Generali Rentenversicherung im Test: Warum du 107 Jahre alt werden musst
Generali Vermögensaufbau & Sicherheitsplan
Du zahlst 45 Jahre lang Monat für Monat in deine Altersvorsorge ein – und am Ende hast du weniger als gedacht. Klingt absurd? Ist aber bei manchen Rentenversicherungen bittere Realität. Wir haben den Generali Vermögensaufbau & Sicherheitsplan (Tarif VAN/F) unter die Lupe genommen und zeigen dir, worauf du bei deiner Altersvorsorge wirklich achten solltest. Denn nur wer die versteckten Kosten und Fallstricke kennt, kann fundiert entscheiden, ob ein Vertrag wirklich zu den eigenen Zielen passt.
Was macht eine gute Altersvorsorge aus?
Bevor wir in die Details des Generali-Tarifs eintauchen, solltest du die grundlegenden Erfolgsfaktoren einer soliden Altersvorsorge kennen:
Rendite ist nicht gleich Rendite: Achte darauf, dass deine Altersvorsorge eine realistische und langfristig hohe Rendite erwirtschaften kann. Viele Produkte werben mit Traumrenditen, die in der Praxis kaum zu erreichen sind.
Kosten fressen Rendite: Jeder Euro, der für Abschluss-, Verwaltungs- oder Fondskosten draufgeht, fehlt dir am Ende. Deshalb sollten die Gesamtkosten so niedrig wie möglich sein.
Versteckte Renditebremsen: Neben offensichtlichen Gebühren gibt es weitere Faktoren, die deine Rendite schmälern – etwa ungünstige Anlagestrategien, Transaktionskosten oder die sogenannte Cash-Lock-Falle.
Steuern clever nutzen: Wer steuerliche Vorteile geschickt nutzt, profitiert vom Zinseszinseffekt und lässt sein Geld effizienter arbeiten.
Inflation unterschätzen viele: Die schleichende Geldentwertung nagt Jahr für Jahr an deinem Kapital. Was heute nach viel Geld aussieht, kann in 40 Jahren deutlich weniger wert sein.

Generali Vermögensaufbau & Sicherheitsplan
Der konkrete Fall: Ein 22-Jähriger zahlt 45 Jahre lang ein
Ein Kunde hat uns sein Angebot zur Generali Vermögensaufbau & Sicherheitsplan vorgelegt. Die Eckdaten:
- Monatlicher Beitrag: 50 Euro
- Laufzeit: 45 Jahre (Eintrittsalter 22, Rentenbeginn mit 67)
- Gesamte Einzahlung: 27.000 Euro
- Keine Dynamik, keine Einmalzahlung
Auf den ersten Blick klingt das überschaubar. Doch der Teufel steckt im Detail – genauer gesagt: in den Kosten.
Wo verschwindet dein Geld? Die Kostenfallen im Detail
Um zu verstehen, ob sich ein Vertrag lohnt, muss man zunächst wissen, welche Rendite realistisch zu erwarten ist. Bei diesem Generali-Tarif fließen 100 Prozent der Beiträge in zwei Aktienfonds (Champions Select Dynamic und DWS ESG Akkumula). Langfristig kann man bei einem voll investierten Aktienfonds mit etwa 9 Prozent Rendite pro Jahr rechnen – vor Kosten und Steuern.
Jetzt wird es spannend: Von dieser Marktrendite werden sämtliche Kosten und renditemindernden Faktoren abgezogen. Und die haben es in sich.
Die Kosten der Generali: 6.702 Euro
Der Versicherer selbst schlägt mit mehreren Kostenarten zu:
Alpha-Kosten (Abschluss- und Vertriebskosten): Das sind die Provisionen, die meist über die ersten fünf Jahre aus deinem Vertragsguthaben entnommen werden. In diesem Fall: 675 Euro, verteilt auf 60 Monate. Diese Kosten entstehen übrigens auch bei jeder Beitragserhöhung oder Zuzahlung neu.
Beta-Kosten (laufende Verwaltungskosten): Bei jedem Monatsbeitrag werden 22,60 Prozent direkt abgezogen. Das macht 11,30 Euro pro Monat – über 45 Jahre summiert sich das auf satte 6.102 Euro.
Gamma- und Kappa-Kosten: In diesem Tarif konnten wir diese Kostenarten nicht ermitteln – das ist zumindest ein kleiner Lichtblick.
Die Kosten der Kapitalanlage: 30.386,56 Euro
Hier wird es richtig teuer. Die Fondskosten und weitere renditemindernde Faktoren schlagen mit über 30.000 Euro zu Buche:
Laufende Fondskosten: Durchschnittlich 1,68 Prozent pro Jahr auf das gesamte Fondsguthaben. Das klingt nach wenig, wirkt sich aber über 45 Jahre massiv aus, weil die Berechnungsgrundlage mit jedem Jahr wächst.
Opportunitätskosten: Ungünstige Anlageentscheidungen im Vergleich zu einer wissenschaftlich fundierten Strategie kosten dich geschätzt 0,70 Prozent pro Jahr.
Transaktionskosten: Jedes Mal, wenn der Fonds Wertpapiere kauft oder verkauft, entstehen Kosten – geschätzt 0,50 Prozent jährlich.
Cash-Lock-Falle: Wenn Geld im Fonds unverzinst rumliegt, statt investiert zu sein, kostet dich das zusätzlich etwa 0,24 Prozent pro Jahr.

