Der Preis der Vorsicht: Warum Frauen beim Vermögen oft zu defensiv beraten werden
Dr. Wagner GmbH | Women's Wealth Institute
Eine Kundin hat mir einmal von zwei Beratungsgesprächen erzählt, die sie geführt hatte, bevor sie zu mir kam. Sie hatte ein gutes Einkommen und Rücklagen, und sie wollte langfristig Vermögen aufbauen.
Beide Berater waren freundlich, und beide wollten sie spürbar schützen. Am Ende ging sie mit einer klassischen Rentenversicherung nach Hause statt mit einer Vermögensanlage, die zu ihren Zielen gepasst hätte.
Kein Einzelfall
Bucher-Koenen und Kollegen haben 2025 in der American Economic Review rund 27.000 echte Beratungsgespräche einer deutschen Bank ausgewertet. Das Ergebnis: Berater empfehlen Frauen weniger riskante Anlagen als Männern, auch wenn man deren eigene Risikobereitschaft berücksichtigt. Gleichzeitig wird Frauen häufiger zu teuren hauseigenen Fonds geraten, und sie erhalten seltener Rabatte auf Gebühren. Bei männlichen Beratern ist dieses Muster stärker ausgeprägt.
Dahinter steckt oft ein Missverständnis. Frauen fragen genauer nach und wollen verstehen, bevor sie unterschreiben. Das ist Gründlichkeit, wird im Gespräch aber leicht als Unsicherheit gedeutet. Und wer als unsicher gilt, bekommt vorsichtige Produkte.
Was „vorsichtig“ über die Jahre kostet
Eine einfache Rechnung zeigt die Größenordnung. Wer 40 Jahre lang jeden Monat 500 Euro anlegt, kommt bei 6 % Rendite pro Jahr nach Kosten auf rund 995.000 Euro. Bei 3 % pro Jahr sind es rund 463.000 Euro. Der Unterschied beträgt mehr als eine halbe Million Euro, bei genau demselben Sparbetrag.
Vereinfachte Beispielrechnung mit gleichbleibender Rendite, ohne Steuern und Inflation. Die tatsächliche Wertentwicklung schwankt, die Rechnung ist keine Prognose.
Das heißt nicht, dass jede Frau mehr Aktien halten sollte. Es heißt, dass Vorsicht kein neutraler Ausgangspunkt ist. Auch eine zu defensive Strategie ist eine Entscheidung mit Folgen.
Risiko hat drei Seiten
Eine gute Beratung trennt drei Fragen, die im Alltag oft vermischt werden:
- Wollen: Wie viel Schwankung möchtest du aushalten?
- Können: Wie viel Verlust kannst du dir mit Blick auf dein gesamtes Vermögen leisten, also inklusive Rücklagen, Immobilien, Altersvorsorge und Einkommen?
- Müssen: Wie viel Rendite brauchst du tatsächlich, um deine Ziele zu erreichen?
Wird die Strategie allein an einer vorsichtigen Selbsteinschätzung ausgerichtet, bleiben die beiden anderen Fragen unbeantwortet. Genau dort entstehen die teuren Lücken.

Dr. Wagner GmbH | Women's Wealth Institute
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Über die Autorin: Prof. Dr. Evamaria Wagner ist ehemalige Investmentbankerin, promovierte Risikomanagerin und ehemalige Professorin für Finance & Accounting. Mit der Dr. Wagner GmbH | Women's Wealth Institute begleitet sie Frauen mit Vermögensberatung, Finanzbildung und Finanzcoaching, in Hannover und bundesweit per Video.www.womens-wealth-institute.de
Quellen: Bucher-Koenen, T., Hackethal, A., Koenen, J. & Laudenbach, C. (2025): Gender Differences in Financial Advice. American Economic Review.Weitere Studien und das vollständige Quellenverzeichnis findest du im ausführlichen Artikel und im Whitepaper.