Intersolar München: Die spannendsten Solar-Neuheiten 2024 im Überblick
Intersolar 2026 - Tag 1
Die Solarbranche schläft nicht – und die Intersolar in München beweist das jedes Jahr aufs Neue. Wer zwischen Anzugträgern und Hightech-Messeständen nach den wirklich relevanten Neuheiten sucht, findet sie: von kompakten Balkonkraftwerk-Speichern über All-in-One-Heimsysteme bis hin zu mobilen Klimaanlagen und neuen Solarmodul-Generationen. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Produkte und Entwicklungen vom ersten Messetag zusammen – damit du weißt, was sich gerade auf dem Markt tut und was für dich relevant sein könnte.
Balkonkraftwerk, Heimspeicher & Ökosysteme: Was die großen Anbieter zeigen
Anker Solix 4 Pro: Der Balkonspeicher, der erwachsen wird
Anker zeigt auf der Intersolar die neueste Version seines Balkonkraftwerk-Speichers – die Solix 4 Pro. Was auf den ersten Blick nach einem einfachen Plug-and-Play-Gerät aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als erstaunlich skalierbares System.
Der Einstieg erfolgt mit 5 kWh Kapazität, die sich durch einfaches Aufstapeln weiterer Akkumodule auf bis zu 30 kWh erweitern lässt – ganz ohne Werkzeug, ganz ohne Kabel. Das sogenannte Bierkasten-Prinzip: einfach draufstellen, fertig. Die App erkennt die neue Kapazität automatisch.
Technisch steckt einiges dahinter:
- 4 MPP-Tracker ermöglichen den Anschluss von bis zu 5 kW Solarleistung (theoretisch sogar bis zu 6 kW Peak mit Modulleistungsüberschuss)
- Ein 2.500-Watt-Mikrowechselrichter ist bidirektional ausgelegt – er kann also auch Energie aus dem Netz ziehen und speichern (wichtig für dynamische Stromtarife)
- Ausgabe über Schukosteckdose mit 800 Watt (klassisches Balkonkraftwerk) oder über eine CEE/VDE-Steckdose mit 2.500 Watt bei separatem 16-Ampere-Stromkreis
- Eine Notstromsteckdose gibt bis zu 2.500 Watt aus – für starke Verbraucher wie die Waschmaschine; im Bypass-Modus mit Netz sogar bis zu 3.600 Watt
Besonders praktisch: Die Solix 4 Pro ist abwärtskompatibel mit älteren Anker-Modellen (2 Pro, 3 Pro). Wer also schon einen älteren Anker-Speicher besitzt, kann die neuen 5-kWh-Module problemlos einbinden – oder umgekehrt den alten Speicher als Erweiterung für die neue Einheit nutzen.

Denke einfach!
Anker Solix X1: Das Heimsystem mit Power Dog und Wallbox
Neben dem Balkonspeicher präsentiert Anker auch sein X1-System für größere Eigenheime. Mit einer Bautiefe von nur 15 cm gehört es zu den schlanksten Hybridlösungen auf dem Markt – und fügt sich dadurch optisch gut in Wohnräume ein.
Das System besteht aus einem zentralen Powermodul (Wechselrichter ohne eigene Speicherkapazität) und stackbaren 5-kWh-Batterietürmen. Im dreiphasigen Betrieb sind bis zu 12 kW Ausgangsleistung und bis zu 180 kWh Gesamtkapazität möglich.
Neu und besonders gefragt: der Power Dog Pro. Er löst einen bisherigen Kritikpunkt des X1 – die begrenzte Notstromleistung. Mit einer Umschaltzeit von 0 Millisekunden und 63 Ampere versorgt er das gesamte Hausnetz im Ersatzstrommodus. Kein Kompromiss mehr, wenn das Netz ausfällt.
Das Ökosystem rundet eine Wallbox ab – in drei Varianten: 7,4 kW (einphasig), 11 kW und 22 kW (dreiphasig), jeweils mit Festkabel oder Typ-2-Stecker. PV-Überschussladen und Integration in die Anker-App sind selbstverständlich mit dabei.
Anker Max AC: Nachrüstlösung für bestehende PV-Anlagen
Wer bereits eine PV-Anlage mit Strangwechselrichter betreibt und nachrüsten möchte, findet in der Solix Max AC eine interessante Option. Das System startet mit 7 kWh Kapazität und lässt sich auf bis zu 42 kWh erweitern. Der bidirektionale Wechselrichter leistet 3.500 Watt – einspeisbar über Schuko oder CEE-Steckdose.
Das Besondere: Der Max AC funktioniert vollständig unabhängig vom bestehenden Wechselrichter und lässt sich trotzdem zusammen mit anderen Anker-Komponenten in einer einzigen App steuern.
