Firmenfitness oder Gesundheitsschutz?
Der Vergleich: easyBKV vs. Wellpass
Was Arbeitgeber beim Mitarbeiter-Benefit wirklich entscheiden
Wer heute als Arbeitgeber über betriebliche Gesundheitsleistungen nachdenkt, stößt schnell auf zwei Namen: die betriebliche Krankenversicherung (bKV) und Angebote wie EGYM Wellpass. Beide werden als "Gesundheitsbenefit" vermarktet, beide sind im Employer-Branding präsent – und doch trennen sie Welten. Als Versicherungsmakler, der knapp 2.000 Arbeitgeber mit über 45.000 versicherten Mitarbeitern betreut, erlebe ich täglich, wie dieser Unterschied in der Praxis wirkt. Dieser Artikel soll Klarheit schaffen.
Was Wellpass ist – und was es nicht ist
EGYM Wellpass ist ein Netzwerk aus über 13.500 Sport- und Wellnesseinrichtungen in Deutschland und Österreich. Mitarbeiter können mit einer einzigen Mitgliedschaft in Fitnessstudios, Yogastudios, Schwimmbädern oder Boulderhallen trainieren – unlimitiert. Dazu kommen über 6.500 Onlinekurse per App. Das ist das Angebot. Nicht mehr, nicht weniger.
Was Wellpass ausdrücklich nicht ist: eine Versicherung. Es gibt keine Kostenerstattung für Arztbesuche, keine Übernahme von Zahnarztkosten, keine Absicherung im Krankheitsfall. Wenn ein Mitarbeiter zum Orthopäden geht, eine Brille braucht oder ins Krankenhaus muss, hilft Wellpass nicht. Wer Wellpass als "Gesundheitsschutz" kommuniziert, überdehnt den Begriff – auch wenn das im HR-Marketing häufig passiert.

Georg Soller Unternehmensgruppe - Expertise für Mitarbeiter-Beneftis
Wer profitiert – und wer nicht
Hier liegt das strukturelle Problem von Fitness-basierten Benefits: Sie wirken nur bei einem Teil der Belegschaft. Wer sportaffin ist, regelmäßig ins Studio geht und in einer Großstadt mit gut ausgebautem Partnernetz arbeitet, findet Wellpass attraktiv. Für alle anderen – und das ist in vielen Unternehmen die Mehrheit – ist das Angebot wertlos.
Die easyBKV-Unterlagen zeigen, was Mitarbeiter generationenübergreifend tatsächlich brauchen:
- Baby Boomer schätzen Zahnzusatzversicherung, Vorsorgeuntersuchungen und alternative Heilmethoden
- Generation X fragt nach Sehhilfen, psychologischer Beratung und ambulanten Behandlungen
- Millennials wollen Mental-Health-Services, Telemedizin und Fitness- und Wellnessprogramme
- Generation Z setzt auf digitale Gesundheitslösungen und flexible Präventionsangebote
Nur die bKV spricht alle vier Generationen gleichzeitig an. Ein Fitnessstudio-Abo richtet sich im Kern an eine Zielgruppe: Menschen, die bereits aktiv sind. Damit schließt es denjenigen aus, der es am meisten brauchen würde – den körperlich inaktiven oder kranken Mitarbeiter.
Die fünf Säulen des betrieblichen Wohlbefindens
Betriebliches Wohlbefinden lässt sich in fünf Dimensionen unterteilen: körperliches, mentales, finanzielles, soziales und berufliches Wohlbefinden. Schaut man sich an, welche Benefits auf welche Säule einzahlen, wird das Bild deutlich:
- Körperliches Wohlbefinden: bKV (Zahnarzt, Arzt, Krankenhaus, Physiotherapie) und Wellpass (Fitness)
- Mentales Wohlbefinden: bKV (psychologisches Coaching, Stressbewältigung, Heilpraktiker) – Wellpass bietet Online-Meditationskurse
- Finanzielles Wohlbefinden: bKV (Kostenerstattung, Entlastung bei Eigenbeteiligung) – Wellpass bietet keinen finanziellen Schutz
- Soziales Wohlbefinden: bKV (auch für Familienangehörige absicherbar) – Wellpass nicht
- Berufliches Wohlbefinden: beide tragen zur Arbeitgeberattraktivität bei
Das Ergebnis: Die bKV deckt vier von fünf Säulen substanziell ab. Wellpass deckt eine – und das auch nur für einen Teil der Mitarbeiter.

