Amazon FBA Kosten: Alle Gebühren, das Startkapital und ein Rechenbeispiel
Jannik Eilts, Co-Founder von Seller Matrix und seit über 6 Jahren Amazon-Seller.
Wenn du Produkte über Amazon FBA verkaufst, verdienen viele mit: der Hersteller, die Spedition, der Zoll, das Finanzamt und Amazon selbst. Wie viel dabei zusammenkommt, unterschätzen gerade Einsteiger fast immer. Ein Beispiel: Ein Kunde kauft auf Amazon einen Yogaball für 24,99 €. Beim Verkäufer bleiben davon am Ende rund 4,80 € Gewinn.
In diesem Artikel schlüsseln wir auf, wohin der Rest geht. Du erfährst, welche Kosten anfallen, bis dein Produkt im Amazon-Lager liegt, welche Gebühren Amazon bei jedem Verkauf einbehält und wie viel Startkapital du für den Einstieg realistisch brauchst. Zum Schluss rechnen wir den Yogaball Position für Position durch, damit du siehst, wie viel Marge am Ende wirklich übrig bleibt. Falls dir das Geschäftsmodell selbst noch neu ist, lies vorher unseren Einsteiger-Artikel „Was ist Amazon FBA?“.
Wie viel kostet Amazon FBA?
Die Kosten für Amazon FBA fallen in zwei Blöcken an. Der erste Block entsteht, bevor du überhaupt etwas verkaufst: Einkauf, Verpackung, Fracht und Zoll, bis dein Produkt im Amazon-Lager liegt. Der zweite Block fällt bei jedem Verkauf an: rund 15 % Verkaufsprovision, die FBA-Versandgebühr pro Einheit, Lagergebühren und Werbung. Dazu kommen 39 € im Monat für das professionelle Verkäuferkonto. Für den Einstieg mit dem ersten Produkt solltest du insgesamt mindestens rund 6.000 € Startkapital einplanen.

Diese zwei Kostenblöcke gehören in jede Kalkulation für Amazon FBA.
Aus über 450 Produktlaunches, die wir bei Seller Matrix begleitet haben, wissen wir: Erst wenn beide Blöcke vollständig in der Kalkulation stehen, siehst du deine echte Marge.
Welche Kosten fallen an, bis dein Produkt bei Amazon liegt?
Alle Kosten bis zum Amazon-Lager ergeben zusammen deinen effektiven Einkaufspreis pro Stück, auch Landed Costs genannt. Dieser Wert ist fast immer deutlich höher als der Preis, den dir der Hersteller nennt.
| Kostenpunkt | Was dahintersteckt |
|---|---|
| Produktkosten | Einkaufspreis beim Hersteller, abhängig vom vereinbarten Incoterm (z. B. FOB) |
| Verpackung und Labeling | Verpackung, Barcodes, Masterkartons. Oft im Produktpreis enthalten, trotzdem einzeln erfragen |
| Qualitätskontrolle | Quality Inspection vor dem Versand, auf die Stückzahl umgerechnet |
| Fracht | Seefracht ist meist am günstigsten, Bahnfracht liegt in der Mitte, Luftfracht ist am teuersten |
| Zoll | Richtet sich nach dem Zolltarif (HS-Code) deines Produkts |
| Einfuhrumsatzsteuer | In der Regel 19 % bei der Einfuhr, als Vorsteuer erstattungsfähig |
| Zwischenlager (3PL) | Lagerung beim Logistiker, bevor die Ware in Teilmengen zu Amazon geht |
| Versand ins Amazon-Lager | Über einen Anlieferplan im Seller Central, per DHL rund 3 € pro Karton |
Zoll: Den HS-Code immer selbst prüfen
Der Zollsatz hängt davon ab, unter welchem Zolltarif dein Produkt eingeordnet wird. Verlass dich dabei nicht auf die Angabe deines Herstellers, sondern prüfe den Code selbst im Zolltarif der EU. Ein Fehler beim Zoll ist ähnlich wie ein Fehler bei der Steuer: Er kann teuer werden und Nachzahlungen nach sich ziehen.
