Lohnt sich Kündigen, Behalten oder Beitragsfreistellung bei alten Lebensversicherungen?

Ein Mann diskutiert die Vorteile von Lebensversicherungen und deren Rentabilität.

Armin Dzubur I AD Finanz- & Vermögensplanung

Kennst du das? Irgendwo in deinem Finanzordner liegt eine Lebens- oder Rentenversicherung, die schon seit 10, 20 Jahren oder länger läuft. Du zahlst brav weiter ein, schaust dir hin und wieder die Standmitteilung an und denkst: Läuft schon irgendwie, wird schon passen. Genau diese Unkenntnis kann dich bares Geld kosten.

Denn ein alter Vertrag ist nicht automatisch gut oder automatisch schlecht - nur weil du ihn schon lange hast. Viele dieser Policen wurden zu einer Zeit abgeschlossen, in der die Zinslandschaft in der Regel eine völlig andere war und Garantien noch etwas Wert waren. Heute sieht die Realität oft anders aus. Zeit also, genauer hinzuschauen, was dein Vertrag wirklich leistet - und ob es nicht klügere Wege gibt, dein Geld arbeiten zu lassen.

Diese Kennzahlen verraten dir, ob sich dein Vertrag noch lohnt

Jede Lebens- oder Rentenversicherung lässt sich im Kern auf zwei Werte herunterbrechen: Wie viel hast du insgesamt eingezahlt, und wie hoch ist dein aktueller Rückkaufswert beziehungsweise dein Vertragsguthaben? Klingt banal, ist aber der erste ehrliche Realitätscheck.

Stellst du fest, dass du nach 10 oder 20 Jahren Einzahlung immer noch im Minus stehst, dann ist klar: Der Vertrag hat nicht annähernd das gehalten, was er ursprünglich versprochen hat. Als nächstes lohnt sich der Blick auf die durchschnittliche Rendite über die gesamte Laufzeit. Liegt sie unter 2 Prozent - also unterhalb der langfristigen statistischen Inflationsrate - wird es höchste Zeit, aktiv zu werden. Denn dann verlierst du de facto Kaufkraft, während du glaubst, Vermögen aufzubauen.

Warum "aussitzen" nicht automatisch die beste Wahl ist 

Mann arbeitet am Laptop und informiert sich über Lebensversicherung kündigen.

Armin Dzubur

Ein häufiges Gegenargument: Die Abschluss- und Vertriebskosten sind doch längst bezahlt, jetzt lohnt sich das Durchhalten erst recht. Das greift oft zu kurz – denn auch nach der Anfangsphase fallen weiterhin Verwaltungs- und Fondskosten an, Jahr für Jahr.

Hinzu kommt ein oft übersehener Denkfehler bei klassischen Rentenversicherungen mit lebenslanger Auszahlung: Damit sich diese Variante für dich wirklich rechnet, musst du anhand interner Auswertungen aus Vertragsprüfungen in der Regel mindestens 85 bis 90 Jahre alt werden. Erst dann hast du dein eingezahltes Geld tatsächlich vollständig zurückbekommen. Alles davor bedeutet: Du bekommst weniger heraus, als du hättest haben können.

Was eine vorzeitige Auflösung wirklich kostet

Hier wird es in der öffentlichen Diskussion oft zu einseitig dargestellt. Eine Kündigung oder Verrentung vorzeitig zu beenden bedeutet in der Regel:

  • Stornoabzug: Der ausgezahlte Rückkaufswert liegt häufig unter dem, was auf dem Papier steht – Versicherer ziehen Abschlagskosten ab. 
  • Verlust von biometrischem Schutz: Ist eine Berufsunfähigkeits- oder Todesfallabsicherung eingeschlossen, fällt die mit weg. Ein Neuabschluss erfordert eine neue Gesundheitsprüfung – nicht jeder bekommt zu denselben Konditionen wieder Schutz. 
  • Steuerliche Effekte: Verträge vor 2005 sind oft steuerfrei ausgezahlt worden. Altersvorsorgeverträge nach 2005 unterliegt dagegen neuen Steuerregeln. Das muss in der Rechnung gegengestellt werden, nicht nur einseitig als "das bringt sowieso nichts" abgetan werden.

Die Alternative ist eine Einmalauszahlung, die du selbst anlegst. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Flexibilität: Du entscheidest, wann und wie du über dein Geld verfügst.
  • Geringere laufende Kosten: Du bestimmst die Anlageform und sparst dir unnötige Verwaltungsgebühren.
  • Höheres Renditepotenzial: Alte Verträge mit fixem Rentengarantiesatz lassen sich meist nicht mehr anpassen - dein Geld bleibt in starren Strukturen gefangen, statt für dich zu arbeiten.

