SpaceX-IPO: Warum die 1,8-Billionen-Bewertung ein gigantisches Warnsignal ist

Ist in SpaceX zu investieren ein Fehler?

Ist in SpaceX zu investieren ein Fehler?

Nächste Woche steht möglicherweise der größte Börsengang der Geschichte bevor: SpaceX, das Raumfahrt- und Technologieunternehmen von Elon Musk, strebt eine Bewertung von 1,8 Billionen US-Dollar an. Eine Summe, die selbst erfahrene Anleger stutzig macht. Doch bevor du dich von der Euphorie mitreißen lässt und blind investierst, lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Fakten. Denn hinter dem Hype verbergen sich einige Warnsignale, die du unbedingt kennen solltest.

Was macht diesen IPO so besonders?

Dieser Börsengang ist aus mehreren Gründen außergewöhnlich. Zunächst wäre es tatsächlich der größte IPO in der Börsengeschichte – allein diese Superlative zieht Millionen von Anlegern magisch an. Doch es gibt weitere Besonderheiten, die du verstehen musst:

Der extrem niedrige Freefloat: Nur 3 bis 5 Prozent der Aktien werden überhaupt für den öffentlichen Markt freigegeben. Normalerweise liegt dieser Anteil bei über 10 Prozent. Das bedeutet: Die allermeisten Anteile bleiben in festen Händen, was die frei handelbaren Aktien extrem knapp und potenziell volatil macht.

Ungewöhnliche Anlegerstruktur: Von diesen wenigen verfügbaren Aktien gehen etwa 30 Prozent an Privatanleger wie dich und mich – der Rest an institutionelle Investoren wie Versicherungen und Fonds. Normalerweise bekommen Kleinanleger deutlich weniger ab. Die Marketingstrategie setzt ganz offensichtlich auf den Hype unter Privatinvestoren.

Kein Lock-up für Frühinvestoren: Besonders brisant ist, dass frühe Investoren ihre Anteile sofort nach dem IPO verkaufen können. Normalerweise gibt es eine Sperrfrist, die genau das verhindert. Wer schon vor dem Börsengang eingestiegen ist und satte Gewinne mitbringt, könnte also direkt Kasse machen – und damit massiven Verkaufsdruck auf die Aktie ausüben.

Was steckt eigentlich hinter SpaceX?

SpaceX ist kein einfaches Unternehmen mit einem klaren Geschäftsmodell. Stattdessen vereint es drei sehr unterschiedliche Geschäftsbereiche unter einem Dach:

Starlink – das profitable Juwel: Der globale Internetanbieter über Satellit ist derzeit der einzige Bereich, der tatsächlich Geld verdient. Mit einem Umsatz von 11,5 Milliarden US-Dollar und einem operativen Gewinn von 4 Milliarden Dollar in 2025 ist Starlink das Herzstück des Unternehmens. Fluggesellschaften, abgelegene Regionen und mobile Nutzer weltweit setzen zunehmend auf diese Technologie. Das Potenzial ist enorm – und hier ist SpaceX praktisch Monopolist.

Starlink Internet Router

Starlink Internet Router

Starship und Raketen – die teure Vision: Der Bereich, der SpaceX ursprünglich berühmt machte, schreibt immer noch rote Zahlen. Wiederverwendbare Raketen, Satellitenstarts und bemannte Missionen ins All sind unfassbar forschungsintensiv und teuer. Aktuell entsteht hier ein Verlust von etwa 650 Millionen Dollar. Langfristig könnte dieser Bereich revolutionär werden – kurzfristig kostet er vor allem Geld.

Starship Start

Starship Start

xAI – das schwarze Loch: Der dritte Geschäftsbereich umfasst die KI-Lösung Grok und die Assets von X (ehemals Twitter). Hier wird es richtig problematisch: Bei einem Umsatz von nur 3 Milliarden Dollar wurden 2025 satte 6 Milliarden Dollar verloren. Das bedeutet: Für jeden Dollar Umsatz entstehen zwei Dollar Verlust. Ein finanzielles Desaster, das die Gesamtbilanz massiv belastet.