Einfuhrumsatzsteuer: Kein echter Kostenpunkt, aber ein Liquiditätsthema
Bei der Einfuhr aus Drittländern wie China zahlst du Einfuhrumsatzsteuer, in der Regel 19 %. Diese kannst du später als Vorsteuer mit deiner Umsatzsteuer verrechnen. Sie ist also keine echte Kostenart, bindet aber vorübergehend Geld, das du bei deiner Planung einrechnen musst.
Warum du ein Zwischenlager brauchst
Amazon ist der teuerste Lagerplatz in der gesamten Kette, und neue Seller dürfen anfangs nur begrenzte Mengen einsenden. Deshalb lagert die Ware in der Regel beim Logistiker und geht in Teilmengen zu Amazon. Die Ware kommt dabei praktisch nie direkt aus China ins Amazon-Lager.
Welche Gebühren nimmt Amazon beim Verkauf?
Beim Verkauf über Amazon fallen mehrere Gebühren an, die du von deinem Verkaufspreis abziehen musst. Die wichtigsten Richtwerte im Überblick:
| Kostenpunkt | Richtwert |
|---|---|
| Umsatzsteuer | Meist 19 %, im Amazon-Preis bereits enthalten |
| Verkaufsprovision | In den meisten Kategorien rund 15 % vom Bruttoverkaufspreis |
| FBA-Versandgebühr | Pro verkaufter Einheit, abhängig von Größe und Gewicht |
| Lagergebühren | Pro Volumen und Monat, im Weihnachtsquartal deutlich höher |
| Werbung (PPC) | Dauerhaft einplanen, als Richtwert 10 bis 20 % vom Umsatz |
| Verkäuferkonto | 39 € pro Monat zzgl. USt. für das professionelle Konto |
Amazon passt Gebühren regelmäßig an und erhebt teils zusätzliche Zuschläge. Prüf die aktuellen Werte deshalb immer auf den Gebührenseiten von Amazon, bevor du ein Produkt kalkulierst.
Wie viel Prozent nimmt Amazon vom Verkäufer?
In den meisten Kategorien nimmt Amazon rund 15 % des Bruttoverkaufspreises als Verkaufsprovision. Einige Kategorien haben niedrigere Sätze, manche auch höhere. Für eine erste Kalkulation rechnen wir bei Seller Matrix mit 15 % und prüfen danach den genauen Satz der jeweiligen Kategorie.

Jannik Eilts im Beratungsgespräch. Er hat über 450 Produktlaunches begleitet.
Wie hoch ist die FBA-Versandgebühr?
Die FBA-Gebühr zahlst du für jede verkaufte Einheit. Sie hängt von den Maßen und dem Gewicht des verpackten Produkts ab: je größer und schwerer, desto teurer. Genau hier passieren die teuersten Fehler. Wer in der Gebührentabelle in die falsche Zeile rutscht, kalkuliert schnell einen Euro zu wenig pro Stück. Das reicht oft schon, um ein ganzes Produkt unrentabel zu machen. Sehr große Produkte versendet man deshalb häufig nicht über FBA, sondern selbst (FBM).
Warum Werbung ein fester Kostenpunkt ist
Ohne Werbung kommt heute kaum ein neues Produkt ins Laufen. Anders als früher reicht es nicht, PPC nur zum Launch zu schalten. Die Kosten fallen dauerhaft an. Wir kalkulieren deshalb schon vor dem Einkauf mit einem Werbeanteil: Bei einem gut optimierten Produkt liegt er bei rund 10 %, in der Startphase eher bei 15 bis 20 % vom Umsatz.
Wie viel Startkapital brauchst du für Amazon FBA?
