Warum Misstrauen die neue Normalität ist – und was das für dein Vermögen bedeutet
Alexandra Weck | A. Weck Consulting
Stell dir vor, du siehst ein Foto einer renommierten Finanzberaterin auf einem Podium beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Professionelles Setting, Namensschild, überzeugende Inszenierung. Doch das Bild ist komplett gefälscht – von einer KI erstellt. Genau dieses Experiment hat Alexandra Weck kürzlich gewagt, um eine unbequeme Wahrheit sichtbar zu machen: Wir können nicht mehr unterscheiden, was echt ist und was nicht. Und das verändert alles – besonders dort, wo es um dein Geld geht.
Für Vermögensverwalter, Family Offices und Finanzberater war Vertrauen jahrzehntelang eine Selbstverständlichkeit. Ein guter Ruf, persönliche Empfehlungen, langjährige Erfahrung – das reichte. Heute reicht es nicht mehr. Denn zwischen 2019 und 2024 ist die Zahl der Deepfakes um rund 550 Prozent gestiegen. Gleichzeitig zeigt das Edelman Trust Barometer 2025, dass 70 Prozent der Menschen glauben, Führungspersonen würden sie bewusst in die Irre führen. Willkommen in einer Welt, in der Misstrauen der Ausgangspunkt jeder Beziehung ist.

Drei Zahlen zur neuen Realität.
Wenn jeder echt aussehen kann, wird Vertrauen zur Beweisfrage
Alexandra Weck, Unternehmerin und Expertin für Wealth Management mit über 17 Jahren Erfahrung in der Finanzbranche, bringt es auf den Punkt: „Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob Menschen misstrauischer werden, sondern wie Vertrauen in einer Welt entsteht, in der digitale Inhalte immer leichter künstlich erzeugt werden können." Weck hat in ihrer Karriere bei UBS, FFB/Fidelity und der Baader Bank Verantwortung für über 30 Milliarden Euro an betreuten Assets getragen. Sie weiß: Vertrauen war schon immer die Grundlage erfolgreicher Mandatsbeziehungen. Doch heute hat sich die Art und Weise, wie dieses Vertrauen entsteht, fundamental verändert.
Ein professionelles Foto? Kann KI erstellen. Eine moderne Website? In wenigen Stunden aufgesetzt. Ein überzeugendes Video? Deepfake-Technologie macht's möglich. Wenn alles echt aussehen kann, verlieren diese Signale ihre Überzeugungskraft. „Mich beschäftigt weniger die Technologie selbst als die Frage, was sie mit unserem Urteilsvermögen macht", erklärt Weck. „Wenn alles echt aussehen kann, wird Misstrauen automatisch zum Ausgangspunkt jeder Bewertung."

Foto, Website, Video – früher Vertrauensbeweise, heute KI-fälschbar.
Für Vermögensverwalter ist das keine abstrakte Zukunftsfrage. Es greift direkt die Grundlage ihres Geschäftsmodells an. Denn wer sein Geld anlegt, muss dem Berater vertrauen können. Aber wie beweist man Vertrauenswürdigkeit, wenn selbst Beweise gefälscht werden können?
Die nächste Generation recherchiert anders – und findet dich vielleicht nicht
Dazu kommt ein zweiter Megatrend: der größte Vermögenstransfer der Geschichte. Bis 2048 werden Vermögenswerte in historischer Größenordnung an die nächste Generation übergehen. Doch Studien zeigen: Rund 81 Prozent der Vermögensnachfolger wechseln innerhalb von zwei Jahren nach einer Vermögensübertragung den Vermögensverwalter ihrer Eltern.
Warum? Weil sie anders entscheiden. Die nächste Generation verlässt sich deutlich weniger auf Empfehlungen, persönliche Netzwerke oder den guten Ruf eines Namens. Stattdessen recherchiert sie selbstständig – auf Google, LinkedIn, in Podcasts, auf YouTube. Dort entsteht der erste Eindruck, lange bevor ein persönliches Gespräch stattfindet.
Das Problem: Viele erfahrene Vermögensverwalter sind online praktisch unsichtbar. Sie verfügen über jahrzehntelange Expertise, verwalten hohe Vermögen und genießen einen ausgezeichneten Ruf in ihrem Netzwerk. Doch für potenzielle Mandanten, die digital recherchieren, existieren diese Qualitäten nicht. „Ein Vermögensverwalter kann seit 15 Jahren erfolgreich tätig sein", sagt Weck. „Wenn potenzielle Mandanten bei ihrer Recherche jedoch keine Interviews, Fachbeiträge, Podcasts oder Videos finden, wirkt diese Person für sie nicht relevant – unabhängig von ihrer tatsächlichen Kompetenz."
Unsichtbarkeit wird damit vom Kommunikationsproblem zum Geschäftsrisiko. Denn wer nicht gefunden wird, kommt nicht in die engere Auswahl. Auch nicht mit den besten Referenzen.
Konsistenz über Zeit: Die neue Währung der Glaubwürdigkeit

