Lohnt sich Amazon FBA noch? Vorteile, Nachteile und für wen es sich eignet
Jannik Eilts, Co-Founder von Seller Matrix und seit über 6 Jahren Amazon-Seller.
Ob sich Amazon FBA noch lohnt, ist eine der häufigsten Fragen, die wir in Erstgesprächen hören. Verständlich: Die einen versprechen schnelles Geld mit dem ersten Produkt, die anderen erklären das Geschäftsmodell seit Jahren für tot. Wer selbst Produkte auf Amazon verkauft, weiß: Die Antwort ist differenzierter.
In diesem Artikel bekommst du eine ehrliche Einschätzung: was sich in den letzten Jahren verändert hat, welche Vorteile und Nachteile Amazon FBA hat, für wen es sich eignet und was du realistisch verdienen kannst. Falls dir das Geschäftsmodell selbst noch neu ist, lies vorher unseren Einsteiger-Artikel „Was ist Amazon FBA?“.
Lohnt sich Amazon FBA noch?
Ja, Amazon FBA lohnt sich weiterhin, aber nicht für jeden und nicht mit jedem Produkt. Die Nachfrage auf Amazon ist riesig. Lagerung, Versand und Kundenservice übernimmt Amazon, und durch den Einsatz von KI ist der Einstieg mit rund 6.000 € Startkapital deutlich günstiger geworden, als noch vor ein paar Jahren. Gleichzeitig ist der Wettbewerb professioneller geworden. Wer ohne Plan ein bestehendes Produkt mit neuem Logo verkauft, verliert heute fast immer. Erfolgreich sind Seller, die ein Produkt gezielt verbessern, sauber kalkulieren und Amazon FBA als langfristiges Geschäft aufbauen.

Die wichtigsten Vor- und Nachteile von Amazon FBA im Überblick.
Aus über 450 Produktlaunches, die wir bei Seller Matrix begleitet haben, wissen wir: Produkte scheitern selten am Marktplatz selbst. Fast immer liegt es an der Produktwahl oder an einer Kalkulation, die wichtige Kostenpunkte nicht berücksichtigt.
Was hat sich bei Amazon FBA verändert?
Vor einigen Jahren reichte es oft aus, ein bestehendes Produkt beim Hersteller in Fernost zu bestellen, ein eigenes Logo daraufzusetzen und es auf Amazon zu verkaufen. Das funktioniert heute kaum noch. In vielen Nischen haben die Top-Produkte Tausende Bewertungen. Gegen sie gewinnst du nur mit einem echten Vorteil: Du erkennst die Schwachstellen der vorhandenen Produkte, zum Beispiel anhand der Beschwerden in den Kundenbewertungen, entwickelst daraus klare Alleinstellungsmerkmale (USPs) und schaffst so ein besseres Angebot.
Auch die Werbeausgaben auf Amazon haben sich verändert. Früher genügte es, zum Launch das Werbebudget aufzudrehen. Heute ist PPC ein dauerhafter Kostenpunkt, den du in deiner Margenkalkulation fest einplanen musst. Als Richtwert solltest du 10 bis 20 % vom Umsatz für Werbung ansetzen.
Gleichzeitig ist der Wettbewerb auf Amazon dichter geworden. Es gibt mehr Seller als früher, und immer mehr chinesische Händler drängen in den Markt. Die Nischen sind aber auch ständig in Bewegung: Kundenbedürfnisse ändern sich, neue Produktideen entstehen, und etablierte Anbieter ruhen sich auf ihren Bewertungen aus. Der Kuchen ist nach wie vor groß. Du musst nur genauer hinschauen, wo noch Platz für ein besseres Angebot ist.
Eine andere Entwicklung spricht außerdem klar für den Einstieg: der Einsatz von KI. Produktbilder, Logo und Verpackungsdesign kosteten früher 2.000 bis 3.000 € pro Produkt. Heute erstellst du sie in den meisten Fällen für einen Bruchteil davon. Das Startkapital für das erste Produkt ist dadurch von knapp 10.000 € auf rund 6.000 € gesunken und entfällt heute größtenteils auf den Einkauf der Ware.

Der Markt ist professioneller geworden, der Einstieg aber günstiger.