Für den Start mit einem eigenen Produkt brauchst du heute mindestens rund 6.000 €. Bevor KI-Tools Bilder und Design übernommen haben, waren es noch knapp 10.000 €. Gesunken ist vor allem ein Posten: die Kreativkosten für Produktbilder, Logo und Verpackungsdesign.

Durch KI ist das Startkapital für das erste Amazon-Produkt deutlich gesunken.
| Kostenpunkt | Früher | Heute |
|---|---|---|
| Ware (erste Bestellung) | ca. 3.000 € | ca. 3.000 € |
| Fracht | ca. 1.000 € | ca. 1.000 € |
| Zertifikate und Prüfungen | ca. 1.500 € | ca. 500 bis 1.000 € |
| Produktbilder | ca. 2.000 bis 2.500 € | ca. 30 € (KI-Tool im Monat) |
| Logo | ca. 300 bis 400 € | mit KI selbst erstellt |
| Verpackungsdesign | ca. 300 bis 400 € | ca. 50 € für die Druckdatei |
| Markenanmeldung (DPMA) | ca. 300 € | ca. 300 €, teils EU-Förderung möglich |
| Markenanwalt | ca. 350 bis 400 € | mit Anleitung oft verzichtbar |
| Samples | ca. 200 € | ca. 200 € |
| Versand ins Amazon-Lager | ca. 300 € | ca. 300 € |
| Laufende Kosten (Amazon-Konto, Geschäftskonto, Helium 10, Rechnungstool) | ab ca. 200 € im Monat | ab ca. 200 € im Monat |
| Summe Start | knapp 10.000 € | rund 6.000 € |
Der größte Posten ist die erste Warenbestellung. Sie hängt stark vom Produkt ab: Für ein kleines, günstiges Produkt reichen oft 1.000 bis 2.000 €, für ein großes, teures Produkt brauchst du ein Vielfaches. Viele unserer Teilnehmer starten mit etwa 10.000 € Budget, um auch die erste Nachbestellung finanzieren zu können.
Ein Steuerberater wird übrigens erst nötig, wenn du aktiv verkaufst. Davor reichen in der Regel Nullmeldungen für die Umsatzsteuer, die du selbst über Elster abgeben kannst.
Was bleibt von einem Verkauf übrig? Ein Rechenbeispiel
Zurück zum Yogaball vom Anfang. Wir rechnen ihn mit realistischen Werten durch, so wie wir es auch in unserem Margenrechner tun. Verkauft wird er für 24,99 € in der Kategorie Sport und Freizeit. Der Einkaufspreis liegt bei 1,80 € pro Stück, inklusive Qualitätskontrolle, Fracht und 6,5 % Zoll ergeben sich Landed Costs von 3,41 €. Für Werbung planen wir 15 % vom Umsatz ein.
| Position | Betrag pro Stück |
|---|---|
| Verkaufspreis brutto | 24,99 € |
| abzüglich Umsatzsteuer (19 %) | −3,99 € |
| abzüglich Verkaufsprovision (15 %) | −3,75 € |
| abzüglich FBA-Versandgebühr | ca. −4,50 € |
| abzüglich Landed Costs | −3,41 € |
| abzüglich Werbung (15 % vom Umsatz) | ca. −3,75 € |
| abzüglich Lager und Retouren | ca. −0,80 € |
| Gewinn pro Stück | ca. 4,80 € |
Das entspricht einer Marge von rund 23 % vom Nettoumsatz und einem Return on Investment von rund 140 %. Bei 400 verkauften Stück im Monat bleiben damit knapp 2.000 € Gewinn. Das ist ein solider Wert: Viele Private-Label-Seller liegen bei 15 bis 20 % Marge, ein ROI von 100 % gilt bereits als gut.
Das Beispiel zeigt auch, wie groß der Abstand zwischen Einkaufspreis und tatsächlichen Kosten ist: Aus 1,80 € beim Hersteller werden 3,41 € im Amazon-Lager, und vom Verkaufspreis gehen rund zwei Drittel an Steuer, Amazon und Werbung.