Steuerfreiheit und Garantie kritisch hinterfragen

"Mein Vertrag ist steuerfrei, weil vor 2005 abgeschlossen" oder "mein Vertrag hat eine Garantie" stimmt formal meistens. Der zweite Blick lohnt trotzdem: Zugesagte Renditen beziehen sich meist auf Bruttowerte. Ziehst du die Inflation ab, bleibt oft wenig übrig. Eine Garantie schützt dich vor größeren Verlusten – sie ist aber keine Aussage über die reale Wertentwicklung nach Inflation.

Das heißt nicht, dass die Garantie wertlos ist. Es heißt, dass du sie im Kontext deiner Gesamtsituation bewerten solltest – inklusive der Frage, ob du diesen Schutz heute zu ähnlichen Konditionen neu bekommen würdest.

Was zählt wirklich: Deine Ziele und Wünsche

Bevor du über Kündigung oder Weiterführung entscheidest, ist die entscheidende Frage: Was willst du mit diesem Geld erreichen?

ZielPassende Lösung
Lebenslange, planbare RenteBestehenden Vertrag ggf. beibehalten
Flexibilität und SelbstbestimmungAuszahlung und eigene Anlage
Wachstum bei kalkuliertem RisikoUmschichtung in renditestärkere Anlagen
Risiken minimierenIndividuelle Beratung zur Risikostreuung

Erst wenn diese Fragen geklärt sind, lässt sich eine fundierte Empfehlung ableiten: Vertrag weiterlaufen lassen, vorzeitig auszahlen lassen und neu anlegen, oder Beitragszahlungen reduzieren beziehungsweise pausieren.

Fazit: Prüfe deinen Vertrag, bevor du ihn einfach weiterlaufen lässt

Mann im Anzug mit einem Lächeln, der alte Lebensversicherungen bewertet.

Armin Dzubur 

Ein alter Vertrag ist kein Selbstläufer – aber auch keine automatische Fehlentscheidung. Schau dir deine Standmitteilung an: Wie viel hast du eingezahlt, wie viel ist aktuell drin, welche Rendite kommt nach Inflation wirklich an, und was würde eine Auflösung nach Stornoabzug, Steuereffekt und Verlust des biometrischen Schutzes tatsächlich bringen? Erst diese Gesamtrechnung zeigt, ob es Zeit für eine Veränderung ist.

Schau dir noch heute deine Vertragsunterlagen an und vergleiche die tatsächliche Rendite mit der Inflation. Das ist der erste, ganz konkrete Schritt, um herauszufinden, ob dein Geld gerade optimal für dich arbeitet - oder ob es Zeit für eine Veränderung ist.

Wenn du gerade einen oder mehrere Verträge besparst und dich fragst: Wie sieht das eigentlich bei mir aus? Lohnt sich das Ganze überhaupt noch? Wenn du keine Lust mehr hast, im Dunkeln zu tappen und in Produkte zu investieren, die du überhaupt nicht verstehst. Wenn du langsam merkst, dass du ein Leben lang nur draufgezahlt hast. Und wenn du nie wieder das Gefühl haben willst, finanziell ausgenutzt worden zu sein. 

Dann buche dir ein kostenfreies Erstgespräch mit mir unter www.armin-dzubur.com

Lohnt sich eine Kündigung auch dann, wenn die Abschlusskosten schon gedeckt sind?

Ja, denn neben den ursprünglichen Abschlusskosten fallen weiterhin laufende Verwaltungs- und Fondskosten an, die deine Rendite dauerhaft schmälern können.

Was bedeutet ein niedriger Rentengarantiesatz für mich konkret?

Er bedeutet, dass du bei vielen älteren Verträgen keine Möglichkeit mehr hast, die Konditionen anzupassen, wodurch dein Geld in einer wenig renditestarken Struktur gebunden bleibt.

Ist eine Steuerfreiheit vor 2005 automatisch ein Vorteil?

Nicht zwangsläufig, denn wenn die zugrunde liegende Rendite nach Abzug der Inflation kaum etwas einbringt, nützt dir die Steuerfreiheit an sich wenig.

Ab welcher Rendite sollte ich aktiv werden?

Liegt deine durchschnittliche jährliche Rendite unter etwa 2 Prozent, also unterhalb der langfristigen Inflationsrate, solltest du deinen Vertrag genauer prüfen lassen.

Muss ich meinen Vertrag komplett kündigen oder gibt es Alternativen?

Neben der vollständigen Kündigung gibt es auch die Möglichkeit, Beiträge zu reduzieren oder zu pausieren, je nachdem, welche Ziele und Wünsche für dich im Vordergrund stehen.

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