7 Probleme jedes Kanzleiinhabers - und wie du sie ohne Überstunden löst
Kanzlei-Probleme und wie du sie löst
Du führst eine Kanzlei und hast das Gefühl, dass sich immer dieselben Baustellen auftun? Stellen bleiben monatelang offen, gute Leute kündigen, und am Ende landet alles auf deinem Schreibtisch. Du bist damit nicht allein. In über 50 Kanzleien tauchen genau dieselben Muster auf, und fast immer lassen sie sich auf wenige Ursachen zurückführen.
Die gute Nachricht: Du brauchst keine zusätzlichen Überstunden, um das zu ändern. Meist reicht es, die Ursache hinter dem Symptom zu erkennen. In diesem Artikel findest du die sieben häufigsten Probleme, was wirklich dahintersteckt und wo du ansetzen kannst. Dazu kommt ein achter Punkt, der alles andere beeinflusst: du selbst.
Die sieben typischen Probleme im Kanzleialltag
1. Offene Stellen bleiben unbesetzt
Der Fachkräftemangel ist real, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Trotzdem ist er nur die halbe Wahrheit. Bewerberinnen und Bewerber entscheiden auch nach dem Ruf und der Führungskultur einer Kanzlei. Wer als Arbeitgeber einen guten Namen hat, bekommt eher Bewerbungen. Frag dich also ehrlich: Wie wirkt deine Kanzlei von außen?
2. Gute Leute kündigen
Mitarbeiter verlassen selten die Kanzlei. Sie verlassen die Art, wie geführt wird. Menschen bleiben wegen Menschen und Menschen gehen auch wegen Menschen. Wenn dir Leistungsträger wegbrechen, lohnt der Blick auf Wertschätzung, Kommunikation und Umgang im Alltag, nicht nur auf das Gehalt.
3. Alles läuft über deinen Tisch
Über Wochen, Monate und Jahre bist du zum Flaschenhals geworden. Der Grund: Entscheidungen, Aufgaben und vor allem Verantwortung wurden nie wirklich abgegeben. Beginne mit einem klar umrissenen Bereich, den du vollständig übergibst, inklusive der Entscheidungsfreiheit.
4. Dauerstress durch Fristen und Abgaben
Der Stress entsteht nicht allein durch die Menge an Arbeit. Er entsteht durch fehlende Priorisierung, unklare Kommunikation im Team und fehlende Regeneration. Wer in Stoßzeiten keine Pausen macht, läuft irgendwann auf Reserve.
5. Hoher Krankenstand
Krankheitstage sind nur das Symptom. Überlastung zeigt sich erst, wenn jemand ausfällt, und sie sitzt viel tiefer. Jeder Ausfall trifft zudem nicht nur eine Person, sondern das ganze Team, das die Arbeit mittragen muss.
6. Mandanten ohne Grenzen
Ständige Erreichbarkeit und immer neue Sonderwünsche werden zur Norm, wenn niemand Grenzen setzt. Mandanten testen, was möglich ist. Legst du klare Regeln fest, etwa für Erreichbarkeit und Abläufe, schützt du dein Team und dich.
7. Keine Zeit für die Weiterentwicklung
Wer nur im Tagesgeschäft steckt, arbeitet in der Kanzlei, aber nie an ihr. Genau das ist aber die Aufgabe eines Inhabers und jeder Führungskraft: die Kanzlei stetig weiterzuentwickeln. Blocke dir feste Zeiten dafür im Kalender.
Der Faktor hinter allem: deine Haltung
Es gibt ein achtes Problem, und es ist vermutlich das größte: dein eigenes Mindset. Viele Inhaber priorisieren sich selbst nicht, haben kaum noch Zugang zu sich und finden sich selbst nicht wirklich gut. Nach außen wirkt man stark, innen sieht es anders aus.
Deine Haltung ist das Wichtigste in der Kanzlei. Sie entscheidet, ob es dir gut geht und ob dein Team gern zur Arbeit kommt, motiviert bleibt und produktiv arbeiten kann.

Ann-Katharin Lorenzen und ihr Team beraten deutschlandweit Kanzlei-Inhaber dabei, wie Sie mit gesunder Selbstführung ihre Kanzlei nach vorne bringen.
Übersicht: Symptom und eigentliche Ursache
| Problem | Eigentliche Ursache |
|---|---|
| Unbesetzte Stellen | Ruf und Führungskultur |
| Kündigungen | Führungsstil, Umgang miteinander |
| Inhaber als Flaschenhals | Fehlende Delegation und Verantwortungsübergabe |
| Dauerstress | Fehlende Priorisierung, Klarheit, Pausen |
| Hoher Krankenstand | Tieferliegende Überlastung |
| Grenzenlose Mandanten | Keine klaren Regeln |
| Kein Raum für Entwicklung | Gefangen im operativen Geschäft |
Dein Einstieg: Fang bei dir an
- Nimm dir bewusst Zeit für dich und deine Prioritäten.
- Prüfe, mit welcher Haltung du in die Woche startest.
- Gib einen Verantwortungsbereich komplett ab.
- Lege Regeln für Erreichbarkeit und Mandantenwünsche fest.
- Plane feste Zeiten für die Weiterentwicklung deiner Kanzlei ein.
Fazit
Die meisten Kanzleiprobleme sind Führungsthemen: Kultur, Klarheit, Grenzen und Delegation. Das Gute daran: Du hast sie selbst in der Hand. Beginne bei dir, denn deine Haltung prägt Stimmung, Produktivität und Bindung im Team. Frag dich heute noch: Mit welcher Einstellung gehe ich morgen in die Kanzlei?
Warum kündigen gute Mitarbeiter in Kanzleien?
Meist liegt es nicht an der Kanzlei an sich, sondern an der Art der Führung. Menschen bleiben wegen Menschen und gehen auch wegen ihnen.
Ist ein hoher Krankenstand ein Zeichen für Überlastung?
Oft ja. Der Krankenstand ist nur das sichtbare Symptom, die Ursachen liegen tiefer, etwa in fehlender Priorisierung und fehlender Regeneration.
Wie werde ich nicht mehr zum Flaschenhals?
Gib Entscheidungen, Aufgaben und Verantwortung wirklich ab. Starte mit einem klar definierten Bereich und lass dort dem Team freie Hand.
Wie gehe ich mit Mandanten um, die ständig erreichbar sein wollen?
Setze klare Grenzen. Ohne sie werden ständige Erreichbarkeit und Sonderwünsche schnell zur Norm.