Mit unserem kostenlosen Amazon FBA Margenrechner kannst du diese Rechnung für dein eigenes Produkt durchspielen. Er berücksichtigt alle Kosten aus beiden Blöcken und zeigt dir Marge, ROI und den nötigen Mindestverkaufspreis.
Woran scheitern die meisten Kalkulationen?
Aus unserer Erfahrung kippen Kalkulationen fast immer an denselben Stellen:
- Nur mit dem Einkaufspreis gerechnet: Fracht, Zoll, Zwischenlager und der Versand zu Amazon fehlen.
- FBA-Gebühr falsch abgelesen: Maße und Gewicht der Einzelverpackung nicht genau geprüft oder mit dem Masterkarton verwechselt.
- Werbekosten vergessen: Das Produkt rechnet sich nur ohne PPC, und PPC brauchst du dauerhaft.
- Dollar und Euro vermischt: Hersteller nennen Preise meist in US-Dollar, deine Kalkulation läuft in Euro.
- Retouren ignoriert: Bei den meisten Produkten kommen 5 bis 10 % zurück, ein Teil davon ist nicht mehr verkaufbar.
Wie kannst du die Kosten für Amazon FBA senken?
- Kreativleistungen mit KI erstellen: Produktbilder, Logo und Verpackungsentwurf kosten heute nur noch einen Bruchteil.
- Nur so viel Ware bei Amazon lagern wie nötig: Den Rest beim günstigeren Logistiker lassen.
- Samples bündeln: Muster verschiedener Hersteller zusammen verschicken lassen, denn die Versandkosten sind oft höher als die Muster selbst.
- Beim Einkauf verhandeln: Der erste Preis eines Herstellers ist selten der letzte, und jeder gesparte Cent geht direkt in die Marge.
- Verpackung einzeln erfragen: Eine günstigere Verpackung kann den Stückpreis spürbar senken.
- Die Voranmeldungen davor schaffst du meistens selbst.
Häufige Fragen zu den Kosten von Amazon FBA
Wie viel kostet FBA bei Amazon?
Die laufenden Kosten bestehen aus 39 € im Monat für das professionelle Verkäuferkonto, rund 15 % Verkaufsprovision, der FBA-Versandgebühr pro Einheit und Lagergebühren. Dazu kommen Werbekosten. Für den Start mit einem eigenen Produkt brauchst du aktuell mindestens rund 6.000 €.
Wie viel Prozent nimmt Amazon vom Verkäufer?
In den meisten Kategorien nimmt Amazon rund 15 % des Bruttoverkaufspreises als Verkaufsprovision. Zusammen mit FBA-Gebühr, Lagergebühren und Werbung geht bei vielen Produkten deutlich mehr als ein Drittel des Nettopreises an Amazon.
Wie viel Startkapital braucht man für Amazon FBA?
Mindestens rund 6.000 € für das erste Produkt. Den größten Teil macht die erste Warenbestellung mit etwa 3.000 € aus. Viele Seller starten mit etwa 10.000 €, um auch die erste Nachbestellung finanzieren zu können.
Wie hoch ist die FBA-Versandgebühr?
Sie hängt von Größe und Gewicht des verpackten Produkts ab und wird pro verkaufter Einheit berechnet. Im Rechenbeispiel aus diesem Artikel lag sie für einen Yogaball bei rund 4,50 €. Die aktuellen Werte findest du in der Gebührentabelle von Amazon.
Welche Marge ist bei Amazon FBA realistisch?
Viele Private-Label-Seller erzielen 15 bis 20 % Marge vom Nettoumsatz. Mit gutem Einkauf und einer klaren Positionierung sind auch 20 bis 25 % möglich, im Rechenbeispiel dieses Artikels rund 23 %.