Was Geschäftsführer bei Elektrosicherheit wirklich verantworten!

Was Geschäftsführer bei Elektrosicherheit wirklich verantworten!

Was Geschäftsführer bei Elektrosicherheit wirklich verantworten!

Als Geschäftsführer tragen Sie die volle Verantwortung – auch wenn Sie von Elektrotechnik keine Ahnung haben. Klingt ungerecht? Vielleicht. Aber es ist Realität. Und gerade in kleineren Produktionsunternehmen wird dieses Thema oft völlig unterschätzt. Bis zum ersten Unfall. Dann stehen plötzlich Staatsanwaltschaft, Berufsgenossenschaft oder Polizei vor der Tür – und Sie müssen nachweisen, dass Sie Ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen sind.

Als Geschäftsführer tragen Sie volle Verantwortung für elektrische Anlagen.

Als Geschäftsführer tragen Sie volle Verantwortung für elektrische Anlagen.

Die unterschätzte Generalverantwortung

Egal, ob Sie Kaufmann, Arzt oder Ingenieur sind: Als Geschäftsführer oder Inhaber tragen Sie die Generalverantwortung für die Elektrosicherheit in Ihrem Unternehmen. Selbst wenn Sie einen technischen Leiter, eine verantwortliche Elektrofachkraft oder externe Dienstleister beauftragen – die Gesamtverantwortung bleibt bei Ihnen.

Das bedeutet konkret: Sie haben eine Organisations- und Auswahlverantwortung. Sie müssen sicherstellen, dass die richtigen Personen die richtigen Aufgaben übernehmen – und dass diese Personen auch entsprechend qualifiziert sind. Selbst nach der Delegation bleiben Sie in der Pflicht, regelmäßig zu kontrollieren und sich über den Stand der Sicherheit zu informieren.

Kleine Betriebe, große Risiken

Besonders in kleineren mittelständischen Produktionsunternehmen mit 50 bis 100 Mitarbeitenden fehlt oft eine klare Elektroorganisation. Die Struktur sieht meist so aus: Geschäftsführung, Produktions- oder Betriebsleitung – und dann zwei, drei Personen in der Instandhaltung, die sich um alles kümmern. Um das Gebäude, die Maschinen, mechanische Reparaturen und nebenbei auch um elektrotechnische Arbeiten.

Viele Aufgaben werden an externe Elektrofachfirmen vergeben. Doch auch hier gilt: Die Verantwortung für Organisation, Planung und Kontrolle bleibt im Unternehmen. Und genau hier liegt das Problem: Viele Unternehmer wissen gar nicht, dass sie eine strukturierte Elektroorganisation aufbauen müssen – unabhängig von der Betriebsgröße.

Was zu einer sicheren Elektroorganisation gehört

Auch wenn es auf den ersten Blick übertrieben wirkt: Selbst kleine Betriebe brauchen eine dokumentierte Struktur. Dazu gehören:

  • Ein Organigramm, das zeigt, wer welche Rolle innehat – auch bei nur zwei Personen
  • Eine Personalübersicht mit Qualifikationen und Tätigkeitsbeschreibungen
  • Gefährdungsbeurteilungen für Anlagen, Arbeitsbereiche und konkrete Tätigkeiten
  • Klare Zuständigkeiten, wer welche elektrotechnischen Arbeiten ausführen darf

Denn auch eine vermeintlich einfache Fehlersuche im Schaltschrank einer Produktionsanlage ist elektrotechnische Arbeit – mit denselben Risiken wie bei einer großen Elektrofirma. Die Gefährdung ist real, unabhängig von der Unternehmensgröße.

Wenn nichts passiert, läuft doch alles gut – oder?

Viele Geschäftsführer wiegen sich in falscher Sicherheit. „Der Kollege macht das doch schon seit Jahren", heißt es dann. Doch Arbeitsunfälle passieren nicht, weil jemand morgens aufwacht und plötzlich leichtsinnig wird. Sie passieren, weil im Vorfeld keine Risikoanalyse stattfand, keine Maßnahmen festgelegt wurden, keine Unterweisungen erfolgten.

