Warum dir als Chef Kündigungen so schwerfallen - und wie du das änderst
Vielen Chefs fällt es schwer Mitarbeiter zu kündigen. Das muss aber nicht sein!
Du weißt es eigentlich schon lange. Ein Mitarbeiter bringt nicht die Leistung, die er bringen sollte. Die Feedback-Gespräche verlaufen im Sand, Besserung? Fehlanzeige. Trotzdem sitzt du da, zögerst, suchst nach Gründen, warum es doch noch klappen könnte - und sprichst die Kündigung einfach nicht aus. Kommt dir das bekannt vor?
Damit bist du nicht allein. Unzählige Führungskräfte kennen genau dieses Dilemma: Rational ist völlig klar, dass ein Mitarbeiter gehen muss. Emotional jedoch fühlt sich dieser Schritt an wie eine Wand, gegen die man immer wieder rennt. Die gute Nachricht: Dieses Verhalten hat einen klaren psychologischen Hintergrund - und lässt sich auflösen. In diesem Artikel erfährst du, woher diese Blockade kommt und wie du sie Schritt für Schritt hinter dir lässt.
Warum dir das Kündigen so schwerfällt
Niemand bringt dir bei, wie man richtig führt. Die meisten Menschen rutschen in eine Führungsposition hinein, ohne jemals gelernt zu haben, wie man mit Mitarbeitern umgeht, wie man schwierige Gespräche führt oder wie man mit den eigenen Emotionen in solchen Momenten umgeht. Stattdessen greifst du unbewusst auf das zurück, was dir Erziehung, Schule und Gesellschaft über den Umgang mit Menschen beigebracht haben. Und die sagen meistens: Sei nett, mach niemanden traurig, verletze niemanden.
Genau das wird in Führungspositionen zur Falle. Denn eine Kündigung fühlt sich für viele wie ein moralischer Fehltritt an, so, als würde man bewusst jemandem schaden. Dieses Gefühl ist so stark, dass es rationales Denken komplett aushebelt. Du weißt, dass der Mitarbeiter gehen muss. Trotzdem findest du plötzlich Argumente, warum er doch bleiben sollte. Du entdeckst auf einmal Stärken, die dir vorher nie aufgefallen sind. Das ist kein Zufall, sondern ein psychologisches Muster.

Viele Führungskräfte wissen, dass eine Kündigung notwendig ist, trauen sich aber nicht, sie auszusprechen.
Der Rechtmacher: Ein Funktionstyp, der dich blockiert
Hinter diesem Verhalten steckt oft ein bestimmter Funktionstyp: der sogenannte Rechtmacher. Menschen mit diesem Muster stellen die eigenen Interessen konsequent hinten an, um es anderen recht zu machen. Sie springen ein, wenn ein Mitarbeiter kurzfristig früher gehen möchte. Sie geben immer wieder neue Chancen. Und sie vermeiden es um jeden Preis, jemanden zu enttäuschen um nicht abgelehnt zu werden.
In der Umgangssprache kennst du dieses Muster vielleicht als "Everybody's Darling"-Mentalität: Du möchtest von allen gemocht werden, niemand soll schlecht von dir denken. Genau dieser Wunsch ist es, der eine notwendige Kündigung so unglaublich schwer macht - nicht fehlendes Wissen über den formellen Ablauf oder rechtliche Fragen. Die eigentliche Hürde ist rein emotional.
Was diese Blockade wirklich kostet
Viele halten dieses Verhalten für besonders soziale, rücksichtsvolle Führung. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn du an Mitarbeitern festhältst, die eigentlich gehen müssten, entsteht ein negatives Unternehmensklima - besonders die Kollegen, die sich fragen, warum diese Person immer noch da ist. Das nagt an der Motivation und am Vertrauen ins Führungsteam.
Hinzu kommt der finanzielle Aspekt. Mitarbeiter, die nicht performen, machen operative Fehler. Diese Fehler kosten Geld, Kunden und Ansehen - und dieser Rattenschwanz zieht sich oft über Monate oder Jahre, weil die notwendige Entscheidung immer wieder aufgeschoben wird.
| Verhalten | Kurzfristiges Gefühl | Langfristige Folge |
|---|---|---|
| Kündigung aufschieben | Vermeintlich "sozial", angenehm | Schlechtes Betriebsklima, hohe Kosten |
| Klare Entscheidung treffen | Unangenehm, aber ehrlich | Stabiles Team, Vertrauen, Klarheit |
So löst du dich vom Rechtmacher-Muster
Der erste Schritt ist, den eigenen Funktionstyp zu erkennen. Wenn du merkst, dass du dich in der Beschreibung des Rechtmachers wiederfindest, ist das schon die halbe Miete. Denn ein erkanntes Muster lässt sich gezielt bearbeiten und abbauen.
