Kühe fressen bei Hitze nachts: Wie automatische Fütterung die Futteraufnahme sichert
Kühe fressen bei Hitze nachts: Wie automatische Fütterung die Futteraufnahme sichert
Kühe verschieben ihr Fressverhalten bei Hitze oft in die Nachtstunden. Wer das nicht auf dem versteht, verschenkt in den heißeren Monaten Milchleistung, ohne es zu merken.
Wenn du im Sommer nur zweimal täglich frisches Futter ans Fressgitter schiebst, finden deine Kühe in der Nacht, wenn sie eigentlich gerne fressen wollen würden, nur noch warme, bereits durch Enzyme aus dem Speichel zersetzte Reste des Futters.
Das führt dazu, dass teilweise Nährstoffe schon verloren gehen, bevor sie aufgenommen werden, oder die Kuh in der Nacht zum Fressgitter geht aber leider nichts vorfindet.
Warum Kühe bei Hitze weniger fressen und das ausgerechnet nachts ausgleichen wollen
Hitze wirkt auf Kühe anders, als man zunächst vermuten würde. Die Verdauung selbst erzeugt Wärme im Körper der Kuh. Je heißer es draußen ist, desto mehr versucht das Tier, zusätzliche innere Wärmeproduktion zu vermeiden und drosselt deshalb die Futteraufnahme. Laut Untersuchungen, wie sie ForFarmers dokumentiert, sinkt die Futteraufnahme bei Hitzestress um 10 bis 25 Prozent.
Besonders überraschend: Die kritische Temperaturschwelle liegt deutlich niedriger, als viele annehmen. Laut LfL Bayern verschiebt sich der kritische Punkt pro 10 Kilogramm Milchleistung um etwa 4 Grad Celsius nach unten.
Eine Hochleistungskuh reagiert also schon bei Temperaturen empfindlich, teilweise bereits bei 16 bis 20 Grad.
Dein Fütterungsmanagement ist also enorm wichtig. Kühe verlagern ihre Fressphasen in die kühleren Stunden. Deine Tiere nehmen bis zu 60 Prozent ihrer täglichen Futtermenge nachts auf. Wer also üblicherweise nur morgens und abends vorlegt, riskiert, dass der Futtertisch genau in der entscheidenden Zeit leer oder das Futter nicht mehr frisch ist.

Kühe verschieben ihr Fressverhalten bei Hitze in die Nachtstunden.
Zwei Fütterungsansätze im Vergleich
Der Unterschied zwischen klassischer und automatischer Fütterung wird besonders deutlich, wenn man beide Varianten nebeneinanderstellt (Achtung: bei mobiler Ansicht nach rechts swipen, um die vollständige Tabelle zu sehen):
| Kriterium | Manuelle Fütterung (2x täglich) | Automatische Fütterung |
|---|---|---|
| Fütterungshäufigkeit | 1-2x pro Tag | Mehrmals täglich, auch nachts |
| Zeitpunkte | Fest (morgens, abends) | Flexibel, an Verhalten der Tiere anpassbar |
| Frische am Trog | Wird tagsüber warm und schal | Immer wieder frisch nachgelegt |
| Verfügbarkeit nachts | Meist keine frische Ration | Volle Ration verfügbar |
| Personalbindung | Fahrer muss präsent sein | Läuft selbstständig |
| Reaktion auf Hitze | Nur mit Zusatzaufwand möglich | System-inhärent flexibel |
Wie automatische Fütterung den Folgen von Hitzestress entgegenwirkt
Häufigere Vorlage bedeutet: Frisches Futter rund um die Uhr, statt zweimal täglich eine große Portion, die über Stunden in der Sonne oder im warmen Stall liegt.
Nachts liegt so genau dann kühles, frisches Futter in der Krippe, wenn die Kuh am liebsten fressen will. Weniger lange Standzeiten am Futtertisch bedeuten außerdem weniger Zeit für Nährstoffabbau durch Speichel und Bakterien, die Ration bleibt hochwertiger.
