Großer Preis des Mittelstandes: Wie dein Unternehmen die Auszeichnung gewinnt
Finalisten und Preisträger Großer Preis des Mittelstands
Über 22.000 Unternehmen wurden seit 1994 nominiert, mehr als drei Millionen Beschäftigte stehen hinter ihnen, und jedes Jahr strömen zehntausende Gäste zu den Auszeichnungsgalas quer durch Deutschland. Was nach einer reinen Zahlenparade klingt, steckt hinter einer der bekanntesten Wirtschaftsauszeichnungen des Landes: dem „Großen Preis des Mittelstandes“. Die Tageszeitung DIE WELT nannte ihn einmal die begehrteste Wirtschaftsauszeichnung Deutschlands, und wer sich einmal mit dem Ablauf beschäftigt hat, versteht auch warum.
Denn hier geht es nicht um ein schnelles Zertifikat oder eine gekaufte Urkunde. Der Wettbewerb wird komplett ehrenamtlich organisiert, privat finanziert und arbeitet nach einem zertifizierten Qualitätsmanagementsystem. Wenn du selbst ein mittelständisches Unternehmen führst oder kennst, das mehr Sichtbarkeit verdient hat, lohnt sich ein genauer Blick auf die Spielregeln. Denn nominiert werden kann eigentlich jeder gute Betrieb aus Industrie, Handel, Handwerk oder Dienstleistung, nur wissen die wenigsten, wie der Prozess wirklich funktioniert und worauf die Jury tatsächlich achtet.
Wie der Wettbewerb abläuft: Vier Phasen bis zur großen Gala
Der Wettbewerb tickt wie ein festes Jahresrad. Er startet immer am 1. November und läuft bis zum 31. Oktober des Folgejahres. In dieser Zeit durchläuft jedes teilnehmende Unternehmen vier klar getrennte Phasen, die aufeinander aufbauen.
Phase 1: Ausschreibung und Nominierung

Du musst ein erfolgreiches Mittelständisches Unternehmen werden!
Anfang November schreibt die Oskar-Patzelt-Stiftung den Wettbewerb neu aus. Bis zum 31. Januar müssen Nominierungen über das Online-Portal eingereicht werden, wer per Post oder E-Mail nominieren möchte, sollte spätestens bis zum 20. Januar handeln, damit die Bearbeitung noch rechtzeitig erfolgt. Wichtig zu wissen: Eine Selbstnominierung ist ausgeschlossen. Es müssen Dritte sein, etwa Kammern, Verbände, Kommunen, Kunden oder auch einfache Bürger, die ein Unternehmen vorschlagen.
Bis Ende Februar erfahren die nominierten Firmen, dass sie es auf die Nominierungsliste geschafft haben. Danach gibt es bis Ende März Webinare und regionale Infoveranstaltungen, in denen erklärt wird, wie die Juryunterlagen auszufüllen sind und wie sich die Nominierung sogar fürs eigene Marketing nutzen lässt.
Phase 2: Die Wettbewerbsunterlagen
Bis zum 15. April beantworten die nominierten Firmen im Wettbewerbsportal die Fragen zu den fünf Bewertungskriterien. Diese Daten bleiben streng vertraulich und werden ausschließlich von Beauftragten der Stiftung eingesehen. Wer möchte, kann bis Mitte Mai noch zusätzliche Unterlagen wie Videos oder Präsentationen nachreichen. Wird die Vorauswertung positiv abgeschlossen, erreicht das Unternehmen die sogenannte Jurystufe, dokumentiert durch eine offizielle Urkunde, die bis Ende Juni verliehen wird.

Einreichung der Unterlagen als Vorbereitung für die Juroren.
Phase 3: Die eigentliche Juryarbeit
Jetzt kommen zwölf Regionaljurys ins Spiel. Sie wählen aus allen Unternehmen der Juryliste in der Regel jeweils drei Preisträger und fünf Finalisten pro Region aus. Eine Abschlussjury entscheidet zusätzlich über bundesweite Sonderpreise und Ehrenplaketten. Bis zur großen Gala im Herbst bleibt geheim, wer gewonnen hat, selbst die Unternehmen erfahren es erst am Abend der Preisverleihung.
Phase 4: Die Auszeichnungsgalas
Zwischen Juli und Oktober finden die glanzvollen Preisverleihungen statt. 2026 etwa gibt es Galas am 12. September in Düsseldorf, am 26. September in Würzburg und die abschließende Bundes-Gala am 24. Oktober, ebenfalls in Düsseldorf. Erst an diesen Abenden werden die Namen der Preisträger öffentlich bekannt gegeben.

