Warum die PV-Montage jetzt Chefsache für Dachdecker wird – und was das für dich bedeutet
So kaufst du Fachkräfte für die Zukunft!
Die Sonne scheint auf dein Dach – und damit auf eine riesige Chance für das Dachdeckerhandwerk. Photovoltaik boomt wie nie, die Politik verschärft die Pflichten, und die Auftragsbücher sind voll. Doch wer darf eigentlich PV-Anlagen montieren? Und welche Qualifikation brauchst du, um in diesem Zukunftsmarkt wirklich mitzuspielen? Die gute Nachricht: Das Dachdeckerhandwerk hat sich durchgesetzt – und die Spielregeln ändern sich gerade zu deinen Gunsten.
PV-Montage ist kein „Minderhandwerk" mehr – ein Durchbruch für Dachdecker
Jahrelang galt die reine Montage von Photovoltaik-Aufdachanlagen rechtlich als sogenanntes „Minderhandwerk" – zumindest, wenn kein direkter Eingriff in die Dachkonstruktion erfolgte. Das hieß konkret: Jeder durfte ran, eine Eintragung in die Handwerksrolle war nicht nötig. Die Folge? Viele fachfremde Anbieter drängten auf den Markt, Qualität und Sicherheit blieben oft auf der Strecke.
Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) hat dagegen jahrelang gekämpft – mit Erfolg. Der offizielle „Abgrenzungsleitfaden" zwischen Handwerkskammertag und Industrie- und Handelskammer wurde Anfang 2025 geändert. Jetzt gilt: Sämtliche Arbeiten auf der Gleichstromseite von PV-Anlagen werden dem Dachdeckerhandwerk zugeordnet und gelten als wesentliche Tätigkeiten des Berufs. Die bisherige Ausnahmeregelung für Auflast-Systeme wurde gestrichen.
Die Begründung ist technisch fundiert: Auch bei vermeintlich einfachen Aufdach- oder Auflastsystemen gibt es immer einen Eingriff in die Statik oder bauphysikalische Auswirkungen. Das hat bereits 2013 das Verwaltungsgericht Münster bestätigt. Mit der neuen Regelung wird es künftig einfacher, Verstöße zu ahnden – und vor allem: Das Handwerk bekommt die Anerkennung, die ihm zusteht.

PV ist wesentliches Handwerk!
Was das für deinen Betrieb bedeutet
Die Änderung schafft Rechtssicherheit und stärkt deine Position gegenüber Kunden und Wettbewerbern. Wer PV-Anlagen fachgerecht montieren will, muss künftig in der Handwerksrolle eingetragen sein. Das schützt nicht nur die Qualität auf dem Dach, sondern auch dein Geschäft vor unseriöser Konkurrenz.
Der ZVDH-zertifizierte PV-Manager: Dein Schlüssel zum Zukunftsmarkt
Rechtliche Anerkennung ist das eine – fachliche Kompetenz das andere. Und genau hier setzt der ZVDH mit seiner Weiterbildung zum PV-Manager im Dachdeckerhandwerk an. Seit Anfang 2022 haben bereits rund 1.000 Betriebe an dem einwöchigen Intensivkurs teilgenommen – Tendenz steigend.
Der Lehrgang umfasst 40 Unterrichtsstunden, verteilt auf fünf praxisnahe Module:
- Bedeutung der PV-Anlagen fürs Dachdeckerhandwerk – inklusive PV-Pflicht, Brandschutz, Grundlagen, Kundenberatung, Marketing und Fördermöglichkeiten
- PV-Anlagen auslegen in der Praxis – von der Schnellkonfiguration über Wirtschaftlichkeitsberechnung bis zur Detailplanung mit Wechselrichter- und Speicherauslegung
- Steuerrecht und Recht – Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Abschreibung, Handwerksrecht, Gewährleistung
- Photovoltaik und Elektrotechnik – Multimeter, bauliche Anforderungen, Montagearten, Bauformen, Komponenten
- Praktische Einblicke und technische Lösungen – konkrete Beispiele aus dem Dachdeckeralltag
Nach erfolgreicher Teilnahme und Lernstandskontrolle darfst du dich „ZVDH-zertifizierter Photovoltaik-Manager im Dachdeckerhandwerk" nennen. Dieser Titel ist mehr als Schmuck: Er signalisiert deinen Kunden, dass du technisch, rechtlich und wirtschaftlich auf dem neuesten Stand bist – gerade in Zeiten, in denen ab 2026 in NRW die PV-Pflicht bei Dachsanierungen greift.
Beispiel aus Nordrhein: Termine 2026 in Düsseldorf
Der Dachdecker-Verband Nordrhein bietet den Lehrgang 2026 kompakt an fünf Tagen an (20., 21., 26., 27. und 28. März). Die Teilnehmerzahl ist auf 26 Personen begrenzt, die Seminargebühr beträgt 1.500 Euro (1.300 Euro für Fördervereins-Mitglieder). Enthalten sind Mittagessen, Getränke und umfangreiche Arbeitsunterlagen. Anmeldung läuft über anmeldung@ddv-nr.de.
Dachdecker und Elektriker ziehen an einem Strang
PV-Anlagen sind Teamarbeit. Das haben ZVDH und der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) Ende 2022 offiziell besiegelt. Die Kooperation der beiden „Klimahandwerker" hat klare Ziele:
- Kompetenzen bündeln: Dachdecker verantworten die statische Anbindung und die Dachhaut, Elektrofachbetriebe den elektrischen Anschluss und die Inbetriebnahme.
- Weiterbildung vorantreiben: Gemeinsame Schulungskonzepte und eine „Technische Handlungshilfe Photovoltaik" sind in Arbeit.
- Online-Plattform: Eine zentrale Anlaufstelle soll Kunden künftig bei der Suche nach qualifizierten Fachbetrieben unterstützen.
Rund ein Drittel der Elektrobetriebe, die im PV-Bereich tätig sind, arbeitet bereits regelmäßig mit Dachdeckern zusammen. Das Potenzial ist aber noch viel größer – und die Zusammenarbeit wird zunehmend als Wettbewerbsvorteil erkannt.