Die bittere Wahrheit: SpaceX ist unprofitabel

Unterm Strich macht SpaceX bei einem Gesamtumsatz von 18 Milliarden Dollar einen Verlust von knapp 5 Milliarden Dollar. Ein Unternehmen, das jährlich Milliarden verbrennt, soll 1,8 Billionen Dollar wert sein? Diese Diskrepanz lässt viele Experten die Augenbrauen hochziehen.

Der Nasdaq-Trick: Warum du automatisch investierst

Jetzt wird es richtig interessant – und vielleicht auch etwas unheimlich. Im Mai 2025 hat die Nasdaq zwei entscheidende Regeländerungen vorgenommen, die SpaceX direkt in die Karten spielen:

  1. Keine Freefloat-Anforderung mehr: Früher mussten mindestens 10 Prozent der Aktien frei handelbar sein, um in den Nasdaq 100 aufgenommen zu werden. Diese Regel wurde abgeschafft. SpaceX mit seinen 3 bis 5 Prozent hätte es sonst nie geschafft.
  2. Fast-Entry-Rule: Statt drei Monate müssen jetzt nur noch 15 Handelstage – also etwa drei Wochen – zwischen IPO und Nasdaq-100-Aufnahme vergehen.

Was bedeutet das für dich? Wenn du einen ETF auf den Nasdaq 100 hältst, wirst du etwa drei Wochen nach dem IPO automatisch SpaceX-Aktionär sein – ob du willst oder nicht. Alle ETF-Anbieter werden gezwungen sein, SpaceX ins Portfolio aufzunehmen. Billionen von Dollar werden so quasi automatisch in diese Aktie fließen.

Übrigens: Der S&P 500 hat andere Regeln, sodass SpaceX dort nicht automatisch aufgenommen wird.

Ist das ein gutes Investment? Die nüchterne Analyse

Jetzt zur entscheidenden Frage: Solltest du beim IPO zuschlagen? Schauen wir uns die harten Fakten an:

Die Bewertung ist astronomisch – im negativen Sinne: Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei 96. Das bedeutet: Die Bewertung entspricht dem 96-Fachen des Jahresumsatzes. Theoretisch müsste SpaceX 100 Jahre lang so viel Umsatz machen wie heute, um die aktuelle Bewertung zu rechtfertigen. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich gar nicht berechnen, weil das Unternehmen Verluste schreibt.

Zum Vergleich: 1,8 Billionen Dollar entsprechen fast der gesamten Marktkapitalisierung der 40 größten deutschen Unternehmen im DAX – zusammen!

Die Risiken sind enorm:

  • Frühinvestoren können sofort verkaufen und Gewinne mitnehmen
  • Das Unternehmen ist hochgradig unprofitabel
  • Zwei von drei Geschäftsbereichen verbrennen massiv Geld
  • Die Bewertung lässt kaum noch Luft nach oben

Selbst bei einem Kursrückgang von 50 Prozent wäre SpaceX mit 900 Milliarden Dollar noch immer extrem hoch bewertet – gemessen an den aktuellen Geschäftszahlen.

Fazit: Vorsicht vor dem Hype

Die wichtigste Erkenntnis: Nur weil etwas der größte IPO der Geschichte ist und von Elon Musk kommt, ist es noch lange kein gutes Investment. Die fundamentalen Zahlen sprechen eine klare Sprache: SpaceX ist aktuell massiv überbewertet. Das Risiko-Rendite-Verhältnis stimmt einfach nicht.

Wenn du einen Nasdaq-100-ETF hältst, wirst du ohnehin indirekt beteiligt sein – das reicht für die meisten Anleger völlig aus. Direkt beim IPO einzusteigen bedeutet, ein extremes Risiko für einen unsicheren Ertrag einzugehen. Die Bewertung müsste deutlich sinken, damit das Unternehmen wieder interessant wird.

Mein Tipp: Lass dich nicht von der Euphorie mitreißen. Warte ab, beobachte die Entwicklung und bewerte die Aktie neu, wenn sich eine realistischere Bewertung eingestellt hat. Manchmal ist die beste Investment-Entscheidung, nicht zu investieren. Bei SpaceX ist jetzt genau so ein Moment.

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