Wie deine Entscheidung als Chef beim Betriebsarzt auch über Leben und Tod entscheidet
Arbeitgeber haben Fürsorgepflicht
Ein Dachdecker liegt reglos auf dem Asphalt. 40 Meter über ihm baumelt die Sicherungsleine eines Krans im Wind. Ein Kranführer kollabiert in seiner Kabine – die Rettung wird zum lebensgefährlichen Wettlauf gegen die Zeit. Und ein Monteur stürzt von einem Mast, weil sein Körper ihn ohne Vorwarnung im Stich lässt. Was haben all diese Schicksale gemeinsam? Sie hätten verhindert werden können – durch eine gründliche arbeitsmedizinische Eignungsuntersuchung bei Tätigkeiten mit Absturzgefahr, auch bekannt nach dem alten DGUV-Grundsatz "G41". Für Unternehmen, die Mitarbeiter in absturzgefährdeten Bereichen einsetzen, geht es nicht nur um rechtliche Verpflichtungen. Es geht um Menschenleben. Und um die Frage: Haben Sie als Arbeitgeber wirklich alles in Ihrer Macht Stehende getan, um Ihre Angestellten zu schützen?
Wenn Sekunden über Leben entscheiden: Die brutale Realität der Absturzunfälle
Die Zahlen sind eindringlich – und erschütternd. Im Jahr 2024 verzeichnete die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) 91.813 meldepflichtige Arbeitsunfälle. 78 Menschen verloren ihr Leben. Fast jeder dritte Todesfall war die Folge eines Absturzes. Und hier kommt die Erkenntnis, die viele überrascht: 50 Prozent der tödlichen Abstürze ereignen sich aus weniger als fünf Metern Höhe. Jeder achte Todesfall resultiert sogar aus einem Sturz von unter zwei Metern.
Das bedeutet: Es ist nicht die spektakuläre Höhe, die tötet. Es ist der Moment, in dem der Körper versagt – ein Schwindelanfall, ein Blackout, ein epileptischer Anfall, eine Unterzuckerung. In diesem Augenblick wird aus einem routinierten Handgriff auf der Leiter eine Katastrophe.

Im Jahr 2024 verzeichnete die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) 91.813 meldepflichtige Arbeitsunfälle
Dieter, 45 Jahre, Dachdecker. Erfahren, fit, nie ernsthaft krank gewesen. Eines Tages ein kurzer Schwindelanfall in großer Höhe. Die G41-Untersuchung offenbart einen massiven Bluthochdruck unter Belastung. Ohne diese Diagnose wäre die nächste hypertensive Krise in der Höhe vermutlich tödlich gewesen. Dank der rechtzeitigen Erkennung konnte Dieter medikamentös eingestellt werden und arbeitet heute sicher weiter. Ein Leben gerettet – durch eine einzige Untersuchung.
Lara, Lageristin auf der Hebebühne. Sie spürte zunehmende Unsicherheit in der Höhe, schob es auf Stress. Die G41-Untersuchung deckte eine organische Gleichgewichtsstörung auf. Urteil: nicht geeignet für Tätigkeiten mit Absturzgefahr. Das Unternehmen versetzte sie in einen bodennahen Bereich. Ein Unfall verhindert – bevor es zu spät war.
Und dann gibt es die Fälle, in denen es keine zweite Chance gibt. Der Monteur, der von einem Mast stürzt, weil er seinen ersten epileptischen Anfall erleidet. Der Diabetiker im Gerüstbau, der aufgrund von Zeitdruck die Mahlzeit auslässt und in der Höhe einen hypoglykämischen Schock erleidet. Der Herzinfarkt auf dem Dach in der Mittagshitze. Jeder einzelne Tote ist einer zu viel – besonders, wenn er vermeidbar gewesen wäre.
G41: Mehr als Bürokratie – ein medizinisches Frühwarnsystem
Die arbeitsmedizinische Eignungsuntersuchung nach G41 ist kein Papierkram. Sie ist ein hochdifferenziertes medizinisches Verfahren, das Leben rettet, indem es Risiken erkennt, bevor sie sich in der Höhe manifestieren. Die Untersuchung dauert zwischen 30 und 90 Minuten – und deckt systematisch alle Organsysteme ab, deren Versagen in der Höhe fatal sein könnte.
Was die G41 so unverzichtbar macht
Die Unterscheidung zwischen Vorsorge und Eignung ist entscheidend: Während die normale arbeitsmedizinische Vorsorge den Selbstschutz des Mitarbeiters im Blick hat, geht es bei der G41 um den Fremdschutz und die Sicherheit aller.
