US-LLC und Steuern: Wirklich steuerfrei? Was stimmt und was nicht
Wie ein steuerfreies Setup legal möglich ist und woran du gute Anbieter erkennst
„Gründe eine LLC in den USA und zahl nie wieder Steuern.“ Dieser Satz geistert durch Social Media, Foren und Werbeanzeigen. Er klingt verlockend, vor allem wenn du gerade anfängst, online Geld zu verdienen. Leider ist er in dieser Form schlicht falsch.
Die gute Nachricht: Eine US-LLC kann ein sinnvolles Werkzeug sein, wenn deine Lebenssituation dazu passt. In diesem Artikel erfährst du, wie eine LLC steuerlich funktioniert, in welchen Szenarien sie sich lohnt, wie die Gründung abläuft und woran du seriöse Anbieter erkennst.
Wie die LLC steuerlich funktioniert
Was eine LLC ist
LLC steht für Limited Liability Company. Grob ist sie mit einer GmbH vergleichbar, steuerlich aber deutlich flexibler. Eine Ein-Personen-LLC gilt in den USA als „disregarded entity“, also als steuerlich transparent. Der Gewinn wird nicht bei der Firma besteuert, sondern bei dir als Eigentümer.
Warum die USA meist nichts verlangen
Wer nicht in den USA lebt und dort kein Geschäft betreibt, hat in der Regel kein Einkommen, das die USA besteuern könnten. Das heißt: kein Büro, keine Mitarbeiter, keine Betriebsstätte.

Die Steuerpflicht wandert in diesem Fall zum Eigentümer und zu seinem Wohnsitzland.
Die drei Ebenen im Überblick
| Ebene | Was sie bestimmt |
|---|---|
| Die Firma | LLC in einem US-Bundesstaat, in den USA meist steuerlich neutral |
| Die Person | Dein steuerlicher Wohnsitz entscheidet, wo und wie viel du zahlst |
| Die Kunden | Ihr Sitz bestimmt vor allem die Umsatzsteuer, z. B. Reverse Charge bei deutschen Firmenkunden |
Drei typische Szenarien
1. Wohnsitz in Deutschland
Du zahlst deine Steuern in Deutschland, auch mit LLC. Wird die LLC von hier aus geführt, kann sie sogar selbst in Deutschland steuerpflichtig werden. Ergebnis: mehr Aufwand, meist kein Vorteil. Ein Einzelunternehmen ist oft der einfachere Start.
2. Wohnsitz in einem anderen Land
Dann gelten dessen Regeln. Manche Länder besteuern nur Einkommen aus dem Inland, andere nur Geld, das ins Land gebracht wird. Beispiel Thailand: Seit 2024 wird Auslandseinkommen besteuert, sobald es dorthin überwiesen wird. Eine geplante Lockerung ist nach unserem Stand noch nicht in Kraft. Prüfe die aktuelle Lage deshalb immer selbst.
3. Kein fester Wohnsitz oder Wohnsitz ohne Einkommensteuer
Nur hier ist eine Steuerlast nahe null legal möglich. Das passt aber nicht zu jedem Lebensstil, gerade nicht mit Familie und Schule.
Die Fallen aus deutscher Sicht
Diese Punkte solltest du kennen und im Zweifel mit einem Steuerberater klären:
- Abmeldung allein reicht nicht. Wer eine Wohnung in Deutschland behält oder sich überwiegend hier aufhält, bleibt oft unbeschränkt steuerpflichtig.
- Erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach Paragraf 2 Außensteuergesetz kann bei Wegzug in Niedrigsteuerländer greifen, bis zu zehn Jahre.
- Ort der Geschäftsleitung: Wird die Firma faktisch aus Deutschland gesteuert, kann sie hier steuerpflichtig sein.
Gründung, Kosten und Pflichten
So gründest du in sechs Schritten
- Bundesstaat wählen: oft Wyoming, New Mexico, Delaware oder Florida.
- Registered Agent beauftragen: eine Adresse im Staat, die deine Post annimmt.
- Articles of Organization einreichen.
- Operating Agreement erstellen: Banken fragen oft danach.
- EIN beantragen: die Steuernummer der Firma. Eine US-Sozialversicherungsnummer brauchst du dafür nicht.
- Geschäftskonto eröffnen, zum Beispiel bei einer US-Online-Bank. Meist brauchst du Gründungsunterlagen, EIN-Schreiben, Pass und eine echte Wohnadresse.
