Warum Gründer jedem Investor schreiben, den sie finden
Gießkanne statt Zielprofil: Massenmails an Investoren verwässern die eigene Botschaft.
Viele Gründer feilen monatelang an ihren Kundenprofilen. Sie kennen die Position ihres idealen Käufers, seine größten Probleme und seinen liebsten Kanal. Dann starten sie die Kapitalbeschaffung und schreiben jeden an, bei dem Investor im LinkedIn-Profil steht.
Der Widerspruch ist gewaltig. Dieselben Gründer würden im Marketing nie mit der Gießkanne arbeiten. Bei Investoren tun sie genau das, fluten Postfächer mit Standardanschreiben und erzeugen selbst das Rauschen, unter dem sie leiden. Dieser Beitrag zeigt, was ein Idealprofil für Investoren leistet, wie sich kluges Geld von bloßem Kapital unterscheidet und warum der falsche Investor im Cap Table so schwer wieder verschwindet.
Die Zahlen sprechen für sich
Wer 50 Wagniskapitalgeber anschreibt, bekommt erfahrungsgemäß am Ende ein oder zwei Term Sheets. Der US-Investor Tenacity Venture Capital berichtete nach eigenen Angaben von 2.149 Bewerbungen im ersten Quartal 2023, finanziert wurden drei. Mehr Volumen löst dieses Problem nicht. Gründer ertrinken in ihrer eigenen Verzweiflung.

Das richtige Geld von den richtigen Leuten: Ein Investorenprofil macht die Suche gezielt.
Was fehlt, ist ein Zielprofil
Kluge Gründer bauen ein Idealprofil für Investoren, kurz IIP. Das ist ein Kundenprofil, nur für die Leute, die den Scheck ausstellen. Die naheliegenden Fragen überspringen die meisten: In welcher Finanzierungsphase steht das Unternehmen, Pre-Seed, Seed oder Series A? Welche Ticketgröße passt zur Runde? Welche Regionen passen zum Markt?
Die eigentlichen Kriterien liegen tiefer. Die Branche zählt mehr als das Ego des Gründers: Ein B2B-Softwareunternehmen, das sich bei Konsumgüter-Investoren vorstellt, verbrennt allen die Zeit. Der Grad der Beteiligung bestimmt die Beziehung: aktive Berater oder stilles Kapital? Und wie reif ein Gründer ist, zeigt sich an den Ausschlusskriterien: Welche Investoren passen von den Werten her nicht, welche haben eine fragwürdige Vergangenheit? Es geht nicht darum, wählerisch zu sein, sondern Schaden zu vermeiden.
Kluges Geld gegen dummes Geld
Hier verlieren die meisten Gründer den Faden. Alles dreht sich um die Schecksumme, der Mensch dahinter geht unter. Die besten Investorenbeziehungen tragen auf mehreren Ebenen: Kluges Geld bringt Branchenwissen mit, operative Erfahrung und ein Netzwerk, das Türen öffnet. Manche Investoren haben selbst Unternehmen im selben Markt aufgebaut. Dummes Geld überweist einfach nur.
Wenn die Verzweiflung wächst, greifen Gründer nach jedem Scheck. Die Kasse leert sich, der Runway schrumpft, und plötzlich sieht der falsche Investor attraktiv aus. Diese Entscheidung holt sie später ein.
Das Problem mit der Ehe
Den falschen Investor an Bord zu holen ist wie eine Heirat mit jemandem, den man kaum kennt. Die Probleme zeigen sich, wenn die Flitterwochen vorbei sind. Schlechte Investoren erzeugen Reibung im Beirat, drängen auf kurzfristige Entscheidungen, die der langfristigen Strategie schaden, und haben keine Kontakte in der Branche. Braucht man eine Einführung zu einem Kunden oder Partner, kommt nichts.
Einen Investor wieder loszuwerden gleicht einer hässlichen Scheidung. Die rechtlichen Fragen häufen sich, die Beteiligungen sind verknotet, und die nächste Finanzierungsrunde wird schwerer, weil neue Investoren das Chaos im Cap Table sehen. Der Vergleich mit der Ehe ist nicht dramatisch. Er ist präzise.
So entsteht eine Zielliste
Die Lösung beginnt mit einer ehrlichen Selbsteinschätzung: Wie soll das Unternehmen wachsen, und wofür steht es? Darauf baut das Investorenprofil. Die Recherche wird dadurch gezielt statt beliebig. LinkedIn, Crunchbase und AngelList zeigen, worin ein Investor bereits investiert hat und wonach er sucht. Entscheidend ist, ob die Muster passen, nicht ob der Name groß ist.
Das Ziel ist nicht, schneller an Geld zu kommen. Das Ziel ist das richtige Geld von den richtigen Leuten, die genau diesen Weg beschleunigen. Gründer, die so vorgehen, verbringen weniger Zeit mit Kapitalbeschaffung und mehr Zeit mit dem Aufbau. Vor allem legen sie den Grundstein für eine Partnerschaft, die trägt, statt für eine kurze Erleichterung auf dem Konto. Kunden verdienen eine gezielte Ansprache. Investoren auch. Wer die eigene Investorenliste schärfen und die passenden Kapitalpartner identifizieren will, kann das in einem kostenlosen Erstgespräch mit Roemer Capital durchgehen.