Nachwuchs als Unternehmer: Diese 7 Absicherungen darfst du nicht vergessen

Für Unternehmer gelten gesonderte Regeln, wenn Sie Nachwuchs erwarten.

Für Unternehmer gelten gesonderte Regeln, wenn Sie Nachwuchs erwarten.

Du erwartest ein Kind und bist selbstständig? Dann herzlichen Glückwunsch! Aber mal ehrlich: Hast du schon an all die Versicherungen, Absicherungen und finanziellen Weichenstellungen gedacht, die jetzt auf einmal wichtig werden? Viele Unternehmer unterschätzen, wie sehr sich ihre Risikosituation mit dem ersten Kind verändert. Was vorher vielleicht noch vertretbar war – keine Berufsunfähigkeitsversicherung, minimale Rücklagen, Single-Tarife – kann jetzt zum echten Problem werden. In diesem Ratgeber erfährst du, welche sieben Bereiche du als werdender Vater oder werdende Mutter unbedingt auf dem Schirm haben solltest.

TIPP: Lade dir unsere Checkliste herunter (PDF)

VIDEO: Link zum Video "Nachwuchs als Unternehmer - in 10 Minuten erklärt was zu tun ist"

Die wichtigsten Absicherungen im Überblick

Sachwertrisiken: Wenn plötzlich mehr Hab und Gut zu schützen ist

Mit einem Kind kommen neue Anschaffungen – und oft auch ein Umzug. Vielleicht wechselst du von einer Zwei-Zimmer-Wohnung in ein Haus oder brauchst einfach mehr Platz. Das bedeutet automatisch: mehr Wert, der abgesichert werden muss.

Hausratversicherung anpassen: Deine bisherige Police deckt womöglich nicht den neuen Bedarf. Größere Wohnung, mehr Einrichtung, teurere Gegenstände – das sollte sich in deiner Versicherungssumme widerspiegeln.

Rechtsschutzversicherung umstellen: Hast du bisher einen Single-Tarif? Dann wird's Zeit für den Familien- oder zumindest Paartarif. Sonst ist dein Kind im Ernstfall nicht mitversichert – und gerade mit Kindern können rechtliche Fragen schneller auftauchen, als du denkst.

Risikolebensversicherung: Der absolute Pflichtbaustein

Das ist vermutlich die wichtigste Versicherung überhaupt, sobald du Kinder hast. Warum? Stell dir vor, dir passiert etwas. Dein Partner oder deine Partnerin steht plötzlich allein da – mit Kind, ohne dein Einkommen, und muss sich gleichzeitig um Erziehung und Broterwerb kümmern. Das ist finanziell kaum zu stemmen.

Eine Risikolebensversicherung springt genau in diesem Fall ein. Sie zahlt im Todesfall eine vereinbarte Summe aus und sichert so die finanzielle Zukunft deiner Familie.

So berechnest du die richtige Versicherungssumme

Nutze einen Entnahmeplan-Rechner (z. B. auf zinsen-berechnen.de), um deinen Bedarf zu ermitteln:

  1. Monatlicher Bedarf: Überlege, wie viel Geld dein Partner und dein Kind pro Monat brauchen würden – beispielsweise 3.000 Euro.
  2. Inflationsausgleich: Rechne mit etwa 3 % jährlicher Steigerung, um die Kaufkraft zu erhalten.
  3. Dauer der Absicherung: Bis wann soll das Geld reichen? Zum Beispiel bis dein Kind 25 oder 27 Jahre alt ist – also durch Schule, Ausbildung und Studium.
  4. Ergebnis: Der Rechner zeigt dir, welches Kapital nötig ist – oft liegen die Summen zwischen 400.000 und 600.000 Euro.

Profi-Tipp: Wähle eine Risikolebensversicherung mit fallender Versicherungssumme. Je mehr Zeit vergeht, desto geringer wird der Absicherungsbedarf – und du sparst Beiträge.

Arbeitskraft absichern: Jetzt erst recht

Viele Unternehmer verzichten bewusst auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Das Mindset: „Mir passiert schon nichts." Doch mit Kind ändert sich die Verantwortung radikal. Wenn du ausfällst – durch Krankheit, Unfall oder Burnout – hängt nicht nur dein eigenes Leben daran, sondern auch das deiner Familie.

Mögliche Absicherungen:

  • Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): Klassiker, aber nicht immer ideal für Selbstständige
  • Dread-Disease-Versicherung: Zahlt bei Diagnose schwerer Krankheiten wie Krebs oder Herzinfarkt
  • Spezielle Unfallversicherungen: Insbesondere für Unternehmer mit besonderen Risiken

Als Unternehmer solltest du hier auf spezialisierte Berater setzen, die deine besondere Situation kennen – denn Standard-BU-Verträge passen oft nicht optimal.

Altersvorsorge für dein Kind: Früh starten lohnt sich enorm

Der Zinsenzinseffekt wird auch als 8. Weltwunder bezeichnet. Nirgendwo spielt er eine so große Rolle, wie bei Kindern.

Der Zinsenzinseffekt wird auch als 8. Weltwunder bezeichnet. Nirgendwo spielt er eine so große Rolle, wie bei Kindern.

Klingt verrückt? Ist es aber nicht. Wenn du schon jetzt mit der Altersvorsorge für dein Kind beginnst, profitierst du von einem riesigen Steuervorteil: Das Geld wächst über Jahrzehnte steuerfrei an – keine Abgeltungssteuer auf Gewinne, keine Kapitalertragssteuer.

