Grundversorgung: So kommt deine Hausverwaltung in zwei Wochen wieder raus
Innerhalb von 2 Wochen kann man aus der Grundversorgung wechseln
Stell dir vor, ein Zähler in deinem Bestand läuft seit Jahren unbemerkt in einem der teuersten Tarife am ganzen Markt - und niemand merkt es, weil einfach immer Strom oder Gas geflossen ist. Genau das passiert ständig in der Grundversorgung. Sie funktioniert zuverlässig, es gibt keine Ausfälle, keine Beschwerden, keine Warnsignale. Und genau diese Unauffälligkeit macht sie so gefährlich für den Geldbeutel.
Wenn du Lieferstellen für Mehrfamilienhäuser oder WEGs verwaltest, lohnt sich ein genauer Blick auf dieses Thema. Denn die Grundversorgung ist kein Tarif, den irgendjemand bewusst gewählt hat - sie ist ein Auffangnetz. Und aus diesem Netz kommst du erstaunlich leicht wieder heraus, wenn du weißt, wie. Genau darum geht es in diesem Artikel: Warum Lieferstellen überhaupt dort landen, was dich das kostet, und wie du in wenigen Wochen wieder in einen regulären Vertrag wechselst.
Wie eine Lieferstelle überhaupt in der Grundversorgung landet
Fast nie ist das eine bewusste Entscheidung. Meistens ist es schlicht Unterlassung. Vier Situationen tauchen dabei immer wieder auf.
Ein Vertrag läuft still aus
Der bisherige Liefervertrag endet, und niemand schließt rechtzeitig einen neuen ab. Wer trotzdem weiter Energie entnimmt - und das tut man automatisch, sobald Strom durch die Leitung fließt - wird ganz ohne eigenes Zutun Kunde des Grundversorgers.
Die Übergabe eines Objekts
Besonders häufig nach einem Verwalterwechsel geht die Energieseite in der ganzen Übergabehektik unter. Zwischen Schlüsselübergabe, Kontenklärung und Mieterlisten fällt die Frage "Wer beliefert eigentlich Treppenhaus und Tiefgarage?" leicht hinten runter.
Ein frischer Neubau
Bei der Erstübergabe eines neuen Gebäudes hängen Treppenhaus, Aufzug und Tiefgarage plötzlich am Netz - ganz ohne dass irgendjemand vorher einen Liefervertrag abgeschlossen hätte. Auch hier greift automatisch die Grundversorgung.
Kündigung durch den Versorger
Etwa bei Zahlungsrückstand oder einer Insolvenz kündigt der bisherige Versorger. Dann greift zunächst die sogenannte Ersatzversorgung, die für Haushaltskunden nach spätestens drei Monaten automatisch in die reguläre Grundversorgung übergeht.
Was dich die Grundversorgung wirklich kostet
Grund- und Ersatzversorgung sind kalkulatorisch ganz anders aufgebaut als ein regulärer Liefervertrag. Der Versorger muss jederzeit lieferbereit sein, kann die Abnahmemenge aber nicht planen. Dieses Risiko wird eingepreist - und zwar spürbar. Je nach Netzgebiet liegt der Arbeitspreis deutlich über dem, was am freien Markt verhandelbar wäre.
Bei einem einzelnen Zähler tut das noch nicht so weh. Bei einem Bestand mit mehreren betroffenen Lieferstellen summiert sich das aber schnell auf vierstellige Beträge - pro Jahr, nicht einmalig.
Der Ausstieg gelingt in nur zwei Wochen

In der Grundversorgung sind die Preise teurer als gewöhnlich
Jetzt zur guten Nachricht: Anders als bei einem Sondervertrag mit zwölf oder vierundzwanzig Monaten Laufzeit gibt es bei der Grundversorgung keine Bindung. Ein Grundversorgungsvertrag lässt sich mit einer Frist von zwei Wochen kündigen. Grundlage dafür sind die Grundversorgungsverordnungen für Strom und Gas.
Das bedeutet konkret: Selbst eine Lieferstelle, die seit drei Jahren überteuert läuft, kannst du binnen weniger Wochen in einen regulären Vertrag überführen. Du brauchst dafür keinen Sonderfall, keine Begründung und auch keinen Anwalt.
