Amazon Produktrecherche: Wie du aus 100 Ideen das richtige Produkt findest

Amazon Produktrecherche: Ein lächelnder Mann im weißen Pullover zeigt neben der Überschrift nach oben.

Jannik Eilts, Co-Founder von Seller Matrix und seit über 6 Jahren Amazon-Seller.

Viele, die mit Amazon FBA starten, suchen nach der einen genialen Produktidee: nach dem Produkt, das noch niemand verkauft, und der Marktlücke, die noch keiner besetzt. In der Praxis läuft es genau andersherum: Hinter fast jedem erfolgreichen Amazon-Produkt stehen Dutzende geprüfte und wieder verworfene Ideen. Erfolg entsteht nicht durch einen Geistesblitz, sondern durch einen sauberen Vergleich.

In diesem Artikel zeigen wir dir, nach welchen Kriterien du Produkte bewertest, wie die Produktrecherche in vier Phasen abläuft, welche Zahlen über eine Idee entscheiden und welche Fehler dich am meisten Zeit und Geld kosten. Falls dir das Geschäftsmodell selbst noch neu ist, lies vorher unseren Einsteiger-Artikel „Was ist Amazon FBA?“.

Was macht ein gutes Amazon-Produkt aus?

Ein gutes Amazon-Produkt erkennst du nicht an einer originellen Idee, sondern an einem unausgewogenen Markt: Die Nachfrage ist hoch, das bestehende Angebot aber schwach. Kunden suchen häufig nach dem Produkt, finden jedoch nur Angebote mit mittelmäßigen Bildern, durchwachsenen Bewertungen, fehlenden Funktionen oder einem schlechten Preis-Leistungs-Verhältnis. Genau in solchen Märkten kannst du mit einem besseren Produkt Marktanteile gewinnen.

Ein Mann erklärt einer Gruppe am Whiteboard die Amazon Produktrecherche.

Jannik Eilts im Workshop mit Sellern aus der Seller-Matrix-Community.

Vor einigen Jahren war das noch einfacher. Viele Nischen waren kaum besetzt, und ein Produkt vom Hersteller mit eigenem Logo reichte oft aus. Heute ist der Wettbewerb dichter, gleichzeitig ist der Markt aber auch deutlich größer geworden. Gute Produkte gibt es weiterhin, du findest sie nur nicht mehr zufällig, sondern mit System. Das perfekte Produkt, das alle Kriterien erfüllt, gibt es dabei nicht. Die Entscheidung ergibt sich immer aus dem Vergleich vieler Nischen.

Wie läuft die Produktrecherche in vier Phasen ab?

Unser Produktrecherche-System bei Seller Matrix funktioniert wie ein Trichter: Oben kommen viele Ideen hinein, in jeder Phase fallen einige heraus, und am Ende bleiben ein bis zwei Produkte übrig, die du wirklich umsetzt.

  1. Ideen sammeln: Zuerst füllst du deinen Trichter. Ziel sind 50 bis 100 Produktideen, die du in einer einfachen Liste festhältst. In dieser Phase geht es um Masse. Aussortiert wird erst im nächsten Schritt.
  2. Voranalyse: Jetzt prüfst du jede Idee rein datenbasiert. Wie hoch sind Nachfrage und Umsatz im Markt, wie saisonal ist das Produkt? Erfüllt eine Idee ein Ausschlusskriterium, fliegt sie sofort raus.
  3. Tiefenanalyse: Die verbleibenden Ideen schaust du dir im Detail an. Du analysierst die stärksten Wettbewerber, liest ihre Bewertungen und überlegst, wie du das Produkt verbessern und positionieren kannst. Von etwa 20 Ideen bleiben hier meist drei bis fünf übrig.
  4. Konkretisierung: Für die verbleibenden Produkte kontaktierst du Hersteller, prüfst, ob sich deine Verbesserungen umsetzen lassen, bestellst Samples und kalkulierst die Marge auf den Cent genau. So triffst du am Ende eine Entscheidung, die auf Zahlen basiert.
Der Produktrecherche-Trichter zeigt, wie 100 Ideen in vier Phasen auf ein bis zwei Produkte reduziert werden.

Der Produktrecherche-Trichter: Aus rund 100 Ideen bleiben ein bis zwei Produkte.

Dass so viele Ideen herausfallen, ist kein Zeichen für schlechte Arbeit, sondern Teil des Systems. Auch unsere Kunden verwerfen rund 80 % aller Produktideen, bevor eine Bestellung beim Hersteller rausgeht.

Welche Zahlen entscheiden über eine Produktidee?

In der Voranalyse schaust du vor allem auf diese Kennzahlen:

  • Suchvolumen: Wie oft suchen Kunden im Monat nach dem wichtigsten Begriff der Nische?
  • Umsatz im Markt: Wie viel setzen die Produkte auf der ersten Suchergebnisseite zusammen um?
  • Saisonalität: Verkauft sich das Produkt das ganze Jahr oder nur in wenigen Monaten?
  • Trend: Wächst die Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr oder sinkt sie?
  • Bewertungen der Konkurrenz: Wie viele Bewertungen haben die Top-Produkte, und wie gut fallen sie aus?

Wie wichtig der Blick auf mehrere Zahlen ist, zeigt ein Vergleich zweier Ideen aus der Praxis. Ein Ameisenköder hat ein sehr hohes Suchvolumen und wirkt auf den ersten Blick attraktiv. Die Nachfrage konzentriert sich aber fast vollständig auf wenige Monate im Jahr, und der Gesamtumsatz im Markt ist gering. Die Idee fliegt raus. Ein Zehenspreizer dagegen kommt auf rund 19.000 Suchanfragen im Monat und einen Marktumsatz von etwa 330.000 €, ist kaum saisonal und wächst im Jahresvergleich. Er geht in die nächste Phase.

