Riester war gestern – warum das neue Altersvorsorgedepot fast alles besser macht
Altersvorsorgedepot 2027
Erinnerst du dich noch an die großen Versprechen? Riester sollte die Altersvorsorge revolutionieren. Stattdessen wurde sie kompliziert und teuer.
Jetzt steht ab 2027 das Altersvorsorgedepot in den Startlöchern – und die entscheidende Frage lautet: Was machst du mit deinem alten Riester-Vertrag? Behalten, stilllegen, wechseln oder sogar noch schnell einen neuen abschließen? Die Antwort hängt von deiner persönlichen Situation ab, aber für die meisten Menschen wird der Umstieg die bessere Wahl sein.
Was lief schief bei Riester?
Seit 2002 gibt es die staatlich geförderte Riester-Rente in allen möglichen Varianten: als Banksparplan, Fondsparplan, Rentenversicherung oder Bausparvertrag. Die Grundidee war nicht schlecht, doch das System hatte zwei gravierende Schwachstellen.
Problem Nummer eins: die Garantie. Klingt erst mal gut, oder? Alle eingezahlten Beiträge und Zulagen waren garantiert. Doch genau diese Garantie fesselte die Anbieter. Sie konnten das Geld kaum in renditestarke Anlagen wie Aktien investieren, sondern mussten konservativ bleiben. Das Ergebnis: magere Renditen, die oft kaum die Inflation ausgleichen konnten.
Problem Nummer zwei: die Kosten. Viele Verträge waren schlicht zu teuer, ohne dass den Sparern dies wirklich bewusst war. Versteckte Gebühren und hohe Abschlusskosten nagten an der Rendite.
Das neue Altersvorsorgedepot: Mehr Rendite, weniger Ballast
Ab Januar 2027 kannst du in ein Altersvorsorgedepot investieren und dabei staatliche Förderung kassieren – ähnlich wie bei Riester, aber mit entscheidenden Verbesserungen. Du kannst dein Geld in breit gestreute Welt-ETFs stecken, die langfristig deutlich höhere Renditen versprechen. Außerdem sollen die Angebote erheblich günstiger werden als viele alte Riester-Produkte.
Kurz gesagt: Du lässt dir deinen ETF-Sparplan vom Staat bezuschussen und profitierst von den Renditechancen, die du von einem normalen Wertpapierdepot kennst.
Förderung neu gedacht: So viel gibt's vom Staat
Die Förderlogik beim Altersvorsorgedepot ist einfacher und für die meisten attraktiver als bei Riester.
Grundzulage beim Altersvorsorgedepot:
- Auf die ersten 360 € im Jahr gibt's 50 % Förderung (maximal 180 €)
- Auf jeden weiteren Euro bis 1.800 € im Jahr kommen 25 % obendrauf (maximal 360 €)
- Als Single kannst du so insgesamt 540 € Grundzulage pro Jahr kassieren
Bei Riester war die Rechnung komplizierter: Du musstest 4 % deines Vorjahresbruttoeinkommens einzahlen, um die maximale Grundzulage von nur 175 € zu bekommen. Allein die Grundzulage ist beim neuen System also deutlich höher.
Kinderzulagen gibt's in beiden Systemen. Beim Altersvorsorgedepot bekommst du pro Kind bis zu 300 € extra – und zwar schon, wenn du pro Kind 300 € im Jahr einzahlst. Bei Riester war die Hürde höher, weil die 4-Prozent-Regel greifen musste.
Steuerliche Vorteile bleiben erhalten: Du kannst deine Einzahlungen plus Zulagen von der Steuer absetzen. Das Finanzamt vergleicht automatisch, was günstiger ist – Zulagen oder Steuerersparnis – und zahlt dir die Differenz aus.
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9 von 10 Verträge für die Altersvorsorge enthalten unnötig hohe Vertragskosten
Wann sich der Wechsel lohnt – und wann nicht
In den meisten Fällen ist der Umstieg aufs Altersvorsorgedepot die bessere Wahl. Aber es gibt Ausnahmen.
Singles: Fast immer ein klarer Fall
Wenn du keine Kinder hast, lohnt sich der Wechsel praktisch immer. Der Grund: höhere Renditen durch ETF-Investments und niedrigere Kosten.
Familien: Auf die Details kommt es an
Hast du Kinder und kannst dir mindestens 25 € im Monat leisten? Dann ist das Altersvorsorgedepot wahrscheinlich besser. Du kassierst die vollen Kinderzulagen und profitierst von höheren Renditechancen.