Wichtig dabei: Es geht nicht darum, ein anderer Mensch zu werden oder plötzlich hart und unnahbar zu wirken. Du bleibst authentisch, sympathisch und du selbst. Der Unterschied ist, dass du notwendige Entscheidungen künftig aus Klarheit triffst statt aus Angst vor Ablehnung.

Du kannst "unangenehme" Entscheidungen treffen, ohne dich dabei schlecht zu fühlen.
Frag dich bei der nächsten schwierigen Entscheidung ganz konkret: Würde ich diese Kündigung aussprechen, wenn mich niemand dafür verurteilen könnte? Wenn die Antwort ja lautet, dann ist nicht die Sachlage dein Problem, sondern dein Bedürfnis, gemocht zu werden.
Fazit: Klarheit statt schlaflose Nächte
Eine Kündigung auszusprechen wird nie angenehm sein - das muss es auch nicht. Aber sie muss dich nicht mehr lähmen. Sobald du erkennst, dass der Rechtmacher-Typ in dir am Werk ist, kannst du bewusst gegensteuern. Du triffst deine Entscheidungen dann nicht mehr aus Angst vor Ablehnung, sondern aus unternehmerischer Verantwortung heraus. Und das fühlt sich am Ende viel besser an als jede vermeintlich soziale Rücksichtnahme.
Beobachte dich in der nächsten Situation, in der eine schwierige Entscheidung ansteht. Frag dich ehrlich: Geht es hier wirklich um das Wohl des Unternehmens und des Teams - oder nur darum, dass du niemanden enttäuschen willst? Diese eine Frage kann der erste Schritt zu mehr Klarheit und Souveränität in deiner Führungsrolle sein.
Wenn du dabei Unterstützung brauchst und herausfinden möchtest, ob der Funktionstyp des Rechtmachers bei dir aktiv ist, dann buche dir ein kostenfreies Beratungsgespräch unter machermindset.de. In diesem Gespräch analysiere ich deinen individuellen Funktionstyp und zeige dir einen Schritt-für-Schritt-Plan, wie du ihn ablegen kannst, ohne dich dabei zu verstellen – damit notwendige Kündigungen in Zukunft kein Grund mehr für deine schlaflosen Nächte sind.
Warum fällt es mir so schwer, Mitarbeitern zu kündigen, obwohl ich weiß, dass es richtig ist?
Das liegt meist nicht an fehlendem Wissen über den Ablauf, sondern an der Angst, jemanden zu verletzen oder moralisch etwas Falsches zu tun. Dieses Gefühl blockiert die rationale Entscheidung.
Was ist der Funktionstyp des Rechtmachers?
Der Rechtmacher stellt die eigenen Interessen konsequent hinten an, um es anderen recht zu machen. Er vermeidet Konflikte und Ablehnung um jeden Preis, was notwendige Entscheidungen wie Kündigungen erschwert.
Macht mich das Aussprechen einer Kündigung zu einem schlechten Chef?
Nein, im Gegenteil. Notwendige Kündigungen konsequent umzusetzen schützt das Team, das Betriebsklima und letztlich das Unternehmen. Aufschieben schadet meist mehr als eine klare, faire Entscheidung.
Wie erkenne ich, ob ich selbst diesen Rechtmacher-Typ in mir trage?
Ein deutliches Zeichen ist, wenn du bei anstehenden Kündigungen immer wieder neue Argumente findest, warum der Mitarbeiter doch bleiben sollte, obwohl du rational weißt, dass die Entscheidung längst überfällig ist.
Muss ich meine Persönlichkeit verändern, um damit umzugehen?
Nein. Es geht nicht darum, ein anderer Mensch zu werden, sondern darum, das blockierende Muster abzubauen. Du bleibst authentisch und sympathisch, triffst aber Entscheidungen aus Klarheit statt aus Angst.