Skandal um die Jury der Weltmeisterschaft im Verhandeln
Matthias Christian Bullmahn | psychologie, die verkauft
Es gibt Momente, in denen hinter den Kulissen der Business-Welt Dinge passieren, die uns alle etwas lehren können – über Verhandlungen, über Fairness und darüber, was passiert, wenn Geld auf Prinzipien trifft. Genau so ein Fall hat sich jetzt bei der selbsternannten Verhandlungsweltmeisterschaft der Universitäten (TNC) ereignet. Was auf den ersten Blick wie ein kleiner Streit unter Experten aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Lehrstück darüber, wie schnell man zum Bauernopfer werden kann – und was du daraus für deine eigenen Verhandlungen mitnehmen kannst.
Was ist passiert?
Die TNC ist eine Verhandlungsweltmeisterschaft für Universitätsteams, die seit 20 Jahren von Professor Remi Smolenski organisiert wird. Ein hochkarätiges Event, bei dem Studenten ihre Verhandlungsskills unter Beweis stellen und von einer Fachjury bewertet werden. Bisher war Andreas Winheller, einer der führenden Verhandlungsexperten im deutschsprachigen Raum, regelmäßig als Jurymitglied dabei. Winheller ist kein Unbekannter: Seit über 27 Jahren im Business, wissenschaftlich fundiert bis ins Mark, ausgebildet bei den Besten und verantwortlich für Verhandlungen mit Milliardenbudgets. Ein Mann, der wissenschaftliche Reports mit Linkangabe zitieren kann und für seine kompromisslose fachliche Exzellenz bekannt ist.
Dieses Jahr sollte alles wie immer laufen – wäre da nicht ein neuer Sponsor ins Spiel gekommen: das Schranner Negotiation Institute (SNI), selbsternannter "Global Leader for Difficult Negotiations". Und plötzlich erhielt Winheller eine Absage. Der Grund? Laut Organisator Smolenski habe sich das SNI dafür entschieden, Winheller "nicht einzubinden". In der Nachricht hieß es sinngemäß: "Sie sind Sponsor der TNC 2025. Als Sponsor haben sie uns gebeten, die Liste der Judges mit ihnen zu besprechen. Den Rest kennst du."
Ein führender Experte wird ausgeladen – weil ein Sponsor es offenbar so wollte. Moment mal: Geht es hier noch um wissenschaftliche Exzellenz oder um Geld und Macht?
Geld schlägt Expertise – oder doch nicht?
Die Sache wird pikanter, wenn man weiß, dass Winheller und das Schranner Institute keine Freunde sind. Es gibt eine Art "Glaubenskrieg" in der Verhandlungsszene: Win-Win-Methoden versus härtere, teils konfrontativere Ansätze. Winheller ist wissenschaftlich orientiert und kritisiert öffentlich auf LinkedIn, wenn seiner Meinung nach unsaubere oder nicht belegbare Aussagen getroffen werden – auch vom SNI. Das mag nicht jeder. Winheller ist streitbar, manchmal unbequem, aber immer fachlich korrekt und respektvoll.
Und jetzt sponsert ausgerechnet das SNI die Weltmeisterschaft – und Winheller fliegt raus. Der COO des Schranner Instituts, Fabio Falkenstein, kommentierte später auf LinkedIn, dass Matthias Schranner, der Chef des Instituts, von der Entscheidung nichts gewusst habe. Das wirft Fragen auf: Wenn der CEO nichts weiß, wer hat dann entschieden? Und wenn er es wusste – warum wird so kommuniziert?
Organisator Smolenski wiederum behauptete später mehrfach, es habe keinen externen Eingriff auf die Juryliste gegeben. Das steht allerdings im Widerspruch zu den schriftlichen Nachweisen, die Winheller vorliegen.
Was du daraus lernen kannst: Die BATNA fehlt

Matthias Christian Bullmahn | psychologie, die verkauft
Hier kommt ein zentrales Verhandlungsprinzip ins Spiel, das jeder kennen sollte: die BATNA – Best Alternative to a Negotiated Agreement. Anders gesagt: Welche Alternative hast du, wenn der Deal platzt?
