Börsenprognosen: Warum du Experten-Tipps ignorieren solltest

Zwei Experten während einer Diskussion über Finanzprognosen ignorieren.

Kostolany & Buffet: Time schlägt timing (KI-Bild)

Kennst du das? Ein selbstbewusster Analyst im Fernsehen erklärt mit todernster Miene, wo der DAX am Jahresende stehen wird. Ein Bekannter raunt dir zu, dass der nächste Crash unmittelbar bevorsteht. Und irgendein Finfluencer verspricht, die eine Aktie gefunden zu haben, die garantiert durch die Decke geht. Klingt überzeugend, oder?

Das Problem: Die Datenlage spricht eine ganz andere Sprache. Finanzprognosen sind in Wahrheit erschreckend unzuverlässig und richten bei Anlegern oft mehr Schaden an, als sie Nutzen bringen. Wenn du verstehst, warum das so ist und warum selbst hochbezahlte Profis regelmäßig danebenliegen, wirst du nie wieder blind auf Vorhersagen vertrauen - und genau das kann dein Vermögen retten.

Warum selbst die Profis kläglich scheitern

Dein erster Gedanke ist wahrscheinlich: "Gut, ich persönlich habe keine Ahnung, aber die Experten in den Frankfurter Bankentürmen wissen es doch bestimmt besser." Die Forschung sagt dazu ganz klar: Nein, tun sie nicht.

Ein Referent erklärt in einer Präsentation, warum Börsenprognosen oft unzuverlässig sind.

Das Problem: Oft verdienen die Falschen an Prognosen

Der Politikwissenschaftler Philip Tetlock hat in einer inzwischen legendären Langzeitstudie über 80.000 Expertenprognosen ausgewertet. Das Ergebnis ist verblüffend ernüchternd: Die Vorhersagen waren im Schnitt schlechter, als hätte man einfach gewürfelt. Noch bemerkenswerter: Ausgerechnet die Experten mit dem tiefsten Spezialwissen lagen besonders häufig falsch - offenbar verführt ihr Detailwissen sie dazu, sich ihrer Sache zu sicher zu sein.

Auch Finanzvorstände großer Unternehmen, die eigentlich hautnah am Wirtschaftsgeschehen sitzen, schneiden nicht besser ab. Studien zeigen, dass sie schlichtweg "keinen blassen Schimmer" haben: In 67 Prozent der untersuchten Fälle lag die tatsächliche Rendite komplett außerhalb der Spanne, die diese Top-Manager selbst prognostiziert hatten.

Der Beweis durch nackte Zahlen: Die SPIVA-Studie

Falls du bis hierhin noch Zweifel hast, liefert die SPIVA-Scorecard (S&P Indices Versus Active) den endgültigen Beweis. Sie vergleicht regelmäßig, ob aktive Fondsmanager - also genau jene Profis, die dafür bezahlt werden, den Markt zu schlagen - tatsächlich besser abschneiden als ein simpler Aktienindex.

Infografik über die Unzuverlässigkeit von Finanzprognosen mit dem Fokus auf die Glaskugel.

98 % der Fondsmanager schlagen schlechter ab als der Markt

Das Ergebnis für Ende 2024 ist brutal ehrlich: Berücksichtigt man die Steuerlast, haben über einen Zeitraum von 20 Jahren fast 98 Prozent aller aktiven US-Fondsmanager schlechter performt als der S&P 500. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Prognosen verleiten zum Handeln. Wer glaubt, den perfekten Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu kennen, kauft und verkauft ständig. Dieses ständige Umschichten produziert steuerpflichtige Kapitalerträge, die die Rendite sofort schmälern. Die Daten belegen es eindeutig: Fonds mit besonders hohem Handelsvolumen schneiden nach Steuern am schlechtesten ab.

Warum dein Gehirn dir hier einen Streich spielt

Wenn die Beweislage so eindeutig ist, warum glauben wir dann trotzdem an Prognosen? Die Antwort liegt in zwei psychologischen Fallen, die dein Denken systematisch verzerren.

Die erste Falle ist die Selbstüberschätzung. Viele Anleger sind überzeugt, sie könnten den Markt "timen" - also genau im richtigen Moment ein- und aussteigen. Dieser Glaube führt zu übermäßig viel Hin und Her im Depot, was dich nicht nur Gebühren kostet, sondern auch, wie du bei SPIVA gesehen hast, deine Steuerlast unnötig in die Höhe treibt.

Die zweite Falle nennt sich Rückschaufehler. Nach jedem Börsencrash hörst du plötzlich überall: "Das war doch absehbar!" Das ist reine Illusion. Im Nachhinein wirkt alles logisch und zwangsläufig, aber tatsächlich konnte kaum jemand den Zeitpunkt vorhersehen.