Und weil die homogene Mischung in kleineren, häufigeren Portionen vorgelegt wird, sinkt auch die Selektion: Die Kuh kann sich nicht die „Lieblingsstücke“ heraussuchen und den Rest liegen lassen.
Die Konsequenz daraus ist: Die Milchleistung bleibt stabiler, weil die Kuh trotz Hitze ausreichend Energie aufnehmen kann. Unabhängig davon, ob gerade jemand im Stall steht oder nicht.
Praxisbeispiel: Konstante Fütterung rund um die Uhr
Wie sich das in der Praxis anfühlt, zeigt der Betrieb von Familie Kucher aus Rosenberg auf der Ostalb. Mit rund 300 Milchkühen und 500 Rindern insgesamt ist das eine Größenordnung, bei der jede Arbeitsstunde zählt. Beim Stallneubau 2020 stieg die Familie vom selbstfahrenden Futtermischwagen auf ein schienenloses, akkubetriebenes Fütterungssystem um.
Was das im Hitzekontext bedeutet: Das System läuft bis zu 22 Stunden täglich und verteilt die Ration auf bis zu 44 Mischungen pro Tag. Auch nachts wird frisch vorgelegt und zwar genau dann, wenn Kühe bei Hitze am liebsten fressen.
Dass das System kontinuierlich läuft, macht es gerade in Hitzeperioden wertvoll: Jede Tages- und Nachtstunde wird zu einer Möglichkeit für Futteraufnahme, statt nur auf zwei feste Zeitfenster begrenzt zu sein.
Fazit: Fütterungsmanagement ist ein unterschätzter Hitzestress-Hebel
Hitzestress beeinflusst nicht nur das Wohlbefinden der Kuh, sondern ganz konkret die Futteraufnahme und damit direkt die Milchleistung.
Wer nur zweimal täglich manuell füttert, schafft zu wenig Angebot, vorallem in den Nachtstunden, wenn Kühe ans Fressgitter gehen, aber leider nichts vorfinden.
Automatische Fütterung ist hier ein systematischer Hebel, um die Futteraufnahme über den gesamten Tag zu stabilisieren.

Automatische Fütterung sorgt für eine hohe Futteraufnahme auch bei Hitze.
Ein einfacher Tipp beobachte in den nächsten warmen Nächten einmal selbst, wie sich das Fressverhalten deiner Herde in den Abendstunden oder in der Nacht verhält. Wenn die Kühe ans Fressgitter gehen und dann wieder umkehren, weil dort kein Futter liegt, weißt du, dass die automatische Fütterung zu mehr Futteraufnahme beitragen kann.
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Häufige Fragen zum Thema
Warum fressen Kühe bei Hitze weniger?
Bei hohen Temperaturen versucht die Kuh, zusätzliche Körperwärme durch die Verdauung zu vermeiden, und drosselt deshalb automatisch die Futteraufnahme - laut Untersuchungen, wie sie ForFarmers dokumentiert, um 10 bis 25 Prozent.
Ab welcher Temperatur beginnt Hitzestress bei Milchkühen?
Für Hochleistungskühe verschiebt sich der kritische Punkt laut LfL Bayern pro 10 Kilogramm Milchleistung um etwa 4 Grad Celsius nach unten, sodass manche Herden schon bei 16 bis 20 Grad empfindlich reagieren.
Wann fressen Kühe im Sommer am liebsten?
Vor allem nachts, wenn es kühler ist. Laut LfL Bayern nehmen Kühe bis zu 60 Prozent ihrer täglichen Ration in den Nachtstunden auf.
Hilft automatische Fütterung gegen Hitzestress?
Ja, weil sie rund um die Uhr frisches Futter am Trog bereitstellt - auch in den kühleren Nachtstunden, in denen Kühe bei Hitze bevorzugt fressen, mit bis zu 44 möglichen Mischungen pro Tag.
Ersetzt automatische Fütterung eine Kuhdusche?
Nein, beide Maßnahmen ergänzen sich. Die automatische Fütterung sichert die Futteraufnahme, während eine Kuhdusche die Wärmebelastung der Tiere direkt reduziert.