Interview zu LinkedIn & Sales von Strategieberater Tim Nägler in der Süddeutschen Zeitung
Tim Nägler in Süddeutscher Zeitung
Du postest, kommentierst, vernetzt dich und steckst jede Woche mehrere Stunden in LinkedIn. Und am Ende? Ein paar Likes, vereinzelte Anfragen und kein Gefühl dafür, was im nächsten Monat an Umsatz hereinkommt. Genau dieses Muster erleben viele Experten, Coaches, Berater und Dienstleister: viel Einsatz, kaum messbare Ergebnisse.
Das Problem ist selten mangelnder Fleiß. Meist fehlt ein System. Wer LinkedIn als Schaufenster betrachtet, bleibt von Empfehlungen und Zufällen abhängig. Wer es als Vertriebssystem aufbaut, gewinnt Kunden planbar. In diesem Artikel erfährst du, welche Bausteine dazugehören, welche Zahlen realistisch sind und warum du an Automatisierung und KI nicht mehr vorbeikommst.
Warum ein gutes Profil allein nicht reicht
Das Profil ist nur die Eintrittskarte
Ein optimiertes LinkedIn-Profil haben die meisten ernsthaften Nutzer inzwischen. Es ist wichtig, aber es verkauft nicht für dich. Planbar neue Kunden gewinnst du erst, wenn mehrere Bausteine ineinandergreifen.

Sebastian Auer
Die Bausteine eines LinkedIn-Vertriebssystems
- Eine klare Contentstrategie: Sie geht gezielt auf die Bedürfnisse deiner Zielgruppe ein und verbindet Reichweite, Vertrauensaufbau und Conversion. So werden Interessenten zu zahlenden Kunden.
- Ein strukturierter Akquiseprozess: Neben Inbound-Marketing brauchst du aktive Ansprache, etwa per Chat oder Telefon. Gerade im B2B-Bereich ist das oft sehr empfehlenswert. Welcher Weg passt, hängt von deiner Zielgruppe ab.
- Strukturierte Gespräche: Du solltest genau wissen, wie du Erstgespräch und Verkaufsgespräch aufbaust. Nur so erreichst du stabil hohe Abschlussquoten von 60 bis 80 Prozent.
- Effiziente Arbeitsweise: Automatisierungen und KI sparen Zeit, die du für Gespräche und Kunden nutzt.
Welche Zahlen realistisch sind
Das Ziel: 3 bis 7 vorqualifizierte Erstgespräche pro Woche
Für viele Coaches, Berater, Dienstleister und Agenturen ist das ein sinnvolles erstes Etappenziel. Die meisten erreichen es aber nicht, weil Content, Ansprache und Gesprächsführung nicht zusammenspielen. Wer das System beherrscht, für den ist dieses Pensum eher die Untergrenze: Mit einem eingespielten Prozess lassen sich auch 10 bis 25 Erstgespräche pro Tag aus LinkedIn-Leads vereinbaren. Das zeigt, wie viel Luft nach oben ist, wenn die Abläufe sitzen.
Nicht jeder braucht viele Gespräche
Wer mit großen Konzernen oder großen mittelständischen Unternehmen arbeitet, etwa als Interim Manager, hat oft nach einem einzigen Mandat sofort volle Auslastung. Hier geht es nicht um sieben Gespräche pro Woche, sondern um zwei oder drei ganz gezielte. Dafür durchläufst du den Verkaufszyklus schnell und kommst zu einer Entscheidung.
| Zielgruppe | Sinnvolles Wochenziel | Fokus |
|---|---|---|
| Coaches, Berater, Agenturen | 3 bis 7 Erstgespräche | Regelmäßiger Kundenzufluss |
| Interim Manager, Konzern- und KMU-Projekte | 2 bis 3 Erstgespräche | Gezielte Ansprache, schneller Entscheid |
Effizienz entscheidet über Konkurrenzfähigkeit
Wer alles manuell erledigt, wird bald ein Problem bekommen. Stell dir vor, andere schaffen in einer 20-Stunden-Woche, wofür du 40 Stunden brauchst, oder erledigen in einer Woche, was du in zwei oder drei bearbeitest. Dann bist du schlicht nicht mehr konkurrenzfähig. Ein Custom GPT mit einem Prompt, der dich ein bisschen kennt, reicht dafür nicht automatisch aus.

Sebastian Auer
So gehst du jetzt vor
- Prüfe, ob dein Profil sauber ist, und konzentriere dich dann auf Content, der Vertrauen aufbaut und zum Gespräch führt.
- Lege einen festen Akquiseprozess fest, per Chat oder Telefon, passend zu deiner Zielgruppe.
- Baue Erst- und Verkaufsgespräch nach einer klaren Struktur auf.
- Dokumentiere, was funktioniert, und wiederhole es konsequent.
- Integriere Automatisierung und KI dort, wo sie nachweislich Zeit sparen oder Abschlüsse bringen.
Fazit
LinkedIn lohnt sich, wenn du es als System betrachtest und nicht als Zeitvertreib. Profil, Content, Akquise, Gesprächsführung und Effizienz müssen zusammenarbeiten. Dann entsteht aus Aufwand Planbarkeit. Nimm dir diese Woche eine Stunde, schreibe auf, wie dein Weg vom ersten Kontakt bis zum Abschluss aussieht, und prüfe, wo er nur auf Zufall beruht. Genau dort setzt du an.
Reicht ein optimiertes LinkedIn-Profil, um Kunden zu gewinnen?
Nein. Das Profil ist die Grundlage, aber ohne Contentstrategie, strukturierte Akquise und saubere Gesprächsführung kommen kaum planbare Anfragen zustande.
Wie viele Erstgespräche pro Woche sind ein gutes Ziel?
Für viele Coaches, Berater und Agenturen sind drei bis sieben vorqualifizierte Erstgespräche pro Woche ein sinnvoller erster Meilenstein. Bei großen Mandaten können auch zwei bis drei gezielte Gespräche genügen.
Welche Abschlussquote ist realistisch?
Mit klar strukturierten Erst- und Verkaufsgesprächen sind stabile Abschlussquoten von 60 bis 80 Prozent möglich.
Warum sind Automatisierung und KI so wichtig?
Sie sparen Zeit und machen dich effizienter. Wer alles manuell macht, droht gegenüber Wettbewerbern ins Hintertreffen zu geraten. Entscheidend ist, dass sie messbar mehr Neukunden bringen.