Generali Vermögensaufbau & Sicherheitsplan
Das ernüchternde Ergebnis
Gesamtbelastung über 45 Jahre: 37.088,56 Euro
Du zahlst 27.000 Euro ein – und die Kosten und renditemindernden Faktoren betragen über 37.000 Euro. Wie kann das sein? Weil diese Kosten nicht nur von deinen Einzahlungen abgezogen werden, sondern auch von den erwirtschafteten Erträgen.
Was bleibt am Ende übrig?
Nach 45 Jahren Laufzeit ergibt sich ein Brutto-Endkapital von 62.623,82 Euro. Klingt erst mal gut – bis die Steuern kommen. Nach Abzug bleiben dir 58.338,17 Euro netto.
Du hast 27.000 Euro eingezahlt und bekommst 58.338 Euro zurück. Ein Plus von 31.338 Euro, oder? Nicht ganz.
Die Inflation frisst deinen Gewinn
Bei einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2 Prozent pro Jahr hat dein Endkapital von 58.338 Euro in 45 Jahren nur noch eine Kaufkraft von 23.930,13 Euro.
Du hast also real weniger Kaufkraft als du eingezahlt hast – ein Verlust von 3.069,87 Euro.
Die Rentenoption: Nur für Methusalems interessant
Alternativ kannst du dir eine lebenslange Rente auszahlen lassen: 128,07 Euro brutto pro Monat. Klingt überschaubar – und ist es auch.
Um von der Rentenoption wirklich zu profitieren, müsstest du die Rente über 488 Monate beziehen. Das sind über 40 Jahre. Sprich: Du müsstest mindestens 107 Jahre alt werden, damit sich die Rente gegenüber der Einmalauszahlung lohnt.
Und auch hier nagt die Inflation: Die monatliche Rente von 128,07 Euro hat in 45 Jahren nur noch eine Kaufkraft von 52,53 Euro.
Wo liegt das Problem?
Die Generali kann nichts gegen die Inflation tun – das betrifft jedes Anlageprodukt. Das eigentliche Problem liegt in der exorbitanten Gesamtbelastung von über 37.000 Euro. Im Verhältnis zu den 27.000 Euro, die du einzahlst, ist das deutlich zu viel.
Erfahrungsgemäß lassen sich solche Kosten um Zehntausende Euro reduzieren – durch eine klügere Produktauswahl, niedrigere Gebühren und eine wissenschaftlich fundierte Anlagestrategie.

Generali Vermögensaufbau & Sicherheitsplan
Fazit: Augen auf bei der Altersvorsorge
Dieser Test zeigt: Nicht jede Rentenversicherung ist automatisch eine gute Altersvorsorge. Die Kosten und versteckten Renditebremsen können den Unterschied zwischen einem soliden Vermögensaufbau und einem Minusgeschäft ausmachen.
Unser Rat: Lass dir jeden Vertrag – egal ob Angebot oder bereits bestehend – individuell durchrechnen. Nur so erkennst du, ob die Kosten angemessen sind, die Renditeerwartung realistisch ist und das Produkt wirklich zu deinen Zielen passt. Denn am Ende geht es um dein Geld und deine finanzielle Zukunft.
Nimm dir die Zeit, die Details zu verstehen. Frag nach, rechne nach, vergleiche. Deine Altersvorsorge ist zu wichtig, um sie blind abzuschließen.