Alte Leipziger ALFonds FR10 im Test: Lohnt sich der Vertrag wirklich?
ALTE LEIPZIGER ALFonds
Ein monatlicher Beitrag von 300 Euro, eine lebenslange Rente am Ende – klingt erstmal nach einer soliden Altersvorsorge, oder? Doch wer genauer hinschaut, erlebt bei der Alte Leipziger ALFonds FR10 eine böse Überraschung: Über 72.000 Euro Gesamtbelastung stehen einer Einzahlung von 93.600 Euro gegenüber. Genau diesen Vertrag hat uns ein Kunde zur Prüfung vorgelegt – und wir haben ihn Zahl für Zahl durchleuchtet. Das Ergebnis zeigt, warum sich ein zweiter Blick auf jede Rentenversicherung lohnt, bevor du unterschreibst.
Wichtig vorab: Dieser Artikel bewertet nicht den Versicherer oder Tarif pauschal, sondern das konkret vorliegende Angebot in seiner individuellen Zusammensetzung. Wenn du selbst einen ähnlichen Vertrag besitzt oder ein Angebot geprüft haben möchtest, kannst du dich jederzeit kostenfrei und unverbindlich an uns wenden.
Was eine gute Altersvorsorge ausmacht
Bevor wir ins Detail gehen, lohnt sich ein Blick auf die Grundlagen. Eine Altersvorsorge, die wirklich funktioniert, sollte fünf Kriterien erfüllen:
- Rendite: Eine realistisch hohe, langfristig zu erwartende Rendite ist die Basis für Kapitalwachstum.
- Kosten: Jede Gebühr schmälert deine Rendite – je niedriger, desto besser.
- Renditemindernde Faktoren: Neben offensichtlichen Kosten gibt es versteckte Effekte wie Cash-Lock-Fallen oder Transaktionskosten.
- Steuern: Gesetzliche Vorteile solltest du aktiv nutzen, um den Zinseszinseffekt zu maximieren.
- Inflation: Die Kaufkraft deines Kapitals schmilzt real – das muss von Anfang an eingeplant werden.
Nur wenn all diese Punkte zusammenpassen, vermehrt sich dein Kapital tatsächlich spürbar.

Leipziger ALFonds FR10
Die Eckdaten des geprüften Vertrages
Der geprüfte Vertrag sieht folgendermaßen aus: Ein Versicherungsnehmer, 41 Jahre alt, zahlt monatlich 300 Euro ein, ohne anfängliche Einmalzahlung und ohne Dynamik. Die Laufzeit beträgt 26 Jahre bis zum geplanten Rentenbeginn mit 67. Macht summa summarum 93.600 Euro eingesetztes Kapital.
100 Prozent der Beiträge fließen in den AL Trust Global Invest Inst T, einen Aktienfonds mit nahezu vollständigem Aktienanteil. Für die Bewertung setzen wir daher die langfristig zu erwartende Marktrendite von 9 Prozent pro Jahr an – vor Kosten und Steuern.
Wohin dein Geld wirklich verschwindet
Hier wird es spannend: Von der Marktrendite bleibt nach Abzug aller Kosten deutlich weniger übrig, als man denkt. Die Versichererkosten der Alte Leipziger setzen sich aus vier verschiedenen Kostenblöcken zusammen – benannt nach griechischen Buchstaben.
Alpha-Kosten: Die Abschlusskosten
Diese Abschluss- und Vertriebskosten werden in den ersten fünf Jahren aus dem Vertragsguthaben getilgt. Berechnungsgrundlage ist die sogenannte Bewertungssumme – hier 93.600 Euro. Bei 2,5 Prozent in den ersten fünf Jahren und weiteren 2 Prozent auf die Restsumme summiert sich das auf insgesamt 3.852 Euro.
Beta-Kosten: Laufende Verwaltungsgebühr pro Beitrag
Bei jedem Monatsbeitrag von 300 Euro werden 4,5 Prozent abgezogen – macht über die gesamte Laufzeit 4.212 Euro.
Gamma-Kosten: Der größte Brocken
Diese jährlich anfallenden 0,48 Prozent auf das gesamte Vertragsguthaben summieren sich über die Jahre, weil die Berechnungsgrundlage stetig wächst. In diesem Fall: 7.715,26 Euro über die gesamte Laufzeit.
Kappa-Kosten: Die Stückkosten
Ein fester Betrag von 36 Euro jährlich, macht über 26 Jahre 936 Euro.
Zusätzlich zu den Versichererkosten kommen die Fondskosten: 1,56 Prozent laufende Kosten jährlich auf das Fondsguthaben, plus weitere renditemindernde Faktoren wie Opportunitätskosten (0,5 %), Transaktionskosten (1 %) und die sogenannte Cash-Lock-Falle (0,34 %) durch die gewählte Anlagestrategie.
| Kostenart | Betrag über Laufzeit |
|---|---|
| Alpha-Kosten (Abschluss/Vertrieb) | 3.852,00 € |
| Beta-Kosten (laufende Verwaltung) | 4.212,00 € |
| Gamma-Kosten (auf Guthaben) | 7.715,26 € |
| Kappa-Kosten (Stückkosten) | 936,00 € |
| Kosten Versicherer gesamt | 16.715,26 € |
| Kosten der Kapitalanlage (Fonds + Faktoren) | 55.558,02 € |