Dachdecker und Elektriker müssen an einem Strang ziehen!
Praxistipp für deinen Betrieb
Baue dir frühzeitig regionale Kooperationen mit Elektrofachbetrieben auf. Definiert gemeinsam Schnittstellen (Kabelwege, Durchführungen, Dokumentation) und tretet als „PV-Kompetenznetzwerk" auf. Das macht euch für Kunden attraktiver – und zeigt Azubis, dass Handwerk innovativ und zukunftssicher ist.
Fachkräfte finden, binden, qualifizieren – die größte Herausforderung
Die Nachfrage nach PV-Anlagen steigt rasant. Doch was nützt der beste Auftrag, wenn das Personal fehlt? Laut einer Studie des bayerischen Dachdeckerhandwerks haben Betriebe unabhängig von ihrer Größe „sehr große" Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Nachwuchs- und Fachkräften. Viele fokussieren sich deshalb auf Bestandserhaltung statt auf Zukunftsthemen wie Digitalisierung oder Innovation.
Drei zentrale Hebel für deine Personalstrategie
1. Ausbildung im eigenen Betrieb stärken
Die duale Ausbildung bleibt das wichtigste Instrument der Fachkräftesicherung. Integriere PV-Inhalte früh in die Lehre – etwa durch Zusatzkurse zur Montage auf Steil- und Flachdächern (5–10 Tage). Kooperiere mit Schulen, biete Praktika an, lass Azubis als Botschafter auftreten. Zeige, dass das moderne Dachdeckerhandwerk Hightech ist.
2. Mitarbeitende binden
Laut Branchenstudien wirken besonders: individuelle Gespräche, Fahrtkostenzuschüsse, gemeinschaftliche Aktivitäten. Planbare Weiterbildungswege (z. B. „vom Azubi zur Fachkraft für Solartechnik / PV-Manager") erhöhen Identifikation und Loyalität. Ein Beispiel: Ein Meister macht den PV-Manager-Lehrgang, ein bis zwei Monteure einen Montagekurs – so entsteht ein PV-Kernteam, das Wissen intern weitergibt.
3. Externe Fachkräfte und Quereinsteiger gewinnen
Nutze erleichterte Zuwanderungsregeln für qualifizierte Fachkräfte. Entwickle Quereinsteiger-Programme mit kompakten PV- und Dachkursen. Auch die „Fachkraft für Solartechnik" (ca. 210 Stunden in acht Monaten, mit HWK-Prüfung) ist eine Option für erfahrene Gesellen oder gewerkeübergreifende Profis.
Qualifizierung auf einen Blick
Zielgruppe Maßnahme Umfang Schwerpunkt Meister/Gesellen ZVDH-PV-Manager ca. 40 Std., 1 Woche Planung, Recht, Wirtschaftlichkeit, Technik Auszubildende Zusatzkurs PV-Montage 5–10 Tage Praxis Montage Steil-/Flachdach Meister/Gesellen (mehrere Gewerke) Fachkraft für Solartechnik ca. 210 Std. in 8 Monaten PV, Solarthermie, Wärmepumpe, Energietechnik Erfahrene Fachkräfte / Quereinsteiger Schlüsselqualifikation PV variabel Grundlagen Elektrotechnik, Montage

Du brauchst qualifizierte Handwerker!
Bürokratie bremst – doch es gibt Wege
Ein oft übersehenes Problem: Die Bürokratielast ist für die meisten Betriebe in den letzten Jahren stark gestiegen. Laut bayerischer Studie liegt der tatsächliche Zeitaufwand deutlich über dem erträglichen Maß – und meist ist die Unternehmerin oder der Unternehmer selbst dafür zuständig.
Was hilft?
- Fokussiere dich auf wirksame, aber ressourcenschonende Instrumente (z. B. regelmäßige Rückmeldungen, Mitbestimmung, wertschätzender Umgang).
- Nutze Unterstützung durch die Handwerksorganisation, Bildungszentren oder regionale Verbundausbildung.
- Setze auf Digitalisierung, um Prozesse zu verschlanken – von der Auftragserfassung bis zur Endabrechnung.
Fazit: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt
Die Energiewende läuft – und die wichtigsten Flächen dafür liegen direkt vor deiner Haustür: auf den Dächern deiner Kunden. Mit der neuen rechtlichen Anerkennung der PV-Montage als wesentliche Tätigkeit des Dachdeckerhandwerks, der gezielten Qualifizierung zum PV-Manager und der Kooperation mit dem Elektrohandwerk hast du alle Trümpfe in der Hand.
Dein Takeaway: Qualifiziere mindestens ein bis zwei Mitarbeitende, baue regionale Kooperationen auf und zeige deinen Azubis, dass Handwerk Zukunft ist. Die Nachfrage ist da, die Förderung läuft, die Technik entwickelt sich rasant. Wer jetzt investiert – in Köpfe, in Know-how, in klare Prozesse – wird die nächsten Jahre nicht nur mitgestalten, sondern aktiv führen.
Probier das heute selbst aus: Melde dich für den nächsten PV-Manager-Kurs an, vereinbare ein Gespräch mit einem Elektrofachbetrieb in deiner Nähe – und beobachte, wie sich dein Betrieb Schritt für Schritt zum Klimahandwerker entwickelt.

Paul Schmidt, Geschäftsführer Bedachungen Schmidt und PvWelt