Was andere Hersteller zeigen: Huawei, SMA, BYD, Midea & Iko
Huawei Lutera S2: Der All-in-One-Systemturm
Huawei zieht auf der Intersolar die meisten Blicke auf sich – und das zu Recht. Das neue Lutera S2 System ist ein echter Hingucker: Wechselrichter und Batteriespeicher werden zu einem kompakten Systemturm gestapelt, ganz ohne Verbindungskabel zwischen den Komponenten.
Die wichtigsten Eckdaten im Überblick:
| Merkmal | Details |
| Varianten | Einphasig und dreiphasig |
| Batteriemodule | 5 kWh oder 7 kWh, max. 4 Module (max. 28 kWh) |
| Wechselrichterleistung | 5 kW bis 20 kW |
| MPP-Tracker | 3 (für verschiedene Dachausrichtungen) |
| Backup | 63 Ampere, intern verbaut |
| Energiemanagement | Huawei Emma, direkt integriert |
| Marktstart | Voraussichtlich Ende 2024 |
Das Stecksystem macht Installation und Erweiterung zum Kinderspiel – und das intern verbaute Backup samt Energiemanagement spart zusätzliche Komponenten.
SMA Sunny Tripower Hybrid X: Flexibel und skalierbar
SMA zeigt ein neues dreiphasiges Hybridsystem für Eigenheime und kleine Gewerbeanlage. Der Sunny Tripower Hybrid X deckt den Leistungsbereich von 5 bis 15 kVA ab, ein großer Bruder leistet 20 bis 30 kVA.
Das integrierte Energiemanagementsystem (System Manager) deckt alles ab: Eigenverbrauchsoptimierung, Peak-Load-Shaving und die Integration dynamischer Stromtarife. Einzige externe Komponente ist ein Smartmeter am Netzanschlusspunkt – der Rest steckt bereits ab Werk im Gerät.
Notstrom ist standardmäßig für eine Steckdose integriert. Wer das gesamte Haus absichern will, ergänzt die optionale Backup Box mit 3 × 63 Ampere – entweder als Wandgerät oder direkt im Verteilerschrank. Die Umschaltung erfolgt automatisch, auch die Rückkehr ins Netz.
Der neue Storage M als Batteriepartner ist kompakt, modular (3 bis 12 Module, bis zu 49 kWh) und erlaubt sogar den Parallelbetrieb von bis zu fünf Wechselrichtern – für Systeme bis zu 150 kVA und 245 kWh.

Nutze die neue Generation!
BYD: Endlich das komplette Ökosystem
BYD zeigt, dass der weltgrößte Elektroauto-Hersteller auch im Heimspeichermarkt konsequent aufrüstet. Das Highlight: der Powerbox TH – ein dreiphasiger Hybridwechselrichter in Leistungsklassen von 5 bis 15 kW, DC-gekoppelt mit integriertem Notstrom und Kompatibilität zur HVB-Batterie.
Neu ist außerdem eine Backup Box für die vollständige Hausversorgung im Netzausfall – inklusive Parallelschaltfunktion für bis zu drei Wechselrichter. Das fehlende Puzzlestück im BYD-Ökosystem war bislang die Wallbox: Sie kommt jetzt. Einphasig mit 7 kW und dreiphasig mit 22 kW, voraussichtlicher Marktstart Q3 2024.
Midea Porter Split: Mobile Klimaanlage neu gedacht
Ein etwas anderes Produkt auf der Intersolar, aber bei den Temperaturen in München mehr als relevant: die Midea Porter Split. Im Gegensatz zu klassischen mobilen Klimaanlagen mit Abluftschlauch handelt es sich hier um eine echte Split-Klimaanlage im mobilen Format.
- Außeneinheit (~20 kg) wird am Fenster eingehängt – kein Abluftproblem, keine warme Zuluft
- Inneneinheit auf Rollen, flexibel zwischen Räumen einsetzbar
- Funktioniert auch an Dachschrägen (kein Kompressor in der Außeneinheit)
- Kondenswasser wird intern gesammelt und nach außen geleitet
- Keine Kernbohrung notwendig
Für dauerhafte Klimatisierung mehrerer Räume empfiehlt Midea die Solstis-Serie – ein klassisches Multisplit-System mit Luftreinigung, selbstreinigendem Wärmetauscher und bis zu fünf Innengeräten.