Leipziger ALFonds FR10
Das Endergebnis: Was am Ende wirklich rauskommt
Nach 26 Jahren Einzahlung von insgesamt 93.600 Euro steht ein Endkapital von 152.833,92 Euro zu Buche. Nach Abzug der Steuerlast von 7.126,01 Euro bleiben netto 145.707,91 Euro übrig.
Alternativ zur Einmalauszahlung ist eine lebenslange Rente möglich. Mit dem garantierten Rentenfaktor von 23,15 Euro je 10.000 Euro Vertragsguthaben ergibt sich eine monatliche Bruttorente von 353,81 Euro.
Die Inflation frisst den Gewinn
Hier kommt der entscheidende Haken: Bei einer angenommenen Inflation von 2 Prozent jährlich schrumpft die Kaufkraft der Nettokapitalauszahlung von 145.707,91 Euro auf real nur noch 87.072,03 Euro. Verglichen mit den eingezahlten 93.600 Euro bedeutet das: Kein nennenswerter Mehrertrag, nur ein knapper Ausgleich der Inflation – und unterm Strich sogar ein Verlust von 6.527,97 Euro.
Auch die monatliche Rente verliert an Wert: Aus 353,81 Euro werden durch die Inflation über die Jahre real nur noch 211,43 Euro Kaufkraft.
| Kennzahl | Betrag |
|---|---|
| Eingesetztes Kapital | 93.600,00 € |
| Nettokapital nach Steuern | 145.707,91 € |
| Reale Kaufkraft (inflationsbereinigt) | 87.072,03 € |
| Realer Verlust | 6.527,97 € |
Fazit: Lohnt sich die Alte Leipziger ALFonds FR10?
Auf den ersten Blick wirkt der Vertrag attraktiv – 300 Euro monatlich für eine ordentliche Rente oder Kapitalauszahlung. Rechnet man aber Kosten, Rentenfaktor und Inflation ein, bleibt am Ende kaum mehr als der reine Kapitalerhalt übrig. Die Gesamtbelastung von über 72.000 Euro durch Versicherer- und Fondskosten sowie weitere renditemindernde Faktoren ist im Verhältnis zum eingesetzten Kapital erheblich.
Unsere Erfahrung zeigt: Diese Kostenblöcke lassen sich bei vielen Verträgen um mehrere Tausend Euro reduzieren oder sogar vermeiden – bei gleicher monatlicher Einzahlung würde das zu einem deutlich höheren Endkapital führen.

Leipziger ALFonds FR10
Unser Rat: Prüfe deinen bestehenden Vertrag oder ein vorliegendes Angebot genau, bevor du dich langfristig bindest. Schau dir insbesondere die Kostenstruktur und die realistische Nettorendite nach Inflation an – nicht nur die auf dem Papier stehende Bruttosumme.
Warum lohnt sich die Rentenoption erst ab 102 Jahren?
Weil der garantierte Rentenfaktor mit 23,15 Euro je 10.000 Euro Vertragsguthaben so niedrig angesetzt ist, dass du die Rente über 431 Monate beziehen müsstest, um auf den Betrag der Einmalauszahlung zu kommen.
Was sind Gamma-Kosten und warum sind sie so hoch?
Gamma-Kosten werden jährlich prozentual auf dein gesamtes Vertragsguthaben berechnet. Da dieses Guthaben über die Jahre wächst, steigt auch die absolute Kostenhöhe kontinuierlich an – bei langen Laufzeiten wird das zum größten Kostenblock.
Kann ich die Kosten meines Vertrages nachträglich reduzieren?
In vielen Fällen lassen sich Kostenstrukturen durch eine Anpassung der Anlagestrategie oder einen Vertragswechsel optimieren. Eine individuelle Prüfung zeigt, welche Möglichkeiten in deinem konkreten Fall bestehen.
Wie stark wirkt sich die Inflation wirklich aus?
Bei einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2 Prozent pro Jahr verliert dein Kapital über 26 Jahre erheblich an Kaufkraft – im geprüften Beispiel schrumpft die Nettoauszahlung real um fast 40 Prozent.
Ist eine Fondspolice grundsätzlich eine schlechte Wahl?
Nicht zwangsläufig – entscheidend sind die konkrete Kostenstruktur, die gewählte Anlagestrategie und der individuelle Rentenfaktor. Eine pauschale Bewertung ist daher nicht möglich, jeder Vertrag sollte einzeln geprüft werden.