Lohnt sich die Allianz Privatrente InvestFlex - Tarif RF1?

Mann im Anzug betrachtet die Allianz Privatrente InvestFlex im Test.

Armin Dzubur I AD Finanz- & Vermögensplanung

Stell dir vor, du zahlst 31 Jahre lang treu jeden Monat in eine Altersvorsorge ein – und am Ende musst du fast 100 Jahre alt werden, damit sich das Ganze überhaupt rechnet. Klingt absurd? Genau das zeigt die Analyse eines echten Vertrags der Allianz Lebensversicherung im Tarif InvestFlex RF1, den wir uns im Detail angeschaut haben.

Der Fall stammt aus der Praxis: Eine Interessentin bespart seit 2021 monatlich 550 Euro in genau diese Police und wollte wissen, ob sich das für sie tatsächlich auszahlt. Wir haben den Vertrag auf drei Ebenen durchleuchtet – die Kosten der Versicherung selbst, die Kosten auf Fondebene und versteckte Nebenkosten, die viele Sparer gar nicht auf dem Schirm haben. Das Ergebnis liefert wichtige Erkenntnisse für alle, die eine ähnliche fondsgebundene Rentenversicherung besitzen oder überlegen, eine abzuschließen.

DISCLAIMER: Dieser Beitrag gibt allgemeine Informationen und Einschätzungen wieder und ersetzt keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung. Die 9% Rendite sind eine bewusst optimistische Modellannahme, keine Prognose oder Zusage. Ob und in welcher Form eine Änderung deines konkreten Vertrags sinnvoll ist, lässt sich nur anhand deiner persönlichen Police und Situation beurteilen.

Die Ausgangslage: Ein typischer Altersvorsorgevertrag

Um die Zahlen einordnen zu können, hier die Eckdaten des geprüften Vertrags: Die Interessentin ist 1987 geboren, der Vertrag läuft seit November 2021 über 31 Jahre. Angelegt wird zu 100 Prozent am Aktienmarkt über den Allianz Interglobal Fonds, also in kein Garantievermögen. Der garantierte Rentenfaktor liegt bei 20,53 Euro pro 10.000 Euro angespartem Kapital. Die monatliche Sparrate beträgt 550 Euro, und für die Beispielrechnung wurde eine realistische Aktienmarktrendite von 9 Prozent pro Jahr angenommen.

Mann in Anzug sitzt entspannt in einem modernen Raum und analysiert die Allianz Privatrente InvestFlex.

Armin Dzubur

Auf den ersten Blick eine solide Ausgangslage. Doch der Teufel steckt, wie so oft, im Kostendetail.

Kostenebene 1: Was die Versicherung direkt kostet

Auf der reinen Versicherungsebene fallen gleich mehrere Kostenblöcke an, die das Guthaben spürbar schmälern:

  • Abschluss- und Vertriebskosten: 2,5 Prozent des zukünftig eingezahlten Gesamtguthabens von rund 204.600 Euro – macht 5.115 Euro, die über die ersten sechs Jahre verteilt abgezogen werden.
  • Verwaltungskosten: Knapp 4,5 Prozent je Bruttobeitrag, was über die 31 Jahre auf etwa 9.207 Euro summiert.
  • Gammakosten: 0,6 Prozent vom wachsenden Vertragswert – schwer exakt zu beziffern, da sie sich am Aktienmarktwert orientieren, aber über die Laufzeit ebenfalls ein relevanter Posten.

Kostenebene 2: Die Kosten des Fonds Allianz Interglobal

Neben den Versicherungskosten kommen die Kosten auf Fondsebene hinzu. Aktuell liegen die laufenden Kosten bei 1,05 Prozent, abzüglich der Überschussbeteiligung effektiv bei 0,98 Prozent pro Jahr. Klingt überschaubar – ist es aber nicht, wenn man die realen Renditebelastungen mit einbezieht.

Kostenebene 3: Die sonstigen, nachteiligen Einflussfaktoren

KostenartHöhe pro JahrBedeutung
Transaktionskostenca. 0,5 %Entstehen durch aktives Kaufen und Verkaufen im Fondsmanagement
Managementfehlerca. 0,7 %Statistischer Schnitt für Fehlentscheidungen im aktiven Management
Cashlock-Falleca. 0,19 %Kapital, das nicht am Markt investiert ist und somit keine Rendite bringt
Summe zusätzliche Belastungca. 1,39 %Kommt zu den 0,98 % laufenden Kosten hinzu

Zusammengerechnet frisst allein die Fondebene also fast 2,4 Prozent Rendite pro Jahr auf – ein enormer Faktor über eine Laufzeit von drei Jahrzehnten.

Was am Ende wirklich rauskommt

Jetzt wird's konkret: Über die 31 Jahre zahlt die Interessentin insgesamt 204.600 Euro ein (550 Euro mal 12 Monate mal 31 Jahre). Bei angenommenen 9 Prozent Rendite und nach Abzug aller genannten Kosten steht am Ende ein Bruttoguthaben von etwa 465.000 Euro. Nach Steuern bei einer Einmalauszahlung bleiben rund 434.000 Euro netto übrig.

Klingt erstmal nach einem stattlichen Gewinn. Doch dann kommt die Inflation ins Spiel. Bei einer statistisch angenommenen Inflationsrate von 2 Prozent pro Jahr schrumpft die reale Kaufkraft drastisch: Unterm Strich bleiben nur noch etwa 235.000 Euro in heutiger Kaufkraft übrig.