Der große Galaabend in Düsseldorf 2026
Die fünf Kriterien, auf die es wirklich ankommt
Wer beim Großen Preis des Mittelstandes überzeugen will, muss in fünf Bereichen gleichzeitig glänzen. Eine Schwäche allein kann bereits zum Ausschluss aus den weiteren Runden führen, deshalb lohnt es sich, jedes Kriterium ernst zu nehmen.
| Kriterium | Worum es geht |
|---|---|
| Gesamtentwicklung | Umsatz, Umsatzrentabilität, Eigenkapitalquote, Investitionen und Marktposition |
| Arbeits- und Ausbildungsplätze | Beschäftigtenzahlen, Ausbildungsplätze, Weiterbildung, Mitarbeiterbindung |
| Innovation und Modernisierung | Produkt- und Prozessinnovationen, Innovationskultur, Kooperationen |
| Engagement für Umwelt und Region | Umweltpraktiken, soziales Engagement, Unternehmensführung, Bildungsarbeit, Ehrenamt |
| Service und Kundennähe | Kommunikationsstrategie, Kundenservice, Marketing-Events und Reichweite |
Seit 2025 wurde der Aufwand für teilnehmende Unternehmen übrigens spürbar reduziert. Statt 44 Teilfragen wie noch bis 2024 müssen nur noch 24 Teilfragen beantwortet werden. Der Clou dabei: Die Antworten lassen sich direkt als Textbausteine für den Jahresabschluss oder die ESG-Berichterstattung weiterverwenden, doppelter Nutzen bei halbem Aufwand also.
Sonderpreise für Banken und Kommunen
Neben den klassischen Unternehmenspreisen gibt es zwei besondere Auszeichnungen: die „Bank des Jahres“ für Kreditinstitute mit außergewöhnlichem Engagement für den Mittelstand, und die „Kommune des Jahres“ für Städte oder Landkreise, die besonders erfolgreich mittelständische Wirtschaftsstrukturen aufgebaut haben. Beide erhalten die gleiche Bronzeskulptur wie die Unternehmens-Preisträger und können auf der Bundesveranstaltung sogar zum „Premier“ aufsteigen.
Drei Stufen, die du kennen solltest
- Nominierungsliste: Alle Firmen, die von Dritten vorgeschlagen wurden.
- Juryliste: Firmen, die ihre Daten eingereicht haben und den Kriterien weitgehend entsprechen, sie erhalten am Ende ein OPS-Rating als Feedback.
- Auszeichnungsliste: Die tatsächlichen Preisträger und Finalisten.
Wichtig für alle, die schon einmal nominiert wurden: Eine Nominierung gilt nicht automatisch fürs Folgejahr. Sie muss jährlich neu ausgesprochen werden.
Fazit: Eine Auszeichnung mit echtem Substanzanspruch
Der Große Preis des Mittelstandes ist kein Wettbewerb für schnelle Lorbeeren. Wer hier überzeugen will, muss wirtschaftlich stabil sein, in Menschen investieren, Innovationskraft zeigen, gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und dabei seine Kunden nie aus den Augen verlieren. Genau das macht die Auszeichnung so wertvoll, sowohl fürs eigene Employer Branding als auch fürs Standing in der Region.
Wenn du ein Unternehmen kennst, das all diese Kriterien erfüllt, überlege dir, ob nicht genau jetzt der richtige Moment für eine Nominierung ist. Die nächste Ausschreibung startet wie gewohnt Anfang November, und bis Ende Januar bleibt Zeit, den Vorschlag einzureichen.
Wer darf ein Unternehmen für den Großen Preis des Mittelstandes nominieren?
Nominieren können Institutionen, Organisationen, Kammern, Verbände, Kommunen, Unternehmen und auch einzelne Bürger, eine Selbstnominierung ist jedoch ausgeschlossen.
Entstehen für nominierte Unternehmen Kosten?
Nein, Anmeldung und Bearbeitung sind kostenfrei, lediglich die Teilnahme am festlichen Galaabend mit Preisverleihung ist kostenpflichtig.
Muss eine Nominierung jedes Jahr neu erfolgen?
Ja, eine einmal ausgesprochene Nominierung gilt nur für das jeweilige Wettbewerbsjahr und muss im Folgejahr erneuert werden.
Wie viele Preisträger gibt es pro Region?
Jede der zwölf Wettbewerbsregionen kann bis zu drei Preisträger und fünf weitere Finalisten hervorbringen.
Wann erfahren Unternehmen, ob sie gewonnen haben?
Erst am Abend der jeweiligen Auszeichnungsgala im Herbst werden die Preisträger öffentlich bekannt gegeben, vorher bleibt die Entscheidung der Jury geheim.