Lohnt sich die Metallrente Chance? Warum die günstige bAV trotzdem Rendite kostet
Im Test Metallrente Chance
Du überlegst, eine betriebliche Altersvorsorge abzuschließen – oder hast bereits die Metallrente Chance in deinem Vertrag? Dann solltest du genau hinschauen. Denn was auf den ersten Blick nach einem soliden Angebot aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Renditekiller. Experte Luca Himmer hat den Tarif durchleuchtet und zeigt, was wirklich unter der Haube steckt – und warum günstige Versicherungskosten allein nicht reichen.
Die gute Nachricht zuerst: Die Metallrente Chance punktet mit einer extrem günstigen Kostenstruktur. Die schlechte? Die Fondsauswahl und die Konstruktion des Produkts fressen einen großen Teil der möglichen Rendite wieder auf. Lass uns gemeinsam durchrechnen, was das für deine Altersvorsorge bedeutet.
So funktioniert die Metallrente Chance
Die Metallrente ist ein Konsortium mehrerer Versicherer, federführend ist die Allianz. Das Produkt basiert auf dem Allianz Invest Flex und funktioniert als sogenannter Zwei-Topf-Hybrid: Ein Teil deines Kapitals fließt ins Sicherungsvermögen, der andere in die Fondsanlage.
Konkret sieht das so aus:
- Circa 45% deiner Beiträge landen im Sicherungsvermögen der Allianz und werden mit etwa 3% pro Jahr verzinst – knapp an der Inflationsgrenze
- Rund 55% fließen in die Fondsanlage – allerdings nicht in frei wählbare ETFs, sondern ausschließlich in das hauseigene Metallrente Fondsportfolio
- Die Garantiestufen liegen bei 80% oder 90%, wobei die Fondsquote je nach gewählter Garantie variiert
Das Problem mit dem Metallrente Fondsportfolio
Hier wird es interessant: Den Fonds, in den dein Geld investiert wird, kannst du nicht selbst wählen. Die Metallrente gibt ihr eigenes Portfolio vor, und das hat es in sich:

Auszug MetallRente FONDS PORTFOLIO Quelle: onvista.de
- Jährliche Gesamtkostenquote (TER): 0,72% – mehr als dreimal so teuer wie ein günstiger ETF auf den MSCI World (ca. 0,2%)
- Die Zusammensetzung: Etwa 80% Aktien, 8% Anleihen, 8% andere Fonds, 1,6% Barmittel
- Die Performance: Im direkten Vergleich mit einem MSCI World ETF macht der Metallrente-Fonds nur etwa die Hälfte der Rendite

Aufteilung des Investitionsvolumens
Das ist der Knackpunkt: Selbst wenn der Versicherer günstig ist, kostet dich die Fondsauswahl massiv Rendite.
Die Kosten im Detail: Günstig, aber nicht günstig genug
Die Produktkosten der Metallrente Chance sind tatsächlich vorbildlich:
- Abschlusskosten: 2,3% in den ersten 5 Jahren
- Beta (laufende Kosten): 1%
- Gamma (weitere Kostenkomponente): 0,3%
- Effektivkosten gesamt: 1,18% – für einen Versicherungsvertrag wirklich gut
Das Rechenbeispiel: Was am Ende wirklich rauskommt
Nehmen wir ein konkretes Beispiel über 35 Jahre mit monatlich 676 Euro Einzahlung (aktueller Steuerfreibetrag 2026):
Bei der Metallrente Chance:
- Gesamteinzahlung: 283.000 Euro
- Kostenbelastung durch den Fonds: 36.000 Euro
- Kostenbelastung durch den Versicherer: 31.000 Euro
- Ablaufleistung vor Steuern: 549.000 Euro
- Nettorendite nach Kosten: 4,94%

Auszug Kalkulationstool
Das klingt erstmal okay. Aber Vorsicht: Diese Rechnung geht von 7% Jahresrendite des Fonds aus – ein Wert, den der Metallrente-Fonds historisch nicht erreicht hat. Realistischer sind etwa 5% jährlich. Dann sinkt deine Nettorendite auf nur noch 3,5% und die Ablaufleistung auf 550.000 Euro.
Zum Vergleich: Eine reine ETF-basierte bAV
Bei einem Vertrag, der eine vollständige ETF-Anlage ermöglicht (ohne Sicherungsvermögen, mit freier Fondswahl):
- Gleiche Einzahlung: 283.000 Euro
- Deutlich geringere Fondskosten (0,2% statt 0,72%)
- Ähnlich günstige Versicherungskosten
- 100% Anlage in Aktien-ETFs statt nur 55%
- Renditevorteil: circa 380.000 Euro über die Laufzeit

Links: Metallrente Rechts: ETF-bAV
Der Unterschied ist gewaltig – und er entsteht nicht durch teure Versicherungskosten, sondern durch die eingeschränkte Fondsauswahl und die Hybrid-Konstruktion.
Die drei Faktoren, auf die es wirklich ankommt
Bei einer betrieblichen Altersvorsorge solltest du nicht nur auf die Versicherungskosten schauen. Mindestens genauso wichtig sind:
1. Die Fondsquote
Wie viel deines Kapitals wird tatsächlich renditestark angelegt? Bei der Metallrente Chance sind es nur 55%. Die anderen 45% dümpeln im Sicherungsvermögen mit mageren 3% Verzinsung vor sich hin.
2. Die Fondsauswahl
Kannst du selbst entscheiden, in welche ETFs oder Fonds investiert wird? Bei der Metallrente: Nein. Du bist an das hauseigene Portfolio gebunden, das teurer ist und schlechter performt als günstige ETFs.
3. Die Flexibilität
Garantien kosten Rendite. Je höher die Garantiestufe, desto weniger Kapital fließt in die Fondsanlage. Wer 35 Jahre bis zur Rente hat, braucht keine 90%-Garantie – die Zeit gleicht Schwankungen aus.
Fazit: Günstig ist nicht immer gut
Die Metallrente Chance ist ein Paradebeispiel dafür, dass niedrige Versicherungskosten allein nicht ausreichen. Der Tarif ist günstig konstruiert, aber die Rendite wird durch die eingeschränkte Fondsauswahl und die Hybrid-Struktur massiv gebremst. Über 35 Jahre können so schnell 380.000 Euro Unterschied entstehen – Geld, das dir im Alter fehlt.
Mein Tipp: Wenn du die Wahl hast, setze auf eine bAV mit freier ETF-Auswahl, ohne Sicherungsvermögen und ohne starre Garantien. Die kurzfristige Sicherheit kostet dich langfristig ein Vermögen. Rechne deinen konkreten Vertrag durch – oder lass ihn durchrechnen. Manchmal steckt der Teufel eben nicht in den offensichtlichen Kosten, sondern in der Konstruktion des Produkts.
Schau gerne, wie wir diesen Vertrag unter die Lupe genommen haben. Zum Video
Das Wichtigste in Kürze:
- Die Metallrente Chance hat sehr günstige Versicherungskosten (1,18% Effektivkosten)
- Aber: Nur 55% deines Geldes werden in Fonds angelegt, der Rest bringt kaum Rendite
- Der vorgegebene Fonds ist dreimal teurer als ein ETF und performt schlechter
- Über 35 Jahre kann dich das bis zu 380.000 Euro Rendite kosten
- Alternative: bAV mit 100% ETF-Anlage und freier Fondswahl
Schau nicht nur auf die Kosten – schau vor allem auf die Anlagefreiheit und die Fondsquote. Deine Altersvorsorge wird es dir danken.