Diese offenen Angebote kosten IT-Systemhäuser bares Geld
Diese offenen Angebote kosten IT-Systemhäuser bares Geld
Öffne einmal deine Angebotsübersicht in der Warenwirtschaft. Wetten, dass dort mehr liegt, als du denkst? In vielen IT-Systemhäusern stapeln sich zwanzig, dreißig offene Angebote, manche schon Monate alt, obwohl die Gültigkeit längst abgelaufen ist. Niemand hat abgesagt. Aber auch niemand hat nachgefragt.
Genau das ist das eigentliche Problem. Es geht hier nicht um schlechte Angebote oder unzufriedene Kunden. Es geht um einen blinden Fleck, der in fast jedem Betrieb gleich aussieht: Bestandskunden werden vergessen, sobald der Vertrag einmal unterschrieben ist. Dabei liegt genau dort der Umsatz, der am leichtesten zu holen wäre, ein fünfstelliger Betrag ist da keine Seltenheit. Es fehlt oft nur ein einziger Anruf.
Der Grundfehler: Bestandskunden gelten als sicher
Bei einer Neukundenanfrage bist du sofort wach. Rückruf, Termin, Nachfassen, alles läuft wie geschmiert. Beim Bestandskunden passiert genau das nicht, weil er ja "schon Kunde" ist. Das ist der Denkfehler, der dich bares Geld kostet.
Dabei ist der Bestandskunde der einfachste Umsatz überhaupt. Er kennt dich, vertraut dir, hat Budget freigegeben und bereits einen Vertrag mit dir laufen. Ein Angebot an ihn hat eine völlig andere Abschlusswahrscheinlichkeit als jede Kaltakquise. Der einzige Unterschied zwischen offenem Umsatz und abgeschlossenem Auftrag ist der Anruf, der nie stattfindet.

Infografik: Der Grundfehler
Drei Lücken, die sich immer wieder zeigen
Wenn du genauer hinschaust, findest du in fast jedem Betrieb dieselben drei Baustellen:
- Angebote werden geschrieben und dann sich selbst überlassen. Es gibt keinen festen Zeitpunkt zum Nachfassen und niemanden, der dafür verantwortlich ist.
- Es fehlt das jährliche Kundengespräch. Niemand setzt sich einmal im Jahr mit dem Kunden zusammen und fragt nach seinen Plänen. Kunden deuten dieses Schweigen übrigens nicht als Zurückhaltung, sondern als Desinteresse.
- Es gibt keine Übersicht, welcher Kunde welche Leistung bezieht. Ohne diese Übersicht bleiben Lücken unsichtbar. Der Kunde ohne vernünftiges Backup fällt erst auf, wenn es zu spät ist.
Warum das Nachfassen liegen bleibt
Dafür gibt es zwei Gründe, und beide sind gut nachvollziehbar.
Der erste ist emotional: Nachfassen fühlt sich für viele Inhaber wie Betteln an. Ist es aber nicht. Es ist schlicht guter Service, dem Kunden eine Entscheidung zu erleichtern, für die er dich vielleicht sogar dankbar ist.
Der zweite Grund wiegt schwerer, weil er strukturell ist. Nachfassen ist eine leise Tätigkeit ohne Deadline. Sie verliert jeden Tag gegen das klingelnde Telefon, gegen den Kunden, dessen Server gerade steht, und gegen die Rechnung, die heute noch raus muss. Ohne klare Prioritätenlogik arbeitest du automatisch das Lauteste zuerst ab, und das ist so gut wie nie der Vertrieb.

Infografik: Das Nachfassen
Die Reihenfolge, die wirklich funktioniert
Statt dich von der Lautstärke des Tages treiben zu lassen, hilft eine klare Rangfolge. Ganz vorne steht der echte Notfall, klar definiert und nicht bloß gefühlt. Direkt danach kommt alles, was Geld bringt: das Verkaufsgespräch, das Angebot, das Nachfassen. Erst danach folgt die eigene technische Arbeit, und ganz am Ende alles Übrige.