Iko ABC Gen 4: 500 Watt, 25 % Effizienz, 40 Jahre Garantie
Iko präsentiert die vierte Generation seiner ABC-Solarmodule – mit beeindruckenden Werten: 500 Watt Leistung, 25 % Wirkungsgrad, alles unter 2 m² Modulfläche. Die ABC-Technologie (All Back Contacted) verlegt alle Zellkontakte auf die Rückseite – das sorgt nicht nur für ein elegantes Erscheinungsbild, sondern macht die Module auch deutlich widerstandsfähiger gegen Mikrorisse.
Live auf der Messe demonstriert Iko das mit einem direkten Vergleichstest: Während eine herkömmliche Topcon-Zelle unter Druck vollständig zersplittert, bleibt der Schaden bei der ABC-Zelle punktuell begrenzt. Die Konsequenz im Alltag: höhere Langlebigkeit, besonders bei Hagel oder mechanischer Belastung.
Die Generation 4 gibt es in vier Varianten:
- ABC Z (DB): Double Glass Black, vollständig schwarz, ohne sichtbare Zellverbinder
- DW: Double Glass White, mit charakteristischer Nadelstreifenoptik
- Übermaßmodule: 550 Watt, 1,95 m Höhe, ebenfalls ~25 % Wirkungsgrad
- Glasfolie-Variante: Leichter, ebenfalls in der Z-Series erhältlich

Paul Schmidt, Geschäftsführer Bedachungen Schmidt und PvWelt
Was ist der Unterschied zwischen einem Balkonkraftwerk-Speicher und einem Heimspeicher?
Ein Balkonkraftwerk-Speicher wie der Anker Solix 4 Pro ist für kleinere PV-Anlagen auf dem Balkon oder der Terrasse gedacht und lässt sich einfach per Schukostecker anschließen. Ein Heimspeicher wie das X1-System ist für große Dach-PV-Anlagen konzipiert, bietet deutlich mehr Kapazität und Wechselrichterleistung und erfordert eine professionelle Installation durch einen Elektriker.
Brauche ich für die 2.500-Watt-Einspeisung beim Anker Solix 4 Pro einen Elektriker?
Ja. Für die volle Leistung von 2.500 Watt benötigst du einen separaten 16-Ampere-Stromkreis mit einer CEE/VDE-Steckdose, der von einem Elektriker installiert werden muss. Die 800-Watt-Variante über eine normale Schukosteckdose kannst du hingegen selbst anschließen.
Was bedeutet „0 Millisekunden Umschaltzeit" beim Notstromsystem?
Eine Umschaltzeit von 0 Millisekunden bedeutet, dass beim Netzausfall kein wahrnehmbarer Stromausfall im Haus entsteht. Geräte wie Computer, Kühlschränke oder medizinische Geräte laufen unterbrechungsfrei weiter – im Gegensatz zu Systemen mit längeren Umschaltzeiten, bei denen empfindliche Geräte kurz ausfallen könnten.
Lohnt sich eine mobile Klimaanlage wie die Midea Porter Split für Mieter?
Ja, besonders für Mieter ist sie interessant: Es ist keine Kernbohrung nötig, die Außeneinheit hängt einfach am Fensterrahmen und kann bei Bedarf in einen anderen Raum oder zurück in die Wohnung transportiert werden. Der Nachteil: Das Fenster muss einen Spalt offen bleiben, was je nach Einbruchschutz oder Wetterlage ein Kompromiss ist.
Was macht die ABC-Technologie bei Solarmodulen besonders?
Bei der ABC-Technologie (All Back Contacted) sind alle elektrischen Kontakte auf der Rückseite des Moduls angebracht. Das verhindert zum einen Abschattungsverluste durch Zellverbinder auf der Vorderseite, zum anderen macht es die Zellen stabiler gegen Mikrorisse – etwa durch Hagel oder mechanischen Druck – was langfristig zu weniger Leistungsverlust führt.
Fazit: Die Solarbranche wird reifer – und durchdachter
Die Intersolar München 2024 zeigt deutlich: Der Markt bewegt sich weg von Einzelprodukten hin zu integrierten Ökosystemen. Anker, Huawei, SMA und BYD bieten zunehmend alles aus einer Hand – Speicher, Wechselrichter, Backup-Lösungen und Wallboxen, gesteuert über eine einzige App. Gleichzeitig werden die Systeme skalierbarer und einfacher installierbar, vom Plug-and-Play-Balkonspeicher bis zum professionellen All-in-One-Systemturm.
Dein Takeaway: Ob du gerade erst mit einem Balkonkraftwerk startest oder eine vollständige Heimenergielösung planst – die aktuellen Systeme bieten mehr Flexibilität und Zukunftssicherheit als je zuvor. Schau dir an, welche Leistungsklasse zu deiner Situation passt, und prüfe, ob ein erweiterbares System nicht langfristig die klügere Wahl ist als ein günstigeres, aber starres Produkt.