Und beim 100.001. Mal geht es schief.

Dann wird es ernst. Dann müssen Dokumente vorgelegt werden. Dann wird geprüft, ob Sie Ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen sind. Wenn nicht, droht im schlimmsten Fall die persönliche Haftung. Und die Ausrede „Ich habe doch jemanden dafür eingestellt“ greift nicht. Denn Sie hätten kontrollieren müssen, ob diese Person wirklich geeignet ist, ob sie die nötigen Mittel hat und ob Maßnahmen umgesetzt wurden.

Verantwortung heißt auch: im Gespräch bleiben

Kontrolle bedeutet nicht Misstrauen, sondern aktive Führung. Das heißt konkret:

  • Lassen Sie sich regelmäßig Berichte geben
  • Fragen Sie nach offenen Punkten aus Gefährdungsbeurteilungen
  • Klären Sie, ob alle Mitarbeitenden unterwiesen wurden
  • Erkunden Sie sich nach dem Inhalt der letzten ASA-Sitzung (Arbeitsschutzausschuss)
  • Sprechen Sie mit Produktionsleitern: Machen die Mitarbeitenden nur das, was sie auch dürfen?

Sie müssen kein Elektrotechnik-Experte sein. Aber Sie müssen sicherstellen, dass jemand im Unternehmen diese Expertise hat – und dass die Sicherheitsmaßnahmen auch tatsächlich greifen.

Dokumentation ist kein Papierkram – sondern dein Schutz

Ohne Dokumentation ist kein sicherer Betrieb möglich.

Ohne Dokumentation ist kein sicherer Betrieb möglich.

Im Ernstfall zählt nur eins: Nachweisbarkeit. Sie müssen jederzeit in der Lage sein, Unterlagen vorzulegen, die zeigen:

  • Wann wurde die Gefährdung erkannt?
  • Wie wurde sie bewertet?
  • Welche Maßnahmen wurden festgelegt?
  • Was wurde bestellt, beauftragt, geschult?
  • Wurde die Wirksamkeit der Maßnahmen überprüft?

Es reicht nicht, einmalig eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen, weil ein Audit ansteht – und danach alles in der Schublade zu verschwinden. Sicherheit muss nachhaltig gelebt werden. Nicht für ein Zertifikat an der Wand, sondern für echte Arbeitssicherheit.

Mitarbeitende einbinden statt nur abhaken

Sinnvolle Maßnahmen entstehen nur im Dialog mit den Menschen, die die Arbeit tatsächlich ausführen. Persönliche Schutzausrüstung, die niemand trägt, weil sie unpraktisch ist? Sinnlos. Unterweisungen, die nicht verstanden werden? Wirkungslos.

Holen Sie Ihre Fachkräfte ins Boot. Fragen Sie:

  • Was brauchen Sie, um Ihre Arbeit sicher auszuführen?
  • Was hilft Ihnen wirklich?
  • Wo sehen Sie Risiken, die wir noch nicht erkannt haben?

So entsteht eine Kultur der Sicherheit – keine Alibiveranstaltung.

Fazit: Sicherheit ist Chefsache – auch bei Elektrotechnik

Auch kleine Produktionsunternehmen brauchen eine strukturierte Elektroorganisation. Die Risiken sind dieselben wie in großen Fabriken – nur die Strukturen oft weniger klar. Als Geschäftsführer können Sie die operative Verantwortung delegieren, aber nicht die Gesamtverantwortung. Sie müssen auswählen, organisieren, kontrollieren – und dokumentieren.

Das Gute: Sie müssen das nicht allein machen. Holen Sie sich Unterstützung, wenn Ihnen die Expertise fehlt. Prüfen Sie, ob Ihre bisherige Organisation wirklich lückenlos ist. Und sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeitenden sicher nach Hause kommen – und Sie nicht in eine Haftungsfalle geraten.

Dein Takeaway: Machen Sie sich bewusst, dass Elektrosicherheit kein „Techniker-Thema“ ist, sondern eine Führungsaufgabe. Verschaffen Sie sich einen klaren Überblick über Ihre Elektroorganisation – bevor es zu spät ist.

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