Lohnen sich Zertifikate als Geldanlage?

Mann in Anzug vor Finanzcharts mit dem Text 'Zertifikate lohnen sich?'.

Armin Dzubur I AD Finanz- & Vermögensplanung

Ein Produkt, das an der Entwicklung einer Aktie, eines Index oder eines Rohstoffs teilhaben lässt, angeboten von deiner Hausbank oder Sparkasse, mit einem klingenden Namen versehen und meist charmant beworben. Klingt das nicht verlockend? Genau so werden Zertifikate an den Mann und die Frau gebracht. Doch was auf den ersten Blick nach einer cleveren Geldanlage aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen oft als ziemlich riskantes Konstrukt, bei dem vor allem eine Seite garantiert verdient: die Bank.

Wenn du bereits Zertifikate in deinem Depot liegen hast oder gerade überlegst, in diese Anlageform einzusteigen, solltest du genau jetzt aufmerksam werden. Es lohnt sich, einmal genauer hinzuschauen, was hinter diesen Produkten steckt, welche Risiken sich dahinter verbergen und warum viele Verbraucherschützer seit Jahren davor warnen. Am Ende geht es um nichts Geringeres als dein Vermögen.

Dieser Beitrag gibt allgemeine Informationen und Einschätzungen wieder und ersetzt keine individuelle Anlageberatung. Ob und in welcher Form eine Umschichtung deines Depots sinnvoll ist, lässt sich nur anhand deiner persönlichen Situation beurteilen.

Was Zertifikate wirklich sind, und warum das Risiko oft unterschätzt wird

Mann im Anzug, der an einem Glasfenster steht, während er über Zertifikate im Wertpapierdepot nachdenkt.

Armin Dzubur

Laut offizieller Definition der Finanzaufsicht handelt es sich bei einem Zertifikat um eine Schuldverschreibung, deren Wertentwicklung von einem sogenannten Basiswert abhängt, etwa einer Aktie, einem Index, einer Währung oder einem Rohstoff. Klingt zunächst harmlos und nachvollziehbar. Doch genau in dem Wort „Schuldverschreibung" steckt der Knackpunkt.

Kaufst du ein Zertifikat, leihst du der ausgebenden Bank in Wirklichkeit Geld. Als Gegenleistung für diesen Kredit bekommst du die Wertentwicklung des jeweiligen Basiswerts nachgebildet, etwa die Kursentwicklung einer bestimmten Aktie.

Das Problem dabei: Die Bank ist nicht verpflichtet, den echten Basiswert tatsächlich im eigenen Bestand zu halten. Stattdessen wird die Wertentwicklung häufig nur synthetisch nachgebaut. Bedeutet, gerät die Bank in wirtschaftliche Schieflage oder geht sogar pleite, ist dein investiertes Geld im schlimmsten Fall komplett verloren, unabhängig davon, wie sich der Basiswert selbst entwickelt hat.

Das Emittentenrisiko: Eine unterschätzte Gefahr

Genau hier kommt das sogenannte Emittentenrisiko ins Spiel, und das ist alles andere als eine theoretische Randnotiz. Du gehst mit einem Zertifikat nicht nur ein Risiko gegenüber dem Basiswert ein, sondern vor allem gegenüber dem Herausgeber des Produkts, also in der Regel einer Bank. Die Vergangenheit hat gezeigt, wie real dieses Risiko ist: Die Credit Suisse, einst eine der größten Schweizer Banken, musste 2023 notgedrungen von der UBS übernommen werden. Wer zu diesem Zeitpunkt Zertifikate dieses Instituts im Depot hatte, stand plötzlich vor einem handfesten Problem.

Die berechtigte Frage, die sich daraus ergibt: Welches Institut könnte als Nächstes in eine ähnliche Situation geraten? Ein Zertifikat ist damit streng genommen nicht nur eine Wette auf die Marktentwicklung, sondern gleichzeitig eine Wette darauf, dass die ausgebende Bank auch in Zukunft zahlungsfähig bleibt.

Warum gibt es Zertifikate dann überhaupt noch?

