Iran-Krieg trifft Bauwirtschaft: Was Handwerker jetzt sofort tun müssen
Nahost-Konflikt trifft das deutsche Handwerk
Der Konflikt im Nahen Osten ist weit weg – doch seine Auswirkungen treffen deutsche Handwerksbetriebe mit voller Wucht. Innerhalb weniger Tage haben mehrere große Hersteller drastische Preiserhöhungen angekündigt: Bitumen wird bis zu 15 Prozent teurer, Dämmstoffe um bis zu 15 Prozent, selbst Kunststoffbahnen und Substrate ziehen kräftig an. Die Ursache: blockierte Handelsrouten, explodierende Rohölpreise und eine Unsicherheit, die niemand beziffern kann. Für Handwerker bedeutet das nicht nur höhere Einkaufspreise – sondern auch rechtliche Fallstricke, die existenzbedrohend werden können, wenn man sie ignoriert.
Die Preislawine rollt – und zwar schnell
Ab Mitte April 2026 gelten bei nahezu allen großen Herstellern neue Preise. Die Bandbreite ist erheblich: Bitumenprodukte verteuern sich um bis zu 15 Prozent, PIR-Dämmstoffe ebenfalls, EPS-Dämmstoffe um 10 bis 15 Prozent. Selbst vermeintlich stabile Produktgruppen wie Kunststoffdachbahnen (TPO, FPO, PVC) werden um 8 bis 12 Prozent teurer, Gründachsubstrate um 5 bis 10 Prozent.
Die Hersteller begründen die Erhöhungen einhellig: Die Eskalation im Iran hat die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Energie- und Rohstoffrouten weltweit – lahmgelegt. Rund 20 Prozent des weltweiten Flüssigerdgases fließen durch diese Meerenge, hinzu kommt Rohöl in gigantischen Mengen. Katar, einer der größten LNG-Produzenten, hat nach Angriffen auf Betriebsanlagen die Produktion zeitweise eingestellt. Die Folge: Der Gaspreis im europäischen Großhandel hat sich binnen weniger Tage nahezu verdoppelt, Rohöl zog ähnlich stark an.
Warum das Problem noch größer werden könnte
Entscheidend ist jetzt die Dauer der Krise. Gasmarktexperte Andreas Schröder vom Analysehaus ICIS macht eine einfache Rechnung auf: Eine vierwöchige Blockade der Straße von Hormus würde die Gaspreise im März auf 60 Euro je Megawattstunde treiben – ein Anstieg von über 50 Prozent gegenüber dem Vorkriegsniveau. Bei einer dreimonatigen Schließung könnten die Preise auf 85 Euro steigen. Das hätte direkte Auswirkungen auf die Strompreise, denn Gaskraftwerke bestimmen oft den Großhandelspreis für Strom.
Für Handwerker heißt das: Die aktuellen Preiserhöhungen könnten nur der Anfang sein. Mehrere Hersteller haben bereits angekündigt, dass weitere Anpassungen "nicht ausgeschlossen" sind und sich die Lage täglich verändert. Wer jetzt nicht handelt, riskiert, auf explodierenden Kosten sitzenzubleiben.