Ein Kind, das heute geboren wird, braucht später 1 bis 2 Millionen Euro Kapital für eine vernünftige Rente. Klingt nach viel? Über 60 Jahre Ansparzeit ist das machbar – vor allem, wenn du clever investierst.

Deine Optionen:

  • Private ETF-Rentenversicherung für Kinder mit Berufsunfähigkeitsoption
  • Kinderdepot (ergänzend sinnvoll, aber steuerlich nicht so günstig)

Der Clou: Du sicherst dir heute die Rechnungsgrundlagen. Die Lebenserwartung steigt, Renten werden tendenziell schlechter kalkuliert – wer früh abschließt, profitiert von den aktuellen Konditionen.

Krankenversicherung: Welche Variante ist die richtige fürs Kind?

Wenn du privat krankenversichert bist und deine Partnerin gesetzlich, steht eine wichtige Entscheidung an: Wo soll das Kind versichert werden?

Option 1: Gesetzlich bei der Mutter mitversichert

  • Vorteil: Kostenlos, unkompliziert
  • Nachteil: Längere Wartezeiten, Standardversorgung

Option 2: Privat bei dir mitversichert

  • Vorteil: Schnellere Termine, bessere Leistungen, freie Arztwahl
  • Nachteil: Zusätzliche Beiträge, ca. 200€ im Monat

Wichtig: Wenn du dein Kind privat versichern möchtest, hast du ein Nachversicherungsrecht ohne Gesundheitsfragen – aber nur, wenn du das rechtzeitig mit deiner PKV klärst. Am besten schon vor der Geburt!

Zusatztipp: Eine kleine Krankenzusatzversicherung fürs Kind kann sinnvoll sein – etwa für Chefarztbehandlung oder Einzelzimmer im Krankenhaus.

Haftpflichtversicherung: Vom Single- zum Familientarif

Deine bisherige Privathaftpflicht deckt vermutlich nur dich – oder dich und deinen Partner. Sobald das Kind da ist, muss der Tarif angepasst werden.

Die gute Nachricht: Das ist super einfach. Schreib deiner Versicherung eine kurze E-Mail:

„Wir haben Nachwuchs bekommen. Bitte stellen Sie unseren Tarif auf Familienversicherung um."

Der Beitrag steigt um etwa 50 %, bleibt aber absolut bezahlbar – und ist unverzichtbar, sobald dein Kind größer wird und selbst Schäden verursachen kann.

Finanzielle Rücklagen: Jetzt wird's teurer

Kinder kosten Geld. Viel Geld. Und das oft überraschend schnell. Allein Windeln, Kinderwagen, Autositze, Kleidung – die Liste ist lang. Ein vernünftiger Kinderwagen kostet zwischen 500 und 2.000 Euro, Kindersitze auch nochmal mehrere Hundert Euro.

Erhöhe deine kurzfristigen Rücklagen deutlich. Was vorher als Notgroschen ausreichte, wird jetzt schnell knapp. Plane mit mindestens drei bis sechs Monatsausgaben extra – besser mehr.

Bonus Holding, Genossenschaft und Familienstiftung: Für erfolgreiche Unternehmer

Als Unternehmer ist es nicht weit hergeholt, dass man zu einem bestimmten Zeitpunkt mehrfacher Millionär sein wird. Spätestens bei einem Firmenverkauf kann das schnell passieren.

Von daher spielt die strategische Ausrichtung hier eine wesentliche Rolle, damit dein Nachwuchs später einerseits von deinem finanziellen Erfolg profitiert, aber dein Lebenswerk von der nächsten Generation auch nicht "verzockt" werden. Besprich dies mit einem professionellen Finanzplaner.

Fazit: Verantwortung übernehmen heißt vorausdenken

Unternehmer sollten sich an einen Spezialisten wenden, wenn es um das Thema Nachwuchs geht.

Unternehmer sollten sich an einen Spezialisten wenden, wenn es um das Thema Nachwuchs geht.

Mit einem Kind verändert sich nicht nur dein Alltag, sondern auch deine finanzielle und rechtliche Verantwortung. Als Unternehmer hast du oft mehr Gestaltungsspielraum als Angestellte – aber auch mehr Risiko. Genau deshalb ist es so wichtig, die richtigen Weichen zu stellen.

Die wichtigsten Takeaways:

  • Schließe eine Risikolebensversicherung ab – sie ist der wichtigste Baustein
  • Überdenke deine Arbeitskraftabsicherung – mit Kind ist das Risiko nicht mehr nur deins
  • Passe Hausrat, Haftpflicht und Rechtsschutz auf Familientarife an
  • Kläre die Krankenversicherung fürs Kind frühzeitig
  • Starte früh mit der Altersvorsorge fürs Kind – der Steuervorteil ist riesig
  • Baue höhere Rücklagen auf – Kinder bringen unvorhergesehene Ausgaben mit sich
  • Sichere deine Altersvorsorge, damit du deinem Kind später nicht auf der Tasche liegst
  • Bonus: Unternehmensstruktur optimieren mit GmbH-Holdings, Genossenschaften und Stiftungen

Dein nächster Schritt: Nutze unsere Checkliste und gehe die Punkte durch. Sprich mit Spezialisten, die sich mit der besonderen Situation von Unternehmern auskennen – denn Standardlösungen passen hier selten. Und dann kannst du dich entspannt auf das Wichtigste konzentrieren: dein Kind und eure gemeinsame Zeit.

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