Das klingt simpel, dreht aber bei den meisten Inhabern die gelebte Reihenfolge komplett um. Der typische Arbeitstag beginnt mit Technik und endet mit dem guten Vorsatz, morgen endlich die Angebote durchzugehen. Morgen wiederholt sich derselbe Ablauf.
| Übliche Reihenfolge | Bessere Reihenfolge |
|---|---|
| Technik zuerst | Echter Notfall zuerst |
| E-Mails und Tagesgeschäft | Alles, was Geld bringt: Angebote, Nachfassen |
| Nachfassen "wenn Zeit ist" | Eigene technische Arbeit |
| Bleibt meist ganz liegen | Rest des Tagesgeschäfts |
Was du konkret dafür brauchst
Es gibt drei Bausteine, die zusammengehören und einzeln kaum etwas bringen: eine Übersicht über Kunden und bezogene Leistungen, einen festen Rhythmus fürs Nachfassen und eine klare Zuständigkeit, die nicht bei dir als Inhaber liegt.
Der dritte Punkt ist der eigentliche Knackpunkt. Eine Liste ist schnell gebaut. Sie bleibt trotzdem liegen, wenn derselbe Mensch sie abarbeiten soll, der gleichzeitig Störungen löst, Angebote kalkuliert und ans Telefon geht. Zeit für Bestandskundenvertrieb entsteht nicht, indem du sie dir vornimmst. Sie entsteht als Ergebnis der Arbeit an den Strukturen davor.
Wie du den Einstieg konkret aufsetzt, welche Leistungen in die Übersicht gehören und wie ein Jahresgespräch geführt wird, ohne dass es nach Verkaufstermin riecht, unterscheidet sich von Betrieb zu Betrieb. Ein Standardformular dafür gibt es nicht, aber die Grundstruktur bleibt überall gleich.
Fazit: Der Umsatz liegt schon auf dem Tisch
Wenn du wissen willst, wie viel Geld gerade in deinem Betrieb herumliegt, brauchst du keine Marktanalyse. Öffne die Liste deiner offenen Angebote und schau auf das Datum. Was du dort siehst, ist Umsatz, den du bereits erarbeitet hast, und für den nur noch ein Anruf fehlt.
Probier es heute noch aus: Nimm dir zehn Minuten, geh die drei ältesten offenen Angebote durch und ruf die Kunden an. Du wirst überrascht sein, wie oft ein simples "Wollen wir das nochmal besprechen?" den Auftrag bringt, der schon längst hätte da sein können.
Wie oft sollte ich Bestandskunden nachfassen?
Ein fester Rhythmus von etwa alle zwei bis drei Wochen nach Angebotsversand hat sich bewährt, kombiniert mit einem jährlichen Grundsatzgespräch pro Kunde.
Wer sollte im Team fürs Nachfassen zuständig sein?
Idealerweise jemand, der nicht gleichzeitig im technischen Tagesgeschäft hängt, sonst verliert diese Aufgabe zuverlässig gegen dringendere Themen.
Wie führe ich ein Jahresgespräch, ohne aufdringlich zu wirken?
Stelle offene Fragen zu den Zukunftsplänen des Kunden statt sofort Produkte anzubieten, so entsteht ein echtes Gespräch statt eines Verkaufstermins.
Was mache ich mit sehr alten, abgelaufenen Angeboten?
Ruf trotzdem an. Oft besteht der Bedarf immnoch, und ein aktualisiertes Angebot führt schneller zum Abschluss als ein komplett neuer Anlauf.
Brauche ich dafür spezielle Software?
Nein, am Anfang reicht eine einfache Übersicht in einer Tabelle oder der vorhandenen Warenwirtschaft völlig aus, entscheidend ist der feste Rhythmus dahinter.