Die G41-Untersuchung prüft gezielt:
- Herz-Kreislauf-System: EKG, ab 40 Jahren zusätzlich Belastungs-EKG (Ergometrie), um Rhythmusstörungen oder Durchblutungsstörungen unter Belastung aufzudecken
- Stoffwechsel: Blutzucker, Leberwerte, Nierenwerte – Hinweise auf Diabetes, Substanzabhängigkeiten oder andere Stoffwechselerkrankungen
- Sinnesorgane: Sehtest mit Prüfung des räumlichen Sehens (Stereosehen), Gesichtsfeld (Perimetrie), Farbsehen sowie Hörtest
- Gleichgewichtssystem: Tests wie der Romberg-Stand zeigen, ob das vestibuläre System stabil arbeitet
- Neurologische Stabilität: Ausschluss von Anfallsleiden, Schwindelattacken, Ohnmachtsneigung
- Psychische Eignung: Gibt es ausgeprägte Höhenangst (Akrophobie), die in der Höhe zu Panik führen könnte?
Die medizinischen Grenzen: Wann wird es kritisch?
Epilepsie gehört zu den absoluten Ausschlusskriterien. Ein Anfall in der Höhe bedeutet womöglich den Tod – selbst mit Sicherung droht das lebensgefährliche Hängetrauma. Nur nach jahrelanger Anfallsfreiheit (und meist Jahre ohne Medikation) kann unter strengen Auflagen über eine Eignung nachgedacht werden.
Bluthochdruck ist ein häufiger Zufallsbefund – und wird oft erst bei der G41 entdeckt. Massiv erhöhter Blutdruck unter Belastung erhöht das Risiko für Schwindel, Schlaganfälle und hypertensive Krisen. Hier wird die Eignung meist nur befristet ausgesprochen, bis die medikamentöse Einstellung stabil ist.
Diabetes mellitus ist nicht per se ein Ausschlusskriterium – entscheidend ist die Therapieform. Während eine diätetische Einstellung meist unproblematisch ist, birgt z.B. eine Insulin-Therapie das Risiko plötzlicher Unterzuckerungen. Diese führen zu Verwirrtheit, Zittern, Bewusstlosigkeit. Eine Eignung setzt hier eine exzellente Stoffwechseleinstellung, sichere Hypoglykämiewahrnehmung und das Fehlen von Folgeschäden voraus.
Erfahrung schützt nicht – Zahlen lügen nicht
Ein weiterer Irrglaube: „Meine Leute kennen sich aus, die passen schon auf." Die Unfallstatistik widerlegt das brutal. Die überwiegende Zahl der Unfallopfer hatte mehr als drei Jahre Berufserfahrung. In der Altersklasse der 50- bis 60-Jährigen ereignen sich über 50 Prozent der Unfälle. Medizinisch ist das erklärbar: Mit dem Alter lassen Sinnesfunktionen nach, chronische Erkrankungen nehmen zu. Regelmäßige G41-Untersuchungen alle 36 Monate – bei älteren Arbeitnehmern häufiger – sind daher keine Schikane, sondern lebensrettende Routine.
Ihre Verantwortung als Arbeitgeber: Rechtliche und moralische Pflicht
Als Unternehmer tragen Sie eine Garantenstellung. Das bedeutet: Sie sind rechtlich verpflichtet, Ihre Mitarbeiter aktiv vor Gefahren zu schützen. Wer Angestellte in absturzgefährdeten Bereichen einsetzt, ohne deren gesundheitliche Eignung prüfen zu lassen, begeht eine schwerwiegende Pflichtverletzung – mit drastischen Konsequenzen.

Sorgen Sie auch immer für eine ausreichende Absturzsicherung Ihrer Mitarbeiter?
Was Ihnen droht, wenn Sie den Betriebsarzt umgehen wollen
Strafrechtliche Verfolgung
Im Falle eines Unfalls ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Körperverletzung (§ 229 StGB) oder fahrlässiger Tötung (§ 222 StGB). Die Frage lautet: Haben Sie Ihre Fürsorgepflicht erfüllt? Das Argument „Der Mitarbeiter wusste um die Gefahr" zieht nicht. Arbeitsschutzvorschriften dienen gerade dazu, Arbeitnehmer vor eigenem Leichtsinn und Arbeitsdruck zu schützen. Strafe: Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren.
Bußgelder und Regress
Bußgeld nach § 25 ArbSchG: Bis zu 25.000 Euro pro Verstoß.
Regress der Berufsgenossenschaft (§ 110 SGB VII): Die gesetzliche Unfallversicherung übernimmt zunächst alle Kosten. Bei grober Fahrlässigkeit – und das Ignorieren der G41 gilt als solche – kann sie diese jedoch vom Arbeitgeber zurückfordern. Bei schweren Unfällen mit lebenslangen Rentenzahlungen geht es um Millionenbeträge, die Ihre wirtschaftliche Existenz vernichten können.
Zivilrechtliche Schadensersatzforderungen
Bei grober Fahrlässigkeit können betroffene Mitarbeiter oder Angehörige Schmerzensgeld und Schadensersatz nach § 823 BGB geltend machen – zusätzlich zu den Leistungen der Berufsgenossenschaft.
