Volkswohl Bund NEXT/FR im Check: Warum sich die Rentenversicherung kaum lohnt

Taschenrechner neben Notizen zur Analyse einer Rentenversicherung.

Volkswohl Bund NEXT / FR

Stell dir vor, du zahlst 33 Jahre lang treu deinen Beitrag in eine Rentenversicherung ein – und am Ende müsstest du 111 Jahre alt werden, damit sich die Rentenzahlung überhaupt rentiert. Klingt absurd? Genau das zeigt unsere Prüfung eines konkreten Angebots der Volkswohl Bund NEXT/FR. Ein Kunde hatte uns seinen Vertrag zur Analyse vorgelegt, und die Zahlen, die dabei herauskamen, sollten jeden aufhorchen lassen, der gerade über eine fondsgebundene Rentenversicherung nachdenkt. In diesem Artikel zeigen wir dir, welche Kostenfallen in solchen Verträgen stecken und worauf du bei deiner eigenen Altersvorsorge unbedingt achten solltest.

Bevor wir ins Detail gehen: Jeder Vertrag ist individuell. Die hier vorgestellten Zahlen beziehen sich auf ein konkretes Angebot mit bestimmten Parametern. Trotzdem lässt sich daraus viel lernen – über Kostenstrukturen, Renditefallen und die Frage, wie du eine Altersvorsorge überhaupt seriös bewerten kannst.

Was eine gute Altersvorsorge wirklich ausmacht

Damit du das Ergebnis später richtig einordnen kannst, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Kriterien, die eine solide Altersvorsorge auszeichnen:

  • Rendite: Nur eine realistisch hohe, langfristig zu erwartende Rendite sichert echten Vermögensaufbau.
  • Kosten: Jede Gebühr schmälert deine Rendite – je niedriger, desto besser für dich.
  • Renditemindernde Faktoren: Neben offensichtlichen Kosten gibt es versteckte Einflüsse wie Transaktionskosten oder ungünstige Anlagestrategien.
  • Steuern: Wer die gesetzlichen Vorteile clever nutzt, profitiert von einem stärkeren Zinseszinseffekt.
  • Inflation: Ohne Inflationsschutz verliert dein Kapital über die Jahre spürbar an Kaufkraft.

Mit diesen fünf Punkten im Hinterkopf schauen wir uns jetzt an, wie die Volkswohl Bund NEXT/FR im Detail abschneidet.

Drei Männer analysieren die Rentenversicherung der Volkswohl Bund während einer Besprechung.

Volkswohl Bund NEXT / FR

Die Eckdaten des geprüften Vertrages

Im geprüften Angebot zahlt der Kunde monatlich 250 Euro über 33 Jahre ein, beginnend im Alter von 34 Jahren bis zum Renteneintritt mit 67. Eine Dynamik ist nicht vorgesehen, Einmalzahlungen gibt es keine. Macht unterm Strich eine Gesamteinzahlung von 99.000 Euro. Das komplette Kapital fließt dabei in den Fonds Carmignac Investissement – einen nahezu vollständig aktienbasierten Fonds. Für solche Fonds setzen wir eine langfristige Marktrendite von rund 9 Prozent pro Jahr an, wie sie in zahlreichen wissenschaftlichen Studien zum Aktienmarkt belegt ist. Doch von dieser Bruttorendite bleibt nach Abzug aller Kosten erfahrungsgemäß deutlich weniger übrig.

Die Kostenarten im Detail

Bei der Volkswohl Bund NEXT/FR lassen sich mehrere Kostenblöcke identifizieren, die direkt aus dem Vertragsguthaben entnommen werden:

KostenartBeschreibungBetrag über Laufzeit
Alpha-KostenAbschluss- und Vertriebskosten (in den ersten Jahren fällig)3.960,00 Euro
Beta-KostenVerwaltungskosten je Beitragszahlung7.227,00 Euro
Gamma-KostenLaufende Kosten auf das Vertragsguthaben3.759,71 Euro
Kappa-KostenStückkostenkeine
Summe Versichererkosten14.946,71 Euro

Hinzu kommen die Kosten der Kapitalanlage selbst: laufende Fondskosten von 1,48 Prozent pro Jahr sowie weitere renditemindernde Faktoren wie Opportunitätskosten (0,5 Prozent), Transaktionskosten (1 Prozent) und die sogenannte Cash-Lock-Falle (0,2 Prozent). In Summe ergibt das zusätzliche 81.054,03 Euro, die über die Laufzeit an Rendite verloren gehen.

Das Ergebnis: Lohnt sich der Vertrag?

Nach 33 Jahren Laufzeit steht ein Endkapital von 208.341,97 Euro brutto zu Buche. Nach Abzug der Steuerlast von 13.154,15 Euro bleibt ein Nettokapital von 195.187,82 Euro übrig. Klingt im ersten Moment nach einem ordentlichen Gewinn gegenüber den eingezahlten 99.000 Euro.