5 Säulen für das Wohlbefinden der Mitarbeiter
Steuerlich: gleicher Rahmen, unterschiedliche Wirkung
Beide Produkte lassen sich unter den monatlichen Sachbezug von 50 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei gewähren. Soweit sind sie vergleichbar. Der Unterschied liegt in dem, was der Mitarbeiter dafür bekommt: Bei der bKV erhält er echten Versicherungsschutz – Erstattung echter Kosten für echte Gesundheitsleistungen. Bei Wellpass erhält er einen Zugang zu Sportstudios. Ein Gutscheinwert ohne Absicherungscharakter.
Für Arbeitgeber, die den maximalen Nutzen aus dem Sachbezugsrahmen ziehen wollen, ist die Entscheidung daher nicht nur eine Frage des Benefits, sondern der Effizienz: Welche Leistung erzeugt den größten spürbaren Mehrwert für den größten Teil der Belegschaft?
Nutzungsquote: Das stille Problem von Fitness-Benefits
In der Praxis zeigt sich ein Muster, das HR-Verantwortliche kennen: Ein Großteil der Mitarbeiter aktiviert Wellpass nie oder nutzt es nach einigen Monaten nicht mehr. Der Arbeitgeber zahlt trotzdem. Das liegt in der Natur von Fitness-Angeboten – Motivation ist volatil, Abstand zum nächsten Partnerstudio kann zu groß sein, oder der Mitarbeiter ist schlicht nicht sportlich aktiv.
Bei der bKV sieht das anders aus. Zahnarztrechnungen, Brillen, Physiotherapie – das sind Ausgaben, die praktisch jeder Mitarbeiter irgendwann hat. Die Leistung wird genutzt, weil der Bedarf real ist. Studien belegen: Über 8 von 10 Mitarbeitern, die eine bKV angeboten bekommen, können das Leistungsspektrum klar benennen – bei VL-Zuschüssen oder Gutscheinen sind es deutlich weniger. Die bKV bleibt im Gedächtnis, weil sie erlebt wird.
Was ein fairer Vergleich zeigt
Wellpass ist kein schlechtes Produkt. Es ist ein gutes Produkt für einen bestimmten Anwendungsfall: Unternehmen mit junger, sportaffiner Belegschaft in urbanen Regionen, die explizit Aktivität und Fitness als Kulturthema positionieren wollen. Als alleiniger Gesundheitsbenefit für eine heterogene Belegschaft greift es jedoch deutlich zu kurz.
Die betriebliche Krankenversicherung hingegen schützt unabhängig von Alter, Sportaffinität oder Wohnort. Sie erstattet tatsächliche Kosten, deckt Familienangehörige ab und wirkt in dem Moment, in dem ein Mitarbeiter sie wirklich braucht – nicht erst, wenn er freiwillig ins Fitnessstudio geht.
Fazit
Wer als Arbeitgeber wirklich in die Gesundheit seiner Mitarbeiter investieren will, sollte zwischen Zugangsberechtigung und echtem Schutz unterscheiden. Wellpass öffnet Türen zu Sportstudios. Die bKV schließt Versorgungslücken – beim Zahnarzt, beim Arzt, im Krankenhaus, für die ganze Familie. Das ist der Unterschied zwischen einem netten Benefit und einer nachhaltigen Gesundheitsstrategie.

Georg Soller - Gründer von Betriebskranken.de
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Die Georg Soller Unternehmensgruppe berät Arbeitgeber seit 1951 zu betrieblichen Vorsorgethemen. Unter betriebskranken.de finden Sie weitere Informationen zur easyBKV sowie die Möglichkeit zur direkten Kontaktaufnahme. Wir betreuen knapp 2.000 Arbeitgeber mit über 45.000 versicherten Mitarbeitern.