Wenn Handwerker jetzt nicht richtig handeln wird das zum Problem für die Betrieb selber und die Kunden der Handwerker
Was Handwerker jetzt unbedingt tun müssen
1. Behinderungsanzeigen stellen
Sobald absehbar ist, dass Materialien teurer werden oder Lieferungen sich verzögern, muss eine schriftliche Behinderungsanzeige beim Auftraggeber eingehen. Das ist keine Formsache, sondern rechtlich zwingend. Ohne Behinderungsanzeige verlierst du deinen Anspruch auf Fristverlängerung und Mehrvergütung – selbst wenn die Verzögerung objektiv unverschuldet ist.
Die Anzeige muss konkret sein: Welches Material ist betroffen? Welche Auswirkung hat das auf den Bauablauf? Wann wurde die Verzögerung bekannt? Wichtig: Die Anzeige muss unverzüglich erfolgen, nicht erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.
2. Mehrkosten sofort anmelden
Preiserhöhungen von 10 bis 15 Prozent können bei größeren Aufträgen schnell fünfstellige Beträge ausmachen. Wer diese Mehrkosten nicht rechtzeitig und formal korrekt anmeldet, bleibt darauf sitzen. Die Anmeldung muss schriftlich erfolgen, idealerweise mit Nachweis der Preiserhöhung durch den Lieferanten (z. B. Kopie des Hersteller-Schreibens).
Viele Auftraggeber – vor allem öffentliche Bauherren – haben strenge Fristen und Formvorgaben. Wer die verpasst, hat auch bei berechtigten Forderungen kaum noch Chancen.
3. Lagerkapazitäten prüfen
Mehrere Hersteller bieten explizit die Möglichkeit von Einlagerungen an. Wer noch Projekte mit alten Preisvereinbarungen hat, sollte prüfen, ob er Material zu den aktuellen Konditionen einlagern kann. Das bindet zwar Kapital, sichert aber die Marge und schützt vor weiteren Preissprüngen.
4. Kunden informieren – proaktiv und transparent
Die Hersteller fordern ihre Händler und Verarbeiter ausdrücklich auf, Kunden über die Preiserhöhungen zu informieren. Tu das nicht nur aus Pflichtgefühl, sondern aus Eigeninteresse: Wer frühzeitig und transparent kommuniziert, baut Vertrauen auf. Wer schweigt und dann später mit Mehrkosten kommt, riskiert Ärger, Zahlungsverweigerung und Rechtsstreitigkeiten.
Erkläre deinen Kunden die Hintergründe – die meisten werden die Lage verstehen, wenn du sie sachlich darstellst. Zeige auch auf, dass die Preiserhöhungen nicht von dir, sondern von den Herstellern kommen, und lege die Schreiben vor.
Do's and Don'ts im Überblick
Do's:
- Behinderungsanzeige unverzüglich schriftlich stellen
- Mehrkosten mit Nachweis anmelden
- Alte Auftragsbestätigungen prüfen und Material sichern
- Kunden frühzeitig und transparent informieren
- Regelmäßig mit Lieferanten Rücksprache halten
Don'ts:
- Abwarten und hoffen, dass sich die Lage entspannt
- Mündliche Absprachen ohne schriftliche Bestätigung
- Mehrkosten "kulant" selbst tragen, um Ärger zu vermeiden
- Auf Vorrat spekulieren, ohne konkrete Aufträge zu haben

Jetzt erkennt man die Handwerker die offen und transparent mit ihren Kunden umgehen
Partnerschaften zahlen sich jetzt aus
In der Krise zeigt sich, wer wirklich Partner ist und wer nur Lieferant. Handwerker, die gut vernetzt sind und offene Kommunikation pflegen, haben jetzt einen klaren Vorteil. Sie erfahren frühzeitig von Engpässen, bekommen realistische Einschätzungen zu Lieferzeiten und können gemeinsam Lösungen finden.
Wer hingegen nur auf den Preis schaut und heute hier, morgen dort bestellt, steht jetzt oft im Regen. Viele Hersteller priorisieren in Engpasssituationen Stammkunden – ein Faktor, der in normalen Zeiten kaum eine Rolle spielt, jetzt aber über Erfolg oder Misserfolg entscheiden kann.
Fazit: Handeln statt abwarten
Der Iran-Krieg mag geografisch weit weg sein, seine Auswirkungen auf die Bauwirtschaft sind unmittelbar und massiv. Preiserhöhungen von bis zu 15 Prozent bei zentralen Baustoffen sind keine Peanuts – sie können die Marge eines Projekts komplett auffressen oder schlimmstenfalls in die roten Zahlen treiben.
Entscheidend ist jetzt, rechtlich sauber zu agieren: Behinderungsanzeigen und Mehrkostenanmeldungen sind kein bürokratischer Luxus, sondern existenzsichernde Notwendigkeit. Wer diese Schritte versäumt, hat später kaum noch Handhabe – selbst wenn er im Recht ist.
Dein konkreter Handlungsplan: Prüfe alle laufenden Aufträge, bei denen Material noch nicht bestellt ist. Stelle bei absehbaren Verzögerungen oder Mehrkosten sofort Behinderungsanzeigen. Melde Mehrkosten schriftlich an, mit Nachweis der Herstellerschreiben. Informiere deine Kunden transparent über die Lage. Und nutze die Gunst der Stunde, um mit verlässlichen Partnern in den Dialog zu gehen – denn die werden in den kommenden Wochen Gold wert sein.

Paul Schmidt, Geschäftsführer der Bedachungen Schmidt GmbH