CO2-Preis 2028: Was Öl- und Gasheizungen dich wirklich kosten werden
Was Öl- und Gasheizungen dich wirklich kosten werden
Kein Verbot mehr für Gas- und Ölheizungen - das neue Heizungsgesetz klingt für viele Eigentümer nach Entwarnung. Endlich Ruhe, könnte man denken. Doch genau diese Entspannung ist gefährlich, denn sie blendet die eigentliche Kostenfalle aus: den CO2-Preis. Der wird ab 2028 nicht mehr politisch gedeckelt, sondern vom Markt bestimmt - und alle seriösen Prognosen zeigen in eine Richtung: deutlich nach oben.
Wer heute mit Öl oder Gas heizt und glaubt, finanziell aus dem Schneider zu sein, sollte genau jetzt eine Rechnung aufmachen. Denn aus einem Kostenpunkt, der aktuell noch überschaubar wirkt, kann innerhalb weniger Jahre eine vierstellige Summe pro Jahr werden - nur für den CO2-Anteil, zusätzlich zum eigentlichen Brennstoffpreis. In diesem Artikel bekommst du die konkrete Rechnung, klärst die verbreitete Verwechslung zwischen 2027 und 2028, und erfährst, welche Hebel dir zur Verfügung stehen, um dich vor der Kostenwelle zu schützen.
Was du heute schon für CO2 zahlst - und warum sich das bald ändert
Vielen Eigentümern ist gar nicht bewusst: Ein CO2-Preis wird längst gezahlt. Er steckt versteckt in jeder Gas- und Ölrechnung. Grundlage dafür ist das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG), das nationale System, das es in Deutschland seit 2021 gibt. Für 2026 liegt der gesetzliche Korridor bei 55 bis 65 Euro pro Tonne CO2.
Wichtig für das Verständnis: Das System setzt nicht direkt bei dir an, sondern bei den Öl- und Gaslieferanten. Die müssen Zertifikate kaufen und geben diese Kosten über den Brennstoffpreis an dich weiter. Für 2027 will die Bundesregierung den Preis stabil halten, es gibt aber Diskussionen über eine Kopplung an den europäischen ETS1-Preis, was ihn zusätzlich steigen lassen könnte. Heißt für die Gegenwart: Der CO2-Preis ist real, aber noch politisch gedeckelt und damit planbar. Das ändert sich grundlegend ab 2028.

CO2 Steuer Immobilien
2027 oder 2028? Die Verwirrung im Netz aufgeklärt
Wenn du online recherchierst, stößt du auf beide Jahreszahlen - das sorgt verständlicherweise für Chaos. Hier die klare Einordnung: Ursprünglich war der europäische Emissionshandel für Gebäude, das ETS2, für 2027 geplant. Die EU-Umweltminister haben im November 2025 aber beschlossen, den Start um ein Jahr zu verschieben. Der Rat der EU hat das im März 2026 bestätigt. Der voll operative Start ist damit 2028.
Der Grund für die Verschiebung: Mehrere Mitgliedstaaten befürchteten, dass ein zu schneller Start einkommensschwache Haushalte zu stark belasten würde. Wer heute noch „2027" liest, sitzt also auf einem veralteten Stand - für deine Planung gilt 2028. Bis dahin bleibt in Deutschland der nationale CO2-Preis nach BEHG maßgeblich, es gibt also keinen Bruch, sondern einen nahtlosen Übergang.