Die richtige Reihenfolge macht den Unterschied
Der einzige ernsthafte Fehler, der dir hier unterlaufen kann, ist die falsche Reihenfolge. Wer zuerst kündigt und sich erst danach auf die Suche nach einem neuen Anbieter macht, riskiert genau die Versorgungslücke, die die Lieferstelle ursprünglich erst in die Grundversorgung getrieben hat.
So gehst du stattdessen vor:
- Lieferstelle vollständig erfassen - Zählernummer, Verbrauch, aktueller Tarif
- Angebote einholen und neuen Vertrag abschließen
- Grundversorgung kündigen und Bestätigung mit Beendigungsdatum anfordern
- Zählerstand zum Wechseltermin dokumentieren
In der Praxis übernimmt der neue Lieferant die Abmeldung beim Grundversorger häufig gleich mit. Trotzdem solltest du dir die Bestätigung schriftlich geben lassen - sie ist dein Nachweis, falls es später zu Doppelabrechnungen kommt.
Warum sich das bei größeren Beständen systematisch lohnt
Ein einzelner Fall ist ärgerlich, aber verkraftbar. Bei zwanzig oder achtzig Lieferstellen wird daraus jedoch ein echtes Muster. Ohne vollständige Übersicht weißt du schlicht nicht, welche Zähler betroffen sind - und wie oben beschrieben, meldet sich die Grundversorgung nie von selbst.
Der wirksamste Schutz ist deshalb keine einmalige Aufräumaktion, sondern eine dauerhaft gepflegte Lieferstellenübersicht mit Laufzeiten und Kündigungsfristen. Wer genau weiß, wann welcher Vertrag endet, landet gar nicht erst im Auffangnetz.

Jede Entscheidung bringt Konsequenzen mit sich
Wie viel dabei tatsächlich zusammenkommt, zeigt ein dokumentiertes Beispiel: Bei einer Hausverwaltung aus Emmerich am Rhein ergab die vollständige Neuausschreibung eines größeren Bestands rund 43.328 Euro jährliche Einsparung - etwa 35 Prozent der bisherigen Kosten.
Fazit
Die Grundversorgung ist kein Schicksal, sondern ein Zustand mit gerade einmal zwei Wochen Kündigungsfrist. Teuer wird sie nur dadurch, dass sie unbemerkt bleibt. Wer seine Lieferstellen kennt, kann sie in wenigen Wochen verlassen - und verhindert gleichzeitig, dass die nächste Lieferstelle dort landet.
Schau dir also am besten noch diese Woche deine Lieferstellenliste an: Welcher Zähler läuft aktuell ohne aktiven Sondervertrag? Genau dort lohnt sich der erste Blick.
Wie lange dauert der Wechsel aus der Grundversorgung insgesamt?
Mit der zweiwöchigen Kündigungsfrist und der Zeit für Angebotseinholung und Vertragsabschluss lässt sich der gesamte Wechsel in der Regel innerhalb weniger Wochen abschließen.
Muss ich die Grundversorgung selbst kündigen oder macht das der neue Anbieter?
Häufig übernimmt der neue Lieferant die Abmeldung beim Grundversorger automatisch, du solltest dir die schriftliche Bestätigung mit Beendigungsdatum aber in jedem Fall selbst sichern lassen.
Was passiert, wenn ich zuerst kündige und erst danach einen neuen Anbieter suche?
Dann riskierst du eine Versorgungslücke, die dich unter Umständen erneut automatisch in die Grundversorgung oder Ersatzversorgung rutschen lässt.
Wie erkenne ich, ob eine Lieferstelle in der Grundversorgung steckt?
Ein Blick in die letzte Jahresabrechnung oder die Vertragsunterlagen zeigt es meist eindeutig, da Grundversorgungstarife gesondert ausgewiesen und in der Regel deutlich teurer sind als reguläre Sonderverträge.
Lohnt sich der Aufwand auch bei nur einer betroffenen Lieferstelle?
Ja, denn selbst bei einem einzelnen Zähler kann sich der Preisunterschied über ein Jahr gerechnet spürbar summieren, und der Wechselaufwand ist überschaubar.
Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.