Ein wichtiger Grund liegt auf der Hand: weil Banken damit gutes Geld verdienen. Ein Blick in die USA zeigt aber, dass die Sache differenzierter ist, als es der verbreitete Mythos "in den USA gibt es das für Privatanleger gar nicht" nahelegt. Auch dort wächst der Markt für strukturierte Wertpapiere seit Jahren kräftig und wird durchaus von Privatanlegern genutzt. Der eigentliche Unterschied liegt in der Vertriebsform: In den USA werden solche Produkte fast ausschließlich über eine Beratung verkauft, nicht im freien Eigenhandel wie hierzulande, und die meisten Anleger halten sie bis zur Fälligkeit statt aktiv zu handeln. Zudem ist das Produktspektrum dort einfacher – Papiere mit Hebelwirkung, wie sie in Deutschland verbreitet sind, spielen kaum eine Rolle.

Das ändert nichts an der Kernbotschaft: Zertifikate bringen strukturell ein Emittentenrisiko und eine Kostenbelastung mit, die bei einem Fonds oder ETF so nicht existieren – unabhängig davon, wie der Markt in anderen Ländern aussieht.

Komplexität und versteckte Kosten: Die unterschätzten Fallen

Mann telefoniert und überprüft Zertifikate im Wertpapierdepot auf dem Laptop.

Armin Dzubur

Ein weiteres Problem liegt in der Struktur dieser Produkte selbst. Die Finanzaufsicht formuliert es treffend: Unter dem Begriff Zertifikat verbergen sich ganz unterschiedlich ausgestaltete Anlageprodukte von Banken und Sparkassen. Wer nur auf den angepriesenen Zins schaut, erfasst häufig gar nicht, was für ein Produkt tatsächlich im eigenen Portfolio landet.

Spätestens an dieser Stelle sollten bei dir alle Alarmglocken schrillen. Wenn du über ein überschaubares Kapital verfügst, solltest du grundsätzlich die Finger von derart komplexen Strategien lassen. Institutionelle Anleger, die Millionenbeträge verwalten, mögen über solche Konstruktionen nachdenken können. Für dich als privaten Anleger gilt jedoch: Komplexität bedeutet in erster Linie, dass du gar nicht genau verstehst, was du dir da eigentlich ins Depot holst. Und genau das ist gefährlich.

Technisch betrachtet handelt es sich bei Zertifikaten meist um verpackte Derivate, häufig zusammengesetzt aus Optionen oder Futures. Anstatt diese Struktur offen und transparent darzustellen, verpacken Banken das Ganze gerne in eine ansprechende Hülle, garniert mit versteckten Gebühren. Auch bei Zertifikaten fallen nämlich in der Regel Ausgabeaufschläge an, häufig zwischen 1 und teilweise sogar 3 bis 5 Prozent.

AnlagesummeAusgabeaufschlag (Beispiel)Kosten für dich
100.000 €1 %1.000 €
100.000 €3 %3.000 €
100.000 €5 %5.000 €

Bei einer Anlagesumme von 100.000 Euro kann so schnell ein einmaliger Ausgabeaufschlag zwischen 1.000 und 5.000 Euro entstehen, an dem die Bank sofort verdient, ganz unabhängig davon, wie sich dein Investment später entwickelt.

Fazit

Ein Präsentator zeigt auf ein Flipchart mit dem Thema Zertifikate im Wertpapierdepot.

Armin Dzubur

Wenn du das nächste Mal hörst, dass dir Zertifikate empfohlen werden, weißt du jetzt genau, worum es sich eigentlich handelt: um einen Kredit, den du der Bank gewährst, verpackt in ein vermeintlich attraktives Anlageprodukt. Die Kombination aus Emittentenrisiko, mangelnder Transparenz und versteckten Kosten macht Zertifikate für die meisten Privatanleger zu einer denkbar schlechten Wahl.