Offenbar brauchte der Veranstalter das Geld des Sponsors dringend. Ohne Plan B. Ohne Ausweichoption. Das macht dich erpressbar. Wer keine BATNA hat, verliert Verhandlungsmacht – und am Ende vielleicht auch seine Prinzipien. In diesem Fall: die Unabhängigkeit der Jury und die Wissenschaftsfreiheit.
Ein starker Verhandler hätte gesagt: "Danke für das Angebot, aber wenn ihr Einfluss auf die Jury nehmen wollt, machen wir den Deal nicht." Doch dafür braucht man entweder eine Alternative – oder den Mut, auch mal Nein zu sagen.
Kommunikationsdesaster und Imageschaden
Was das Ganze noch brisanter macht: Die Kommunikation nach außen war ein Desaster. Winheller machte den Vorfall öffentlich – und das zu Recht. Es geht hier nicht um Mimimi, sondern um Transparenz, Fairness und wissenschaftliche Integrität. Sein LinkedIn-Post vom 10. April schlug hohe Wellen: Über 80 Kommentare, etliche Reposts, Zehntausende Impressions. Unter den Kommentatoren: Gary Noesner, ehemaliger FBI-Chef für Krisenverhandlung, und weitere internationale Koryphäen wie auch DER Deutsche Experte im Bereich Mimikresonanz, Dirk Eilert.
Das SNI reagierte mit dem Hinweis auf "Respekt" und "akademischen Diskurs", ließ aber durchblicken, dass Winhellers "Art der Reaktion" ihn disqualifiziert habe. Das klingt erst mal gut – aber wer entscheidet, wer qualifiziert ist? Ein Sponsor? Ein Institut? Oder sollten das nicht die wissenschaftlichen Standards tun?
Was bleibt hängen?
Am Ende zahlt diese ganze Geschichte auf Winhellers Marke ein: Haltung zeigen, auch wenn's unbequem wird. Für die anderen Beteiligten sieht es weniger gut aus. Der selbsternannte "Global Leader" und die selbsternannte "Weltmeisterschaft" haben sich in eine Situation manövriert, die Fragen aufwirft – über Unabhängigkeit, über Integrität, über den Preis von Sponsoring.
Deine Takeaways für die Praxis

Matthias Christian Bullmahn | psychologie, die verkauft
1. Hab immer eine BATNA Geh niemals in eine Verhandlung, ohne eine Alternative in der Tasche zu haben. Sonst wirst du erpressbar.
2. Sei transparent und klar in der Kommunikation Wenn etwas schiefläuft, steh dazu. Saubere, ehrliche Kommunikation verhindert, dass aus einem Sturm im Wasserglas ein Flächenbrand wird.
3. Geld ist mächtig – aber nicht allmächtig Ja, Sponsoren haben Erwartungen. Aber es gibt Grenzen. Wer seine Prinzipien für Geld aufgibt, verliert langfristig mehr als er kurzfristig gewinnt.
4. Wirkliche Haltung zeigen zahlt sich aus Winheller hat öffentlich gemacht, was passiert ist – und erntet dafür Zuspruch von den richtigen Leuten. Das stärkt seine Marke und seine Glaubwürdigkeit.
5. Fairness ist kein Nice-to-have Verhandlungen leben von Regeln, von Respekt, von Fairness. Wer diese Werte opfert, riskiert nicht nur sein Image, sondern auch das Vertrauen seiner Community.
Fazit: Was wirklich zählt
Dieser Fall zeigt: Verhandlungen finden nicht nur am Tisch statt, sondern auch in den Strukturen dahinter. Wer bezahlt, hat Einfluss – aber sollte dieser Einfluss so weit gehen, dass wissenschaftliche Exzellenz geopfert wird? Wohl kaum.
Für dich als Verhandler oder Unternehmerin bedeutet das: Bereite dich vor. Hab Alternativen. Bleib integer. Und wenn du merkst, dass eine Situation unfair wird – sprich es an. Denn am Ende bleibt nicht das Geld hängen, sondern deine Haltung.
Beobachte dich selbst in der nächsten Verhandlung: Hast du eine BATNA? Kommunizierst du klar? Und bleibst du deinen Werten treu – auch wenn's unbequem wird? Dann bist du auf dem richtigen Weg.