Welche Altersvorsorge lohnt sich für Geschäftsführer & Unternehmer?
Armin Dzubur I AD Finanz- und Vermögensplanung
Wer sich selbständig macht, gewinnt jede Menge Freiheit - verliert aber gleichzeitig ein wichtiges Sicherheitsnetz. Denn während Angestellte ganz automatisch in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, bist du als Selbständiger komplett auf dich allein gestellt. Niemand zwingt dich, für später vorzusorgen. Das klingt erstmal nach Freiheit, ist in Wahrheit aber eine riesige Verantwortung.
Das Problem: Die Auswahl an Möglichkeiten ist so groß, dass die meisten Selbständigen komplett überfordert sind. Gesetzliche Rentenversicherung, private Rentenversicherung, ETF-Depot, Rürup-Rente oder Immobilien - welche Variante passt zu wem? Genau das schauen wir uns jetzt Schritt für Schritt an, inklusive der jeweiligen Vor- und Nachteile, damit du eine fundierte Entscheidung treffen kannst.
Die fünf Wege zur Altersvorsorge im Überblick
1. Freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen

Armin Dzubur
Auch als Selbständiger kannst du freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Der große Vorteil: Du bekommst eine garantierte, lebenslange Rente, und ein Teil deiner Einzahlungen lässt sich steuerlich absetzen. Die Rendite liegt im Durchschnitt bei etwa 3% - das ist besser als ihr Ruf.
Allerdings gibt es auch Nachteile. Maximal 1.571,70 Euro kannst du monatlich einzahlen (Stand: 2026), mehr lässt der Gesetzgeber aktuell nicht zu. Zudem ist die Rentenkasse ein politisch heikles Thema: Wie hoch deine Rente am Ende wirklich ausfällt und ab welchem Alter du sie beziehen kannst, steht in den Sternen. Eine flexible Einmalauszahlung ist zudem nicht möglich – du bekommst eine gleichbleibende Rente mit gewisser Dynamik.
2. Die Rürup-Rente
Die Rürup-Rente ist quasi das Pendant zur gesetzlichen Rentenversicherung für Selbständige – inklusive steuerlicher Förderung. Klingt gut, hat aber in der Praxis große Schwachstellen. Laut mehreren unabhängigen Auswertungen schaffen nur die wenigsten untersuchten Verträge überhaupt eine Rendite von 2 Prozent – was nicht einmal den Inflationsausgleich der letzten 20 Jahre darstellt und damit keinen echten Vermögensaufbau ermöglicht.
Der Grund sind hohe Kosten und überzogene Annahmen zur Lebenserwartung. Häufig musst du weit über 90 Jahre alt werden, nur um deine eigenen Einzahlungen wieder herauszubekommen.
Hinzu kommt: Eine einmalige Kapitalauszahlung ist nicht möglich, das Renteneintrittsalter liegt frühestens bei 63 Jahren, und im Ernstfall trägst du sogar ein Ausfallrisiko der Versicherung.
3. Vermögensaufbau in Eigenregie mit Fonds & ETFs
Viele Selbständige lieben es, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen – genau das kannst du auch bei deiner Altersvorsorge tun. Mit einem breit gestreuten Portfolio aus Fonds & ETFs investierst du in hunderte Unternehmen gleichzeitig, statt das Risiko einer Einzelaktie zu tragen. Historisch betrachtet sind damit Renditen von 8 bis 9% realistisch – eine Garantie für die Zukunft ist das allerdings nicht.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Du verstehst, was mit deinem Geld passiert, bist unabhängig von Beratern und behältst volle Flexibilität bei Ein- und Auszahlungen. Dein Vermögen läuft zudem auf deinen Namen und lässt sich problemlos vererben. Der Haken: Du musst Kursschwankungen aushalten können, und mit steigendem Vermögen werden bei entsprechenden Summen auch die Schwankungsbreiten größer.
4. Die private Rentenversicherung
Die klassische private Rentenversicherung ist das, was die meisten Menschen automatisch abschließen, wenn sie an Altersvorsorge denken. Das Problem dabei: Die Unterschiede zwischen den Anbietern sind gewaltig, die Tarife ändern sich ständig, und Gesellschaften fusionieren oder verschwinden vom Markt. Du müsstest also nicht nur den besten Anbieter finden, sondern auch hoffen, dass dessen gute Finanzkraft auch in 30 Jahren noch besteht.
Die Kosten solcher Produkte können oft happig sein, die Rendite entsprechend mau. Steuervorteile gibt es hier übrigens nicht nur während der Ansparphase, sondern auch bei der Auszahlung im Rahmen des Halbeinkünfteverfahrens – und das wird in der Werbung gerne größer dargestellt, als es tatsächlich ist.
5. Vermögensaufbau mit Immobilien
Bei Immobilien lohnt sich eine klare Unterscheidung: selbstgenutzt oder vermietet. Eine selbstgenutzte Immobilie ist im eigentlichen Sinn keine Altersvorsorge - verglichen mit einer ETF-Anlage schneidet sie meistens schlechter ab, auch wenn du im Alter mietfrei wohnst.
Trotzdem sind Hausbesitzer statistisch oft vermögender als Mieter – einfach, weil sie durch die Kreditrate zum Sparen gezwungen werden. Eine vermietete Immobilie hat zudem den Vorteil, dass der Mieter dir hilft, den Kredit abzutragen, und nach zehn Jahren Haltedauer sogar steuerfrei verkauft werden kann. Wichtig: Rechne nicht blauäugig pauschal mit 3% jährlicher Mietsteigerung, wie es viele Makler gerne vorrechnen. Zudem brauchst du als Vermieter immer eine finanzielle Reserve für Instandhaltung – schnell können größere Summen für Umlagen fällig werden.
Welche Variante passt zu dir?

