Warum das Durchschleppen schlechter Mitarbeiter dein IT-Systemhaus ruiniert

Portrait eines nachdenklichen Mannes vor IT-Infrastruktur, Thema: Durchschleppen schlechter Mitarbeiter.

Warum das Durchschleppen schlechter Mitarbeiter dein IT-Systemhaus ruiniert

Fast jeder Chef kennt diesen einen Mitarbeiter. Fachlich mittelmäßig, aber schon ewig dabei. Oder fachlich richtig gut, aber bei jeder Anweisung entbrennt eine Grundsatzdiskussion. Du denkst seit Monaten darüber nach, etwas zu ändern - und lässt es dann doch wieder bleiben. Es findet sich immer ein Grund, warum gerade jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist.

Die Erklärungen dafür klingen bei fast allen Inhabern gleich: Er hängt doch an der Firma. Die letzten Jahre waren wirtschaftlich schwierig. Und irgendwo trägt man ja auch Verantwortung für die Menschen, die für einen arbeiten. Genau dieses letzte Argument ist es, das dich in eine Falle laufen lässt. Denn Verantwortung bedeutet nicht, jemanden um jeden Preis zu halten. Sie bedeutet, für dein gesamtes Team zu sorgen, nicht nur für einen Einzelnen. Wer das verwechselt, zahlt am Ende drauf, und zwar mit Zinsen.

Der Grundfehler: Verantwortung wird als Festhalten missverstanden

Als Arbeitgeber trägst du tatsächlich Verantwortung für dein Team. Das ist keine leere Floskel aus irgendeinem Managementratgeber, sondern gelebte Realität in jedem Betrieb. Nur richtet sich diese Verantwortung eben nicht auf eine einzelne Person, sondern auf alle, die für dich arbeiten.

Und genau dazu gehört es, dich von Menschen zu trennen, die den anderen im Team schaden oder deren Arbeitsergebnisse gefährden. Wer jemanden durchträgt, der nicht liefert, trifft damit automatisch eine Entscheidung gegen die, die zuverlässig liefern. Das Bittere daran: Dein Team merkt das oft früher als du selbst.

Stell dir die Sauerstoffmaske im Flugzeug vor. Du setzt sie zuerst dir selbst auf, erst danach hilfst du anderen. Das ist kein Egoismus, sondern schlicht die einzige Reihenfolge, die funktioniert. Genauso läuft es in deinem Betrieb: Zuerst muss es dem Unternehmen und dir als Inhaber gut gehen, erst danach kannst du dich wirklich um andere kümmern. Nie umgekehrt.

Ein Betrieb ist keine Familie

Dieser Satz klingt kalt. Trotzdem ist er der ehrlichste in diesem ganzen Zusammenhang. Deine Mitarbeiter würden nicht ohne Gehalt zur Arbeit kommen, und das ist völlig in Ordnung so. Es ist ein Arbeitsverhältnis, kein Familienverhältnis. Wer den Familienvergleich trotzdem bemüht, macht es sich und allen anderen nur schwerer. In einer Familie kannst du niemanden entlassen. In einem Betrieb schon, und das aus gutem Grund.

Wichtig ist dabei die andere Seite der Medaille: Eine Trennung ist für den Betroffenen selten das Schlimmste, was ihm passieren kann. Wenn die Rolle nicht passt, spürt er das genauso wie du, vielleicht sogar noch deutlicher. Weiterzuarbeiten an einer Stelle, an der man den Erwartungen dauerhaft nicht gerecht wird, macht niemanden auf Dauer glücklich. Ein Wechsel fühlt sich unangenehm an, ist aber häufig die bessere Lösung für beide Seiten.

Grafik zeigt Unterschiede zwischen Arbeitsverhältnis und Familienverhältnis im Betrieb.

Infografik: Arbeitsverhältnis VS. Familienverhältnis

Drei Gründe, warum sich nichts ändert

Es gibt drei Muster, die sich in nahezu jedem Betrieb wiederholen, wenn eine überfällige Trennung immer weiter aufgeschoben wird.

  1. Die Ersatzangst. Solange unklar ist, wer die Arbeit übernehmen soll, wird das Gespräch gar nicht erst angegangen. Das fühlt sich rational an, hat aber die fatale Folge, dass sich nie etwas ändert, weil es nie einen wirklich guten Zeitpunkt gibt.
  2. Der unsichtbare Sonderaufwand. Ein Mitarbeiter, der ständig Bestätigung braucht, kostet dich jede Woche wertvolle Aufmerksamkeit. Einer, der jede Vorgabe erst zerredet, kostet dich Zeit in jedem einzelnen Gespräch. Beides taucht in keiner betriebswirtschaftlichen Auswertung auf, summiert sich aber über Monate zu erheblichen Summen.
  3. Die Hoffnung auf Besserung ohne Anlass. Wenn ein Problem nie klar benannt wurde, wird es sich auch nicht von selbst lösen. Menschen korrigieren, was ihnen konkret gesagt wird, nicht das, was du dir im Stillen denkst.