Wie sich die Kosten im Einzelnen zusammensetzen, zeigen wir in unserem Artikel „Amazon FBA Kosten: Alle Gebühren, das Startkapital und ein Rechenbeispiel“.
Welche Vorteile hat Amazon FBA?
Trotz des stärkeren Wettbewerbs bietet kaum ein anderes Geschäftsmodell so viele Vorteile für den Einstieg in den Handel mit eigenen Produkten.

Jannik Eilts hat mit Seller Matrix über 450 Produktlaunches begleitet.
- Kein Zugang zum Handel nötig: Früher brauchtest du einen Termin beim Einkaufsleiter einer Handelskette, um überhaupt ins Regal zu kommen. Heute verkaufst du direkt an Endkunden, ohne Zwischenhändler, ohne eigenes Lager und ohne eigenen Onlineshop. Startkapital und Wissen brauchst du trotzdem.
- Kunden suchen direkt auf Amazon: Viele Produktsuchen beginnen nicht mehr bei Google, sondern auf Amazon. Du musst keine Besucher teuer auf einen eigenen Shop holen, sondern triffst auf Menschen, die bereits kaufen wollen.
- Amazon übernimmt die Logistik: Lagerung, Versand, Retouren und Kundenservice laufen über Amazon. Du konzentrierst dich auf das, was über deinen Erfolg entscheidet: Produktentwicklung, Bilder und Werbung.
- Wenig Zeit im laufenden Betrieb: Mit ein bis zwei gut laufenden Produkten reichen meist ein bis zwei Stunden pro Woche. Die Aufbauphase ist intensiver, lässt sich mit etwa einer Stunde am Tag aber neben dem Job schaffen.
- Transparente Verkaufszahlen: Über den Bestseller-Rang und Tools wie Helium 10 siehst du schon vor dem Einkauf, wie oft sich ein Produkt verkauft und welche Nischen gerade in Bewegung sind. Kaum ein anderes Handelsgeschäft liefert dir diese Daten vorab.
- Warenhandel ist ein Evergreen: Menschen kaufen Produkte, auch im KI-Zeitalter. Geändert hat sich nur der Ort, vom Marktplatz über das Geschäft in der Innenstadt bis zum Onlinehandel.
- Aufbau einer echten Marke: Mit klaren USPs baust du keine austauschbare Handelsware auf, sondern eine Marke. Diese kannst du später auf weitere Marktplätze, einen eigenen Shop oder den stationären Handel übertragen. Einige heute bekannte Marken haben auf Amazon angefangen.
Welche Nachteile hat Amazon FBA?
Drei Nachteile solltest du kennen, bevor du startest. Sie sind kein Grund, es nicht zu tun, aber ein Grund, gut vorbereitet zu sein.
Du musst die Ware vorfinanzieren
Bevor du dein erstes Produkt verkaufst, gehst du in Vorleistung: Du bezahlst unter anderem die Ware, den Transport, Zertifikate und die Markenanmeldung. Mit 2.000 bis 3.000 € lässt sich heute kein eigenes Amazon-Business mehr starten, realistisch sind mindestens rund 6.000 €. Viele starten mit etwa 10.000 €, um auch die erste Nachbestellung finanzieren zu können. Auch später bleibt Kapital der Engpass, denn jede Nachbestellung bezahlst du, bevor die Ware verkauft ist.
Ohne das richtige Wissen hast du kaum eine Chance
Produktwahl, Herstellersuche, Preisverhandlung, Lieferkette und Zertifikate entscheiden über Gewinn oder Verlust. Das größte Risiko ist das falsche Produkt: Wer eine Nische mit zu starker Konkurrenz oder zu geringer Marge wählt, hat kaum noch Chancen auf Erfolg, egal wie gut er den Rest macht.
Das falsche Mindset
Über diesen Punkt spricht kaum jemand, dabei ist er aus unserer Erfahrung oft entscheidend. Vielen fehlt es nicht an Wissen und auch nicht an Kapital. Sie stehen sich selbst im Weg: Sie zweifeln, ob gerade sie das schaffen können, verschieben Entscheidungen aus Angst oder geben nach den ersten Rückschlägen auf. Amazon FBA ist ein langfristiges Geschäftsmodell, kein schneller Nebenverdienst.
