Krank und trotzdem arbeiten? Warum Präsentismus deine Kanzlei teuer zu stehen kommt
Was Präsentismus wirklich kostet.
1998 reichte ein Anruf: Du hast dich krankgemeldet, ein „Gute Besserung“ gehört, aufgelegt und dich ins Bett gelegt. Fertig. 2010 war es eine kurze E-Mail, vielleicht noch ein Blick aufs Smartphone am Abend. Und heute? Der Teamstatus steht auf „abwesend“, im Postfach warten 14 Nachrichten, und der Laptop liegt schon auf der Bettdecke. Krankmelden ist vom Anruf zum Projekt geworden.
Das fühlt sich flexibel an, ist aber oft ein teurer Irrtum. Wer krank arbeitet, wird langsamer gesund, macht mehr Fehler und gefährdet im Zweifel das ganze Team. Für Kanzleiinhaber, Partner und Führungskräfte hat das eine zusätzliche Dimension, denn ihr Verhalten setzt den Maßstab. In diesem Artikel erfährst du, was hinter dem Phänomen steckt und wie du eine gesunde Krankheitskultur aufbaust.
Präsentismus: Anwesend, aber nicht wirklich da
Der Fachbegriff dafür lautet Präsentismus: Du arbeitest, obwohl du krank bist. Das Paradoxe daran: Richtig arbeiten tust du nicht, richtig krank sein auch nicht. Du erholst dich nicht, aber produktiv bist du ebenfalls nicht. Körperlich bist du anwesend, geistig bist du im Kamillentee-Modus.
Was dich das wirklich kostet
Ein vermeintlicher Einsatz am Krankenbett wird am Ende zum Minusgeschäft:
- Längere Genesung: Ohne echte Ruhe dauert es länger, bis du wieder fit bist. Aus einem Tag werden schnell zwei, drei, fünf oder sogar mehrere Wochen.
- Mehr Fehler: Mit Fieber und vernebeltem Kopf passieren Fehler, die eine Kanzlei viel Geld kosten können.
- Ansteckungsgefahr: Wer krank ins Büro kommt, verteilt seine Erkältung an Kollegen und Chef. Mit Teambuilding hat das wenig zu tun.
Eine gesunde Krankheitskultur beginnt bei dir
Jetzt wird es ernster: Wenn Inhaber, Partner oder Führungskräfte mit Grippe, Fieber oder Magen-Darm-Infekt E-Mails beantworten, entsteht eine Botschaft. Dein Team macht nicht, was du sagst, sondern was du tust. Du kannst noch so oft predigen „Bleib zu Hause, wenn du krank bist“. Wenn du selbst krank arbeitest, lautet die eigentliche Ansage: Hier arbeitet man krank. Und die Mitarbeitenden machen es nach.
Eine gesunde Krankheitskultur entsteht nicht zufällig. Sie ist eine bewusste Entscheidung.

Ann-Katharin Lorenzen im Kanzlei-Workshop
Vier Stellschrauben, die du sofort drehen kannst
- Klare Regeln: Krank ist krank. Ein „kurz mal“ oder „darf ich mal eben“ wird komplett gestrichen.
- Vertretung vorab regeln: Lege Vertretungen fest, bevor jemand ausfällt. So hat niemand das Gefühl, dass bei seiner Abwesenheit das ganze System zusammenbricht.
- Funkstille für Kranke: Schreibe kranken Mitarbeitenden keine Nachrichten oder E-Mails. Ist es wirklich dringend, kennzeichne das ausdrücklich.
- Vorleben: Das Wichtigste überhaupt. Bleib selbst im Krankheitsfall konsequent offline, denn nur dann kann dein Team wirklich genesen.
Früher, 2010 und heute im Vergleich
| Jahr | Krankmeldung | Typisches Verhalten |
|---|---|---|
| 1998 | Anruf beim Chef | Auflegen, ausruhen, gesund werden |
| 2010 | Gelegentlich E-Mails im Bett checken | |
| 2026 | Statusänderung im Teamtool | Nachrichten, Meetings, Mails vom Sofa oder Bett |
Fazit: Wer sich auskuriert, ist schneller wieder leistungsfähig
Krank ist krank. Wer sich wirklich erholt, kommt schneller zurück, macht weniger Fehler und steckt niemanden an. Als Chef oder Kanzleiinhaber bist du dabei das wichtigste Vorbild. Probier es beim nächsten Mal aus: Schalte Laptop und Handy konsequent ab und lass deine Vertretung die vereinbarten Dinge abarbeiten. Dein Team wird es dir nachmachen.
Was bedeutet Präsentismus?
Präsentismus heißt, trotz Krankheit zu arbeiten. Betroffene sind zwar anwesend oder erreichbar, aber weder richtig produktiv noch richtig erholt.
Warum ist Krankarbeiten für eine Kanzlei teuer?
Die Genesung dauert länger, es passieren Fehler, die Geld kosten können, und Kollegen werden womöglich angesteckt. Aus einem Ausfalltag können so mehrere Wochen werden.
Darf ich kranke Mitarbeitende kontaktieren?
Grundsätzlich nein. Nur wenn es wirklich dringend ist, sollte eine Nachricht verschickt werden, und die Dringlichkeit sollte dabei klar benannt sein.
Wie fördere ich eine gesunde Krankheitskultur im Team?
Setze klare Regeln, regle Vertretungen im Voraus, kontaktiere Kranke nicht unnötig und lebe das Verhalten selbst vor.