Altersvorsorge für Selbstständige: Alternativen zur GRV-Pflicht
ETF, Rürup oder Depot - Vorsorgemöglichkeiten im Kurzcheck
Mit der Empfehlung der Rentenkommission zu einer Rentenversicherungspflicht für Selbstständige rückt eine alte Frage neu in den Fokus: Ist die gesetzliche Rente überhaupt der beste Weg zum Vermögensaufbau – oder gibt es bessere Alternativen? Gerade für Bestands-Selbstständige, die ein voraussetzungsloses Opt-out behalten sollen, ist die Antwort wirtschaftlich entscheidend. Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten Bausteine ein.
Warum die GRV-Pflicht die Frage nach Alternativen verschärft
Die gesetzliche Rentenversicherung funktioniert nach dem Umlageverfahren: Ihre Beiträge werden nicht angelegt, sondern direkt an heutige Rentner ausgezahlt. Für Selbstständige bedeutet die empfohlene Pflicht einen Regelbeitrag von aktuell 735,63 € monatlich – allein zu tragen, anders als bei Angestellten, wo der Arbeitgeber die Hälfte übernimmt. Wer privat vorsorgt, behält dagegen die Kontrolle über Anlageform, Flexibilität und Vererbbarkeit. Genau deshalb fordern Branchenverbände wie GDV, AfW und BVK Wahlfreiheit statt Zwang.
Die drei Säulen im Überblick
1. Säule – gesetzliche und Basis-Rente (Rürup)
Die Basisrente (Rürup) ist steuerlich gefördert und für viele Selbstständige der naheliegende Weg, falls eine Opt-out-Lösung über eine private Basisrente kommt. Vorteil: hohe Absetzbarkeit der Beiträge. Nachteil: keine einmalige Kapitalauszahlung.
2. Säule – betriebliche Vorsorge
Für GmbH-Geschäftsführer besonders relevant. Selbstständige ohne Kapitalgesellschaft haben hier bislang eingeschränkten Zugang. Hier alten Vertrag auf den Prüfstand stellen.
3. Säule – private Vorsorge und Kapitalanlage
Hier liegt die größte Flexibilität: fondsgebundene Verträge, ETF-Sparpläne, Immobilien. Entscheidend sind die Kosten. Studien zeigen regelmäßig, dass aktiv gemanagte Fonds langfristig häufig schlechter abschneiden als kostengünstige ETFs, weil hohe Gebühren die Rendite aufzehren.
Worauf es beim Vermögensaufbau wirklich ankommt
Vier Faktoren entscheiden über den langfristigen Erfolg: Kosten (jeder Prozentpunkt Gebühr kostet über Jahrzehnte erheblich Rendite), Flexibilität (schwankende Einkommen brauchen anpassbare Beiträge), Steuerwirkung (Förderung in der Ansparphase vs. Besteuerung in der Auszahlung) und Diversifikation (nicht alles auf eine Karte). Eine starre Einheitslösung über die gesetzliche Rente passt selten zu unternehmerischen Einkommensverläufen.

Selbständige und Geschäftsführer benötigen eine individuelle und stets aktuelle Vorsorge
Was Selbstständige jetzt tun sollten
Prüfen Sie Ihre bestehende Vorsorge auf Kosten und Flexibilität. Dokumentieren Sie sie – falls die Pflicht kommt, ist eine nachweisbare private Absicherung Ihre stärkste Position beim Opt-out. Und vergleichen Sie ehrlich: Was bringt ein Euro in der GRV gegenüber einem Euro in einem kostengünstigen, breit gestreuten Depot über 20 oder 30 Jahre?
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung.
Jetzt von unabhängigen Experten beraten lassen.