Warum es diese Prognosen trotzdem überall gibt

Wenn Vorhersagen so unzuverlässig sind, warum begegnen dir dann täglich neue? Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe:

  1. Unterhaltung verkauft sich: Medien leben von Schlagzeilen. Panik und Gier ziehen deutlich mehr Aufmerksamkeit auf sich als die nüchterne Empfehlung "Halten und Tee trinken".
  2. Interessenkonflikte: Banken und Broker verdienen ihr Geld genau dann, wenn du aktiv handelst. Eine Prognose wie "Jetzt unbedingt einsteigen!" nützt oft eher deren Umsatz als deinem Vermögen.
AkteurInteresse an PrognosenNutzen für dich als Anleger
MedienReichweite durch SchlagzeilenGering bis irreführend
Banken/BrokerUmsatz durch HandelsaktivitätHäufig negativ
Aktive FondsmanagerRechtfertigung hoher GebührenLaut SPIVA meist unterdurchschnittlich
Du mit einer IndexstrategieLangfristiger VermögensaufbauHistorisch am erfolgreichsten

Fazit: Vertraue der Zeit, nicht der Glaskugel

Lass dich von selbstbewussten Prognosen nicht verrückt machen. Die Geschichte zeigt immer wieder, dass Vorhersagen oft genau das Gegenteil von dem liefern, was später tatsächlich passiert. Statt der Glaskugel zu folgen, fährst du mit einer langfristigen, breit gestreuten Anlagestrategie deutlich besser.

Das Prinzip "Zeit im Markt statt Timing des Marktes" schlägt nachweislich fast alle selbst ernannten Experten. Du sparst dir dabei nicht nur unnötige Nervenkraft, sondern entgehst auch der Steuerfalle, in die aktive Manager durch ihr ständiges Handeln immer wieder tappen.

Sollte ich Finanzprognosen komplett ignorieren?

Du musst sie nicht ignorieren, solltest sie aber immer mit gesunder Skepsis betrachten und niemals als alleinige Grundlage für Anlageentscheidungen nutzen.

Was ist die SPIVA-Studie genau?

Die SPIVA-Scorecard vergleicht regelmäßig die Performance aktiv gemanagter Fonds mit einfachen Marktindizes und zeigt dabei seit Jahren, dass die meisten aktiven Fonds den Markt nicht schlagen.

Warum schneiden Experten oft schlechter ab als der Zufall?

Selbstüberschätzung und der Rückschaufehler verzerren die Einschätzung von Fachleuten, wodurch komplexes Spezialwissen paradoxerweise zu übertriebener Sicherheit statt zu besseren Vorhersagen führt.

Was bedeutet "Zeit im Markt statt Timing des Marktes"?

Gemeint ist, dass langfristiges, kontinuierliches Investieren historisch bessere Ergebnisse bringt als der Versuch, durch geschicktes Kaufen und Verkaufen den perfekten Zeitpunkt zu erwischen.

Warum ist häufiges Handeln steuerlich nachteilig?

Jeder Verkauf mit Gewinn löst potenziell eine Steuerzahlung aus, wodurch dir bei häufigem Umschichten kontinuierlich Kapital verloren geht, das sonst weiter für dich arbeiten könnte.

Diese Webseite verwendet Cookies

Diese Webseite nutzt Cookies, um Ihnen das bestmögliche Erlebnis zu gewährleisten. Cookies helfen uns, die Webseite mit Analysen zu verbessern. Mit einem Klick auf „Zustimmen“, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit ändern, indem Sie unter "Optionen verwalten" Ihre getroffenen Einstellungen selbst rückgängig machen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Privatsphäre-Einstellungen

Wir verwenden Cookies und ähnliche Technologien auf unserer Website und verarbeiten personenbezogene Daten von dir (z.B. IP-Adresse), um z.B. Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Medien von Drittanbietern einzubinden oder Zugriffe auf unsere Website zu analysieren.

Die Datenverarbeitung kann auch erst in Folge gesetzter Cookies stattfinden. Wir teilen diese Daten mit Dritten, die wir in den Privatsphäre-Einstellungen benennen.

Einige Services verarbeiten personenbezogene Daten in den USA. Indem du der Nutzung dieser Services zustimmst, erklärst du dich auch mit der Verarbeitung deiner Daten in den USA gemäß Art. 49 (1) lit. a DSGVO einverstanden. Die USA werden vom EuGH als ein Land mit einem unzureichenden Datenschutzniveau nach EU-Standards angesehen. Insbesondere besteht das Risiko, dass deine Daten von US-Behörden zu Kontroll- und Überwachungszwecken verarbeitet werden, unter Umständen ohne die Möglichkeit eines Rechtsbehelfs.

Du bist unter 16 Jahre alt? Dann kannst du nicht in optionale Services einwilligen. Du kannst deine Eltern oder Erziehungsberechtigten bitten, mit dir in diese Services einzuwilligen.


Ihre Einstellungen für Einwilligungen

Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Einwilligung für die Datenverarbeitung durch Cookies zu erteilen oder zu widerrufen. Sie können Ihre Einstellungen jederzeit ändern. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.