Der teure Fehler beim Investieren über Neobroker, den kaum jemand bemerkt

Mann im Anzug mit verschränkten Armen, symbolisiert Investieren über Neobroker.

Neobroker machen Investments für jeden einfach zugänglich

Stell dir vor, du checkst dein Depot jeden Morgen beim Kaffee, mittags in der Pause und abends noch einmal vor dem Schlafengehen. Klingt harmlos? Ist es aber nicht. Genau dieses Verhalten kann dich über Jahre hinweg massiv Rendite kosten, ohne dass du es überhaupt merkst.

Wer heute langfristig Vermögen aufbauen will, investiert meist über einen Neobroker wie Trade Republic in ETFs, Aktien oder Kryptowährungen. Das ist grundsätzlich eine gute Entwicklung: Der Zugang zum Kapitalmarkt ist so einfach und günstig wie nie zuvor. Doch genau diese Einfachheit hat eine Kehrseite, die dich richtig viel Geld kosten kann, wenn du sie nicht verstehst und aktiv gegensteuerst.

Die zwei größten Feinde deines Investmenterfolgs

Wenn du am Kapitalmarkt investierst, egal ob in Aktien, ETFs oder Krypto, gibt es zwei psychologische Fallen, die dir immer wieder zum Verhängnis werden können: Gier und Angst. Diese beiden Emotionen sorgen dafür, dass du Entscheidungen triffst, die rational überhaupt keinen Sinn ergeben.

Gier tritt auf, wenn ein Wertpapier schon stark gestiegen ist und du unbedingt noch mit einsteigen willst. Ein gutes Beispiel dafür ist die Entwicklung von Gold in den letzten Jahren: Nachdem der Preis innerhalb eines Jahres fast 100 Prozent zugelegt hat, wollen plötzlich alle dabei sein. Das Gehirn schaltet in solchen Momenten auf Emotion um und blendet Risiken einfach aus.

Mann im Sessel reflektiert über Investieren über Neobroker.

Angst und Gier sind des Investors Feind.

Angst funktioniert genau andersherum. Sobald ein Kurs fällt, empfindest du das als Schmerz, und dein Gehirn ist darauf programmiert, Schmerz zu vermeiden. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen sogar, dass der Anblick eines roten, negativen Depotwerts im Gehirn ähnlich verarbeitet wird wie ein Schnitt mit einem Messer in den Finger. Kein Wunder, dass viele Anleger in solchen Momenten überstürzt verkaufen.

Warum dir ständig die "Gewinner von gestern" vorgeschlagen werden

Ein beratender Mitarbeiter mit Laptop erklärt die Fehler beim Investieren über Neobroker.

Der Erfolg von gestern ist kein Garant für Erfolg in der Zukunft.

Schau dir mal an, was dir in deiner App als Erstes angezeigt wird: meist die Aktien, ETFs oder Kryptowährungen, die zuletzt richtig gut gelaufen sind. Das fühlt sich verlockend an, ist aber aus Anlegersicht oft der falsche Impuls. Wer rein rational und emotionslos investiert, würde eher in Werte schauen, die noch Aufholpotenzial haben, statt in das, was gerade am stärksten gehypt wird.

Der Grund: Wenn ein Wertpapier schon extrem gut gelaufen ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es sich wieder dem Durchschnitt annähert oder sogar korrigiert. Ein Wert, der bisher hinterhergehinkt ist, hat dagegen oft noch Nachholpotenzial. Genau nach diesem Prinzip arbeiten professionelle Vermögensverwalter: Sie schauen sich verschiedene Regionen und Anlageklassen an und gewichten das, was schon stark gelaufen ist, tendenziell etwas geringer, während sie Werte mit Aufholpotenzial etwas stärker gewichten. Das ist keine Garantie für sofortigen Erfolg, aber im Durchschnitt bringt dieser Ansatz eine bessere Wertentwicklung als reines Bauchgefühl. Diese Wirkung ist übrigens auch wissenschaftlich belegt, etwa durch die Portfolio-Theorie von Markowitz.

Was ein Börsencrash mit deinem Kopf macht

Um die Dimension des Problems zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf einen klassischen Börsencrash. Im schlimmsten Fall zieht sich so eine Talfahrt zwei bis drei Jahre hin, mit Verlusten von 30 bis 50 Prozent gegenüber dem letzten Höchststand. Nehmen wir an, dein Depot stand bei 10.000 Euro und sackt über diesen Zeitraum auf 5.500 Euro ab.