Die betriebswirtschaftliche Rechnung: Prävention ist eine Investition
Eine G41-Untersuchung kostet vergleichsweiese wenig. Ein schwerer Absturz verursacht aber:
- Produktionsausfälle über Wochen oder Monate
- Kosten für Ersatzpersonal und Umorganisation
- Steigende Versicherungsbeiträge
- Imageverlust und Reputationsschäden
- Ermittlungsverfahren und Anwaltskosten
- Im schlimmsten Fall: Regressforderungen in Millionenhöhe
Allein die BG BAU zahlte 2024 rund 1,07 Milliarden Euro an Renten aus – ein erheblicher Teil davon für die Folgen von Absturzunfällen. Die G41 durch den Betriebsarzt ist keine Kostenstelle. Sie ist eine Investition in die Sicherheit, Stabilität und Zukunftsfähigkeit Ihres Unternehmens.
Die Gefährdungsbeurteilung: Ihr erster Schritt
Die Entscheidung über die Notwendigkeit einer G41 treffen Sie im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung. Dabei gilt das STOP-Prinzip:
- Substitution: Kann die Tätigkeit vermieden werden?
- Technische Maßnahmen: Können Absturzsicherungen wie Geländer installiert werden?
- Organisatorische Maßnahmen: Können Arbeitsprozesse sicherer gestaltet werden?
- Personenbezogene Maßnahmen: Erst wenn das Restrisiko hoch bleibt, wird die individuelle Eignung entscheidend.
Die G41 ist die letzte, aber unverzichtbare Sicherheitsbarriere.
Qualität zählt: Warum die Wahl des Betriebsarztes entscheidend ist

Die Wahl des richtigen Betriebsarztes ist entscheidend
Nicht jede G41 ist gleich. Die Untersuchung muss von Fachärzten für Arbeitsmedizin oder Betriebsmedizinern durchgeführt werden, die über:
- Die notwendige apparative Ausstattung verfügen (Ergometrie, Perimetrie, Sehtests, Labor)
- Klinische Erfahrung besitzen, um auch subtile Risikofaktoren zu erkennen
- Die rechtlichen Rahmenbedingungen kennen und eine belastbare Eignungsaussage treffen können
Ihr konkreter Handlungsplan als Arbeitgeber:
1. Gefährdungsbeurteilung durchführen: Identifizieren Sie alle Tätigkeiten mit Absturzgefahr in Ihrem Unternehmen.
2. G41-Untersuchungen veranlassen: Lassen Sie alle betroffenen Mitarbeiter vor dem ersten Einsatz untersuchen – und in regelmäßigen Intervallen (alle 36 Monate, bei älteren und/oder chronisch kranken Mitarbeitern eventuell häufiger).
3. Qualifizierten Betriebsarzt wählen: Setzen Sie auf erfahrene Fachärzte für Arbeitsmedizin oder Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin mit moderner Ausstattung. Vermeiden Sie nicht-ärztliche Anbieter die wiederum Betriebsärzte als Subunternehmer engagieren, da Sie hier meist nicht selbst deren Qualität prüfen können!
4. Kultur der Offenheit schaffen: Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter, Bedenken zu äußern und Probleme anzusprechen bei Absturzgefährdeten Tätigkeiten.
5. Dokumentation sicherstellen: Halten Sie alle Eignungsbescheinigungen lückenlos fest. Im Ernstfall ist das Ihre rechtliche Absicherung.
Fazit: Jedes Leben zählt – und Sie haben es in der Hand
Dieter hätte sterben können. Lara hätte sich schwer verletzen können. Unzählige Monteure, Dachdecker, Kranführer und Lageristen arbeiten täglich in Höhen – und die G41 rettet Leben, oft unbemerkt, indem sie den Mitarbeiter mit drohendem Herzinfarkt oder instabilem Diabetes rechtzeitig aus der Gefahrenzone nimmt.

Betriebsarzt Dr. med . Leopold Lecheler hilft Unternehmen seit Jahren ihre Mitarbeiter zu schützen
Die Statistik der BG BAU ist eine mahnende Erinnerung: Hinter jeder Zahl steht ein Schicksal. Hinter jedem Unfall steht eine Familie. Und hinter jeder verhinderten Tragödie steht eine kluge Entscheidung eines Unternehmers.
Als Arbeitgeber tragen Sie nicht nur rechtliche Verantwortung. Sie tragen moralische Verantwortung. Die G41 ist keine Option. Sie ist Ihr Werkzeug für mehr Sicherheit. Und sie ist der beste Schutz für Ihre Mitarbeiter – und für Ihr Unternehmen.
Handeln Sie jetzt. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter untersuchen. Sorgen Sie dafür, dass jeder Mitarbeiter, der gefahrgeneigten Tätigkeiten in der Höhe nachgeht, medizinisch dafür geeignet ist. Denn auch nur ein einziger Toter ist einer zu viel.
Jeder Arbeitgeber der einen Mitarbeiter bei einem Arbeitsunfall verloren hat wird Ihnen das bestätigen können.
Vertrauen Sie auf Expertise, Erfahrung und Verantwortungsbewusstsein. Vertrauen Sie auch gerne auf uns in der Praxis Dr. med. Leopold Lecheler – Ihren Partner für Betriebsmedizin die Leben retten.