Aber: Es gibt Ausnahmefälle. Verdienst du wenig, hast mehrere Kinder und zahlst in Riester nur den Mindestbeitrag ein, kann es sinnvoll sein, den alten Vertrag weiterlaufen zu lassen – zumindest solange du noch Kindergeld bekommst. Danach solltest du wechseln.
Je mehr Guthaben, desto attraktiver der Wechsel
Liegen in deinem Riester-Vertrag bereits mehrere Tausend Euro? Dann spricht das stark für einen Wechsel. Denn dieses Geld würde im Altersvorsorgedepot mit deutlich höheren Renditen weiterarbeiten – selbst wenn du nur wenig einzahlst.
Kurz vor der Rente? Auch dann kann sich ein Umstieg lohnen
Bei Riester bekommst du eine lebenslange Rente – klingt sicher, fällt aber oft mager aus. Die Anbieter kalkulieren extrem vorsichtig und gehen davon aus, dass du steinalt wirst. Dadurch wird das Geld auf viele Jahre gestreckt.
Beim Altersvorsorgedepot kannst du einen Auszahlplan wählen, bei dem dein Geld bis mindestens 85 oder 90 ausgezahlt wird. Du bekommst monatlich meist deutlich mehr raus – und wenn du früher stirbst, geht das Restguthaben an deine Angehörigen. Bei Riester wäre es oft weg.
Wichtig: Der Auszahlplan kann schwanken, vor allem wenn du weiter in Aktien-ETFs investiert bleibst. Bist du auf jede Zahlung angewiesen, kann das problematisch werden. Brauchst du die Rente dringend als festes Einkommen, kann der alte Riester die sicherere Wahl sein.
Wohnriester: Hier erstmal abwarten
Planst du, dein Riester-Guthaben für den Kauf, Bau oder die Abzahlung einer selbstgenutzten Immobilie zu nutzen? Dann solltest du deinen alten Vertrag vorerst behalten. Beim Altersvorsorgedepot sind die Anbieter nicht verpflichtet, Wohnriester anzubieten – ob und zu welchen Konditionen es Angebote geben wird, ist noch unklar. Hier lohnt sich Geduld.
Was Paare beachten sollten
Seid ihr verheiratet oder steuerlich gemeinsam veranlagt, solltet ihr beide Verträge zusammen betrachten. Für Kinder kann immer nur einer von euch Zulagen kassieren. Es kann sinnvoll sein, dass einer ins Altersvorsorgedepot wechselt und der andere bei Riester bleibt – oder ihr nutzt die Gelegenheit, um insgesamt mehr fürs Alter zu tun.
Spannend für Selbstständige: Beim Altersvorsorgedepot sind auch Selbstständige förderberechtigt, die bei Riester außen vor waren. Hast du einen alten Riester aus angestellter Zeit stillgelegt und bist jetzt selbstständig? Dann kannst du ihn übertragen und wieder Förderung kassieren.

Thorsten Illig-Martin - Gründer timvestment
Was kostet der Wechsel?
Die gute Nachricht: Die Kosten sind überschaubar.
- Alter Anbieter: Ist dein Riester jünger als 5 Jahre, darf er bis zu 150 € Wechselgebühr verlangen. Bei älteren Verträgen fallen keine Kosten an.
- Neuer Anbieter: Darf einmalig maximal 150 € für den Übertrag nehmen – vermutlich werden viele Anbieter deutlich weniger oder gar nichts verlangen.
Wichtig: Es wird das tatsächliche Guthaben übertragen, nicht der Garantiebetrag. Liegt dein Riester gerade im Minus, wird eben dieser niedrigere Betrag übertragen. Steht er im Plus, profitierst du davon.
Fazit: Nicht überstürzen, aber auch nicht warten
Für die allermeisten Menschen wird der Wechsel ins Altersvorsorgedepot die bessere Wahl sein. Höhere Renditen, niedrigere Kosten, flexiblere Auszahlung – die Vorteile liegen auf der Hand. Nur in wenigen Ausnahmefällen – bei sehr niedrigen Einzahlungen mit mehreren Kindern oder geplanter Immobiliennutzung – kann Riester noch sinnvoll sein.
Mach den Check: Bevor du irgendwas kündigst oder überträgst, rechne deine individuelle Situation durch. Sobald die ersten Altersvorsorgedepots auf dem Markt sind, lohnt sich ein genauer Vergleich. Und wenn du bisher noch gar nichts für deine Altersvorsorge getan hast? Dann warte nicht auf 2027 – starte jetzt mit einem ganz normalen ETF-Sparplan. Deine Zukunft wird es dir danken.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist in keiner Art und Weise eine professionelle (Anlage-)Beratung und ersetzen diese auch nicht. Es handelt sich auch nicht um eine Rechts- oder Steuerberatung.
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