Wenn du in dieser Phase regelmäßig in deine App schaust, erlebst du diesen Angst-Trigger nicht einmal, sondern über Monate und Jahre hinweg, Tag für Tag. Dazu kommen die Finanzmedien, die sich in Crash-Phasen besonders gerne auf Verlustzahlen stürzen und den Schmerz zusätzlich verstärken. Genau in solchen Momenten trennt sich die Spreu vom Weizen: Wer jetzt aus Panik verkauft, realisiert Verluste, die er bei einem klassischen Buy-and-Hold-Ansatz nie gehabt hätte.

VerhaltenAuswirkung auf dein Portfolio
Täglich ins Depot schauenHäufige Trigger von Angst und Gier, höhere Wahrscheinlichkeit für Fehlentscheidungen
Bei Crash verkaufenVerluste werden realisiert, Erholungsphase wird verpasst
Bei Hype-Werten nachkaufenEinstieg oft nahe am Höchststand, höheres Rückschlagrisiko
Selten und oberflächlich reinschauenWeniger emotionale Trigger, Fokus bleibt auf der langfristigen Strategie
Breit gestreut investieren (z.B. mehrere ETFs)Einzelne Ausschläge fallen weniger ins Gewicht, Ruhe im Depot

Auch ein gutes Investment nicht vorschnell abstoßen

Team bespricht Fehler beim Investieren über Neobroker anhand einer Grafik.

Gewinne laufen zu lassen ist ein Erfolgsfaktor beim Investieren.

Genauso wichtig wie das Nicht-Hinterherjagen von Trends ist die andere Seite der Medaille: Ein gutes Investment wird nicht automatisch schlecht, nur weil der Markt gerade einen ungünstigen Kurs anzeigt. Wenn du breit gestreut investiert bist, etwa über zwei ETFs auf Emerging Markets und MSCI World mit zusammen 3.000 bis 4.000 Unternehmen, dann heißt die Lösung meist schlicht: abwarten. Die Unternehmen hinter deinem Portfolio verschwinden durch eine Marktkorrektur nicht, ihre Substanz bleibt bestehen, auch wenn der Kurs kurzfristig schwankt.

Fazit: Weniger hinschauen, mehr Rendite

Die größte Gefahr beim Investieren über Neobroker liegt nicht in der Technologie selbst, sondern in deinem eigenen Kopf. Gier lässt dich auf überteuerte Trends aufspringen, Angst lässt dich in Crash-Phasen zum ungünstigsten Zeitpunkt verkaufen. Beides kostet dich bares Geld und Nerven.

Die Lösung ist erfreulich simpel: Reduziere die Häufigkeit, mit der du in dein Depot schaust, auf ein Minimum. Wenn du einen langfristigen Anlagehorizont von zehn, zwanzig oder dreißig Jahren hast, brauchst du keine tägliche Kurskontrolle. Beobachte dich selbst das nächste Mal, wenn du dein Handy zückst, um ins Depot zu schauen: Ist das gerade eine bewusste, rationale Entscheidung, oder folgst du nur einem Trigger? Diese kleine Selbstreflexion kann langfristig einen riesigen Unterschied für deine Rendite machen.

Wie oft sollte ich als Buy-and-Hold-Anleger wirklich ins Depot schauen?

Je seltener, desto besser. Einmal im Monat oder sogar nur alle paar Monate reicht völlig aus, um den Überblick zu behalten, ohne dich emotional triggern zu lassen.

Ist es normal, dass mich Kursverluste emotional belasten?

Ja, das ist eine ganz natürliche Reaktion deines Gehirns, das Schmerz vermeiden will. Wichtig ist, sich dieser Reaktion bewusst zu sein und trotzdem an der langfristigen Strategie festzuhalten.

Sollte ich bei einem Börsencrash verkaufen, um weitere Verluste zu vermeiden?

In der Regel nicht, wenn du breit gestreut und langfristig investiert bist. Ein Crash dauert oft zwei bis drei Jahre, aber die Substanz deiner Unternehmen bleibt meist bestehen, und die Kurse erholen sich historisch betrachtet wieder.

Warum werden mir in meiner Trading-App vor allem Werte vorgeschlagen, die schon stark gestiegen sind?

Weil solche Vorschläge deine Gier ansprechen und dich zum Handeln animieren sollen. Die Plattformen verdienen an deiner Aktivität, nicht am reinen Halten von Wertpapieren.

Bringt es etwas, gezielt in Werte zu investieren, die noch nicht so gut gelaufen sind?

Das kann sinnvoll sein, weil diese Werte oft noch Aufholpotenzial haben, während stark gestiegene Werte eher zur Korrektur neigen. Ein diversifiziertes Portfolio mit unterschiedlicher Gewichtung nach Region und Marktphase kann so langfristig eine bessere Rendite liefern.

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