Für wen lohnt sich Amazon FBA?
Ob Amazon FBA zu dir passt, hängt weniger von deinem Beruf ab als von deinen Voraussetzungen und deiner Erwartung. Diese Gegenüberstellung hilft dir bei der Einschätzung:
| Amazon FBA passt zu dir, wenn du … | Amazon FBA passt eher nicht, wenn du … |
|---|---|
| mindestens rund 6.000 € investieren kannst | nur 2.000 bis 3.000 € zur Verfügung hast |
| über mehrere Monate etwa eine Stunde am Tag einplanen kannst | in wenigen Wochen nebenbei Geld verdienen willst |
| bereit bist, Prozesse zu lernen und dir Unterstützung zu holen | ohne Plan einfach irgendein Produkt starten willst |
| langfristig eine eigene Marke aufbauen willst | auf schnelles Geld aus bist |
| mit Zahlen arbeitest und sauber kalkulierst | Kalkulation und Kennzahlen lieber ignorierst |
In unserer Community bei Seller Matrix sind Polizisten, Handwerker, Piloten und Angestellte aus Konzernen. Viele bauen ihr Amazon-Geschäft neben dem Job auf. Was sie verbindet, ist nicht die Ausbildung, sondern der Wunsch nach unternehmerischer Freiheit und die Bereitschaft, dranzubleiben.
Wie viel kann man mit Amazon FBA verdienen?
Eine pauschale Zahl gibt es nicht. Wie viel du verdienst, hängt von Produkt, Kapitaleinsatz und deinem Wissen ab. Bei den meisten Private-Label-Sellern liegt die Marge bei 15 bis 20 % vom Umsatz. Ein Beispiel zur Einordnung: Bei 20.000 € Monatsumsatz und einer Marge von 15 bis 20 % bleiben rund 3.000 bis 4.000 € Gewinn vor Steuern.
Das ist kein garantierter Wert. Manche Produkte erreichen diesen Umsatz nie, andere übertreffen ihn deutlich. Liegt deine Marge dauerhaft bei nur 5 %, deutet das fast immer auf eine Lücke in Einkauf, Kalkulation oder Werbung hin. Wie eine vollständige Kalkulation für ein einzelnes Produkt aussieht, zeigen wir Schritt für Schritt in einem Rechenbeispiel.
Häufige Fragen: Lohnt sich Amazon FBA noch?
Ist Amazon FBA gesättigt?
Der Wettbewerb ist dichter geworden, gesättigt ist der Markt aber nicht. In fast jeder Nische gibt es Produkte mit schlechten Bewertungen und klaren Schwachstellen. Wer genau diese löst, findet weiterhin seinen Platz im Markt. Schwer wird es mit austauschbaren Produkten ohne echte Alleinstellungsmerkmale (USPs).
Kann man ein Amazon FBA Business nebenberuflich aufbauen?
Ja, und das empfehlen wir sogar. Wichtig ist, dass du vor allem in der Aufbauphase etwa eine Stunde am Tag einplanen kannst, zum Beispiel für die Produktrecherche. Im laufenden Betrieb reichen mit ein bis zwei gut laufenden Produkten meist ein bis zwei Stunden pro Woche.
Wie viel Startkapital brauche ich für Amazon FBA?
Für das erste eigene Produkt brauchst du mindestens rund 6.000 €. Viele starten mit etwa 10.000 €, um auch die erste Nachbestellung finanzieren zu können.
Was ist das größte Risiko bei Amazon FBA?
Das größte Risiko ist die Wahl des falschen Produkts, etwa in einer Nische mit zu starker Konkurrenz oder zu geringer Marge. Die Ware selbst lässt sich im schlechtesten Fall meist mit geringem Verlust abverkaufen.
Wie viel Gewinn macht man mit Amazon FBA?
Die meisten Private-Label-Seller erzielen 15 bis 20 % Marge vom Umsatz. Bei 20.000 € Monatsumsatz entspricht das rund 3.000 bis 4.000 € Gewinn vor Steuern. Garantiert ist dieser Wert nicht, er hängt von Produkt, Kapital und Wissen ab.