Armin Dzubur
Die alles entscheidende Frage lautet: Was ist dir wichtiger – Sicherheit oder Rendite? Beides gleichzeitig gibt es nicht. Wer Garantien will, muss auf Rendite verzichten. Wer Schwankungen aushalten kann, darf auf eine deutlich höhere Rendite hoffen.
| Vorsorgeform | Rendite (ca.) | Flexibilität | Steuervorteil | Risiko |
|---|---|---|---|---|
| Gesetzliche Rentenversicherung | ca. 3 % | keine Einmalauszahlung | ja, in der Einzahlphase | politisch/gering |
| Rürup-Rente | oft unter 2% | sehr gering | ja, in der Einzahlphase | Anbieter- und Langlebigkeitsrisiko |
| ETF-Depot | 8-9% | sehr hoch | keine | Kursschwankungen |
| Private Rentenversicherung | oft niedrig - allerdings sind höhere Renditen möglich | sehr gering bis sehr hoch | ja, in der Einzahl-, Auszahl- und im Todesfall | Anbieterabhängig,Vertragsstruktur als auch Kursschwankungen |
| Vermietete Immobilie | variabel | gering | nach 10 Jahren steuerfrei verkaufbar | Instandhaltungskosten |
Die genannten Renditewerte basieren auf historischen Durchschnittswerten bzw. typischen Marktbeobachtungen und sind keine Zusage für die Zukunft.
Ein Punkt, der immer wieder unterschätzt wird: Steuervorteile sollten bei deiner Entscheidung nur eine untergeordnete Rolle spielen. Entscheidend ist einzig die Nettorendite - was am Ende wirklich bei dir ankommt. Ein Vertrag mit hoher Steuerersparnis, aber mieser Performance, bringt dir unterm Strich trotzdem wenig.
Fazit

Armin Dzubur
Es gibt keine pauschal beste Lösung - aber es gibt eine klare Vorgehensweise. Rechne für dich durch, welches Produkt bei deiner individuellen Situation am meisten Rendite nach Kosten und Steuern bringt. Wenn du noch 10 bis 15 Jahre Zeit bis zur Rente hast und Flexibilität schätzt, ist ein ETF-Depot meist die überlegene Wahl. Brauchst du unbedingt eine Garantie, zahlst du eben freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung ein - dafür aber mit reduzierten Renditechancen.
Am wichtigsten: Verlasse dich nicht auf eine einzige Lösung, sondern kombiniere je nach Lebenssituation. Beobachte deine eigene Risikobereitschaft ehrlich - und triff deine Entscheidung auf Basis von Zahlen, nicht auf Basis von Werbeversprechen.
Wenn du endlich nicht mehr darauf hoffen willst, dass „die Firma später schon deine Rente ist“. Wenn du es satt hast, irgendwelche Produkte zu kaufen, die nicht zu dir als Geschäftsführer oder Unternehmer passen. Wenn du bald an einem Punkt bist, wo du zwar viel Umsatz hast, aber privat trotzdem nicht abgesichert bist und wenn du nie wieder Angst davor haben willst, im Alter trotz erfolgreichem Business doof dazustehen.
Dann buche dir jetzt ein kostenfreies Erstgespräch auf www.armin-dzubur.com.
Muss ich mich als Selbstständiger überhaupt um Altersvorsorge kümmern?
Gesetzlich verpflichtet bist du aktuell nicht, aber ohne eigene Vorsorge drohst du im Alter auf wenig bis gar keine Absicherung zurückgreifen zu können - eigenverantwortliches Handeln ist hier unerlässlich.
Lohnt sich die freiwillige Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung?
Ja, für alle, die Wert auf eine garantierte, lebenslange Rente legen, ist sie eine solide Basisabsicherung - allerdings mit begrenztem Maximalbetrag, wenig Flexibilität und einer nicht beeinflussbaren Rendite.
Sind ETFs wirklich sicherer als ihr Ruf?
Ein breit gestreutes ETF-Portfolio streut das Risiko über hunderte Unternehmen weltweit und war historisch über lange Zeiträume renditestark - kurzfristige Schwankungen musst du aber aushalten können.
Ist eine Rürup-Rente überhaupt noch sinnvoll?
In den meisten untersuchten Fällen schneiden Rürup-Verträge wegen hoher Kosten und unrealistischer Annahmen schlecht ab - sinnvoll kann sie sein, wenn alle wichtigen Parameter auf die individuelle Situation berücksichtigt worden sind. .
Ist eine Immobilie eine gute Altersvorsorge?
Eine vermietete Immobilie kann sich lohnen, weil der Mieter beim Schuldenabbau hilft - eine selbstgenutzte Immobilie zählt hingegen eher nicht als klassische Altersvorsorge im Renditesinn.