Wählt man stattdessen die lebenslange Rentenoption, ergibt sich auf Basis des garantierten Rentenfaktors von 18,92 Euro je 10.000 Euro Guthaben eine monatliche Bruttorente von 394,18 Euro. Um diese Summe tatsächlich vorteilhaft gegenüber der Einmalauszahlung zu nutzen, müsstest du die Rente 528 Monate lang beziehen – das entspricht einem Lebensalter von etwa 111 Jahren.

Zwei Männer diskutieren in einem modernen Büro über die Rentenversicherung von Volkswohl Bund.

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Der Inflations-Härtetest

Hier kommt der eigentliche Knackpunkt: die Inflation. Bei einer angenommenen Rate von 2 Prozent pro Jahr schrumpft die Kaufkraft erheblich:

  • Die monatliche Rente von 394,18 Euro ist nach 36 Jahren real nur noch 205,06 Euro wert.
  • Die Nettokapitalauszahlung von 195.187,82 Euro entspricht nach heutiger Kaufkraft nur noch rund 101.542,31 Euro.

Vergleicht man diesen realen Wert mit den eingezahlten 99.000 Euro, wird schnell klar: Der Vertrag gleicht gerade so die Inflation aus – ein nennenswerter realer Vermögenszuwachs bleibt aus. Nach 33 Jahren Kapitalbindung ergibt sich unterm Strich lediglich ein Gewinn von 2.542,31 Euro in heutiger Kaufkraft.

Was du daraus für deine eigene Vorsorge lernen kannst

Dieses Beispiel zeigt exemplarisch, wie stark Kosten und renditemindernde Faktoren eine auf den ersten Blick attraktive Rentenversicherung entwerten können. Wichtige Lehren daraus:

  1. Prüfe immer die tatsächliche Nettorendite nach Kosten, Steuern und Inflation – nicht nur die Bruttosumme am Ende.
  2. Vergleiche die Rentenoption realistisch mit der Kapitalauszahlung – oft lohnt sich die Rente erst bei einem sehr hohen Lebensalter.
  3. Hinterfrage kritisch, wie hoch Abschluss-, Verwaltungs- und Fondskosten in deinem Vertrag tatsächlich ausfallen.
  4. Lass dir die genaue Zusammensetzung der Kosten (Alpha, Beta, Gamma, Kappa) transparent aufschlüsseln.
Beratungsgespräch zur Rentenversicherung mit Volkswohl Bund.

Volkswohl Bund NEXT / FR

Fazit: Genauer Blick lohnt sich immer

Die Volkswohl Bund NEXT/FR ist in diesem konkreten Fall kein Musterbeispiel für eine rentable Altersvorsorge. Zwar wird die Inflation gerade noch ausgeglichen, ein echter Vermögensaufbau findet aber kaum statt – vor allem wegen der hohen Gesamtbelastung durch Kosten und renditemindernde Faktoren. Wichtig zu wissen: Diese Kosten lassen sich in vielen Fällen deutlich reduzieren oder sogar vermeiden, was bei gleichem Beitrag zu einem spürbar höheren Endkapital führen würde.

Unser Rat: Prüfe deinen eigenen Vertrag oder ein vorliegendes Angebot genau, bevor du dich langfristig bindest. Eine unabhängige, individuelle Analyse zeigt dir schwarz auf weiß, ob sich dein Geld wirklich vermehrt – oder nur die Inflation ausgleicht.

Was sind Alpha-, Beta- und Gamma-Kosten überhaupt?

Das sind unterschiedliche Kostenarten in Versicherungsverträgen: Alpha-Kosten decken Abschluss und Vertrieb ab, Beta-Kosten sind laufende Verwaltungsgebühren pro Beitrag, und Gamma-Kosten werden prozentual auf das gesamte Vertragsguthaben berechnet und wachsen daher mit der Zeit am stärksten an.

Lohnt sich die lebenslange Rente oder die Einmalauszahlung mehr?

In diesem Beispiel müsste man rund 111 Jahre alt werden, damit sich die Rentenoption gegenüber der Einmalauszahlung finanziell lohnt – für die meisten Menschen ist daher die Kapitalauszahlung die rentablere Wahl.

Wie stark wirkt sich die Inflation auf meine Altersvorsorge aus?

Schon bei einer moderaten Inflationsrate von 2 Prozent pro Jahr verliert dein Kapital über 30 bis 40 Jahre etwa die Hälfte seiner realen Kaufkraft, weshalb Inflation immer in die Renditeberechnung einbezogen werden sollte.

Kann ich die Kosten meines Vertrages nachträglich reduzieren?

Je nach Vertragsgestaltung lassen sich manche Kosten durch Anpassungen, Fondswechsel oder Verhandlungen reduzieren, weshalb sich eine individuelle Prüfung durch einen unabhängigen Experten häufig lohnt.

Woran erkenne ich, ob mein eigener Vertrag ähnlich betroffen ist?

Schau dir die Kostenaufstellung deines Angebots genau an und lass idealerweise eine unabhängige finanzmathematische Analyse erstellen, die dir die tatsächliche Nettorendite nach allen Kosten und der Inflation zeigt.

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