EU Verordnung ETS2 - CO2 Steuer
Einfach erklärt ist ETS2 ein europaweiter Markt für CO2-Zertifikate. Die EU verknappt die verfügbare Menge Jahr für Jahr - dadurch steigt der Preis automatisch, ganz ohne politischen Einzelbeschluss.
Die Prognosen: Wie teuer wird CO2 wirklich?
Alle seriösen Prognosen für 2030 zeigen nach oben. Die Spannbreite liegt zwischen 100 und 250 Euro pro Tonne CO2. Der Median unabhängiger Prognosen liegt bei rund 120 Euro pro Tonne. Ein realer Anstieg um das Zwei- bis Dreifache gegenüber dem Niveau von 2026/27 gilt unter Experten als Konsens.
Fair bleibt zu erwähnen: Die EU arbeitet an Dämpfungsmechanismen, um extreme Preissprünge in der Anfangsphase abzufedern. Trotzdem bleibt die Richtung klar - wer fossil heizt, zahlt über die Jahre deutlich mehr. Der Mechanismus dahinter ist simpel: Weniger verfügbare Zertifikate bei gleicher Nachfrage bedeuten steigende Preise. Das ist kein Zufall, sondern das gewollte Steuerungsinstrument der EU.
Die konkrete Rechnung für dein Haus
Jetzt wird es greifbar. Eine durchschnittliche Bestandsimmobilie verursacht laut einer Analyse von über 4.000 Objekten rund 7,84 Tonnen CO2 pro Jahr. Was heißt das in echten Euro-Beträgen?
| Zeitpunkt | CO2-Preis pro Tonne | Jährliche CO2-Kosten (Beispielhaus) |
|---|---|---|
| 2026 | ca. 55 Euro | rund 431 Euro |
| Nach ETS2-Start (moderat) | ca. 100 Euro | rund 784 Euro |
| Nach ETS2-Start (Extremszenario) | bis 250 Euro | über 3.100 Euro |
Lass diese Zahlen kurz wirken: Aus gut 400 Euro heute können je nach Preisentwicklung mehrere Tausend Euro pro Jahr werden - und das nur für den CO2-Anteil, obendrauf kommt noch der eigentliche Brennstoffpreis. Wichtig für die Einordnung: Der Wert von über 3.100 Euro ist ein Extremszenario mit sehr hohem CO2-Preis. Der wahrscheinlichere Bereich liegt darunter, aber selbst eine Verdopplung auf rund 800 Euro ist spürbar für jeden Haushalt.
Drei Stellschrauben bestimmen, wie stark dich das persönlich trifft: der Energieträger (Öl schneidet schlechter ab als Gas), dein Verbrauch und der energetische Zustand deines Gebäudes. Genau deshalb ist der CO2-Preis kein reines Klimathema, sondern vor allem ein Geldthema. Ein schlecht gedämmtes Haus mit alter Ölheizung wird zur laufenden Kostenfalle.
Sonderfall Vermieter: Das Stufenmodell
Wer vermietet, muss eine zusätzliche Regel kennen. Seit 2023 regelt das CO2-Kostenaufteilungsgesetz (CO2KostAufG), wie die CO2-Kosten zwischen Vermieter und Mieter aufgeteilt werden. Entscheidend ist die energetische Qualität des Gebäudes, gemessen am CO2-Ausstoß pro Quadratmeter Wohnfläche.
Es gilt ein 10-Stufen-Modell: Je schlechter der energetische Zustand, desto höher der Anteil, den der Vermieter selbst trägt. Bei sehr schlechten Werten trägt der Vermieter bis zu 95 Prozent der CO2-Kosten. Die Logik dahinter ist klar - wer ein unsaniertes Haus vermietet, soll den Anreiz haben, es zu modernisieren, statt die Kosten komplett auf die Mieter abzuwälzen.
Für Vermieter bedeutet das konkret: Ein energetisch schlechtes Objekt wird doppelt teuer - höhere CO2-Kosten insgesamt und ein höherer eigener Anteil daran. Der Druck kommt inzwischen von mehreren Seiten gleichzeitig, denn auch das neue Heizungsgesetz bringt für Vermieter mit fossiler Heizung eine Kostenbeteiligung ins Spiel.
Aussitzen oder handeln? Die ehrliche Antwort
Erst mal gilt: keine Panik. Bis 2028 ist der Preis planbar, niemand muss morgen die Heizung rausreißen. Aber wer eine alte fossile Heizung besitzt und ohnehin vor einer Entscheidung steht, sollte den CO2-Preis von Anfang an in die Rechnung einbeziehen - nicht nur den reinen Anschaffungspreis der neuen Anlage.
Drei Hebel liegen in deiner eigenen Hand:
- Energieträger wechseln - zum Beispiel von Öl oder Gas auf eine Wärmepumpe oder, wo verfügbar, auf Fernwärme.
- Verbrauch senken - durch Dämmung, Heizungsoptimierung oder einen hydraulischen Abgleich.
- Energetischen Zustand verbessern - das senkt nicht nur die CO2-Kosten, sondern steigert gleichzeitig den Immobilienwert.

Michael Schäfer - Immobilienmakler Saarlouis
Ein Wort zum vieldiskutierten Klimageld: Eine allgemeine Rückzahlung des CO2-Preises an alle Haushalte gibt es in Deutschland bislang nicht, der Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung erwähnt ein solches Instrument nicht. Auf EU-Ebene existiert immerhin ein Klima-Sozialfonds, der gezielt einkommensschwache Haushalte entlasten soll - aber eben nicht pauschal jeden.
Fazit: Rechnen statt aussitzen
Aussitzen ist keine Strategie - aber blinder Aktionismus auch nicht. Die klügste Antwort liegt in der Mitte: rechnen, Fördermöglichkeiten nutzen und den Wert der eigenen Immobilie im Blick behalten. Der CO2-Preis für Gebäude wird ab 2028 vom Markt bestimmt, und die Prognosen zeigen deutlich nach oben. Für ein normales Haus können aus gut 400 Euro CO2-Kosten heute mehrere Tausend Euro im Jahr werden. Wer den energetischen Zustand seines Gebäudes verbessert, senkt die eigenen Kosten und steigert gleichzeitig den Immobilienwert.
Mach dir heute die Mühe, deine eigene Rechnung aufzustellen: Wie viele Tonnen CO2 verursacht dein Haus, welcher Energieträger kommt zum Einsatz, und wie steht es um die Dämmung? Diese eine Zahl entscheidet mit darüber, ob sich das Heizen für dich in zehn Jahren noch entspannt anfühlt - oder zur Belastung wird.
Muss ich jetzt sofort meine Heizung austauschen?
Nein, bis 2028 bleibt der CO2-Preis in Deutschland politisch gedeckelt und planbar - Panik ist also nicht nötig, aber eine langfristige Planung schon sinnvoll.
Woher weiß ich, wie viel CO2 mein Haus verursacht?
Der Ausstoß hängt vor allem vom Energieträger, deinem Verbrauch und dem energetischen Zustand des Gebäudes ab - eine Energieberatung oder eine professionelle Wertermittlung gibt dir hier Klarheit.
Gibt es in Deutschland ein Klimageld als Ausgleich?
Nein, eine allgemeine Rückzahlung des CO2-Preises an alle Haushalte gibt es aktuell nicht, der Koalitionsvertrag der Bundesregierung sieht das derzeit nicht vor.
Betrifft das Stufenmodell auch selbstnutzende Eigentümer?
Nein, das CO2-Kostenaufteilungsgesetz mit dem 10-Stufen-Modell gilt ausschließlich für Vermieter und die Aufteilung der Kosten zwischen Vermieter und Mieter.
Lohnt sich eine Sanierung trotz Unsicherheit bei den Preisprognosen?
Ja, denn selbst im moderaten Preisszenario sinken deine laufenden Kosten deutlich, und zusätzlich steigt der Wert deiner Immobilie durch einen besseren energetischen Zustand.