Es geht deutlich günstiger, deutlich transparenter und vor allem deutlich risikoärmer. Wenn du Zertifikate in deinem Depot entdeckst, lohnt es sich, aktiv zu werden und die Alternativen zu prüfen, statt abzuwarten und zu hoffen, dass schon nichts passiert. Schau dir dein Depot in den nächsten Tagen bewusst an und frage dich bei jedem Posten: Verstehe ich wirklich, was ich hier besitze, und wer haftet eigentlich dafür?

Wenn du endlich nicht mehr blind in Zertifikate oder andere Produkte investieren willst und es satt hast, hohe Gebühren zu bezahlen, ohne zu wissen, was du überhaupt bekommst. Wenn du längst gemerkt hast, dass deine Investments nicht zu deinen Zielen passen und du nie wieder das Gefühl haben willst, finanziell ausgenutzt zu werden. 

Dann buche dir ein kostenfreies Erstgespräch unter www.armin-dzubur.com.

Sind alle Zertifikate gleich riskant?

Nein, es gibt große Unterschiede je nach Ausgestaltung, grundsätzlich tragen aber alle Zertifikate ein Emittentenrisiko, das bei klassischen Fonds oder ETFs in dieser Form nicht existiert.

Was passiert mit meinem Geld, wenn die ausgebende Bank pleitegeht?

Im schlimmsten Fall verlierst du dein investiertes Kapital vollständig, da du der Bank mit dem Kauf eines Zertifikats faktisch Geld geliehen hast und im Insolvenzfall nur ein gewöhnlicher Gläubiger bist.

Warum werden Zertifikate trotzdem so oft verkauft?

Weil Banken und Sparkassen durch Ausgabeaufschläge und versteckte Gebühren gut daran verdienen, oft unabhängig davon, wie sich das Produkt für dich als Anleger entwickelt.

Gibt es sinnvolle Alternativen zu Zertifikaten?

Ja, breit gestreute, kostengünstige und regulierte Anlageformen ohne zusätzliches Emittentenrisiko sind für die meisten privaten Anleger die deutlich sinnvollere Wahl.

Ab welchem Kapital könnten Zertifikate überhaupt infrage kommen?

Solche komplexen Konstruktionen sind eher etwas für institutionelle Anleger mit sehr großen Vermögen, für den durchschnittlichen privaten Anleger eignen sie sich in aller Regel nicht.

Diese Webseite verwendet Cookies

Diese Webseite nutzt Cookies, um Ihnen das bestmögliche Erlebnis zu gewährleisten. Cookies helfen uns, die Webseite mit Analysen zu verbessern. Mit einem Klick auf „Zustimmen“, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit ändern, indem Sie unter "Optionen verwalten" Ihre getroffenen Einstellungen selbst rückgängig machen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Privatsphäre-Einstellungen

Wir verwenden Cookies und ähnliche Technologien auf unserer Website und verarbeiten personenbezogene Daten von dir (z.B. IP-Adresse), um z.B. Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Medien von Drittanbietern einzubinden oder Zugriffe auf unsere Website zu analysieren.

Die Datenverarbeitung kann auch erst in Folge gesetzter Cookies stattfinden. Wir teilen diese Daten mit Dritten, die wir in den Privatsphäre-Einstellungen benennen.

Einige Services verarbeiten personenbezogene Daten in den USA. Indem du der Nutzung dieser Services zustimmst, erklärst du dich auch mit der Verarbeitung deiner Daten in den USA gemäß Art. 49 (1) lit. a DSGVO einverstanden. Die USA werden vom EuGH als ein Land mit einem unzureichenden Datenschutzniveau nach EU-Standards angesehen. Insbesondere besteht das Risiko, dass deine Daten von US-Behörden zu Kontroll- und Überwachungszwecken verarbeitet werden, unter Umständen ohne die Möglichkeit eines Rechtsbehelfs.

Du bist unter 16 Jahre alt? Dann kannst du nicht in optionale Services einwilligen. Du kannst deine Eltern oder Erziehungsberechtigten bitten, mit dir in diese Services einzuwilligen.


Ihre Einstellungen für Einwilligungen

Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Einwilligung für die Datenverarbeitung durch Cookies zu erteilen oder zu widerrufen. Sie können Ihre Einstellungen jederzeit ändern. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.