Wer sich stattdessen für die monatliche Rentenzahlung entscheidet, bekommt brutto rund 956,11 Euro pro Monat lebenslang. Inflationsbereinigt über die Laufzeit betrachtet, entspricht das aber nur noch einer realen Kaufkraft von etwa 517 Euro monatlich.

Die entscheidende Frage: Lohnt sich die monatliche Rente überhaupt?

Hier wird es besonders spannend. Wir haben berechnet, wie lange die Interessentin die monatliche Rente inflationsbereinigt beziehen müsste, um überhaupt einen Breakeven zu erreichen – also genau die Summe herauszubekommen, die sie eingezahlt hat.

Das Ergebnis: rund 33 Jahre Rentenbezug sind nötig. Nimmt sie die Rente mit 67 in Anspruch, müsste sie also etwa 100 Jahre alt werden, damit sich der Vertrag überhaupt rentiert.

Was du aus diesem Fall lernen kannst

Dieser Vertrag ist kein Einzelfall. Viele fondsgebundene Rentenversicherungen mit ähnlicher Kostenstruktur existieren am Markt. Bevor du eine Vereinbarung wie diese abschließt oder weiterbesparst, solltest du folgende Punkte prüfen:

  1. Kosten transparent machen: Lass dir Alpha-, Beta- und Gammakosten konkret aufschlüsseln.
  2. Fondkosten hinterfragen: Frage nach Transaktionskosten, historischen Managementfehlern und Cash-Anteilen im Fonds.
  3. Inflationsbereinigt rechnen: Lass dir nicht nur Bruttowerte, sondern auch die reale Kaufkraft am Ende der Laufzeit zeigen.
  4. Breakeven berechnen: Frage konkret nach, wie alt du werden musst, damit sich eine Rentenzahlung überhaupt lohnt.
  5. Alternativen vergleichen: Prüfe, ob ein kostengünstigerer ETF-Sparplan oder eine Nettopolice bessere Ergebnisse liefern würde.

Fazit

Der Referent erklärt die Allianz Privatrente InvestFlex vor einem Flipchart.

Armin Dzubur

Die Analyse zeigt deutlich: Zwischen Bruttorendite und dem, was am Ende real bei dir ankommt, liegen Welten. Abschlusskosten, Verwaltungskosten, Fondkosten und Inflation zusammen können aus einer scheinbar attraktiven Geldanlage ein Rechenspiel machen, bei dem du außergewöhnliches Glück bei deiner Lebenserwartung brauchst, um überhaupt eine schwarze Null zu erreichen.

Wenn du selbst einen ähnlichen Vertrag besitzt, schau ihn dir mit genau diesen drei Perspektiven an: Versicherungskosten, Fondskosten und die sonstigen Einflussfaktoren, die nachteilig für dein Vermögen sind. Nur so bekommst du ein ehrliches Bild davon, ob sich dein Vorsorgevertrag wirklich lohnt oder ob eine Alternative sinnvoller wäre.

Wenn du gerade einen Vertrag bei der Allianz besparst oder bei einer anderen Gesellschaft und dich fragst: Wie sieht das eigentlich bei mir aus? Lohnt sich das Ganze überhaupt noch? Wenn du keine Lust mehr hast, im Dunkeln zu tappen und in Produkte zu investieren, die du überhaupt nicht verstehst. Wenn du langsam merkst, dass du ein Leben lang nur draufgezahlt hast. Und wenn du nie wieder das Gefühl haben willst, finanziell ausgenutzt worden zu sein. 

Dann buche dir ein kostenfreies Erstgespräch mit mir unter www.armin-dzubur.com

Was sind Alpha-, Beta- und Gammakosten bei einer Lebensversicherung?

Alphakosten sind Abschluss- und Vertriebskosten, die meist in den ersten Vertragsjahren anfallen, Verwaltungskosten (Betakosten) werden auf den laufenden Beitrag gerechnet, und Gammakosten sind Bestandskosten, die sich am wachsenden Vertragswert orientieren.

Warum schmälert Inflation die Rentenzahlung so stark?

Weil eine feste oder langsam wachsende Rentenzahlung über Jahrzehnte an Kaufkraft verliert, wenn die Preise jährlich um durchschnittlich 2 Prozent steigen – nach 30 Jahren ist die reale Kaufkraft nur noch etwa halb so hoch wie nominal.

Lohnt sich eine fondsgebundene Rentenversicherung grundsätzlich nicht?

Es kommt stark auf die individuelle Kostenstruktur, den gewählten Fonds sowie die sonstigen, nachteiligen Einflussfaktoren an. Zudem spielt die persönliche Lebenssituation eine zentrale Rolle. Entsprechend sind hier pauschale Aussagen nicht seriös und eine genaue Einzelfallprüfung immer sinnvoll.

Was kann ich tun, wenn ich einen ähnlichen Vertrag bereits besitze?

Lass den Vertrag von einem unabhängigen Berater prüfen, der dir Kosten, Renditeerwartung und Alternativen wie eine Kündigung, Beitragsfreistellung oder einen Fondswechsel transparent aufzeigt.

Ist eine Einmalauszahlung oder die monatliche Rente sinnvoller?

Das hängt von deiner Lebenserwartung, deinem Kapitalbedarf im Alter und steuerlichen Aspekten ab – die Beispielrechnung zeigt aber, dass die Rentenvariante oft eine sehr lange Lebenszeit voraussetzt, um sich zu lohnen.

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