Wer heute startet, hat in 3 Jahren eine dokumentierte Historie – wer wartet, hat nichts Nachweisbares.
Was also tun in einer Welt, in der Misstrauen die neue Normalität ist? Die Antwort liegt nicht im einzelnen Beitrag, nicht in der perfekten Website, nicht im einen Video. Entscheidend ist die Summe vieler nachvollziehbarer Signale über einen längeren Zeitraum hinweg.
Regelmäßige Fachbeiträge, Interviews, Marktkommentare, Podcasts und öffentliche Einschätzungen schaffen eine dokumentierte Historie. Potenzielle Mandanten können dadurch überprüfen: Welche Haltung vertritt dieser Vermögensverwalter? Wie haben sich seine Einschätzungen entwickelt? Bleiben seine Aussagen über Jahre hinweg konsistent?
Genau diese Kontinuität lässt sich nicht kurzfristig künstlich erzeugen. „Wer heute beginnt, Sichtbarkeit aufzubauen, verfügt in drei Jahren über drei Jahre dokumentierte Glaubwürdigkeit", betont Weck. „Wer erst in drei Jahren beginnt, hat in drei Jahren keine nachweisbare Vergangenheit."
Digitale Sichtbarkeit bedeutet dabei nicht Selbstdarstellung. Es geht darum, Kompetenz, Haltung und Beständigkeit überprüfbar zu machen. Es geht darum, Vertrauen nicht zu behaupten, sondern nachweisbar entstehen zu lassen.
Zwei Wege, ein Ziel: Digital oder physisch sichtbar werden
Nicht jeder Vermögensverwalter möchte dauerhaft online präsent sein. Gerade Family Offices und besonders diskret arbeitende Finanzberater bevorzugen häufig einen zurückhaltenden öffentlichen Auftritt. Dennoch bleibt das Bedürfnis nach überprüfbarer Glaubwürdigkeit bestehen.
Deshalb gewinnen neben digitalen Formaten auch physische Formate wieder an Bedeutung:
- Roadshows und Investorenveranstaltungen
- Kunden-Events und Fachkongresse
- Podiumsdiskussionen und Vorträge
Gerade in einer Welt, in der selbst Videos, Stimmen und Bilder manipuliert werden können, wird die persönliche Präsenz vor Publikum zu einem der stärksten Vertrauenssignale überhaupt. Wer sichtbar auf einer Bühne steht, Fragen beantwortet, Position bezieht und sich dem direkten Austausch stellt, schafft eine Form von Glaubwürdigkeit, die sich deutlich schwerer künstlich erzeugen lässt als digitale Inhalte.
Digitale und physische Sichtbarkeit sind deshalb keine Gegensätze. Sie sind zwei unterschiedliche Wege zum gleichen Ziel: Vertrauen sichtbar zu machen, bevor überhaupt ein erstes Gespräch stattfindet.
Glaubwürdigkeit entsteht nicht rückwirkend
Der dänische Philosoph Søren Kierkegaard schrieb einst, dass das Leben nur rückwärts verstanden, aber vorwärts gelebt werden könne. Alexandra Weck überträgt diesen Gedanken auf die Vermögensverwaltung: Künftige Glaubwürdigkeit wird rückwirkend bewertet.
Potenzielle Mandanten interessieren sich nicht nur für aktuelle Aussagen. Sie prüfen zunehmend, was ein Berater bereits vor Monaten oder Jahren öffentlich vertreten hat. Welche Einschätzungen wurden abgegeben? Welche Positionen wurden bezogen? Welche Haltung wurde konsequent vertreten?
Genau daraus entsteht Vertrauen. Wer heute keine sichtbare Historie aufbaut, kann morgen keine gewachsene Glaubwürdigkeit vorweisen. „Misstrauen ist der neue Normalzustand. Vertrauen wird künftig nicht mehr vorausgesetzt, sondern anhand nachvollziehbarer Spuren vergeben", sagt Weck.
Was du jetzt tun kannst
Falls du selbst mit Vermögensverwaltern arbeitest oder darüber nachdenkst, dein Geld professionell verwalten zu lassen, lohnt sich eine einfache Recherche:
- Google den Namen deines Beraters. Was findest du?
- Suche auf LinkedIn nach Fachbeiträgen. Teilt die Person regelmäßig Einschätzungen?
- Schau nach Interviews oder Podcasts. Gibt es eine nachvollziehbare Historie?
Wenn du kaum etwas findest, heißt das nicht automatisch, dass die Person inkompetent ist. Aber es heißt, dass du ihre Kompetenz nur schwer überprüfen kannst. Und in einer Welt, in der Misstrauen die neue Normalität ist, wird genau das zum Problem.
Fazit: Wer wartet, riskiert Unsichtbarkeit
Misstrauen ist die neue Normalität. Vertrauen wird nicht mehr vorausgesetzt, sondern muss durch nachvollziehbare Spuren über Zeit verdient werden. Wer heute beginnt, eine belastbare Vertrauenshistorie zu schaffen – digital oder physisch –, sichert seine Relevanz für die nächste Generation von Entscheidern. Wer wartet, riskiert dagegen, trotz Erfahrung, Expertise und guter Ergebnisse unsichtbar zu bleiben.
Alexandra Weck hat mit ihrem Sales-4.0-Ansatz einen Weg entwickelt, Vermögensverwalter, Family Offices und Finanzberater dabei zu unterstützen, langfristige Glaubwürdigkeit sichtbar aufzubauen. Ihre These ist klar: Mistrust is the New Default. Und Vertrauen entsteht künftig dort, wo Glaubwürdigkeit sichtbar wird.
Beobachte dich selbst: Wem vertraust du spontan mehr – jemandem, von dem du eine einzelne Empfehlung hörst, oder jemandem, dessen Haltung und Einschätzungen du über Jahre hinweg verfolgen konntest? Die Antwort zeigt, wohin die Reise geht.