Bundesstaaten im Vergleich
Der Staat ändert nichts daran, wo du Steuern zahlst. Er beeinflusst nur die laufenden Kosten (Stand bitte prüfen):
- Wyoming: jährlicher Bericht mit Gebühr ab 60 US-Dollar.
- New Mexico: kein jährlicher Bericht.
- Delaware: feste Jahressteuer für LLCs, nach unserem Stand 400 US-Dollar ab Steuerjahr 2026.
Vergleiche die Kosten über mehrere Jahre, nicht nur die Gründung.
Jährliche Pflichten
Plane Gebühr oder Bericht im Bundesstaat und den Registered Agent ein. Bei ausländischen Eigentümern kommt meist Formular 5472 mit vereinfachter Steuererklärung an die US-Steuerbehörde dazu.
Die fünf größten Mythen
- „Mit einer LLC zahlst du nirgends Steuern.“ Falsch, entscheidend ist dein Wohnsitz.
- „Du musst in den USA Steuern zahlen.“ Meist nein, wenn du dort kein Geschäft betreibst.
- „Eine LLC in Wyoming ist komplett anonym.“ Bank und Behörden kennen dich trotzdem.
- „Mit einer LLC darfst du in den USA leben.“ Nein, sie gibt dir kein Visum.
- „Delaware ist immer die beste Wahl.“ Für kleine Firmen sind andere Staaten oft günstiger.
Woran du gute Anbieter erkennst

Um böse Überraschungen zu vermeiden, solltest du die richtigen Unterstützer wählen.
- Sie sagen klar, dass die LLC allein nicht steuerfrei macht, und fragen nach deinem Wohnsitz.
- Sie werben nicht mit „100 Prozent steuerfrei für alle“.
- Preise für Gründung und jedes Folgejahr sind transparent, inklusive Registered Agent und Steuerformularen.
- Sie erinnern an die jährlichen Pflichten oder übernehmen sie, vor allem Formular 5472.
- Sie arbeiten mit Steuerberatern zusammen oder verweisen offen an sie.
- Sie helfen realistisch bei der Bankeröffnung und versprechen keine sichere Zusage.
- Adresse und Ansprechpartner sind echt, Bewertungen nachvollziehbar.
- Verträge, Kündigung und Übergabe der Unterlagen sind klar geregelt.
Warnsignale sind Druck mit Rabatten, Anonymität als Hauptargument, keine Frage nach deinem Wohnsitz und Versprechen ohne Einschränkungen.
Fazit: Erst das Einkommen, dann die Struktur
Viele fragen nach der LLC, sobald sie online Geld verdienen. Unsere Antwort ist immer dieselbe: Erst das Einkommen, dann die Struktur. Eine LLC lohnt sich erst, wenn Wohnsitz, Kunden und Einkommen dazu passen. Prüfe also zuerst, wo du steuerlich ansässig bist, und hole dir bei Bedarf Rat von einem Steuerberater.
Wenn du erst einmal ein ortsunabhängiges Einkommen aufbauen willst, findest du den Weg in unserem kostenlosen Videotraining.
Ist eine US-LLC wirklich steuerfrei?
Nein, nicht automatisch. In den USA fällt ohne dortiges Geschäft meist keine Einkommensteuer an, aber du versteuerst deine Gewinne in deinem Wohnsitzland.
Kann ich mit Wohnsitz in Deutschland eine LLC nutzen?
Ja, aber du zahlst weiterhin deine Steuern in Deutschland. Wird die LLC von hier geführt, kann sie sogar selbst steuerpflichtig werden. Meist bringt das mehr Aufwand ohne Vorteil.
Welcher Bundesstaat ist der beste für eine LLC?
Das hängt von den laufenden Kosten ab. Wyoming, New Mexico, Delaware und Florida sind verbreitet, Delaware ist für kleine Firmen aber oft teurer. Vergleiche die Kosten über mehrere Jahre.
Brauche ich ein US-Bankkonto?
Für die Geschäfte der LLC ist ein Geschäftskonto üblich, zum Beispiel bei einer US-Online-Bank. Dafür brauchst du meist Gründungsunterlagen, EIN-Schreiben, Pass und eine echte Wohnadresse. Eine Zusage ist nie garantiert.
Gibt mir eine LLC ein Visum für die USA?
Nein. Eine LLC gibt dir weder ein Visum noch ein Aufenthaltsrecht in den USA.