Amazon Produktrecherche: Vergleich von Ameisenköder und Zehenspreizer anhand von Suchvolumen, Saisonalität und Marktumsatz.

Zwei Produktideen im Vergleich: Warum hohes Suchvolumen allein nicht reicht.

Wie findest du überhaupt Produktideen?

Für das Sammeln von Ideen gibt es viele Wege. Grundsätzlich unterscheiden wir zwei Arten von Methoden:

  • Auf Amazon: Du durchsuchst Kategorien, Bestseller-Listen oder die Neuerscheinungen. Steht ein neues Produkt dort weit oben, ist häufig Nachfrage im Markt. Hilfreich sind außerdem der Bestseller-Rang und der Hinweis unter vielen Produkttiteln, wie oft ein Artikel im letzten Monat gekauft wurde.
  • Außerhalb von Amazon: Ideen findest du auch im Alltag, im Supermarkt, in anderen Onlineshops oder auf Social Media. Jedes Produkt, das dir auffällt, kannst du anschließend auf Amazon prüfen.

Welche Methode du wählst, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass jede Idee anschließend denselben Analyseweg durchläuft, damit du deine Ideen fair vergleichen kannst. Bleib außerdem einige Tage bei einer Methode, bevor du wechselst. Für die eigentliche Analyse sind Tools wie Helium 10 oder DataDive allerdings unverzichtbar. Nur sie liefern dir verlässliche Zahlen zu Suchvolumen, Umsatz und Saisonalität.

Wie lange dauert die Produktrecherche?

Wie lange die Produktrecherche dauert, hängt vor allem davon ab, wie viel Zeit du investieren kannst. Mit einer festen Stunde am Tag solltest du etwa ein bis zwei Monate einplanen. Das klingt nach viel, ist aber gut investierte Zeit: Kein anderer Schritt hat so viel Einfluss darauf, ob dein Amazon-Business erfolgreich wird. Die Recherche ist dabei kein einmaliger Kraftakt, sondern eine Routine. Kurze, feste Einheiten jeden Tag bringen deutlich mehr als ein ganzes Wochenende im Monat, denn mit jeder geprüften Idee wächst dein Gespür dafür, welche Märkte funktionieren.

Wie sich die Recherche neben einem Vollzeitjob organisieren lässt, zeigen wir in unserem Artikel „Amazon FBA nebenberuflich“.

Welche Fehler solltest du bei der Produktrecherche vermeiden?

Diese Fehler sehen wir bei Einsteigern am häufigsten:

  • Etwas komplett Neues erfinden wollen: Für völlig neue Produkte gibt es oft noch keine Nachfrage. Besser ist es, ein gefragtes Produkt deutlich besser zu machen.
  • Nur nach persönlichem Interesse auswählen: Ein Produkt aus deinem Hobby fühlt sich gut an, ist aber nicht automatisch ein guter Markt.
  • Nur eine Idee tief analysieren: Wer sich zu früh auf ein Produkt festlegt, hat keinen Vergleich und übersieht bessere Chancen.
  • Ständig die Methode wechseln: Wer jeden Tag etwas Neues ausprobiert, sammelt keine Erfahrung.
  • Ohne saubere Kalkulation bestellen: Werbung und Retouren werden besonders oft vergessen und fressen später die Marge.
  • Beim ersten Produkt zu viel riskieren: Ideen, deren Erfolg reine Glückssache ist, hebst du dir besser für später auf.

Wie du die Marge für ein Produkt Position für Position durchrechnest, zeigen wir in unserem Artikel zu den Kosten von Amazon FBA.

Häufige Fragen zur Amazon Produktrecherche

Wie finde ich ein gutes Produkt für Amazon FBA?

Gesucht sind Märkte mit hoher Nachfrage und schwachem Angebot, etwa mit schlechten Bewertungen oder Bildern. Sammle dafür 50 bis 100 Ideen und prüfe sie nacheinander mit denselben Kriterien. Am Ende bleiben meist nur ein bis zwei Produkte übrig, die sich wirklich lohnen.

Kann man Produktrecherche ohne Helium 10 machen?

Für die Ideensuche ja: Bestseller-Rang, Neuerscheinungen und der Hinweis, wie oft ein Produkt im letzten Monat gekauft wurde, liefern erste Anhaltspunkte. Für die eigentliche Analyse reicht das aber nicht. Ohne ein Tool wie Helium 10 oder DataDive fehlen dir verlässliche Zahlen zu Suchvolumen, Marktumsatz und Saisonalität, und genau auf diese Zahlen kommt es bei der Entscheidung an.

Wie viele Produktideen sollte ich prüfen?

Plane mindestens 50 bis 100 Ideen ein. Die meisten fallen schon in der Voranalyse heraus. Je mehr Ideen du vergleichst, desto besser erkennst du, welche Märkte wirklich attraktiv sind.

Wie lange dauert die Produktrecherche für Amazon FBA?

Das hängt davon ab, wie viel Zeit du investieren kannst. Mit etwa einer Stunde am Tag solltest du ein bis zwei Monate einplanen. Am besten arbeitest du in kurzen, festen Einheiten jeden Tag, statt die Recherche auf wenige lange Tage zu verteilen.

Was sind Ausschlusskriterien bei der Produktrecherche?

Typische Ausschlusskriterien sind eine starke Saisonalität, ein zu geringer Umsatz im Markt, sinkende Nachfrage oder eine Konkurrenz, gegen die du ohne echten Vorteil kaum ankommst. Erfüllt eine Idee ein solches Kriterium, solltest du sie direkt verwerfen.

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