivation junger Beschäftigter deutlich stärker als reiner Zeitdruck oder unbezahlte Mehrarbeit.

Deutet die Studie auf eine Entspannung des Fachkräftemangels hin?

Ja, mehr Beschäftigte schätzen den Arbeitsmarkt inzwischen als weniger günstig für Arbeitnehmer ein als noch vor zwei Jahren, was auf eine leichte Entspannung hindeutet.

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