Warum deine Blutwerte bei Schilddrüsenunterfunktion täuschen können
Hannah Hauser ist studierte Ernährungswissenschaftlerin und Schilddrüsenexpertin
Du sitzt beim Arzt, die Blutwerte liegen vor und dann kommt der Satz: „Alles in Ordnung mit Ihrer Schilddrüse." Doch innerlich spürst du genau, dass irgendetwas nicht stimmt. Du bist ständig müde, die Haare fallen aus und die Kilos wollen einfach nicht verschwinden. Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du nicht allein. Das Problem liegt oft nicht an deiner Wahrnehmung, sondern an der begrenzten Aussagekraft von Blutwerten. Warum Laborergebnisse täuschen können und wie du wirklich herausfindest, was mit deiner Schilddrüse los ist, erfährst du in diesem Artikel.
Das Problem mit den Standardwerten
Die meisten Hausärzte kontrollieren bei Schilddrüsenproblemen oft nur den TSH-Wert. Das liegt auch daran, dass Krankenkassen meist nur diese Basisdiagnostik bezahlen. Doch dieser Wert allein sagt erschreckend wenig aus. Er kann beispielsweise durch Stress künstlich niedrig sein und so ein völlig verzerrtes Bild liefern.
Selbst wenn umfangreichere Werte wie fT3 und fT4 gemessen werden, bleibt ein entscheidendes Problem: Blutwerte zeigen nur, was in deinem Blut passiert, aber nicht, was in deinen Zellen ankommt. Und genau dort, auf zellulärer Ebene, entscheidet sich, ob dein Körper die Schilddrüsenhormone tatsächlich nutzen kann.
Warum Blutwerte so unzuverlässig sind
Eine Blutabnahme ist immer nur eine Momentaufnahme. Deine Hormonwerte schwanken im Laufe des Tages, je nach Ernährung, Stresslevel und Zyklusphase. Ein Wert, der am Dienstagmorgen normal aussieht, kann am Mittwochabend ganz anders sein. Während der Periode sehen die Werte anders aus als beim Eisprung. Das macht Blutwerte zu einem unsicheren Indikator für dein tatsächliches Befinden.
So findest du wirklich heraus, wie es deiner Schilddrüse geht
Wenn die Blutwerte allein nicht ausreichen, um ein vollständiges Bild deiner Schilddrüsenfunktion zu erhalten, gibt es verschiedene Methoden und Tests, die dir eine deutlich genauere und verlässlichere Einschätzung ermöglichen.
Ultraschall: Ein Blick auf die Struktur
Eine Ultraschalluntersuchung zeigt zumindest, wie die Schilddrüse strukturell aussieht. Du erkennst:
- Ist die Schilddrüse vergrößert oder verkleinert?
- Gibt es Knoten oder andere Veränderungen?
- Hat sich die Drüse durch Hashimoto verändert?
Das gibt schon mal wichtige Hinweise, sagt aber nichts über die Hormonversorgung in den Zellen aus.
Deine Symptome: Der beste Indikator
Dein Körper sendet ständig Signale. Typische Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion oder von Hashimoto sind:
- Chronische Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Das Gefühl von „Watte im Kopf"
- Haarausfall und brüchige Nägel
- Gewichtsprobleme trotz gesunder Ernährung
- Zyklusstörungen oder Regelschmerzen
- Kälteempfindlichkeit
Wenn du viele dieser Symptome bei dir wiedererkennst, ist das ein deutliches Zeichen, unabhängig davon, was die Blutwerte sagen.

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Der Temperatur-Test nach Dr. Broda Barnes
Diese Methode ist besonders wertvoll, da sie überprüft, ob die Hormone nicht nur im Blut vorhanden sind, sondern auch tatsächlich in den Zellen wirken und dort ihre Funktion erfüllen.
So gehst du vor:
Für Frauen mit Zyklus gilt, dass du deine Körpertemperatur am zweiten, dritten und vierten Zyklustag misst. Für Männer oder Frauen in den Wechseljahren solltest du drei aufeinanderfolgende Tage wählen.
- Miss deine Temperatur direkt nach dem Aufwachen, noch bevor du aufstehst
- Verwende ein Thermometer und miss in der Achsel
- Notiere die Werte aller drei Tage
- Bilde den Mittelwert
Die Auswertung:
- 36,8°C oder höher: Deine Schilddrüse scheint gut zu arbeiten, die Hormone kommen in den Zellen an
- 36,6°C bis 36,8°C: Grauzone. Achte verstärkt auf deine Symptome
- Unter 36,6°C: Sehr wahrscheinlich liegt eine Unterfunktion vor und die Hormone erreichen die Zellen nicht ausreichend
Deine Körpertemperatur verrät, wie aktiv dein Stoffwechsel ist. In deinen Zellen sitzen winzige Kraftwerke, die Mitochondrien. Wenn die Schilddrüsenhormone dort ankommen, produzieren sie Energie und Wärme. Eine niedrige Temperatur deutet darauf hin, dass dieser Prozess gestört ist.
Was du konkret tun kannst
Wenn der Temperatur-Test oder deine Symptome Alarm schlagen, ist es Zeit zu handeln. Du kannst selbst viel bewegen, vor allem über deine Ernährung und deinen Lebensstil.
Arbeite mit messbaren Veränderungen
Beobachte bewusst, wie sich Veränderungen auswirken:
- Steigt deine Körpertemperatur nach einer Ernährungsumstellung?
- Fühlst du dich weniger müde?
- Wachsen die Haare nach, werden die Nägel kräftiger?
- Purzeln die Pfunde leichter?
Diese symptombasierten Marker sind oft aussagekräftiger als jeder Laborwert. Wenn du merkst, dass dein Energielevel steigt und die Beschwerden zurückgehen, ist das ein klares Zeichen dafür, dass dein Stoffwechsel wieder in Schwung kommt und die Hormone die Zellen erreichen.
Schilddrüsenfreundliche Routinen etablieren
Eine nachhaltige Verbesserung erreichst du durch:
- Eine schilddrüsenfreundliche Ernährung mit ausreichend Nährstoffen
- Nervensystemregulierung, denn chronischer Stress blockiert die Hormonumwandlung
- Ausreichend Schlaf, damit sich der Körper regenerieren kann
- Sanfte Bewegung, die den Stoffwechsel ankurbelt ohne zu belasten

Durch gesunde Routinen hilfst du deiner Schilddrüse dabei, wieder in ihre volle Kraft zu kommen
Fazit: Höre auf deinen Körper, nicht nur auf die Werte
Blutwerte sind ein Werkzeug, aber sie erzählen nicht die ganze Geschichte. Wenn du dich trotz „normaler" Werte schlecht fühlst, nimm das ernst. Dein Körper lügt nicht. Der Temperatur-Test, deine Symptome und strukturelle Untersuchungen wie der Ultraschall geben dir ein viel genaueres Bild davon, was wirklich los ist.
Probiere den Temperatur-Test aus und beobachte, wie sich kleine Veränderungen in deinem Lebensstil auf dein Energielevel auswirken. Du hast es verdient, gesund zu sein und das bedeutet nicht nur normale Werte auf dem Papier, sondern echtes Wohlbefinden im Alltag.
Du möchtest tiefer in das Thema Schilddrüse eintauchen? Hannah litt selbst viele Jahre an Schilddrüsenunterfunktion und Hashimoto. Durch die natürliche Aktivierung ihrer Schilddrüse hat sie über 25 Kilo abgenommen und braucht heute keine Medikamente mehr.
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