Was vor jeder Trennung stehen muss

Vor jeder Trennung steht ein klares Gespräch, und zwar eines, das die Erwartung schriftlich und überprüfbar formuliert. Nicht „du musst zuverlässiger werden", sondern konkret: welches Verhalten sich bis wann und in welcher Form ändern soll.

Genau hier zeigt sich, warum dieses Thema untrennbar mit der Struktur deines Betriebs zusammenhängt. Ohne dokumentierte Abläufe und schriftlich festgehaltene Aufgaben kannst du im Zweifel gar nicht belegen, was nicht funktioniert hat. Dann steht Eindruck gegen Eindruck, und niemand gewinnt diese Diskussion wirklich. Sobald dagegen Aufgaben mit klarem Ergebnis und Frist vorliegen, ist die Sache eindeutig, für beide Seiten. Das schützt übrigens nicht nur dich, sondern auch den Mitarbeiter vor einer willkürlichen Bewertung.

Erst wenn die Erwartung wirklich klar formuliert war und trotzdem nichts passiert ist, stellt sich die Frage nach der Trennung überhaupt in sauberer Form.

Grafik zu klaren Erwartungserklärungen als Fundament für Mitarbeiterbeziehungen.

Infografik: Klarheit statt Trennung 

Der andere Weg: die Rolle ändern statt den Menschen

Nicht jede Fehlbesetzung ist automatisch eine Fehleinstellung. Sehr häufig sitzt jemand einfach auf der falschen Position, während im selben Betrieb eine andere Rolle unbesetzt bleibt.

Wer viel redet und gerne nach außen geht, ist im Kundenkontakt oft eine echte Bank, in stiller Dokumentationsarbeit dagegen schwach. Wer ruhig und ordentlich arbeitet, hält Abläufe zuverlässig ein, geht in Verhandlungen aber schnell unter. Bevor du dich von jemandem trennst, lohnt sich deshalb immer der Blick, ob nicht eine andere Rolle das eigentliche Problem lösen würde.

PersönlichkeitstypStärkeSchwächePassende Rolle
Kommunikativ, extrovertiertKundenkontakt, AkquiseDokumentation, DetailarbeitVertrieb, Kundenbetreuung
Ruhig, strukturiertZuverlässige Abläufe, GenauigkeitVerhandlungen, KonfliktsituationenBackoffice, technische Umsetzung

Welche Variante bei dir tatsächlich infrage kommt, hängt stark von deiner Teamgröße und den vorhandenen Rollen ab. In einem Betrieb mit fünf Mitarbeitern gibt es diesen Spielraum oft schlicht nicht. Ab etwa zehn Mitarbeitern findest du ihn fast immer.

Fazit: Wegsehen ist keine Verantwortung

Durchschleppen fühlt sich verantwortungsvoll an, ist es aber nicht. Es geht zulasten des Teams, das die liegen gebliebene Arbeit auffängt, und zulasten des Betroffenen, der an einer Stelle verharrt, an der er dauerhaft nicht bestehen kann. Die Verantwortung, die du wirklich trägst, gilt dem Betrieb als Ganzem. Alles andere folgt daraus ganz von selbst.

Schau dir dein Team heute noch einmal bewusst an. Gibt es jemanden, bei dem du seit Monaten zögerst? Dann ist jetzt der richtige Moment für das klare Gespräch, nicht für eine weitere Ausrede.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein klärendes Gespräch?

Sobald dir ein Problem zum zweiten Mal auffällt und du es beim ersten Mal nicht klar angesprochen hast, ist der richtige Zeitpunkt bereits jetzt, nicht irgendwann später.

Muss ich vor einer Trennung immer erst eine Abmahnung aussprechen?

Rechtlich hängt das vom Einzelfall ab, aber unabhängig davon solltest du dem Mitarbeiter immer zuerst eine klare, dokumentierte Chance zur Verbesserung geben.

Wie erkenne ich, ob jemand die falsche Rolle hat statt grundsätzlich ungeeignet zu sein?

Schau dir an, in welchen konkreten Situationen die Person auffällig gut oder auffällig schwach arbeitet. Häufig zeigt sich darin ein klares Muster, das auf eine andere Position hindeutet.

Was, wenn ich noch keinen Ersatz für die Stelle habe?

Die Ersatzangst ist verständlich, darf aber keine überfällige Entscheidung dauerhaft blockieren. Oft lässt sich eine Übergangslösung organisieren, sobald die Entscheidung erst einmal gefallen ist.

Schadet eine Trennung wirklich der Stimmung im restlichen Team?

Das Gegenteil ist meist der Fall. Teams spüren Fehlbesetzungen oft lange vor dem Inhaber und reagieren auf eine konsequente, faire Lösung in der Regel mit Erleichterung.

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